Klinik für Schulterchirurgie

Krankheitsbilder

Impingementsyndrom

Die Muskelmanschette der Schulter (sog. Rotatorenmanschette) ist u.a. verantwortlich für das Anheben und Absenken sowie Drehen des Armes. Sie liegt mit Ihren Sehnen unter dem Schulterdach (Acromion). Der Raum zwischen Acromion und Rotatorenmanschette wird ausgefüllt durch einen Schleimbeutel, die Bursa subacromialis, der das reibungsfreie Gleiten der Sehnen unterstützt.

Zusätzlich wirkt die Rotatorenmanschette als Oberarmkopfstabilisator und zentriert das Gelenk in der Schulterpfanne. Beim Anheben des Armes sorgt die Rotatorenmanschette für ein harmonisches Gleiten des Kopfes unter das Schulterdach, in die Gelenkpfanne hinein.

Wenn die Rotatorenmanschette in Ihrer Funktion gestört ist (Schwäche/Verkürzung/Dysbalance/Einriss), kann sie den Oberarmkopf in der Bewegung nicht führen. Hierdurch kommt es zu einem vermehrten Hochtreten des Oberarmkopfes mit Anstoßen der Sehnen und des Schleimbeutels an das knöcherne Dach (Acromion). Dieses Phänomen nennt man funktionelles Impingement/ Schulterengpasssyndrom.

Es tritt beispielsweise auf durch:

Rotatorenmanschettenverletzungen/ -dysfunktion/ -einrisse
Verkalkungen einer Rotatorenmanschettensehne
Entzündungen der Rotatorenmanschette
Schultergelenksinstabilitäten
Muskuläre Dysbalance
Eine weitere Ursache des Impingement können knöcherne Begebenheiten sein. Das Schulterdach/ Acromion unterscheidet sich bei vielen Patienten in seiner Form. Diese Formunterschiede wurden von Bigliani als Typ I, II und III beschrieben. Typ I ist flach, Typ II ist leicht gebogen, Typ III weißt einen Haken an der Vorderfläche auf.

Patienten, die ein Typ II oder III Acromion aufweisen, unterliegen einem höheren Risiko, ein knöchernes Impingement/ Schulterengpass mit Druck des Spornes auf den darunter gleitenden Schleimbeutel und Sehne zu erleiden. Zusätzlich zu der angeborenene Anlage kann sich ein knöcherner Sporn über das zunehmende Lebensalter am Schulterdach entwickeln. Auch dieser kann entsprechende Impingementprobleme verursachen.

Das knöcherne Impingement kann die darunterliegenden Strukturen reizen und somit Schmerzen verursachen sowie über die Zeit eine chronische Schleimbeutelentzündung sowie Schädigungen der Sehne hervorrufen. Nicht selten findet man bei Patienten mit einem Typ III Acromion oder entstandenem knöchernem Sporn eine ausgedünnte, aufgeriebene oder gar eingerissene Rotatorenmanschette.

Hierbei spielt die konservative Therapie mit Krankengymnastik, manueller Therapie, sowie medikamentöser Therapie eine große Rolle.

Die Diagnose eines Impingementsyndroms ist im Wesentlichen über klinische Untersuchungen feststellbar und wird durch normale Röntgenaufnahmen, Ultraschall und MRT Aufnahmen gesichert.

Die Behandlung des Impingementsyndroms kann in vielen Fällen konservativ erfolgen. Hierbei spielen eine Rolle:

Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente
Physiotherapie – kann die Entzündung lindern, zunächst passiv, dann aktiv den Raum unter dem Schulterdach erweitern, sowie die zentrierende Rotatorenmanschettenmuskulatur stärken
ggf. Kortison-Injektionen unter das Schulterdach - kann die Entzündung lindern und kontrolliert vorübergehend die Schmerzen
All diese Maßnahmen bieten wir Ihnen in unserem Vivantes MVZ ambulantes Schulterzentrum Pankow.

Wenn die konservative Therapie keinen Erfolg bringt, oder bereits Begleitschäden wie Einrisse der Rotatorenmanschette oder erhebliche Einengungen vorhanden sind, ist die arthroskopische Entfernung der knöchernen Einengung/ Akromioplastik mit Entfernung des entzündlich veränderten Schleimbeutels  eine erfolgreiche operative Therapie. Hierbei werden mit feinen Instrumenten der überschüssige Knochen vom Schulterdach entfernt und Platz für die gleitende Sehne geschaffen.

