Institut für Radiologie und interventionelle Therapie

Wissenswertes

Wissen kompakt: Myome und Aortenaneurysmen

Zu unseren medizinischen Schwerpunkten gehört die Behandlung von Myomen (gutartigen Wucherungen in der Gebärmutter) und Aortenaneurysmen (Aufweitungen in den Schlagadern). Damit Sie diese beiden Erkrankungen und unsere Therapieansätze besser verstehen, haben wir die häufigsten Fragen für Sie zusammengestellt:

Myom-Therapie

Was sind Myome und wie machen sie sich bemerkbar?

Myome sind gutartige Tumore des Uterus, die in unterschiedlicher Anzahl und Größe an verschiedenen Stellen in der Gebärmutter auftreten können. Myome sind sehr häufig. Etwa ein Drittel aller Frauen erkranken daran. Nicht alle Myome führen zu Beschwerden. Typische Symptome können verstärkte Menstruationsblutungen, Rückenschmerzen und Lendenschmerzen und vermehrter Harndrang sein. Zudem können Myome zu Unfruchtbarkeit führen sowie Probleme während der Schwangerschaft verursachen.

Wie werden Myome diagnostiziert?

In der Regel werden Myome bei der gynäkologischen Untersuchung mit der Sonographie (Ultraschall) festgestellt. Soll die Behandlung durch den gezielten Verschluss eines Blutgefäßes erfolgen, ist zur genaueren Planung zusätzlich ein MRT (Magnetresonanztomographie) sinnvoll.

Wie werden Myome behandelt?

Myome sollten nur behandelt werden, wenn sie Beschwerden verursachen. Mit einer hormonellen Therapie kann zunächst versucht werden, das Wachstum zu stoppen.

Meist wachsen die Myome aber wieder, wenn die Medikamente abgesetzt werden. Deswegen werden sie überwiegend operiert. Über einen Bauchschnitt (seltener) oder durch die so genannte „Knopfloch-Chirurgie“ (Bauchspiegelung) können einzelne Myome gebärmuttererhaltend oder auch die ganze Gebärmutter mit den Myomen entfernt werden. Außerdem können bestimmte Myome auch durch eine Gebärmutterspiegelung, also einen Eingriff im Inneren der Gebärmutter, entfernt werden. Diese Eingriffe erfolgen in Vollnarkose.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Myomembolisation. Hierbei handelt es sich um ein erprobtes interventionell-radiologisches Verfahren. Dabei wird die Blutversorgung des Myoms durch einen gezielten Gefäßverschluss unterbrochen. Die Myome werden so kleiner und die Beschwerden gehen zurück. Die Gebärmutter wird nicht entfernt.

Was genau passiert bei der Myomembolisation?

Die Myomembolisation wird in der Interventionellen Radiologie durchgeführt. Nach einer lokalen Betäubung in der Leiste wird ein dünner Katheter in die Arterie der Gebärmutter vorgeschoben. Über diesen Katheter werden anschließend kleine Kügelchen injiziert. Diese verschließen das Blutgefäß des Myoms. Nach dem Eingriff wird an der Leiste ein Druckverband angelegt, der dort vier Stunden verbleibt. Für diese Zeit besteht Bettruhe. Nach zwei bis drei Tagen kann die Patientin das Krankenhaus verlassen. Innerhalb von zehn Tagen nach dem Eingriff erfolgen eine nochmalige gynäkologische Untersuchung und ein MRT.

Welche Nebenwirkungen können bei der Embolisation auftreten?

Die Behandlung kann mit Schmerzen verbunden sein, die aber medikamentös so behandelt werden, dass die betroffenen Frauen schmerzfrei bleiben.

Neben Schmerzen können auch Fieber und Übelkeit auftreten. Im längeren Verlauf kann es in seltenen Fällen zu einem Ausfall der Regelblutung kommen. Vaginale Blutungen treten meist nur vorübergehend auf. Myomanteile können gelegentlich auch über die Scheide ausgestoßen werden.

Wann ist die Embolisation nicht möglich?

Bei einem bösartigen Tumor der Gebärmutter, einer Schwangerschaft und einer Entzündung der Genitalregion kann die Behandlung nicht durchgeführt werden. Bei bestehendem Kinderwunsch ist die Methode ebenfalls nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Eine bekannte Allergie auf Kontrastmittel, eine Überfunktion der Schilddrüse und eine schwere Funktionsstörung der Nieren sind weitere mögliche Einschränkungen.

Behandlung des Aortenaneurysmas

Was ist ein Aneurysma?

Die Erweiterung eines Blutgefäßes wird als Aneurysma bezeichnet. Prinzipiell kann ein Aneurysma die Venen und Arterien betreffen. Venöse Aneurysmen sind allerdings sehr viel seltener als Aneurysmen der Arterien.

Es gibt verschiedene Ursachen für die Ausbildung eines Aneurysmas. Bei den meisten Menschen ist es die Arteriosklerose, also die Gefäßverkalkung, die zu der Erweiterung führt. Es gibt auch seltene Ursachen, zum Beispiel angeborene Störungen des Bindegewebes oder Entzündungen der Gefäßwand.

