Frühgeburt

Ein Baby, das vor 37+0 Schwangerschaftswochen auf die Welt kommt, wird als Frühgeborenes oder Frühchen bezeichnet. Das Geburtsgewicht liegt bei vielen Frühgeborenen noch unter 2.500 Gramm, je nach Zeitpunkt der Geburt kann das kleine Neugeborene auch nur knapp 500 Gramm wiegen. Etwa ab 24+0 Schwangerschaftswochen ist ein Baby auch außerhalb des Mutterleibs lebensfähig. Ab diesem Zeitpunkt wird für ein Frühchen alles medizinisch Mögliche getan, um es am Leben zu halten und in seiner vollständigen Entwicklung zu unterstützen.

In Ausnahmefällen kann ein Kind sogar vor 24+0 Schwangerschaftswochen auf die Welt kommen und dank des medizinischen Fortschritts auch zu diesem sehr frühen Zeitpunkt außerhalb der Gebärmutter überleben– allerdings kann eine solche Entscheidung auch bedeuten, dass das Baby dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigungen erleidet.

Je früher ein Kind vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt kommt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht vollständig entwickelt ist und lebenswichtige Organe, wie z. B. die Lunge, nicht ausgereift sind. Diese reift erst innerhalb der letzten Wochen im Bauch der Mutter heran. Vor allem sehr junge Frühchen kommen mit einem höheren Risiko für körperliche und geistige Behinderungen auf die Welt. Bei Frühgeborenen, die mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1.500 Gramm ins Leben starten, kommt es häufig zu bleibenden Schäden.

Ursachen – warum es zu Frühgeburten kommen kann

In vielen Fällen lassen sich Frühgeburten nicht auf bestimmte Ursachen zurückführen. Mögliche Auslöser sind allerdings Erkrankungen der Mutter, wie z. B. Infektionen des Unterleibs oder Komplikationen im Verlauf der Schwangerschaft, wie ein vorzeitiger Blasensprung. Auch anhaltender Zigaretten- oder Alkoholkonsum der schwangeren Frau sowie Fehlbildungen oder Chromosomenstörungen des Ungeborenen erhöhen das Risiko einer Frühgeburt. Hat die werdende Mutter bereits zuvor ein Frühchen bekommen, ist die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Frühgeburt erhöht. Bei Mehrlingsschwangerschaft kommen die Kinder im Schnitt häufiger als Frühchen auf die Welt, da es häufiger zu vorzeitigen Wehen oder Entzündungen kommt. Um das Risiko einer Frühgeburt zu verringern, ist es wichtig, alle Vorsorgeuntersuchungen im Verlauf der Schwangerschaft wahrzunehmen, Veränderungen des Körpers genau zu beobachten und bei Auffälligkeiten den Arzt aufzusuchen.

Bei einigen schwangeren Frauen wird bereits vom Arzt eine drohende Frühgeburt diagnostiziert, zum Beispiel wenn der Gebärmutterhals verkürzt ist oder der Muttermund zum Teil geöffnet ist. In solchen Fällen wird versucht, die Entbindung möglichst lange hinauszuzögern – jeder weitere Tag im Mutterleib tut dem Ungeborenen und seiner Entwicklung gut. Der Arzt verschreibt meist wehenhemmende Mittel oder Wirkstoffe zur schnelleren Lungenreifung des Kindes. In einigen Fällen wird die Schwangere auch schon zur Überwachung in ein Krankenhaus eingewiesen.

Versorgung von Frühchen

Frühgeburten können nur in Geburtskliniken mit angeschlossenem Perinatalzentrum durchgeführt werden, die eine spezielle Versorgung des Babys ermöglichen. Durch die heute verbesserten Behandlungsmethoden sind auch die Überlebenschancen zu früh geborener Kinder gestiegen – bei Geburt ab 28+0 Schwangerschaftswochen liegt sie bei fast 100 Prozent.

Typischerweise ist die Haut von Frühgeborenen noch sehr dünn und empfindlich, und die Reflexe sind nur schwach ausgeprägt. Nach der Geburt wird das Baby in einen Brutkasten (Inkubator) verlegt. Dort ist es geschützt vor Temperaturschwankungen, Lärmreizen und Infektionen. Im Brutkasten wird das Baby kontinuierlich überwacht und unter Umständen muss die Atmung unterstützt werden. Die Ernähung, auch von ganz kleinen Frühgeborenen, sollte möglichst mit Muttermilch erfolgen, dadurch sind die Baby am besten vor Infektionen geschützt und die gewünschten Darmbakterien können sich gut entwickeln. Auch wenn Ihr Baby die meiste Zeit zu Beginn seines Lebens im Inkubator verbringt, ist enger Hautkontakt mit den Eltern wichtig. Halten Sie die kleine Hand, und streicheln Sie Ihr Baby, wann immer es möglich ist. Die Ärzte machen Sie sicherlich auch mit der „Känguru-Methode“ vertraut, bei der Ihnen Ihr Kind auf die nackte Brust gelegt wird. Für seine Entwicklung ist es wichtig, dass es Sie spüren und riechen kann und so eine enge Bindung zu Ihnen aufbaut.


Dieser Text wurde mit Unterstützung der leitenden Oberärztin Dr. Babett Ramsauer vom Vivantes Klinikum Neukölln erstellt.


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