Bei zusätzlichen Sehnenverletzung kann eine Sehnennaht notwendig sein. Bei symptomatischem verändertem AC-Gelenk (Schultereckgelenk) kann es auch notwendig sein, den Gelenkspalt im Sinne einer arthroksopischen Teilresektion zu erweitern.


Kalkschulter

Die Tendinitis calcarea, im Sprachgebrauch auch Kalkschulter genannt, bezieht sich auf eine Ansammlung von Calcium in der Rotatorenmanschette (Kalkdepot). Wenn sich Kalk in einer Sehne bildet, kann dies durch eine Druckerhöhung in der Umgebung Schmerzen und Entzündungsreaktionen sowie Irritationen des Schleimbeutels hervorrufen. Dies kann abrupte und teilweise erhebliche Schmerzen verursachen, die so stark sein können, dass die Patienten in der Rettungsstelle Hilfe suchen.

Zusätzlich zu der Entzündungsreaktion und dem Druck kann das Kalkdepot den Gleitraum zwischen Schulterdach und Rotatorenmanschette einengen sowie die Funktion der betroffenen Sehne beeinträchtigen. Dies kann bei Anheben des Armes zu Anstoßphänomenen des Schulterdaches an das Kalkdepot/ die betroffene Sehne führen und so weitere Schmerzen verursachen.

Die Ursache der Kalkeinlagerung ist bisher noch nicht abschließend geklärt. Es scheint, dass vermehrt  Frauen zwischen dem 30. Und 60. Lebensjahr betroffen sind. Minderdurchblutung der Sehnen oder mechanische Druckbelastung durch Schulterdach-Anbauten können als ursächlich angesehen werden.

Verkalkungen können, wenn sie eine bestimmte Größe nicht überschreiten, mit der Zeit vom Körper eigens aufgelöst werden.

Neben der klinischen Untersuchung ist hier die Röntgenkontrolle die wichtigste diagnostische Maßnahme. Die Ultraschalluntersuchung und in unklaren Fällen auch die MRT-Untersuchung können weitere diagnostische Aufschlüsse geben.

Die Behandlung der Tendinitis calcarea beginnt, wenn die Verkalkung eine bestimmte Größe nicht übersteigt, zunächst konservativ. Bausteine der Behandlung hierbei sind:

  • Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente
  • Physiotherapie – Lindert die Entzündung und Stärkung der unterstützenden Muskulatur
  • Kortison-Injektionen unter das Schulterdach – Lindert die Entzündung und kontrolliert vorübergehend die Schmerzen
  • Stoßwellentherapie – Unterstützt die Verarbeitung des Kalk durch körpereigene Abbauprozesse

All diese Maßnahmen bieten wir Ihnen in unserem Vivantes MVZ ambulanten Schulterzentrum Pankow an.

Bei weiter bestehenden Verkalkungen, extremer Schmerzhaftigkeit oder sehr großen Verkalkungsbefunden kann eine arthroskopische Operation mit Kalkentfernung und zusätzlicher Akromioplastik sehr gute Ergebnisse bringen. Hierbei wird über eine Schlüssellochtechnik das Kalkdepot vorsichtig eröffnet und abgesaugt. Zudem sorgt man für ausreichend Platz unter dem Schulterdach, um zu verhindern, dass sich durch erneutes Anstoßen der Sehne eine neue Verkalkung bildet.


Frozen shoulder/Schultersteife

Die Schultersteife, auch Frozen shoulder oder adhäsive Capsulitis genannt, ist eine spontane Kapselentzündung mit Verdickung der eigentlich sehr elastischen Kapselstrukturen, die extrem schmerzhaft sein kann und eine erhebliche Bewegungseinschränkung des Gelenkes bis hin zur Schultersteife verursacht.

Die Frozen shoulder beginnt oftmals plötzlich ("über Nacht"), kann aber auch zusammen mit Stoffwechselerkrankungen, Hormonschwankungen oder auch nach Unfällen oder Operationen auftreten.

Die Erkrankung verläuft in der Regel durch drei längere Phasen.

