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Arbeiten während der Wechseljahre: Tipps für Frauen und Arbeitgeber*innen

Die Phase der Wechseljahre betrifft in etwa 50 Prozent der Menschen in der Welt, fast alle davon mit Symptomen, 25 Prozent mit teilweise schwerwiegenden Einschränkungen. Vielen Frauen helfe es schon, wenn sie von ihrem Umfeld nicht als „merkwürdig“ wahrgenommen werden, sagt der leitende Vivantes Betriebsarzt, Dr. Oliver Schad. Das wachsende Wissen und Bewusstsein rund um das Thema Menopause führe dazu, dass in der Gesellschaft und insbesondere in der Arbeitswelt Stück für Stück ein normalerer Umgang mit dieser Lebensphase gefunden werde. Wie das konkret aussehen kann, berichtet Dr. Schad im Interview.

Dr. Schad, warum ist es wichtig, Auswirkungen der Menopause im Arbeitsalltag mitzudenken?

Es gib vermehrt Erkenntnisse, dass sehr viele Frauen von Symptomen betroffen sind und sich diese auf den Arbeitsalltag, auf die berufliche Entwicklung auswirken. Wir wissen mittlerweile, dass 80 Prozent der Frauen, die im Zeitfenster der Menopause liegen, Symptome haben und 25 Prozent teilweise schwerwiegende Einschränkungen. Das ist eine signifikante Zahl. In Branchen, wie dem Gesundheitswesen, in dem sehr viele Frauen arbeiten, macht das einen beachtlichen Anteil der Mitarbeitenden aus. Das darf man, so zumindest die Überzeugung von uns bei Vivantes, nicht länger unbeachtet oder - wie in der Vergangenheit oft geschehen - in der Tabuecke belassen.

Befragungen haben ergeben, was Frauen sich wünschen: mehr Wissen, mehr Bewusstsein, konkrete Angebote.

leitender Vivantes BetriebsarztDr. Oliver Schad

Wen können Arbeitnehmerinnen ansprechen, wenn Auswirkungen der Wechseljahre ihre Tätigkeit erschweren oder beeinträchtigen?

Die oder der Vorgesetzte wäre hier die beziehungsweise der richtige Ansprechpartner*in. Wenn er oder sie bereits entsprechend sensibilisiert ist, kann er/sie die Mitarbeiterin mit einem Bündel von Maßnahmen unterstützen. Je nach Branche und Arbeitsumfeld kann das die Kleiderordnung betreffen, Kühle-/ Hitzeregulation, Duschmöglichkeiten und so weiter.

Wenn es der Arbeitnehmerin unangenehm ist, die oder den Vorgesetzte*n anzusprechen, welche Alternativen schlagen Sie vor?

Der/die Betriebsärzt*in kann eine Bescheinigung ausstellen, dass es hilfreich und förderlich wäre, wenn dieses oder jenes beachtet würde. Das kann auch der Führungskraft helfen, die selbst sagt: Ich kann das nicht einschätzen. Ist das nur ein Vorwand? Ist das wirklich so und welche Maßnahmen wären wirklich sinnvoll? Da kann eine betriebsärztliche Bescheinigung die Glaubwürdigkeit unterstreichen und mit konkreten Vorschlägen helfen. In der Bescheinigung können aber nur Empfehlungen stehen. Inwieweit die Führungskraft diese realisieren kann, muss sie dann individuell schauen. Der Teamgedanke oder bauliche Gegebenheiten spielen da beispielsweise auch eine Rolle. Auch Betriebsräte wären potentielle Ansprechpartner.

Was muss man arbeitsrechtlich oder anderweitig formal beachten?

Die Arbeitnehmerin sollte natürlich nicht eigenmächtig beispielsweise die Arbeitszeit anpassen oder ihre Dienstkleidung. Das muss unbedingt in Absprache mit dem Arbeitgeber beziehungsweise der oder dem Vorgesetze*n geschehen. Das sollte dann auch ordentlich dokumentiert sein. Für Vivantes gilt noch als absolute, quasi natürliche Grenze des Machbaren: Medizin und Hygiene.

Vivantes ist Deutschlands größter kommunaler Klinikträger - Welche konkreten Angebote gibt es bei Vivantes, um Arbeitnehmerinnen während der Menopause zu unterstützen?

Befragungen haben ergeben, was Frauen sich wünschen: mehr Wissen, mehr Bewusstsein, konkrete Angebote.

Als einer der wichtigsten Punkte wurde benannt, dass Führungskräfte das Thema auf dem Zettel haben - also die Awareness, das Bewusstsein dafür. Wir haben Führungskräfteseminare etabliert, die das Thema Menopause näherbringen. Für alle Mitarbeiter*innen inklusive der Führungskräfte haben wir eine digitale Veranstaltung mit Prof. Mandy Mangler, Chefärztin für Geburtshilfe und Gynäkologie an zwei Vivantes Standorten, angeboten. Neben viel Wissensvermittlung, hatten die Teilnehmer*innen auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Das wurde gut angenommen. Im Intranet bieten wir mittlerweile eine neue zusätzliche Informationsquelle an: eine spezielle Themenseite zu Frauengesundheit.

Mitarbeiterinnen haben inzwischen auch die Möglichkeit, niedrigschwellig, einfach und schnell Termine im Vivantes MVZ bei spezialisierten Kolleg*innen in den Sprechstunden der Gynäkologie zu bekommen. Seit dem Start wird das gut angenommen. Auch bei den Betriebsärzt*innen können sich Frauen beraten lassen.

Künftig wollen wir den Austausch von und mit betroffenen Frauen ausbauen, um daraus zu lernen und weitere Angebote anbieten zu können. Ich denke, insgesamt sind wir schon auf einem sehr guten Weg, aber noch lange nicht am Ende angekommen.

 

Foto Copyright: pixabay_chenspec; Vivantes