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Gebärmutterhalskrebs

Als Gebärmutterhals (Zervix) bezeichnet man den untersten Teil der Gebärmutter. Er ragt in die Scheide hinein und ist dort in der Tiefe tastbar. In der Mitte des Gebärmutterhalses befindet sich eine Öffnung (Zervikalkanal), die Scheide und Gebärmutterinneres miteinander verbindet. Sie ist meistens verschlossen, öffnet sich aber ein wenig zur Menstruation oder vollständig zur Geburt eines Kindes.

Gebärmutterhalskrebs und seine Vorstufen sind bösartige Erkrankungen der oberflächlichen Zellschichten des Gebärmutterhalses. Im Bereich des Gebärmutterhalses treffen die Schleimhaut der Scheide und die des Gebärmutterhalses aufeinander. In dieser Grenzschicht, der so genannten Transformationszone, entstehen die bösartigen Veränderungen des Gebärmutterhalses.

Man unterscheidet die Krebsvorstufen (CIN - cervikale intraepitheliale Neoplasie) von den invasiven Krebserkrankungen (Zervixkarzinome). Die Krebsvorstufen können sich spontan, also ganz von alleine, zurückbilden. Die Wahrscheinlichkeit hängt von dem Schweregrad der Krebsvorstufe ab. Sie werden eingeteilt in CIN I, II und III.

  Grad der Veränderung am Gebärmutterhals spontane Rückbildung Übergang zu CIN III in % (ohne Therapie) Übergang zu einem invasiven Gebärmutterhalskrebs (ohne Therapie)
CIN I Leichte Veränderungen 57% 11% 1%
CIN II Mittelschwere Veränderungen 43% 22% 5%
CIN III Schwere Veränderungen 32% 12%

Gebärmutterhalskrebs entsteht in den meisten Fällen langsam und über Jahre aus den Vorstufen - also über leichte Veränderungen der Gebärmutterhalszellen bis hin zu einem invasiven Tumor.

Risikofaktoren und Vorbeugungsmaßnahmen

Die Ursachen für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs sind noch nicht vollständig geklärt. Dies ist von mehreren Faktoren und deren Zusammenspiel abhängig. Der wichtigste Risikofaktor ist eine Infektion mit bestimmten HP-Viren (Humane Papilloma-Viren). Diese werden beim Geschlechtsverkehr übertragen, dringen in die Zellen des Gebärmutterhalses ein, verbleiben dort und verändern die Zellen. In nahezu jedem Gebärmutterhals finden sich HP-Viren. Jedoch erkrankt nur ein Bruchteil (circa 3 Prozent) der Frauen, bei denen eine HPV-Infektion vorliegt, an Gebärmutterhalskrebs. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen und eine Abschwächung der Immunabwehr.

Gebärmutterhalskrebs verursacht anfangs keine Beschwerden. Erst wenn der Tumor relativ groß ist, kommt es zu Blutungsstörungen, übelriechendem Ausfluss oder Rückenschmerzen. Da der Gebärmutterhalskrebs fast immer langsam über seine Vorstufen entsteht, sollten Sie regelmäßig Vorsorgeuntersuchung bei Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt wahrnehmen und einen Krebsabstrich (PAP-Abstrich) vornehmen lassen. So kann man die Erkrankung bereits früh erkennen und behandeln. Schützen kann man sich durch die Verwendung von Kondomen und eine Impfung.

Wenn man einen auffälligen Krebsvorsorgeabstrich hat

Auffällige Befunde werden in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Sie reichen von Zellveränderungen im Sinne einer Entzündung, die lediglich kontrolliert werden müssen, bis zu hin zu eindeutig bösartigen Veränderungen.

Zur weiteren Diagnostik wird die Frauenärztin oder der Frauenarzt den Gebärmutterhals mit dem Kolposkop, einem speziellen Mikroskop, begutachten. Zeigen sich auffällige Bereiche, können Gewebeproben entnommen werden. Außerdem wird in der Regel ein Abstrich auf HP-Viren entnommen. Dies erfolgt auf dem gynäkologischen Stuhl ist nicht schmerzhaft, eine Narkose ist nicht notwendig. In unserer Klinik untersuchen wir Sie in einer speziellen Dysplasie-Sprechstunde.

Behandlungsoptionen bei Krebsvorstufen des Gebärmutterhalses

Wird eine Krebsvorstufe schweren Grades (CIN III) diagnostiziert, muss eine sogenannte Konisation (LOOP) durchgeführt werden. Das ist eine Operation, bei der von der Scheide aus ein Teil des Gebärmutterhalses und die darin enthaltene Krebsvorstufe per Strom oder Laser entfernt werden. Bei den leichteren Krebsvorstufen CIN I und CIN II werden meist lediglich regelmäßige Kontrollen durchgeführt, da sie eine gute Chance haben sich zurückzubilden.

Behandlungsoptionen bei Gebärmutterhalskrebs

Wird Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert, sind in der Regel weitere Untersuchungen zur Ausbreitungsdiagnostik notwendig. Es gibt drei grundsätzliche Möglichkeiten den Gebärmutterhalskrebs zu behandeln:

  • Operation
  • Strahlentherapie
  • Chemotherapie oder Antikörpertherapie

Die Therapie erfolgt stadienabhängig. Die Stadien reichen von I bis IV und hängen von der Größe des Tumors, der Ausbreitung im Becken, dem Lymphknotenbefall und dem eventuellen Vorliegen von Tochtergeschwulsten (Metastasen) ab. Bei sehr kleinen Tumoren (Mikrokarzinomen) ist eine Konisation oder eine einfache Gebärmutterentfernung ausreichend. Besteht noch ein Kinderwunsch kann unter Umständen eine gebärmuttererhaltende Operation (Trachelektomie) durchgeführt werden.

Die Eierstöcke bleiben in der Regel erhalten. Ob sie entfernt werden müssen, hängt zum Teil von der histologischen Differenzierung des Tumors ab. Der Eingriff kann entweder per Bauchschnitt oder auch laparoskopisch (per Bauchspiegelung) durchgeführt werden. Auch die roboter-assistierte Chirurgie mit dem DaVinci-Operationssystem kann zum Einsatz kommen. An unserer Klinik wenden wir alle möglichen Operationsverfahren an, inklusive einer neuen, in Leipzig entwickelten Technik, die sich an der embryonalgeschichtlichen Entwicklung der Beckenorgane orientiert (TMMR - totale mesometriale Resektion).

Ist der Tumor in die Harnblase beziehungsweise den Enddarm eingewachsen, kann nach entsprechender Vordiagnostik und bei ausgewählten Fällen eine sogenannte Exenteration durchgeführt werden. Dabei werden zusätzlich zu den oben genannten Organen die Scheide, die Harnblase und/oder der Enddarm komplett entfernt. Es werden dann eine neue Blase und ein künstlicher Darmausgang angelegt. Diese besonders invasive Operation erfordert ausführliche Vorgespräche, in denen wir gemeinsam mit Ihnen alle Vorteile und Nachteile abwägen.

Das Sentinellymphknotenverfahren oder Wächterlymphknotenverfahren ist bei Gebärmutterhalskrebs noch nicht ausreichend untersucht und wird nur im Rahmen von Studien durchgeführt.