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E-Zigarette – Ausweg oder Sackgasse?

Dr. Katrin Vitzthum, Psychologin und Expertin für Rauchprävention über die Risiken der E-Zigarette

Es beginnen zwar weniger Jugendliche zu rauchen, dafür probieren viele Jugendliche und Raucher alternative Produkte wie die E-Zigarette, Tabakerhitzer oder Shisha. Wie ist das zu erklären?

Das Gesundheitsbewusstsein hat in der Bevölkerung im Laufe der letzten Jahre zugenommen. Rauchen ist nicht mehr „angesagt“, Studien zeigten schon vor gut zwanzig Jahren, dass 80 Prozent der Raucher*innen in Europa aufhören wollen oder sich wünschen, nie angefangen zu haben. Aber nur 17 Prozent probieren in Deutschland jährlich tatsächlich aufzuhören. Gleichzeitig wird von Tabakkonzernen vermittelt, dass z.B. die E-Zigarette „gesünder“ sei. Diese Produkte gibt es in vielen verschiedenen Designs und Geschmacksrichtungen und das macht wohl neugierig.

Sind sie denn gesünder?

E-Zigaretten verbrennen zwar keinen Tabak, Schadstoffe werden aber trotzdem produziert. Den Tabak ersetzt ein (nikotinhaltiges) Liquid, das über eine Heizspirale und einen Verdampfer vernebelt wird. Die Schadstoffe gelangen über die Atemwege in den Körper. Welche gesundheitlichen Folgen das haben kann, wird noch wissenschaftlich erforscht; insbesondere bei Vorerkrankungen der Lunge oder der Gefäße, die schon durch Tabakrauch angegriffen wurden. Das braucht einerseits Zeit, weil immer wieder neue Produkte auf den Markt kommen und andererseits nach wie vor keine Langzeitstudien vorliegen. Die europäische Vereinigung der Lungenärzte rät daher eindeutig von der Nutzung ab.

E-Zigaretten sind ebenso krebserregend und schädigen Zellen und Gewebe, sie können die Atemwege reizen, den Blutfluss destabilisieren, Entzündungen fördern.

Dr. Karin Vitzthum, Psychologin im Institut für Tabakentwöhnung und Raucherprävention

Wie unterscheidet sich der Tabakerhitzer von der herkömmlichen Zigarette?

In der Zigarette wird der Tabak bei ca. 800 Grad verbrannt, im Tabakerhitzer nur erhitzt, wie der Name schon sagt. Trotzdem werden beim Konsum in beiden Fällen neben Nikotin krebserregende Schadstoffe inhaliert. Die suchttypischen Verhaltensmuster, wie z.B. Rauchen bei Stress oder zum Kaffee, bleiben bestehen.

Wie kann der Laie wissen, welche Schadstoffe dieser Liste besonders schwerwiegende Folgen für den Körper haben?

Diese Analysen sind sehr zeit- und kostenintensiv und bei der Fülle an Produkten ist es auch für Experten schwer, den Überblick zu behalten; E-Zigaretten sind ebenso krebserregend und schädigen Zellen und Gewebe, sie können die Atemwege reizen, den Blutfluss destabilisieren, Entzündungen fördern. Sie erhöhen das Risiko für Emphyseme, also die Zerstörung von Lungenbläschen und für sogenannte Adenokarzinome. Sogar die Industriedaten der Tabakerhitzer selbst legen nahe, dass Entzündungen und Infektionen hervorgerufen werden. Einige schädliche Bestandteile wurden sogar in höherer Konzentration als im Zigarettenrauch nachgewiesen.

Warum ist die E-Zigarette trotz der Risiken seit 2009 auf dem Vormarsch?

Das Durchhalten nach dem Rauchstopp fällt vielen Ex-Raucher*innen schwer und viele würden gerne eine Abkürzung wählen, um ein Scheitern oder einen Misserfolg zu vermeiden. Da klingt für viele der Umstieg auf die E-Zigarette als das kleinere Übel; Das Dampfen der E-Zigarette ist sozial akzeptierter und findet mitunter sogar wieder wie selbstverständlich in Innenräumen statt – das ist aus meiner Sicht eine sehr beunruhigende Entwicklung. Zwischen 2009 und 2014 hat der Konsum massiv zugenommen. Nutzer halten den Konsum für weniger gefährlich, empfinden den Geruch als angenehmer. Statt mit dem Rauchen aufzuhören gibt es zunehmend Menschen, die im Doppelkonsum sind, oder umsteigen – die E-Zigarette wird also nicht, wie angenommen, zur bloßen Ausstiegshilfe. Immer wieder gibt es Menschen, die sogar noch abhängiger werden, da eine Konsumkontrolle deutlich schwerer fällt als mit einer Packung und durch eine höhere Temperatur größere Mengen Nikotin inhaliert werden.

Die Tabakindustrie wirbt inzwischen selbst für Alternativen zur herkömmlichen Zigarette, was ist davon zu halten?

Solange die Tabakindustrie weiterhin Tabak anbauen lässt, Zigaretten produziert und verkauft, sollte man sich nicht von angeblichen Präventionsprogrammen täuschen lassen, die die Gewinne der Industrie sicherstellen wollen. Wer Aufhören will, sollte lieber bewährte und erfolgversprechende Methoden wählen und sich von neutralen Experten beraten lassen, statt auf eine andere Verpackung umzusteigen.

Sie haben sich dazu entschlossen, rauchfrei durch’s Leben zu gehen? Wir heißen Sie herzlich willkommen im Institut für Tabakentwöhnung und medizinische Raucherprävention am Vivantes Klinikum Neukölln. Wir bieten konkrete medizinische und psychologische Hilfestellung für ein rauchfreies Leben, ohne Nikotin.

 
Institut für Tabakentwöhnung und Raucherprävention
030 130 14 2487

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