Klinik für Gefäßmedizin
Bauchaortenaneurysma

Wenn die Bauchschlagader erweitert ist

Die Aorta ist die größte Schlagader des Körpers. Eineinhalb bis zweieinhalb Zentimeter dick ist sie und reicht vom Herzen bis in die Beckenregion. Bei Vorliegen von Arteriosklerose-Risikofaktoren (Nikotinabusus, hoher Blutdruck, Hypercholesterinämie), aber auch bakteriellen Infekten kann es zu Erweiterungen der Aorta kommen. Diese Aussackungen, so genannte Aortenaneurysmen, können plötzlich reißen, so dass der Betroffene innerlich verbluten kann. Die gesamte Schlagader kann davon betroffen sein, häufiger sind es nur einzelne Abschnitte, an denen sich Aneurysmen bilden. Das mit Abstand am häufigsten vorkommende Aneurysma liegt im Bereich der Bauchschlagader unterhalb der Nierenarterien, das infrarenale Bauchaortenaneurysma.

Insbesondere bei älteren Menschen verändert sich der Aufbau der Gefäßwände mit den Jahren. Sie sind weniger elastisch und können den hohen Druck in der Hauptschlagader nicht mehr abfangen. Das Bauchaortenaneurysma wird meist durch Zufall entdeckt bei einer Ultraschalluntersuchung oder Computertomographie-Untersuchung des Bauches. Ob das Bauchaortenaneurysma behandelt werden muss, hängt vom maximalen Durchmesser, dem Wachstum und dem morphologischen Erscheinungsbild (Struktur) der Erweiterung ab.

Bevorzugt: minimal-invasive Eingriffe

Rund 80 bis 90 Prozent aller Aneurysmen behandeln wir am Zentrum für Gefäßmedizin Nord minimal-invasiv. Bei der so genannten EVAR (Endovaskuläre Aneurysma-Reparatur) wird das Aneurysma durch das Platzieren eines Stents (Gefäßstütze), der mit Kunststoff ummantelt ist, ausgeschaltet und vom Blutstrom in der Aorta getrennt. Dadurch wirkt der Blutdruck, welcher in der Aorta besteht, nicht weiter auf das Aneurysma ein. Ein weiteres Wachsen des Aneurysma und das damit verbundene Risiko eines Einreißens werden somit verhindert. Die Stents werden mittels Katheter über die Leistenarterien eingeführt. Nur in seltenen Fällen müssen wir Aneurysmen mit einer offenen Gefäßoperation behandeln. Welches Verfahren für die einzelne Patientin und den einzelnen Patienten das Beste ist, hängt unter anderem von anatomischen Faktoren und Begleiterkrankungen ab und muss individuell entschieden werden.

Ein Aneurysma kommt auch an kleineren Arterien vor. Die Aussackungen der Leistenarterien und Kniekehlenarterie (Femoralaneurysma und Poplitealaneurysma) bergen vor allem die Gefahr, dass Gerinnsel (Thromben) aus der ausgesackten Wand mit dem Blutstrom ins Bein verschleppt werden. Die Folge kann ein akuter Beinarterienverschluss sein mit dem Risiko einer Amputation. Diese Aneurysmen müssen in der Regel operiert und durch einen Bypass überbrückt werden. Bei manchen Patientinnen und Patienten kommt eine Katheterbehandlung in Frage, bei der Stents gesetzt werden. Sprechen Sie uns an, wir beraten Sie gern.

In der Klinik für Gefäßmedizin bietet Prof. Dr. med. Carsten Bünger eine Aorta-Spezialsprechstunde an, um Patientinnen und Patienten hinsichtlich möglicher Behandlungsoptionen zu beraten. In der interdisziplinären Gefäßkonferenz entwickelt ein Team verschiedener Spezialistinnen und Spezialisten gemeinsam die Therapieempfehlungen. Vor der Behandlung untersuchen wir unsere Patientinnen und Patienten noch einmal auf „Herz und Nieren“, um mögliche Begleiterkrankungen zu erkennen. Patientinnen und Patienten sind laufend in die Therapieplanung eingebunden und besuchen dazu mehrfach die Aortensprechstunde von Prof. Dr. med. Carsten Bünger.

Nach der EVAR-Behandlung (EVAR) benötigen Betroffene eine lebenslange Nachsorge, die ebenfalls über die Aortensprechstunde koordiniert wird. Wir bitten Patientinnen und Patienten bereits vorliegende Untersuchungsergebnisse wie eine CD-ROM der Computertomographie-Untersuchungen zur Aortensprechstunde mitzubringen.