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Beckenendlage

Beckenendlage – Was tun, wenn das Baby gegen Ende der Schwangerschaft mit dem Po unten liegt?

Was bedeutet "Beckenendlage"?

Zu Beginn der Schwangerschaft hat das Kind viel Platz in der Gebärmutter. Es „schwimmt“ im Fruchtwasser und kann dabei ständig seine Position wechseln. Zum Ende der Schwangerschaft hat es jedoch immer weniger Platz, um noch Purzelbäume zu drehen.  Normalerweise macht es sich das Baby mit dem Kopf nach unten bequem. Dies ist die natürliche Position aus der die meisten Kinder auch geboren werden. Das hat den Vorteil, dass der Kopf, der meist zu diesem Zeitpunkt der größte Körperteil ist, als erstes geboren wird und der restliche Körper problemlos folgen kann.

Legt sich ein Kind nicht mit dem Kopf sondern mit dem Po nach unten spricht man von einer „Beckenendlage“ – das „Beckenende“ des Kindes wird dann zuerst geboren.

Warum und wie häufig kommt das vor?

5% aller Kinder werden aus Beckenendlage geboren. Warum ein Kind in Beckenendlage liegt, kann verschiedene Gründe haben:

  • Wenn es sich um eine Frühgeburt (also vor 36 SSW) handelt, ist die Beckenendlage häufiger – das Kind hatte sich einfach noch nicht endgültig mit dem Kopf nach unten gedreht.
  • Hat ein Kind viel Platz, z.B.: wenn es viel Fruchtwasser hat oder der Bauch der Mutter nach mehreren vorangegangenen Schwangerschaften elastischer ist, kann es seine Bewegungsfreiheit viel länger bis zum Ende der Schwangerschaft nutzen.
  • Eine Veränderung des mütterlichen Beckens oder der Gebärmutter kann dazu führen, dass für den Kopf des Kindes nicht ausreichend Platz vorhanden ist und die Drehung unterbleibt.
  • In den meisten Fällen (80%) findet man aber keinen Grund dafür, dass das Kind lieber mit dem Po unten liegt.

Welche Möglichkeiten bestehen, wenn ein Kind in Beckenendlage liegt?

Stellt man am Ende der Schwangerschaft – etwa 4 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin – eine Beckenendlage fest, kann man versuchen, das Kind zu drehen. Man nennt diese Maßnahme eine „äußere Wendung“.
Dabei wird das Kind von außen durch einen Arzt gedreht. In diesem Fall sollten gewisse Voraussetzungen erfüllt sein.

  • Der Mutterkuchen sollte nicht tief an der Vorderwand der Gebärmutter anhaften.
  • Die Nabelschnur sollt sich nicht um das Kind gewickelt haben.
  • Eine größere Fruchtwassermenge erhöht die Erfolgsaussichten für die Wendung.

Wie läuft eine „äußere Wendung“ ab?

Die Schwangere erhält unmittelbar vor dem Wendungsversuch ein wehenhemmendes Mittel, um die Gebärmutter möglichst weich und dehnbar zu machen. Gleichzeitig wird ein CTG geschrieben. Daran kann man sehen, dass es dem Kind gut ergeht. Dann wird noch mal die genaue Lage des Kindes per Ultraschall bestimmt. Nun versucht der Arzt, das Kind von außen mit seinen Händen am Bauch der Mutter zu drehen. Danach kann erneut mit Ultraschall und CTG geschaut werden, wie es dem Kind nach diesem Manöver geht.
Ein Wendungsversuch ist zu ca. 60 % erfolgreich.  Aber egal, ob sich das Kind hat drehen lassen oder nicht, werden an diesem Tag und am folgenden Tag noch mehrere CTG-Kontrollen gemacht. Ebenso wird der Mutter etwas Blut abgenommen, um auszuschließen, dass diese Maßnahme den Mutterkuchen unter Zug gesetzt hat.

Mit all diesen Vorsichtsmaßnahmen ist die äußere Wendung ein sehr sicheres Verfahren, um eine natürliche Geburt mit dem Kopf voran zu erreichen.

Kann ein Kind auf natürlichem Wege mit dem Po zuerst geboren werden?

Ja! Allerdings sollten auch für eine vaginale Beckenendlagengeburt gewisse Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Da in diesem Fall zuerst der Po und zuletzt der Kopf geboren wird,  sollte der Bauch des Kindes in etwa so groß sein wie der Kopf. Denn der Po soll mit den Beinen die Geburtswege soweit dehnen, dass der Kopf leicht nachfolgen kann.
  • Das Kind sollte insgesamt nicht zu groß aber auch nicht zu klein sein. Ein großes Kind kann den Verlauf der Geburt verzögern. Dadurch kann es für das Kind anstrengend werden und die Versorgung mit Sauerstoff- und Nährstoffreichem Blut während der Wehen kann beeinträchtigt sein.
  • Ebenso kann ein kleines Kind unter Wehentätigkeit schlechter versorgt sein. Oft war bei diesen Kindern schon in der Schwangerschaft die Durchblutung vermindert. Unter Wehen kann sich diese Situation verschlimmern. Bei der Beckenendlagengeburt möchten wir jedoch, dass das Kind mit besten Reserven in die Endphase der Geburt geht.
  • Genauso wichtig wie die Proportionen des Kindes ist die Größe und Form des mütterlichen Beckens. Ein normal geformtes Becken ist die günstigste Voraussetzung für eine vaginale Geburt aus Beckenendlage. Bei einer Verengung des Beckens wäre eine natürliche Geburt schwieriger.
  • Der Verlauf einer Beckenendlagengeburt sollte reibungslos sein, das heißt, das Kind sollte ein normales CTG (Cardio-Toko-Grafie = Herzton-Wehen-Schreibung) zeigen und die Geburt sollte nicht verzögert ablaufen.
  • Wenn diese Kriterien erfüllt sind, steht einer natürlichen Geburt nichts im Wege.


Sollten beide Optionen für eine Schwangere nicht in Frage kommen, kann das Kind per Kaiserschnitt zu Welt kommen.

Was ist also zu tun?

Um den richtigen Weg für eine Frau und ihr Kind auszuwählen, ist es nötig, einen Termin für ein längeres Gespräch mit einem unserer Ärzte auszumachen. Dabei wird ein ausführlicher Ultraschall gemacht, um zu sehen, wie das Kind liegt, wie es gewachsen ist und wo der Mutterkuchen liegt. Zusätzlich kann eine gynäkologische Untersuchung gemacht werden.  Erst dann kann eine individuelle Beratung stattfinden. Schließlich können der Arzt und die Schwangere bei diesem Gespräch das weitere Vorgehen  - äußere Wendung, vaginale Geburt oder Kaiserschnitt - gemeinsam festlegen.