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Interdisziplinäres Darmkrebszentrum

Darmkrebs

Darmkrebs ist eine bösartige Tumorerkrankung des Dickdarms oder des Enddarms. In Deutschland erkranken jährlich ca. 70.000 Menschen an Darmkrebs. Derzeit ist diese Tumorerkrankung bei Männern die dritthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste bösartige Erkrankung.

Darmkrebs ist bei älteren Menschen deutlich häufiger als bei jüngeren. Es gibt jedoch auch Darmkrebserkrankungen, die durch Genveränderungen entstehen und auch vererbt werden können. Dazu gehört die sogenannte familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) und die hereditäre nicht polypöse Form von Darmkrebs (HNPCC).

Diese Patienten oder Patientinnen erkranken bereits in jungem bis mittlerem Erwachsenenalter und Verwandte haben ebenfalls ein hohes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Wie entsteht Darmkrebs?

Darmkrebs entsteht in der Regel aus einer gutartigen Schleimhautwucherung (Adenom). Diese Wucherungen werden auch als Polypen bezeichnet. Die Entwicklung von Darmkrebs aus solch einem Polypen dauert oft viele Jahre, so dass Darmkrebs nicht von heut auf morgen entsteht.

Diese Polypen sind in einer Dickdarmspiegelung (Koloskopie) gut sichtbar und können normalerweise problemlos bereits bei der Untersuchung entfernt werden. Dadurch wird die Entstehung von Darmkrebs verhindert.

Gibt es Früherkennungsmöglichkeiten?

Die Darmspiegelung ist die zuverlässigste Früherkennungsmethode. In Deutschland wird eine Darmspiegelung ab dem Alter von 55 Jahren zur Früherkennung empfohlen und alle Krankenversicherungen tragen die Kosten für diese Untersuchung.


Welche Symptome verursacht Darmkrebs?

Welche Symptome verursacht Darmkrebs?

In frühen Stadien verursacht Darmkrebs in der Regel keine Symptome, die dem oder der Betroffenen Beschwerden bereiten. Häufig kommt es jedoch zu leichten Blutungen des Tumors, die der oder die Erkrankte aber nicht unbedingt bemerken muss.

Im Stuhl lässt sich häufig verstecktes Blut nachweisen oder es fällt bei einer Blutbilduntersuchung auf, dass eine Blutarmut (Anämie) vorliegt.

In späteren Stadien kann der Tumor zu Stuhlgangsveränderungen führen, in seltenen Fällen sogar zu einem Darmverschluss. Da Darmkrebs erst spät Beschwerden bereitet, ist es umso wichtiger, dass die Darmspiegelung als Früherkennungsmaßnahme genutzt wird.


Kann Darmkrebs Metastasen bilden?

Ja! Darmkrebs kann Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, in Lymphknoten des angrenzenden Fettgewebes bilden. Vorrangig metastasieren diese Tumore in die Lymphknoten entlang der Blutgefäße, die den betreffenden Darmabschnitt versorgen.

Des Weiteren können Metastasen in der Leber und im Bauchfell entstehen, bei sehr fortgeschrittenen Tumorerkrankungen auch in der Lunge. Diese sogenannten Fernmetastasen stellen eine besondere Herausforderung in der Tumorbehandlung dar, da die Teams der Onkologie, der Strahlentherapie, der Radiologie und der Chirurgie für jeden einzelnen Patienten und jede Patientin individuelle Therapiekonzepte erstellen müssen. Die gute Nachricht ist jedoch, dass auch in solch einer Situation eine Heilung möglich ist.


Wie ist der Darm aufgebaut?

Wir haben ca. 4m Dünndarm. Darmkrebs entsteht im Dickdarm, Dünndarmkrebs ist eine Rarität, deshalb wird auch vom kolorektalen Karzinom gesprochen.

Der Dünndarm geht im rechten Unterbauch in den Dickdarm über, dort liegt direkt hinter dem Übergang der Blinddarm. Der Dickdarm (Kolon) liegt im Bauchraum wie ein Fensterrahmen. Man unterscheidet folgende Abschnitte: Den ersten Abschnitt direkt hinter dem Übergang vom Dünndarm bezeichnet man als Zökum.

Von dort steigt der Darm zum rechten Rippenbogen auf und wird als Kolon ascendens bezeichnet. Der quer zum linken Rippenbogen verlaufende Teil wird als Querkolon (Kolon transversum) bezeichnet. Der absteigende Teil ist das Kolon descendens.

In einer S-förmigen Schleife, auch als Sigma bezeichnet geht der Dickdarm in den Mastdarm über, der als Rektum bezeichnet wird. Am Darmausgang (After) sitzt der anale Schließmuskel.

Ca. 25% der Karzinome entstehen im rechten Kolon, ca. 15% im Querkolon. Am häufigsten kommt Darmkrebs im Sigma und Rektum vor.


Diagnose Darmkrebs: Wie geht es jetzt weiter?