  • Einfrierende Phase - Freezing Phase: Zumeist erheblicher Schmerz mit zunehmender Bewegungseinschränkung, Nachtschmerz, Schmerz bis zur Bewegungsunfähigkeit (2-9 Mo)
  • Steife Phase – Frozen Phase: Erhebliche Bewegungseinschränkung, oft weniger als 50% der Gegenschulter, Schmerz deutlich geringer (4-12Mo)
  • Lösende Phase – Thawing phase: Besserung der Bewegungseinschränkung, Schmerz nahezu aufgehoben (9-12 Monate)

Für jede dieser Phasen rechnet man etwa zehn Monate, so dass die Frozen shoulder klassischerweise nach ungefähr eineinhalb bis zwei Jahren ausgeheilt ist.

Die Diagnose einer Schultersteife ist in nahezu allen Fällen durch eine klinische Untersuchung zu stellen und bedarf nur in Ausnahmefällen einer zusätzlichen Ultraschall- oder MRT-Untersuchung.

Die Behandlung der Schultersteife erfolgt zu Beginn immer konservativ, wichtig ist hierbei das respektieren der Phasen. So liegen die Schwerpunkte je nach Phase unterschiedlich. Grundsätztlich findet Anwendung:

  • Gut eingestellte Schmerzmedikation und entzündungshemmende Medikamente, Akupunktur, Kinesiotape – Lindert die Schmerzen
  • Lokale Kortisoninjektionen oder orale Kortisonstufentherapie – Lindert die Entzündung und kontrolliert vorübergehend die Schmerzen
  • Manuelle Therapie, Physiotherapie, Osteopathie – Lindert die Entzündung und zunächst Lockerung, dann Stärkung der unterstützenden Muskulatur

All diese Maßnahmen bieten wir Ihnen in unserem Vivantes MVZ ambulanten Schulterzentrum Pankow an.

Bei längerem und erschwertem Verlauf kann die Frozen shoulder durch eine minimalinvasive Operation mit arthroskopischer Kapselspaltung oder auch Hydrodilatation erfolgreich therapiert werden.

  • Arthroskopische Kapselspaltung – Nach Abklingen der ersten Phase kann eine kontrollierte Kapselspaltung die Beweglichkeit der Schulter rasch verbessern. Eine postoperative Physiotherapie ist für den Operationserfolg wesentlich!
  • Hydrodilatation – Kapseldehnung mit entzündungshemmender Flüssigkeit unter Röntgenkontrolle kann die Beweglichkeit der Schulter rasch verbessern. Auch hier zählt: Eine postoperative Physiotherapie ist für den Operationserfolg wesentlich!

Rotatorenmanschettenrupturen

Die Rotatorenmanschette ist eine Sehnenplatte aus Muskeln der Schulter, die die oberen 4 Muskeln mit dem Oberarmkopf verbinden und die Schulter bewegen. Die Kraft der Muskelmanschette erlaubt es nicht nur den Oberarm aktiv anzuheben und zu drehen, sie hält des Weiteren auch  den Oberamkopf in der Schulterpfanne und verhindert beim Abspreizen des Armes das Anstoßen des Rollhügels an das Schulterdach.

Die Rotatorenmanschette liegt direkt unter dem Schulterdach und ist somit anfällig für Verletzungen, die entweder durch direkten Anprall wie bei einem Sturz oder auch durch dauerhafte Reibung von Knochenanbauten entstehen können.

Es können hierdurch Aufrauhungen oder gar Risse entstehen, die Schmerzen oder auch Schwäche in der Schulter mit sich bringen. Ist es zu einem Riss der Rotatorenmanschette gekommen, kann der Patient den Arm nicht mehr vollständig und schmerzfrei anheben, häufig besteht der Schmerz unter Belastung aber auch in der Nacht, bis in den Oberarm ausstrahlend.

Im Laufe des Lebens kommt es naturgemäß zur Degeneration und Abnutzung der Sehnen, so dass in einigen Fällen gar spontane Bewegungen zu Rissen der Rotatorenmanschette führen können. Ein Sturz oder Verdrehen des Armes kann selbstverständlich auch zu einem Abriss der Sehne führen.

Häufigste Gründe eines Rotatorenmanschetteneinrisses:

  • Unfall, vor allem mit Abstützen oder Überkopfgreifen schwerer Gegenstände.
  • Minderdurchblutung der Sehne mit kontinuierlicher Druckbelastung
  • Zunehmende Sehnenschwäche bei Muskeldysbalance der Rotatoren

Die Diagnosen einer Rotatorenmanschettenruptur und Zusatzverletzungen im Rotatoren-Intervall oder der Bicepssehne sind mit klinischen Tests, einer Ultraschalluntersuchung und einer MRT-Untersuchung sicher durchzuführen.

