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Heilende Düfte: Aromatherapie in der Altersmedizin

Dass von Düften eine heilende Wirkung ausgehen kann, macht sich in Form der Aromatherapie auch die Altersmedizin zunutze. Ätherische Öle reduzieren Schmerzen. Sie können darüber hinaus zur Behandlung von Hämatomen und Narben verwendet werden.
Heilende Düfte – Aromatherapie in der Altersmedizin: Das Bild zeigt oben mittig ein Bündel Lavendel mit den Blüten voran, das auf einem zusammengefalteten Laken auf einem Bett liegt. Links ist auf dem Laken, mit dem die Matratze bezogen ist, unscharf das Logo von Vivantes zu erkennen. Insgesamt ist nur ein Teilbereich des Bettes zu sehen.

Mit Krankenhäusern werden allgemein die Schulmedizin und die Gerätemedizin verbunden. Dabei wirken sich ergänzende Heilmethoden wie die Aromatherapie sehr positiv auf die Genesung aus und ermöglichen den Patient*innen zudem, die Behandlung aktiv mitzugestalten und sich einzubringen.

Neben dem Vivantes Brustzentrum und dem Vivantes Hospiz arbeitet auch die Geriatrie im Vivantes Klinikum im Friedrichshain mit der zusätzlichen Anwendung der Aromatherapie. Jutta Roos ist Ergotherapeutin mit Qualifikation zur Aromaexpertin: Sie erzählt im folgenden Interview von ihren Erfahrungen.

Raumduft im Krankenhaus: Entspannung und Frische

Bei ätherischen Ölen denkt man eher an Wellness als an Medizin. Haben sie trotzdem medizinische Wirkungen?

Auf jeden Fall. Die Heilpflanze Immortelle zum Beispiel kommt bei Patientinnen und Patienten zum Einsatz, die gestürzt sind. Sie wirkt hämatomauflösend, entzündungshemmend und beruhigend. So beschleunigt sie den Heilungsprozess und fördert dadurch die Genesung.

Ein anderes Beispiel ist Wintergrün, dessen Geruch nicht jeder mag. Aber es wirkt ebenfalls stark entzündungshemmend und schmerzlindernd dank des hohen Gehalts an Methylsalicylat.

Wie setzen Sie die Aromatherapie konkret in der Klinik ein?

Ätherische Öle lindern unter anderem Schmerzen, sie können zur Hämatom- und Narbenbehandlung genutzt werden. Das passiert lokal in Form von Wickeln, die wir beispielsweise in Quark einarbeiten. Oder wir bereiten Auflagen und warme Ölkompressen vor.

Zur Raumbeduftung haben wir einen Aromanebler, den wir für eine halbe Stunde ins Zimmer stellen. Die verdampfenden Öle duften und wirken entspannend. Zur Verbesserung der Raumluft ist Zitronenduft gut geeignet, der Frische, Klarheit und Sauberkeit ausströmt.

Wonach wird das passende ätherische Öl für die Anwendung ausgewählt?

Auch wenn die Inhaltsstoffe unterschiedlich wirken, können die Patient*innen en oft selbst wählen, welches Öl ihnen guttut und welcher Duft ihnen gefällt.

Mandarinenöl beispielsweise wird mit Kinderlachen verglichen und hellt die Stimmung auf. Rose oder Lavendelduft sind beruhigend.

Aromatherapie im Behandlungsplan bei Bedarf

Gibt es auch Risiken?

In jedem Fall sollte immer in Maßen dosiert werden, in einer Auflösung von 0,5 Prozent. Das entspricht einem Tropfen ätherischem Öl auf zehn Milliliter eines Basisöls. Im klinischen Bereich sind Mischungen von bis zu zwei Prozent als Bestandteil der Aromapflege verwendbar. Bei stärkeren Konzentrationen ist eine ärztliche Verordnung erforderlich.

Menschen mit Bluthochdruck sollten Rosmarin wegen seiner anregenden Wirkung nicht als Badezusatz verwenden, weil die Wirkung durch die Wärme des Badewassers noch verstärkt wird. Thymian dagegen gibt es in stärkeren und sanfteren Varianten. Der Chemotyp Linalool, kurz: Ct. Linalool, beispielsweise ist ein milder Thymiantyp, der auch von Kindern mit Atembeschwerden gut vertragen wird.

Wie erfahren die geriatrischen Patient*innen von der Aromatherapie?

In unserer geriatrischen, also altersmedizinischen, Frührehabilitation arbeiten wir im interdisziplinären Team mit Ergotherapeut*innen, Physiotherapeut*innen, Logopäd*innen, Psycholog*innen, Pfleger*innen und den Ärzt*innen zusammen. Gemeinsam beraten wir über den Behandlungsplan, in den die Aromatherapie bei Bedarf integriert wird.

Inzwischen lassen sich auch die Kolleginnen und Kollegen gern von mir beraten oder fortbilden und nutzen die ätherischen Öle oder bitten mich dazu, wenn sie einen Patienten behandeln.

Heilpflanzen wurden ja schon zu Großmutters Zeiten als Hausmittel verwendet. Haben Sie noch einen Tipp für zu Hause?

Eine leicht umsetzbare Idee wäre, in ein Töpfchen handelsübliche Sahne zwei bis drei Tropfen eines für Sie selbst angenehm duftendes ätherisches Öl zu geben und sich damit ein Bad einzulassen. Das fühlt sich samtig auf der Haut an, duftet und entspannt.

Oder man kreiert sich ein Körperöl zum Wachwerden: Dazu werden ein Tropfen Ingwer und ein Tropfen Zitrone in zehn Milliliter Sesamöl gegeben. Das kann man am Morgen nach dem Duschen auf der feuchten Haut als Körperöl anwenden.

Service-Info

Wenn Sie Kontakt aufnehmen möchten zu Jutta Roos, die nicht nur Ergotherapeutin und zertifizierte Aromatherapeutin ist, sondern sich auch mit tiergestützter Therapie auskennt, dann können Sie das telefonisch unter dieser Rufnummer.

 
Jutta Roos
030 130 23 4895

Basilikumfoto: Seksak Kerdkanno / pixabay.com – 906137, Lavendelfotos: Carolin Ubl

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