Arterielle Aneurysmen können sich an verschiedenen Orten des Körpers bilden. Häufig betroffen sind die Bauchschlagader, die Brustschlagader, Gefäße des Kopfes und des Beckens sowie die Arterien der Kniekehle.

Die Erweiterung einer Schlagader birgt mehrere Gefahren: Zum einen können sich in der Aussackung Blutgerinnsel bilden. Diese können sich lösen und mit dem Blutstrom verschleppt werden. Zum anderen kann das erweiterte Blutgefäß auf benachbarte Strukturen drücken und so Beschwerden auslösen, zum Beispiel Rückenschmerzen. Die Hauptgefahr eines Aneurysmas ist aber, dass es aufplatzt. Dann strömt Blut ungehindert aus dem Gefäß.

Das Aneurysma der Bauchschlagader

Pro Jahr werden in deutschen Krankenhäusern mehr als 12.000 Patientinnen und Patienten an einer Erweiterung der Bauchschlagader behandelt. Von einem Aneurysma der Bauchschlagader spricht man, wenn es einen Durchmesser von mehr als drei Zentimetern aufweist. Die Häufigkeit in der Bevölkerung liegt im Mittel bei sechs Prozent, wobei ältere Menschen häufiger betroffen sind als jüngere und Männer häufiger als Frauen.

Die größte Gefahr, die von einer Erweiterung der Bauchschlagader ausgeht, ist, dass sie platzt. Man spricht von einer Ruptur. Es kommt dann zu einem meist ungehinderten Blutaustritt in den Bauchraum – es entsteht eine sehr bedrohliche Situation. Viele Patientinnen und Patienten schaffen in diesem Fall nicht mehr den Weg in das Krankenhaus. Etwa 80 Prozent der Betroffenen überleben dieses Ereignis nicht. Das Risiko für ein Platzen der Bauchschlagader ist abhängig vom Durchmesser der Arterie. Je weiter die Schlagader ist, desto größer ist die Gefahr

Wie bemerke ich ein Aneurysma der Bauchschlagader?

Meist bemerkt man leider gar nichts – und gerade das ist es, was die Erkrankung so gefährlich macht. Manchmal treten zeitweilige oder dauerhafte Schmerzen des Rückens auf, die in das Becken oder in die Leisten ausstrahlen können. Mitunter kann man eine Pulsation im Bauch tasten. Es kann zu einem Völlegefühl kommen, aber auch zu Beschwerden beim Gehen, der sogenannten Schaufensterkrankheit.

Insgesamt sind die Beschwerden jedoch eher vage. Wenn ein Aneurysma platzt, kommt es dagegen zu plötzlichen und sehr starken Schmerzen. Aufgrund des großen Blutverlustes tritt schnell eine starke Schwäche ein. Es kommt zu einem Schock mit Blutdruckabfall. Einige berühmte Menschen sind an einem geplatzten Aneurysma der Bauchschlagader gestorben, zum Beispiel Albert Einstein.

Wann und wie wird das Aneurysma behandelt?

Wird das Aneurysma rechtzeitig entdeckt, sollte bei Frauen ab einem Durchmesser von 4,5 Zentimetern und bei Männern ab einem Durchmesser von 5 Zentimetern eine Behandlung erfolgen. Auch bei einem schnellen Wachstum des Aneurysmas (einer Zunahme von fünf Millimetern innerhalb von sechs Monaten) oder Anzeichen für eine drohende Ruptur (das Platzen) sollte rasch eine Therapie einsetzen.

Für die Therapie gibt es prinzipiell zwei Behandlungsmöglichkeiten: Zum einen kann in einer offenen Operation das erkrankte Gefäß ersetzt werden. Dazu werden Kunststoffschläuche verwendet. Alternativ kann das erweiterte Gefäß von innen abgedichtet werden. Dabei ist nur ein kleiner Schnitt in beide Leisten erforderlich, über den die Gefäßprothesen (ummantelte Stents) in das erweiterte Gefäß hineingeschoben und dort entfaltet werden. Diese Methode belastet die Patientinnen und Patienten deutlich weniger als eine offene Operation. Sie erholen sich schneller und dürfen das Krankenhaus früher wieder verlassen. Im Vivantes Humboldt-Klinikum können beide Verfahren jederzeit durchgeführt werden.

Vorbeugen ist lebenswichtig

Eine einfach durchzuführende Ultraschalluntersuchung des Bauches ist eine geeignete Methode, um eine Erweiterung der Bauchschlagader rechtzeitig zu erkennen. Die Ultraschalluntersuchung ist für den Menschen völlig ungefährlich. Nebenwirkungen treten nicht auf. Vor allem Männer ab dem 65. Lebensjahr sowie Männer und Frauen mit Erkrankungen der Bauchschlagader in der Familie sollten regelmäßig präventiv untersucht werden sollten.