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Hodenkrebs selbst erkennen: Anfassen, bitte!

Vier Profifußballer machten vor kurzem ihre Hodenkrebserkrankung öffentlich. Heute sind sie wieder gesund. Wird der Hodenkrebs früh erkannt, liegt die Überlebensrate bei 96 Prozent. Wichtig ist die Selbstuntersuchung.

Häufigste Krebserkrankung bei jungen Männern

Ein Tabuthema sollte es längst nicht mehr sein: Hodenkrebs. Dazu tragen auch prominente Männer bei, die offen darüber berichten, an Hodenkrebs erkrankt zu sein, der häufigsten Tumorerkrankung unter jungen Männern. Die ihre Krankheitsgeschichte erzählen, ihre Ängste schildern, ihre Therapien beschreiben und auch das Leben nach der Gesundung – wie vier Fußballer.

Die Hoden, zwei etwa pflaumengroße Organe, liegen im Hodensack. Ihre Hauptfunktion ist die Produktion von Hormonen und Spermien. Sie sind also wichtig für die Fortpflanzung, nicht jedoch für das Überleben des Mannes. Warum genau Hodenkrebs entsteht, ist bis heute nicht abschließend geklärt.

Wer ein höheres Risiko hat

Doch es gibt einige Risikofaktoren, die ein Auftreten dieser Erkrankung begünstigen können. Dazu gehört der sogenannte Hodenhochstand, bei dem die Hoden nicht wie vorgesehen während der kindlichen Entwicklung im Mutterleib in den Hodensack gewandert sind. Sie befinden sich dann zum Beispiel im Bauchraum, in der Leiste oder pendeln als Gleithoden hin und her. Auch eine erbliche Komponente scheint gegeben: Söhne oder Brüder von Betroffenen haben ein erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Ein weiterer Risikofaktor ist eine bereits überwundene Hodenkrebserkrankung. Dieser Personenkreis ist stärker gefährdet, ein weiteres Mal einen Hodentumor zu entwickeln.

Selbst abtasten – so geht es

Um eine Hodenkrebserkrankung frühzeitig zu entdecken und anschließend behandeln zu lassen, ist eine regelmäßige Selbstuntersuchung zunächst die beste Vorsorge. Man sollte sie etwa einmal im Monat durchführen. Im Stehen unter der Dusche oder nach einem warmen Bad ist die Haut des Hodensacks entspannt, die Hoden sind gut tastbar. Hoden und Hodensack werden in der geöffneten Hand von unten betastet, anschließend sollten die Hoden einzeln zwischen Daumen und Zeigefinger hin- und hergerollt werden. Auch die Nebenhoden, die wie eine Mütze oben seitlich auf den einzelnen Hoden aufliegen, sollten dabei berücksichtigt werden. Fallen Unebenheiten und Knoten auf, eine schmerzlose Schwellung, ein Schweregefühl oder ein Ziehen an den Hoden, dann ist das unbedingt ernst zu nehmen. Ein Untersuchungstermin bei einer Urologin oder einem Urologen sollte zügig erfolgen.

Chefarzt im Interview

Professor Dr. Jonas Busch, Chefarzt in der Klinik für Urologie im Vivantes Klinikum Am Urban sowie in der Klinik für Urologie und Kinderurologie im Vivantes Klinikum im Friedrichshain. Der Experte beantwortet drei Fragen zur Behandlung und zu den Perspektiven bei Hodenkrebs.

Herr Professor Busch, was erwartet einen Patienten, wenn er mit Auffälligkeiten an den Hoden zu Ihnen kommt? Welche ersten Schritte leiten Sie ein?

Professor Dr. Jonas Busch: Zunächst einmal erfolgt eine sorgfältige Untersuchung bei einem Facharzt oder einer Fachärztin für Urologie. Diese Untersuchung beinhaltet sowohl das Abtasten als auch eine Ultraschalluntersuchung der Hoden sowie eine Blutabnahme zur Kontrolle von sogenannten Hodentumormarkern. Bei Verdacht auf einen Hodentumor erfolgt dann eine Operation.

Im Falle einer Operation – wie geht es danach weiter?

Danach erfolgt noch eine Computertomografie/Magnetresonanztherapie (CT/ MRT, die Red.) zum Ausschluss von Absiedlungen, Metastasen, sofern diese nicht bereits vor der OP erfolgt ist. Beim Nachweis von Metastasen würde sich noch eine Chemotherapie anschließen. Patienten mit einer metastasierten Hodentumorerkrankung haben trotzdem sehr gute Heilungschancen, weil die Chemotherapie so gut wirkt.

Müssen operierte Männer mit Impotenz oder Unfruchtbarkeit rechnen?

Wir empfehlen, immer eine Kryokonservierung – das Einfrieren von Körperzellen in flüssigem Stickstoff – vor einer OP oder spätestens vor einer Chemotherapie durchzuführen: Bei einer etwaigen Unfruchtbarkeit kann man auf diese eingefrorenen Spermien im Rahmen einer künstlichen Befruchtung zurückgreifen. Viele Männer sind jedoch auch mit nur einem Hoden fruchtbar. Auf die Erektionsfähigkeit an sich hat eine Hodentumor-Operation normalerweise erst einmal keinen direkten Einfluss.

Bei Verdacht auf einen Hodentumor erfolgt eine Operation. Beim Nachweis von Metastasen würde sich noch eine Chemotherapie anschließen. Patienten mit einer metastasierten Hodentumorerkrankung haben trotzdem sehr gute Heilungschancen.

Chefarzt für Urologie im Vivantes Klinikum Am Urban und für Urologie und Kinderurlologie im Vivantes Klinikum im FriedrichshainProf. Dr. Jonas Busch

Fakten zu Hodenkrebs

Hodenkrebs stellt die häufigste Krebserkrankung junger Männer dar. In Deutschland werden mehr als 4.500 Neuerkrankungen jährlich gezählt.

Am häufigsten betroffen sind Männer zwischen dem 25. und 45. Lebensjahr. Eine Früherkennungsuntersuchung im Rahmen des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms gibt es in Deutschland nicht.

Deshalb: Handeln Sie eigenverantwortlich und untersuchen Sie Ihre Hoden selbst! Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) empfiehlt allen Jungen und Männern zwischen 14 und 45 Jahren die regelmäßige Selbstuntersuchung. Unter hodencheck.de wird im Detail gezeigt, wie man es macht. Ein origineller Videoclip mit dem Titel „Entscheidendes Handspiel“ ist darüber hinaus auf Youtube abrufbar.

Weltkrebstag am 4. Februar 2024

Zahlen, Daten & Fakten zu Krebs in Deutschland

510.000 erkranken jährlich an Krebs

19 % aller Krebserkrankungen sind auf das Rauchen zurückzuführen

ca. 40 % aller Erkrankungen könnten vermieden werden

4 Mio. Menschen leben mit der Erkrankung