
Vivantes Klinikum Neukölln
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Die Gonorrhö ist eine bakterielle, durch Neisseria gonorrhoeae hervorgerufene Infektionskrankheit. Sie tritt vorwiegend an den Schleimhäuten des Urogenitaltrakts, des Analkanals, des Rachens und der Konjunktiven auf. Aufsteigende Infektionen können zu Sterilität und hämatogene Ausbreitung zu einer disseminierten Gonokokkeninfektion führen. (Synonyme: Tripper, Blennorrhö)
Mit weltweit 25 Millionen Erkrankungsfällen pro Jahr stellt die Gonorrhö heute die vierthäufigste sexuell übertragbare Erkrankung dar. Der Mensch ist der einzige Wirt von Neisseria gonorrhoeae. Die Übertragung erfolgt ausschließlich durch direkten Schleimhautkontakt, beim Geschlechtsverkehr oder beim Geburtsvorgang. Die Inkubationszeit beträgt 1–14 Tage. Eine gesetzliche Meldepflicht für die Erkrankung besteht nicht.
Die Diagnose einer Gonorrhö erfolgt durch den Erregernachweis im mikroskopischen Präparat und in der Kultur oder mittels NAATs. Bei Frauen wird der Abstrich urethral und endozervikal entnommen. Durch zusätzliche anale und pharyngeale Abstriche kann die Nachweisrate erhöht werden. Bei Männern wird der Abstrich urethral entnommen. Vor dem Urethralabstrich sollte der Patient mindestens 4h nicht uriniert haben. Ggf. empfiehlt sich die Abnahme analer und pharyngealer Abstriche. Zurzeit stehen keine serologischen Methoden zur Routinediagnostik einer unkomplizierten Gonorrhö zur Verfügung.
Die steigende Antibiotika-Resistenz bei N. gonorrhoeae Stämmen muss als globales Problem betrachtet werden. Ausgehend vom Südostasiatischen Raum (WHO West Pacific Region) ist eine weltweite Verbreitung der Resistenzen nachweisbar. Ein Antibiotikum sollte dann nicht mehr eingesetzt werden, wenn > 5% der Isolate in einer bestimmten Gruppe oder Region resistent sind.
In Deutschland ist die Resistenzsituation zur Zeit relativ stabil, muss aber in Anbetracht der neuen, globalen Resistenzentwicklungen, vor allem bezüglich der aktuell empfohlenen Cephalosporine, gut beobachtet werden.
Penicillin
Seit den 1970er Jahren kam es zu einem weltweiten Auftreten einer Plasmid-vermittelten High Level Penicillin Resistenz (Penicillinase-producing N. gonorrhoeae, PPNG). Die Anzahl der PPNG in Europa ist seit Mitte 2000 mit ca. 13% stabil. Im Rahmen des EURO-GASP-Projektes zeigten sich für Deutschland 2009 und 2010 nur ca. 7% aller Stämme resistent.
Im ersten Halbjahr 2011 waren ca. zwei Drittel aller Isolate in unserer Sammlung resistent.
Tetracycline
Seit den 1980er Jahren ist eine plasmidvermittelte Tetracyclin-Resistenz bekannt. Gegen Tetracyclin, das oft als Therapeutikum bei begleitender Chlamydieninfektionen eingesetzt wird, zeigten in Deutschland im ersten Halbjahr 2011 ein Drittel aller Gonokokken-Stämme Resistenzen.
Makrolide
Gegenüber dem Makrolid Azithromycin ist eine chromosomale High Level Resistenz beobachtet worden. In den letzten Jahren kann in Europa von 13% Azithromycin-resistenten Stämmen ausgegangen werden. In Deutschland war die Situation bis 2010 günstiger (ca. 3%).
In der Halbjahresauswertung 2011 konnten wir aber bei einem Drittel aller Isolate eine Azithromycinresistenz nachweisen. Eine weitere Beobachtung erfolgt.
Chinolone
Ciprofloxacin ist seit Mitte 2000 nicht mehr als empirische first-line Therapie einzustufen. 2009/10 ließen sich in Europa 63% resistente Stämme nachweisen. In Deutschland lag die Nachweisrate bei 73% resistenter Stämme. Im ersten Halbjahr 2011 zeigte sich ein Rückgang auf 30 %. Diese Entwicklung bleibt weiter zu beobachten.
Cephalosporine
Ein beunruhigender Trend lässt sich für die derzeit empfohlenen Cephalosporine der 3. Generation (Cefixim, Ceftriaxon) beobachten. Eine deutlich reduzierte Empfindlichkeit der isolierten Gonokokken findet sich in Südostasien, aber auch in einigen EU-Ländern, vor allem gegen das oral einsetzbare Cefixim. Einzelfallberichte über Therapieversagen bei Multiresistenz liegen vor (Japan, Österreich).
In Deutschland zeigte sich bisher eine sehr gute Wirksamkeit der Cephalosporine der 3.Generation. In diesem Jahr konnten wir nur vereinzelt das Auftreten verminderter Empfindlichkeit beobachten.
Aufgrund des Fallberichts aus Österreich ist jedoch davon auszugehen, dass dieser multiresistente Stamm in Einzelfällen auch in Deutschland vorkommt.
Urogenitale, pharyngeale und rektale Gonorrhö sowie in der Schwangerschaft
oder bei gesicherter Penicillinallergie
Gonorrhö bei Kindern
Neugeborene
Erwachsene
Disseminierte Gonokokkeninfektion