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Reisemedizin

"Unvorbereitetes Wegeilen bringt unglückliche Wiederkehr" – das wusste bereits Goethe.
Ein paar einfache Regeln helfen, unangenehmen Nebenwirkungen einer Reise wirksam vorzubeugen.

Pro Jahr verbringen mehr als vier Millionen Deutsche ihren Urlaub in fernen Ländern außerhalb Mitteleuropas. Neben den Risiken der Reise selbst birgt auch der Aufenthalt in außereuropäischen Ländern einige gesundheitsgefährdende Aspekte, denen teilweise vorgebeugt werden kann. Aber auch das richtige Verhalten im Krankheitsfall kann einige Unannehmlichkeiten verhindern.

Vor der Reise

Bin ich ausreichend geimpft? Diese Frage kann der Hausarzt anhand des Impfausweises beantworten. Zum Einen gibt es allgemeine Impfungen, die jeder Mensch in Deutschland regelmäßig auffrischen lassen sollte. Das sind Kinderlähmung, Wundstarrkrampf (Tetanus), Diphterie und inzwischen auch wieder Keuchhusten.

Zum Anderen gibt es weitere Impfungen, die je nach Reiseland empfehlenswert oder sogar vorgeschrieben sind. Zumindest die Grundimmunisierung ist unbedingt zu empfehlen. Weitere Impfungen sind wiederum von den Umständen der Reise sinnvoll – Strandurlaub und Hotel oder Rucksackreise durch den Urwald. Auf alle Fälle sollte man spätestens zwei Monate vor Reiseantritt informiert sein und mit dem Impfen beginnen, denn viele Impfungen brauchen Zeit, um eine Wirksamkeit aufbauen zu können.

Es gibt auch die Möglichkeit, Medikamente mit auf die Reise zu nehmen, damit im Erkrankungsfall behandelt werden kann. Dies sollte aber die Ausnahme darstellen.

Während der Reise

Durch zu langes Sitzen kann es zu Blutgerinnseln in den Blutgefäßen der Beine kommen (Beinvenenthrombose). Sehen Sie sich dazu auch unsere Flug-Tipps an.
Vorbeugend hilft:

  • immer wieder etwas Bewegung oder zumindest Fuß- und Beingymnastik
  • viel trinken
  • das Tragen von sehr engen Stützstrümpfen
  • in einzelnen Fällen die Einnahme von Medikamenten (Heparinspritzen)

Im Urlaubsland

Je nach Gebiet und Reisekonzept können unterschiedlichste Risiken bestehen. Ein Strandurlaub ist etwas anderes als eine Trekkingtour durch den Dschungel oder Grönland. Grundsätzlich kann man sich passiv schützen oder Risiken vermeiden.

Passiv

Sonnenschutz/Hitzeschutz ist nicht nur für Menschen mit Herz- und Kreislauferkrankungen sinnvoll. Extreme Wechsel der Temperatur z. B. durch Klimaanlagen können sehr belastend sein. Viele Infektionskrankheiten werden von Insekten übertragen. Meist sind es Mücken oder Zecken, die mit ihrem Stich die Krankheitserreger verbreiten. Hier helfen sogenannte Repellants (insektenabweisende Sprays oder Cremes) oder auch Kleidung. Am besten wirkt beides zusammen: Einschmieren, lange Hosen und langarmige Oberkleider. Zusätzlich kann man nachts mit Mückennetzen vorbeugen. Oft gibt es besonders riskante Tageszeiten für Stechmückenaktivitäten, die man bei der Planung gegebenenfalls berücksichtigen kann.

Risikovermeidung

Gegen Durchfallerkrankungen hilft der Grundsatz „Schäle es, koch es oder lass es“. Es ist nicht (immer) sichtbarer Dreck oder fehlende Hygiene. Eine Veränderung der Stuhlgewohnheit im Sinne von Durchfall oder weichem Stuhlgang wird sehr häufig durch ungewohnte Nahrungsmittel hervorgerufen und ist an sich nicht gefährlich, kann aber den Urlaub vermiesen. Auch in Getränken mit Eiswürfeln können Gefahren lauern. Nicht alle geschlossenen Flaschen haben die Flüssigkeit in sich, die außen draufsteht.

Jeder muss selbst entscheiden, welche Risiken er eingeht. Je nach Reiseland sind Krankheiten unterschiedlich weit verbreitet. Auch hier gehört die Information vor Antritt der Reise unbedingt dazu:

  • Gibt es gehäuft sexuell übertragbare Erkrankungen (HIV, Hepatitis B/C und Syphilis)? Hier sind Kondome sinnvoll.
  • Gibt es Malaria und Dengue-Fieber? Ein Mückenschutz hilft.
  • Ist es ein Cholera-Gebiet? Nur Trinkwasser aus sicherer Quelle.
  • Gibt es Tollwut? Vorsicht bei Kontakt mit Tieren.

Dies sind nur einige Fragen, die geklärt und bewusst sein sollten.

Wenn man krank wird, sollte man sich spätestens nach zwei Tagen in ärztliche Behandlung begeben. Dies gilt bei Fieber, blutigen Durchfällen, Hautausschlägen, Gelbfärbung der Bindehaut, der Augen oder der Haut oder bei schwerem Krankheitsgefühl. "Stand-by-Medikation", also Medikamente, die vorausschauend mitgenommen wurden, sollten jetzt eingesetzt werden - vorausgesetzt, die erwarteten Symptome treffen zu.

Nach der Reise

Es gibt eine Reihe von Infektionskrankheiten, die erst nach Tagen, Wochen, Monaten, teilweise sogar nach Jahren zu Symptomen führen:

  • Eine Malaria Quartana – auch Sumpffieber oder Wechselfieber genannt – kann Wochen später auftreten.
  • Eine Hepatitis A kann bis zu 50 Tage nach Infektion symptomatisch werden.
  • Leishmanien werden unter Umständen erst nach mehreren Monaten diagnostiziert.

Hier gilt: Im Krankheitsfall beim Arztbesuch die Reise erwähnen, damit entsprechende Untersuchungen eingeleitet werden können.


Weiterführende Links

Ambulante Sprechstunde für Reisemedizin

Klinik für Innere Medizin - Infektiologie
Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum

Dienstag und Donnerstag 17.00 Uhr
nach telefonischer Anmeldung
Tel. (030) 130 20 2321

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