In nahezu allen Fällen ist der Abriss oder Einriss einer Sehne mit einer Operation zu versorgen. Grundsätzlich ist es ratsam, dies so früh wie irgend möglich zu planen, da mit zunehmender Zeit eine abgerissene Sehne weniger elastisch und geringer durchblutet ist.

Die Behandlung von Rotatorenmanschettenrupturen ist vor allem abhängig vom Ausmaß des (Ein-) Risses, dem Grad der schmerzhaften Funktionseinschränkung, dem Alter des Patienten, seinem Funktionsanspruch sowie der Gewebe- und Muskelqualität.

In den meisten Fällen ist eine operative Sehnennaht notwendig, die heutzutage arthroskopisch oder arthroskopisch gestützt durchgeführt wird. Diese Techniken haben den Vorteil nicht nur minimalinvasiv und gewebeschonend zu sein, sondern auch durch direkte Visualisierung mit Spezialinstrumenten ein optimales Operationsergebnis sichern zu können.

Das Ziel einer jeden Operation ist es, die Funktion des Gelenkes wieder herzustellen und Schmerzen zu beheben, hierzu muss jedoch auch nach der Operation intensive Physiotherapie in Anspruch genommen werden. Hierbei begleiten wir sie in unserem Vivantes MVZ ambulanten Schulterzentrum Pankow.

In einigen wenigen Fällen kann eine konservative Therapie bei einer Rotatorenmanschettenläsion eingeleitet werden.

Hier ist die Stärkung der unverletzten Sehnen zur Kompensation des Risses notwendig. Dies wird mit Hilfe von Physiotherapie, Osteopathie, Manualtherapie und Theraband-Übungen erreicht. Zusätzlich kann dies mit Schmerzmedikation und entzündungshemmenden Medikamenten, Akupunktur und Kinesiotape unterstützt werden.

All diese Maßnahmen bieten wir Ihnen in unserem Vivantes MVZ ambulanten Schulterzentrum Pankow an.


Frakturen des Schultergürtels

Frakturen an den knöchernen Strukturen des Schultergürtels treten in den meisten Fällen nach Unfällen beim Sport, bei Verkehrsunfällen und Stürzen zu Hause und auf der Straße auf. Dabei ist vor allem die Krafteinwirkung, wie z.B. bei einem "Rasanztrauma" für die Art der Fraktur verantwortlich.

Die häufigsten Brüche der Schulterregion sind:

  • Subcapitale Humerusfraktur/ Oberarmkopfbruch
  • Claviculafraktur/ Schlüsselbeinbruch
  • Scapulafraktur/ Schulterblattfraktur

Brüche von Knochen der Schulterregion werden durch Röntgenaufnahmen festgestellt. In manchen Fällen ist die Anfertigung eines CT notwendig, um die adäquate Therapie einzuleiten.

Die Art der Behandlung muss in Abhängigkeit vom Bruchort und Bruchtyp, Verletzungsmechanismus und in  Rücksicht auf den Patientenanspruch gewählt werden.

Brüche im Bereich des Oberarmkopfes (Subcapitale Humerusfrakturen) sind die häufigsten Brüche der Schulterregion. Sie treten zumeist bei Stürzen älterer Patienten mit Osteoporose auf, in einigen Fällen jedoch auch bei Hochrasanz-Unfällen junger Patienten.               

Die zweithäufigsten Brüche der Schulterregion sind Schlüsselbeinfrakturen (Claviculafrakturen). Zu diesen Brüchen kommt es häufig bei Snowboardunfällen, Fahrradstürzen, Motorradunfällen oder bei Kontaktsportarten.

Seltener kommt es im Rahmen von Stürzen auf die Schulter zu Schulterblattfrakturen (Scapulafrakturen).

Die Behandlung der Brüche am Schultergelenk hat zum Ziel, eine möglichst anatomische Heilung der Bruchfragmente zu erreichen. Hierzu gilt es folgendes zu beachten:

Wenn ein Bruch wenig verschoben und stabil ist, so kann die Therapie erfolgreich konservativ mit kurzfristiger Ruhigstellung und nachfolgend intensiver Physiotherapie das Wiedererlangen der Schulterfunktion ermöglichen.

Diese Maßnahme bieten wir Ihnen in unserem Vivantes MVZ ambulanten Schulterzentrum Pankow an.