In diesem Fall wird Ihr Gastroenterologe bzw. Ihre Gastroenterologin oder Ihre Hausärztin Sie an ein Krankenhaus mit großer Erfahrung in der Behandlung des kolorektalen Karzinoms überweisen. Zunächst wird die Ausbreitungsdiagnostik durchgeführt (Staging). Diese Untersuchungen sind nötig, um Fernmetastasen auszuschließen und ein Therapiekonzept für Sie zu planen. Folgende Untersuchungen sind dabei nötig:

Wenn alle Befunde vorliegen, wird entschieden, ob der Tumor operiert werden sollte oder eine Vorbehandlung (z.B. Radiochemotherapie) empfehlenswert ist. Die Entscheidung über den Therapieplan wird anhand der S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom" der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. und der Deutschen Krebshilfe in einer wöchentlich durchgeführten Darmkrebstumorkonferenz getroffen.

Alle Behandlungspartner aus der Chirurgie, Onkologie, Pathologie, Strahlentherapie, Gastroenterologie und Radiologie sind dort anwesend, um für Sie den passenden Therapieplan individuell auszuarbeiten.

Wie wird Darmkrebs operiert?

Wie wird Darmkrebs operiert?

Die Art der Operation hängt von der Lage des Tumors im Dickdarm ab. Für jede Tumoroperation am Darm gilt: alle Lymphknoten und blutversorgende Gefäße des tumortragenden Darmabschnittes zu entfernen, da über diesen Weg die Tochtergeschwülste (Metastasen) entstehen.

Für einen Tumor z.B. im rechten Kolon (Zökum und Kolon ascendens) bedeutet das, dass das gesamte rechten Kolon entfernt werden muss. Anschließend wird eine neue Darmverbindung (Anastomose) hergestellt.

Bei Tumoren im Enddarm (Rektum) wird das gesamte Rektum mit umgebendem Fettgewebe entfernt. Ob hier eine neue Darmverbindung hergestellt werden kann, ist abhängig von der Entfernung des Tumors zum Schließmuskel. Sollte der Tumor zu nah am Schließmuskel liegen, kann es auf Grund des fehlenden Sicherheitsabstands sein, dass der Schließmuskel mit entfernt werden muss und keine neue Darmverbindung hergestellt werden kann. Diese besondere Situation wird vor der Operation ausführlich mit Ihnen besprochen worden.


Wann ist die Anlage eines künstlichen Darmausganges nötig?

Bei der Operation eines Mastdarm-Krebses (Rektumkarzinom) kann es wie im vorherigen Abschnitt beschrieben sein, dass der Schließmuskel mit entfernt werden muss. Das ist abhängig von der Entfernung des Tumors zum Schließmuskel. Sollte es notwendig werden, bei Ihnen so einen dauerhaften, künstlichen Darmausgang anzulegen, wird das ausführlich vor der Operation mit Ihnen besprochen werden.

Sollte der Abstand des Tumors zum After ausreichend sein und der Schließmuskel erhalten werden können, wird nach Entfernung des Enddarms eine neue Darmverbindung hergestellt. Diese neue Darmverbindung wird vorübergehend mit einem vorgeschalteten künstlichen Darmausgang geschützt. In der Regel kann dieser künstliche Darmausgang nach ca. zwei bis drei Monaten zurück verlagert werden.

Bei Operationen von Darmkrebs im Kolon ist die Anlage eines künstlichen Darmausgangs meistens nicht notwendig, kann jedoch auch in seltenen Fällen notwendig werden.

Falls Sie in unserer Klinik einen künstlichen Darmausgang erhalten, werden Sie nach der Operation durch geschultes Stomapersonal betreut und Schritt für Schritt in die Handhabung und selbstständige Versorgung des künstlichen Darmausgangs eingeführt. Auch die weitere Versorgung zu Hause wird bereits aus dem Krankenhaus organisiert.


Können Komplikationen bei einer Darmkrebs-Operation auftreten?

Ja, jede Operation kann Risiken und Komplikationen mit sich bringen. Insgesamt ist das Komplikationsrisiko bei einer Darmkrebsoperation moderat. Zur Risikoabschätzung werden vor einer Darmkrebs-Operation Ihre Nebenerkrankungen umfangreich geprüft, um Probleme in der Zeit nach der Operation vermeiden zu können.

Als spezielle Komplikationen nach einer Darmkrebs-Operation können Nachblutungen und Bauchfellentzündungen auftreten. Im Fall einer Bauchfellentzündung muss die Dichtigkeit der neu angelegten Darmverbindung (Anastomose) geprüft werden. In manchen Fällen ist hierfür eine erneute Operation notwendig. Bei einer Undichtigkeit der Anastomose kann eine vorübergehende Anlage eines künstlichen Darmausgangs notwendig werden.


Kann Darmkrebs mit Schlüssellochtechnik operiert werden?

