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15.02.2017

Erste erfolgreiche Transplantation protektiver Dünndarm-Schleimhaut in die menschliche Speiseröhre

Am Vivantes Klinikum im Friedrichshain ist es einem interdisziplinären OP-Team unter Leitung von Prof. Dr. Jürgen Hochberger und Prof. Dr. Martin Loss erstmals gelungen, erfolgreich patienteneigene Dünndarmschleimhaut in die Speiseröhre zu transplantieren. Für Patienten mit Frühkarzinomen der Speiseröhre und mit narbigen Veränderungen könnte das Verfahren neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen.

Nach gelungener Schleimhauttransplantation in die Speiseröhre: Patient isst mit seinen Ärzten Prof. Dr. Jürgen Hochberger (links) und Prof. Dr. Martin Loss (rechts) Kuchen

Bei einem Patienten war nach komplexer Entfernung eines Schleimhautkarzinoms der oberen Speiseröhre 2015 eine übermäßig starke Narbenbildung aufgetreten. Die Nahrungsaufnahme war dadurch schwerwiegend beeinträchtigt, obwohl alle bis dahin zur Verfügung stehenden Behandlungsverfahren ausgeschöpft worden waren. Nach experimentellen Vorarbeiten in Kooperation mit der Medizinischen Hochschule Hannover, dem Südklinikum Rostock und dem Friedrich-Löffler-Forschungsinstitut Mariensee entschieden sich die Mediziner bei diesem Patienten im Dezember 2016 zu einem innovativen Ansatz: Die transplantierte Schleimhaut dient jetzt als Schutz für die ehemalige Wundfläche.

Prof. Dr. Jürgen Hochberger, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Gastrointestinale und des Interventionellen Endoskopie-Zentrums im Klinikum im Friedrichshain: "Wir haben bei der OP erstmals ein neuartiges Verfahren und Vorgehen angewendet. Dabei wurde das Narbengewebe zunächst abgetragen, die darunter liegende Muskelschicht durch zwei Polyurethan-Vakuum-Schwämme unter Sog über mehrere Tage vorbereitet. In einem zweiten Eingriff wurde das Transplantat, also die Dünndarmschleimhaut, entnommen und speziell präpariert. Anschließend wurde diese endoskopisch in die Speiseröhre eingebracht und dort mit einem Stent fixiert. Dass diese Art der Transplantation erstmals erfolgreich gelungen ist, freut uns natürlich sehr!"

Zum Erfolg führte letztlich die gebündelte Kompetenz von Forschungseinrichtungen und den Kliniken des Klinikums im Friedrichshain: Beteiligt waren neben der Klinik für Gastroenterologie auch Prof. Dr. Martin Loss, Chefarzt für Viszeralchirurgie und Dr. Susann Kopp, Chefärztin für Plastische Chirurgie. Da die Operation bereits Anfang Dezember 2016 durchgeführt wurde, konnte inzwischen histo-pathologisch bestätigt werden, dass die Dünndarmschleimhaut in der Speiseröhre angewachsen ist und die Transplantatinsel sich ausgebreitet hat.

Auch der Patient zeigt sich erleichtert: "Das Wichtigste ist, wieder normal im Kreise von Familie, Freunden und Kollegen essen zu können, sonst ist man sozial doch etwas isoliert. Zu meinem Geburtstag habe ich mir eine Schwarzwälder Kirschtorte gegönnt. Herrlich!"

Infos zu den Kliniken

Der Schwerpunkt der Klinik für Gastroenterologie liegt in der Diagnostik und Behandlung von Speiseröhren-, Magen-, Leber-, Bauchspeicheldrüsen- und Darmerkrankungen. Im hochmodern ausgerüsteten Interventionellen Endoskopiezentrum im Vivantes Klinikum im Friedrichshain werden jährlich mehr als 6.000 Untersuchungen durchgeführt. Zusätzlich zu allen gängigen Endoskopie- und Sonographieverfahren werden mit höchster Expertise routinemässig Therapien durchgeführt, die nur an wenigen spezialisierten Zentren in Deutschland angeboten werden. Die Verfahren der interventionelle Endoskopie können vielen Patienten einen belastenderen Eingriff ersparen.

In der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im Klinikum im Friedrichshain werden Operationen an den inneren (viszeralen) Organen durch. Dies sind neben der Speiseröhre die Organe im Bauchraum sowie die endokrinen Organe wie die Schilddrüse oder Nebenschilddrüsen. Überwiegend wird bei den Operationen die minimalinvasive videoendoskopische Technik angewandt. Ein besonderer Schwerpunkt der Klinik liegt in der Onkologischen Chirurgie.

Das erste zertifizierte Zentrum für Wundmedizin im Vivantes Klinikum im Friedrichshain führt fachübergreifend alle Experten der Wundbehandlung zusammen und verbindet dabei netzwerkartig stationäre und ambulante Strukturen, um eine lückenlose Versorgung des Betroffenen zu gewährleisten. Es ist in seiner Organisationsstruktur bundesweit das erste seiner Art.


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