Verschobene Brüche oder Belgeitverletzungen von Sehnen oder Muskeln sollten operativ versorgt werden, um die Wiederherstellung der Anatomie zu erreichen. Bei Oberarmbrüchen sind es zumeist winkelstabile Platten aus Titan. Handelt es sich um Schlüsselbeinbrüche oder Schultereckgelenksfrakturen, versorgen wir diese mit der eigens entwickelten Platte nach Dr. Dreithaler, welche ebenfalls aus Titan gefertigt ist.

Manche Oberarmbrüche sind vielfach zertrümmert und grob verschoben, so dass eine Wiederherstellung des Gelenkes nicht möglich ist. In diesen Fällen kann der Ersatz des Gelenkes mit einem künstlichen Gelenk (Endoprothese) notwendig sein. 

Nach einer Operation kann und sollte grundsätzlich frühzeitig mit Physiotherapie begonnen werden, um Vernarbungen und Bewegungseinschränkungen zu vermeiden. Nur in Ausnahmefällen muss die Schulter für einige Zeit in einer Bandage geschont werden, bevor eine Muskelkäftigung und Bewegungssteigerung begonnen werden kann.

Eine Entfernung des Osteosynthesematerials sollte am Oberarm frühestens nach 1 Jahr, am Schlüsselbein nach 3 bzw. 6 Monaten erfolgen.


Schulterinstabilität/Schulterluxation

Das Schultergelenk ist zusätzlich zur muskulären Führung durch eine die Pfanne umgebende Knorpellippe stabilisiert, dem sog Labrum glenoidale. Unterstützend wirksam bei der Führung des Gelenkes ist zudem die Gelenkkapsel. Sie wird gefestigt von einer Serie von Bandstrukturen, die sich zwischen dem Oberarmkopf und der Schulterpfanne aufspannen.

Wenn es zu einem Ausrenken der Schulter kommt (Schulterluxation), können das Labrum und die Kapsel überdehnen oder gar einreißen. Hierdurch ist die Stabilität des Gelenkes gefährdet und die Schulter kann erneut ausrenken. Dies beschreibt man dann als rezidivierende  Schultergelenksluxation.

Das Ausrenken der Schulter geschieht in den meisten Fällen nach vorne, seltener auch nach hinten.

Schulterinstabilitäten werden zumeist in 3 Formen unterteilt:

  • Traumatische Schulterluxation

Hierbei kommt es durch einen Unfall zum Ausrenken der Schulter. Häufig sind Kontaktsportarten/ Verkehrsunfälle oder Stürze die Ursache. In der Regel muss bei der ersten Schulterluxation das Weidereinrenken in einer 1. Hilfe unter einer kurzen Narkose durchgeführt werden.

Man lagert den Arm dann für ein paar Tage in einem Gilchrist-Verband und begibt sich in physiotherapeutische Behandlung. Ein MRT zum Ausschluss von Verletzungen der Knorpellippe oder Bänder sollte durchgeführt werden.

Durch die Kraft des Unfalles können in der Schulter unterschiedliche Strukturen verletzt sein. Im Folgenden sind diese aufgelistet:

  • Weichteilige Bankart Läsion – Labrumeinriss, meist am vorderen Pfannenrand
  • Knöcherne Bankart Läsion – Labrumeinriss mitsamt Absprengung eines Knochenfragmentes
  • Hill-Sachs Läsion – Impression des Oberarmkopfes gegenüber der Ausrenkrichtung
  • SLAP Einriss – Einriss der Knorpellippe am Ansatz der langen Bicepssehne
  • ALPSA Läsion (Anterior Labral Periosteal Sleeve Avulsion)
  • HAGL Läsion (Humeral Avulsion of Glenohumeral ligament)

Verzögerte Frakturheilung

Die Arthrose ist eine fortschreitende Degeneration eines Gelenkes. Sie entsteht, wenn die schützende Oberfläche des Gelenkes, der Gelenkknorpel, geschädigt ist. Im Laufe des Lebens kommt es zu einem Verlust von Knorpelsubstanz und der freiliegende Knochen unterliegt Veränderungen und Formverlust sowie knöchernen Anbauten. Dies führt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Die Schultergelenksarthrose ist seltener anzutreffen, als zum Beispiel an Knie oder Hüfte. Dennoch kann Sie dem betroffenen Patienten erhebliche Beschwerden und Einschränkungen bringen.

