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Welche Corona-Spätfolgen gibt es?

Die Frage, welche Corona-Spätfolgen es gibt, dürften sich im Verlauf der Pandemie bereits einige gestellt haben. Andere, die sich früher kaum für Infektionen und Krankenhäuser interessiert haben, meinen, durch die Berichterstattung in Netz und Medien Viren-Expert*innen geworden zu sein. Dabei ist nach wie vor wenig über dieses Corona-Virus bekannt inklusive Langzeitfolgen.
Welche Corona-Spätfolgen gibt es?: Die Grafik zeigt blau-grau-durchsichtig den Bereich vom Hals bis zur Brust eines männlichen Körpers ohne Arme. Rot mit gelblichen Rändern eingezeichnet ist die Lunge.

Zum Thema Corona-Spätfolgen gibt es noch keine zuverlässigen Studien. Prof. Dr. Sven Gläser ist Chefarzt für Pneumologie und Infektiologie am Vivantes Klinikum Neukölln und erlebt im Klinikalltag, zu welchen Krankheitsverläufen das Corona-Virus führt. Für ein Interview hat er Fragen in puncto Corona-Infektion und Covid-19-Erkrankung beantwortet.

Corona: Von Lungenentzündung bis Organversagen

Welche Symptome haben die Covid-19-Patient*innen in Ihrer Klinik und wie verläuft die Krankheit?

Patientinnen und Patienten, die in unseren Kliniken behandelt werden, sind meist schwer krank. Sie leiden unter Luftnot, Fieber und Husten und sind abgeschlagen. Es handelt sich nicht immer um multimorbide Patient*innen, also Menschen mit mehreren Vorerkrankungen.

Wir erleben jetzt, im Spätherbst, dass sich das Virus auf ein breites Patientenspektrum verteilt: Abgesehen von Kindern und Jugendlichen werden Menschen aus allen Altersgruppen bei uns versorgt.

Trotz der schweren Erkrankung haben jüngere Patient*innen bessere Prognosen. Selten versterben Covid-19-Patient*innen, die jünger als 50 sind.

Corona und Covid-19: Verlauf der Krankheit

Was den Krankheitsverlauf betrifft, beobachten wir zwei häufige Verläufe:

  • Bei einigen Patient*innen verbessert sich der Zustand nach ungefähr drei bis fünf Tagen. Sie haben dann kein Fieber mehr und können nach Hause entlassen werden.
  • Bei den anderen nimmt die Kurve eine andere Richtung: Bei ihnen beginnt später, nämlich um den zehnten bis zwölften Tag nach Einsetzen der Symptome, eine kritische Phase. Die mit Abstand meisten von ihnen bekommen eine schwere Lungenentzündung beziehungsweise Covid-Pneumonie. Diese geht einher mit Ateminsuffizienz. Das heißt, Patient*innen können schlecht atmen und brauchen zusätzlichen Sauerstoff. Abgesehen von Pneumonien sind in seltenen Fällen die unterschiedlichsten anderen Symptome zu beobachten: von Hauteffloreszenzen über Thrombosen bis hin zu Lungen-, Leber-, Nieren- oder anderem Organversagen.

Corona-Langzeitfolgen: Restbefunde in der Lunge

Welche Therapie erhalten Klinikpatient*innen mit Covid-19?

Patient*innen, die schwer an Covid-19 erkranken, brauchen eine intensivmedizinische Behandlung. Bei schwerer Ateminsuffizienz erhalten sie in einem ersten Schritt eine Highflow-Sauerstofftherapie. Über eine Sonde bekommen sie dabei ein Gemisch aus Raumluft und Sauerstoff.

Vom weiteren klinischen Verlauf ist abhängig, ob eine künstliche Beatmung erforderlich ist, die Patient*innen auch in Bauchlage positioniert werden müssen. Im Gegensatz zu einer klassischen Lungenentzündung kann die Covid-Pneumonie nicht mit Antibiotika behandelt werden, aber auch in Dauer, Verlauf und den Röntgen- und CT-Befunden gibt es große Unterschiede.

Corona: Behandlungsdauer im Krankenhaus

Durchschnittlich werden Covid-Patient*innen bei Vivantes circa elf Tage behandelt. Wenn sie künstlich beatmet werden müssen, ist der Klinikaufenthalt häufig wesentlich länger.

Welche Langzeitschäden können nach Covid-19 auftreten?

Auffällig ist, dass die klinisch behandelten und damit schwer erkrankten Menschen meist mehrere Wochen brauchen, um sich von Covid-19 zu erholen. Sie leiden lange unter einem unangenehmen Husten, sind nicht leistungsfähig und schwach. Über drei Wochen nach einer Klinikentlassung klagen viele ehemalige Patient*innen noch über Luftnot.

Und auch lange nach der Akuterkrankung kann es noch zu Covid-bedingten Thrombosen oder Lungenembolien kommen. Da man in keiner Weise voraussagen kann, in welcher Form und wie lange danach sich die Spätfolgen zeigen, sollten ehemalige Patient*innen unbedingt nach einem viertel oder halben Jahr in eine ambulante Nachsorge beziehungsweise Kontrolle gehen.

Langfristige Veränderung im Lungengewebe möglich

Ein Teil der Patient*innen wird vermutlich Residuen, also Restbefunde in der Lunge behalten. Solche Erfahrungen machte man jedenfalls beim SARS-Virus.

Wie gut sich nicht-beatmete Patient*innen erholen werden, ob auch sie mit Lungenfunktionsproblemen und Gewebeveränderungen zu kämpfen haben werden, lässt sich nicht voraussagen. Es ist durchaus möglich, dass die Entzündung langfristige Spuren, unter anderem im Lungengewebe, hinterlässt.

Service-Info

Prof. Dr. Sven Gläser ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Pneumologie und Infektiologie im Klinikum in Berlin-Neukölln sowie Pandemiebeauftragter bei Vivantes. Auf der Webseite der Klinik erfahren Sie zum Beispiel, dass dort sowohl

  • Erkrankungen der Atemwege,
  • Erkrankungen der Lunge,
  • Erkrankungen des Rippenfells als auch
  • infektiologische Erkrankungen behandelt werden.
 

Teströhrchenfoto: Lars Meese, Grafik: nerthuz / fotolia.com – 67395523, Porträtfoto: Reiner Freese

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