Klinik für Gefäßmedizin
Schaufensterkrankheit

Wenn die Beine schmerzen

Schmerzen in den Beinen können insbesondere im Alter ein Hinweis auf eine fortgeschrittene arteriosklerotische Verengung der Beinarterien sein. Eine solche Schaufensterkrankheit, im Fachjargon periphere arterielle Verschlusskrankheit – kurz pAVK – genannt, ist in der Bevölkerung weit verbreitet, aber häufig nicht bekannt. Geschätzt leiden 20 Prozent aller 65-Jährigen, insgesamt 4,5 Millionen Menschen in Deutschland, an einer Verkalkung der Beinarterien. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit besteht eine Durchblutungsstörung im Bereich der Arme und Beine. In den meisten Fällen sind die Arterien betroffen, die die Blutversorgung der Beine sicherstellen. Zu 95 Prozent ist die pAVK eine Folge der Arterienverkalkung. Ablagerungen führen zu Engstellen in den Arterien und anschließenden zu Durchblutungsstörungen in den Beinen. Eine Durchblutungsstörung bedeutet, dass für das abhängige Gewebe nicht ausreichend Nährstoffe, insbesondere Sauerstoff, mit dem Blut zur Verfügung gestellt werden können. Beim Gehen kommt es zu einem Sauerstoffmangel in der Muskulatur. Dieser Sauerstoffmangel führt zu den charakteristischen krampfähnlichen oder stechenden Schmerzen, zunächst nur bei Belastungen, später auch als Ruheschmerz.

Betroffene müssen häufig stehen bleiben. Darauf ist auch der Name „Schaufensterkrankheit“ zurückzuführen. Sie schränkt nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen ein, sondern führt häufig auch zu einer sozialen Isolation. Bei mehr als 90 Prozent aller Patientinnen und Patienten zeigt die Erkrankung einen gutartigen Verlauf, ohne dass ein Beininfarkt entsteht. In dem Endstadium der Erkrankung kann es zu einem Gewebeverfall kommen. Es bilden sich schwarze Flecken, die möglicherweise eine Amputation erforderlich machen. Auch erhöht sich das Risiko einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Da viele Betroffene Raucherinnen und Raucher sind, spricht man auch vom "Raucherbein".

Konservative Therapie, Katheterbehandlung und Gefäßoperation

In der Klinik für Gefäßmedizin am Vivantes Humboldt-Klinikum setzen wir zunächst auf die konservative Behandlung der pAVK. Dazu zählt die medikamentöse Therapie mit Blutverdünnern und Wirkstoffen, die helfen Bluthochdruck und Blutfette zu senken. Aber auch der Gefäßsport spielt eine wichtige Rolle für die Behandlung. Sollten diese Maßnahmen nicht zum Erfolg führen, kommen schonende Kathetertechniken zum Einsatz. In schweren Fällen werden primär auch Gefäßoperationen wie Bypass-Operationen durchgeführt. Folgende Kathetertechniken und Gefäßoperationen kommen bei uns zum Einsatz:

  • Prostaglandin-Infusionen
  • Ballondilatationen (PTA = perkutane transluminale Angioplastie)
  • Stentimplantationen
  • Thrombendarteriektomie und Patchplastiken (Ausschälplastik)
  • Legen von Bypässen mit Venen, seltener mit Kunststoffprothesen
  • Hybrid-Operationen als Kombination aus Kathetertechnik und Gefäßoperation
  • Spinale Nervenstimulation (Spinal Cord Stimulation)
  • Computertomographie-gestützte Sympathikolyse (Nervenblockade)

Alle modernen Kathetertechniken bieten wir am Vivantes Humboldt-Klinikum in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Diagnostik und Interventionelle Radiologie an. Welche minimal-invasive Therapie für die einzelne Patientin oder den einzelnen Patienten in Frage kommt, entscheiden wir im Rahmen einer interdisziplinären Fallbesprechung in der Gefäßkonferenz. Selbstverständlich versorgen wir Patientinnen und Patienten mit akutem Beinarterienverschluss rund um die Uhr.

In der Klinik für Gefäßmedizin am Vivantes Humboldt-Klinikum führen wir im Rahmen unserer angiologischen und gefäßchirurgischen Sprechstunde grundlegende Gefäßuntersuchungen durch, wie die Pulsoszillographie oder eine Laufbandmessung. Diese Diagnoseverfahren wie auch farbkodierte Duplexsonographien (FKDS) helfen dabei, Durchblutungsstörungen an den Becken-Beinarterien zu beurteilen. Darüber hinaus beraten wir unsere Patientinnen und Patienten zum weiteren Vorgehen.