Mögliche Ursachen einer Schultergelenksarthrose sind:

  • Altersgemäße Abnutzung
  • Voroperation der Schulter
  • Vorschädigung durch ein Unfallereignis
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Überhöhte Schulterbelastungen (Leistungssportler, Überkopfarbeiter, Schwerstarbeiter)

Patienten mit Arthrose des Schultergelenkes beklagen eine schmerzhafte und teilweise steife Schulter, mit deutlicher Verminderung des Bewegungsausmaßes. Vor allem die Schmerzunahme nach Belastung der Schulter aber auch der Nachtschmerz ist klassisch für eine Schultergelenksarthrose. In einigen Fällen berichten Patienten über ein Überspringen der Schulter oder auch ein Krachen bei Bewegung, meist mit Schmerz verbunden.

Neben der klinischen Untersuchung sollte die Diagnose der Schultergelenksarthrose über ein Röntgenbild festgestellt werden.

In einigen Fällen ist die Anfertigung eines MRT oder auch 3D CT notwendig. Hiermit kann die Schwere der Arthrose, die Schädigung der Sehnen im Gelenk und auch der Schaden am Schultergelenksknochen festgestellt werden.

Bevor operative Eingriffe in Betracht gezogen werden, sollte die konservative Behandlung der Schultergelenksarthrose zunächst vollständig ausgeschöpft werden.

Mögliche konservative Methoden, die eine Arthrose positive beeinflussen können,  sind:

  • Physiotherapie – Kann die Steifheit und Bewegungsunfähigkeit aufhalten oder auch verbessern
  • Schmerzmedikation und entzündungshemmende Medikamente – können Symptome lindern, allerdings keine Heilung hervorrufen
  • Injektionen (Kortison/ Lokalanästhetikum) – Können kurzfristige Symptomlinderung schaffen
  • Injektionen (Hyaluronsäure) – Können gerade im Anfangsstadium der Arthrose eine deutliche Besserung der Beschwerden und der Beweglichkeit mit sich bringen. Zudem weisen Sie geringere Nebenwirkungen als Kortison auf und sind in der Regel länger wirksam

Gelingt es nicht mehr, durch diese Maßnahmen eine für den Patienten akzeptable Situation zu erreichen, gibt es Möglichkeiten, die Arthrose operativ zu behandeln.

Eine arthroskopische Operation des Schultergelenkes bei Arthrose kann vorrübergehende Verbesserungen erzielen. In dieser Operation wird chronisch entzündlich veränderte Schleimhaut entfernt, Knorpel geglättet und Schleimbeutelverklebungen gelöst. Dieser Eingriff bietet ein extrem niedriges Operationsrisiko. Allerdings ist die Arthroskopie und Gelenkspülung nur in mittelschweren Arthrosestadien sinnvoll.

Im Falle einer Arthrose in maximaler Ausprägung oder auch bei Patienten, die trotz intensiver konservativer Therapie oder arthroskopischer Operation keine Linderung erfahren, ist der Ersatz des betroffenen Gelenkes sinnvoll.

Es stehen eine Vielzahl unterschiedlichster Schultergelenksersatz-Modelle zur Verfügung, von alleinigem Oberflächenersatz bis hin zur gedrehten Ersatzprothese bei maximal fortgeschrittener Arthrose mit Sehnen- und Muskelbeteiligung.

Die Wahl der richtigen Prothese hängt ab von einer Reihe von Merkmalen wie dem Ausmaß der Gelenkzerstörung, dem Alter und Aktivitätslevel des Patienten und auch der Form der Arthrose (Rheuma/ nach Unfall/ normaler Altersverschleiß).

Traditionell werden zwei Formen des Schultergelenksersatzes eingesetzt. Der anatomische Ersatz des Gelenkes, bei dem die Gelenkflächen des Oberarmkopfes und der Schulterpfanne durch Ersatzmaterialien wiederhergestellt werden, und der sogenannten inversen Schulterprothese, bei der die Gelenkbiomechanik gedreht wird (invers = umgekehrt), um eine vorhandene Sehnen- und Muskelzerstörung im Rahmen einer Arthrose auszugleichen.

In seltenen Fällen ist ein sog. "Customized Gelenkersatz" (patientenindividuelle, speziell angefertigte  Prothese) notwendig, wenn ausgeprägte Knochenverluste vorliegen, die ausgeglichen werden müssen.

Die Entscheidung über das Modell der Endoprothese muss in jedem Fall individuell erfolgen.