Ja, heutzutage wird Darmkrebs regelhaft in Schlüssellochtechnik operiert. Die Schüssellochtechnik stellt somit den Standard für alle Darmkrebsoperationen dar. Sie profitieren durch die kleinen Schnitte und haben dadurch weniger Schmerzen.

Andere Maßnahmen, wie schneller Kostaufbau in Kombination mit einer minimal-invasiven Darmkrebsoperation führen dazu, dass Sie sich nach der Operation schneller erholen.

Es gibt jedoch auch Situationen, bei denen ist es nicht sinnvoll, in Schlüssellochtechnik zu operieren. Zum Beispiel wenn bei Ihnen schwere Nebenerkrankungen (z.B. Lungenerkrankungen) vorliegen sollten. Auch wenn bei Ihnen bereits größere Operationen der Bauchhöhle in der Vergangenheit durchgeführt wurden, kann es sein, dass eine minimal-invasive Darmkrebsoperation erschwert und möglicherweise mit Risiken für Verletzungen anderer Organe verbunden ist.

Auch während einer minimal-invasiven Darmkrebsoperation können Situationen auftreten, die eine Umstellung auf einen Bauchschnitt notwendig machen. Insgesamt ist jedoch der Anteil der minimal-invasiven Darmkrebsoperationen gemessen an der Gesamtzahl der Darmkrebsoperationen am Vivantes Klinikum Neukölln weit über 80 %, so dass nur noch ein kleiner Teil mit Bauchschnitt operiert werden muss.


Roboter-assistierte minimal-invasive Darmkrebsoperation (Da Vinci)

Eine Weiterentwicklung der Schüssellochtechnik ist die Darmkrebsoperation mit dem Roboter. Durch dieses System kann die Darmkrebsoperation noch präziser durchgeführt werden.

Wir bieten diese neue Technologie für Sie in Zusammenarbeit mit dem Vivantes Klinikum am Urban an.

Darmkrebs-OP: Ablauf in unserem Darmkrebszentrum

Nachdem Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Sie zu uns zur Operation überweisen hat, erfolgt eine Erstvorstellung in unserer Ambulanz. Hier werden Sie alle weiteren Schritte in Ruhe und ausführlich durch unser Oberarztteam erläutert bekommen.

Wir werden fehlende Untersuchungen organisieren und Ihre Befunde ggf. in unserer Tumorkonferenz besprechen. Wenn alle nötigen Staging-Untersuchungen vorliegen, besprechen wir Ihr Therapiekonzept. Anschließend erfolgen Blutabnahmen und Vorstellung bei unseren Narkoseärzten und -ärztinnen. Dann wird Ihr OP-Termin festgelegt. Sie erscheinen zur Operation am Morgen des Operationstages auf unserer Station nüchtern. Sollte eine Darmvorbereitung notwendig sein, werden Sie diese am Tag vor der Operation in Ruhe zu Hause durchführen können.

Nach der Operation werden Sie vielleicht für eine Nacht auf einer unserer Überwachungsstationen betreut.  Bereits am Abend des Operationstages dürfen Sie trinken und werden mit Unterstützung durch das Pflegepersonal an der Bettkante für einige Zeit sitzen. In den Tagen nach der Operation wird der Kostaufbau Schritt für Schritt gesteigert, Sie werden durch ein Team der Physiotherapie unterstützt, zügig wieder mobil zu werden und werden zu Atemtraining angehalten. Sollten Sie einen künstlichen Darmausgang erhalten haben, werden Sie durch unser geschultes Stomapersonal in die selbstständige Versorgung eingewiesen. Bei problemlosem Verlauf ist eine Entlassung nach 5–7 Tagen möglich.

Das Ergebnis der pathologischen Untersuchung des Tumors dauert regelhaft 5–7 Werktage. Jeder Tumorerkrankung wird ggf. nochmals in unserer Tumorkonferenz besprochen und eine möglicherweise notwendige Weiterbehandlung geprüft. Anschließend erfolgt ein ausführliches Gespräch mit Ihnen. Sollten Sie zu diesem Zeitpunkt bereits entlassen sein, wird dieses Gespräch in einem ambulanten Termin in unserer Ambulanz stattfinden.

Während des stationären Verlaufes wird außerdem unser Sozialdienst zur Organisation einer Rehabilitationsmaßnahme oder anderer sozialer Unterstützung informiert. Bei Wunsch ist auch eine begleitende psychologische Bereuung möglich.

Sollten Sie jung sein und mehrere Fälle von Darmkrebs im familiären Umfeld entstanden sein, sollte eine erbliche Komponente der Darmkrebserkrankung ausgeschlossen werden. Dies kann über eine spezielle Analyse unserer Pathologen im Haus aus den entnommenen Darmkrebszellen aus Operationspräparat erfolgen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, bieten wir an, dass Sie sich genetisch beraten lassen. Ein Termin bei unsren Partnern der Humangenetik können wir gerne für Sie vereinbaren.