
Herzrhythmusstörungen
Bei Herzrhythmusstörungen ist der normale Herzschlag gestört. Dies kann sich durch Unregelmäßigkeiten in der Herzschlagfolge äußern wie Herzstolpern, Herzrasen, Luftnot und allgemeine Leistungsschwäche, aber auch durch eine plötzliche Bewusstlosigkeit.

Ein gesundes Herz schlägt in Ruhe ca. 60 bis 80 Mal in der Minute, das sind jeden Tag ca. 100.000 Schläge. Gelegentlich kann das Herz dabei aus dem Takt kommen.
Wir sprechen von Herzrhythmusstörungen, wenn der normale Herzschlag gestört ist. Normalerweise spürt man sein Herz nicht. Kommt es aber zu Unregelmäßigkeiten in der Herzschlagfolge, äußern sich diese als Herzstolpern, -rasen, Luftnot oder allgemeine Leistungsschwäche. Auch kann es zu plötzlichen Bewusstlosigkeiten oder sogar zum plötzlichen Herztod kommen. Man unterscheidet vier große Gruppen von Patienten mit Herzhythmusstörungen, die einer Abklärung und ggf. einer Therapie bedürfen. Für diese Patienten stehen in unserer Klinik komplett ausgerüstete diagnostische und therapeutische Einheiten zur Verfügung, die von einem Personal bedient werden, das über spezifische und langjährige Erfahrung im Umgang mit Herzhythmuspatienten verfügt. Im Folgenden wollen wir Ihnen die wichtigsten Herzrhythmusstörungen im Einzelnen beschreiben und Ihnen die Untersuchungs- und Behandlungsmethoden erklären.
Herzstolpern

Ist der normale Herzrhythmus gestört, z. B. dadurch, dass irgendwo im Herzen Zusatzimpulse gebildet werden oder auch Impulse ausfallen, sprechen wir von Herzrhythmusstörungen. Es gibt kaum eine Person, die nicht schon mal kurzzeitiges Herzstolpern oder "Aussetzer des Herzens" verspürt hat. Verantwortlich sind dafür sog. Extrasystolen. Das sind Extraschläge (Zusatzimpulse), die vorzeitiger als der Normalschlag einfallen und dadurch als Aussetzer verspürt werden. Solche Extrasystolen können gehäuft auftreten und entsprechend zu länger dauernden Missempfindungen führen. Auch wenn es sich dabei in aller Regel um harmlose Herzrhythmusstörungen handelt, sind verständlicherweise viele Patient*innen darüber äußerst beunruhigt. Sie fürchten, plötzlich tot umfallen zu können. Wichtigste ärztliche Aufgabe ist es daher abzuklären, ob die zugrunde liegende Herzrhythmusstörung wirklich harmlos ist oder ob sie möglicherweise gefährlich werden könnte.
Wenn die Herzschlagfolge vollkommen aus dem Takt gerät, und Sie ein länger anhaltendes (Minuten bis Stunden) Herzstolpern oder sogar unregelmäßiges Herzrasen verspüren, findet sich im EKG in aller Regel Vorhofflimmern als Ursache. Diese Herzrhythmusstörung ist in den letzten Jahren stark ins Blickfeld geraten, weil sie nicht nur für die Patienten äußerst lästig ist, sondern nicht selten auch zu einem Schlaganfall führt.
Einzelne „Stolperer“ sind harmlos und bedürfen keiner spezifischen Behandlung. Stärkere Rhythmusstörungen, sofern sie von dem Patienten auch als unangenehm empfunden werden, behandeln wir mit „einfachen“ nebenwirkungsarmen Medikamenten. Sollte dies nicht helfen, kann die Katheterablation weiterhelfen. ein Verfahren, dass Orte, an denen Rhythmusstörungen entstehen, verödet.
Herzrasen
Wenn das Herz schneller als 100-mal pro Minute schlägt, sprechen wir von einer Tachykardie. Patient*innen verspüren, insbesondere wenn das Herz schneller als 150-mal pro Minute schlägt, Herzrasen. Das Herzrasen kann von den Vorhöfen (auch Vorkammern) ausgehen. Wir sprechen dann von supraventrikulärem (oberhalb der Herzkammern) Herzrasen. Sind die Hauptkammern Ursprung, so sprechen wir von ventrikulärem (von den Kammern ausgehendem) Herzrasen. Das Auftreten von Herzrasen (intermittierenden Tachykardien) ist gerade bei jüngeren Patient*innen eine häufige Rhythmusstörung. Allein in Berlin müssen deshalb jedes Jahr über 7.000 Patient*innen stationär behandelt werden. Die Diagnose "Herzrhythmusstörung" steht an 10. Stelle der Einweisungsgründe aller Erkrankungen.
Die Entwicklung neuer Behandlungsverfahren hat in kaum vorstellbarer Weise die Versorgung von Patienten mit Herzrasen verbessert. Während noch vor wenigen Jahren diese Patienten nicht selten Wochen in Krankenhäusern verbrachten und über Jahrzehnte nebenwirkungsreiche und teure Medikamente einnehmen mussten, können wir sie heute mittels Katheterablation heilen. Die Patienten benötigen nach einer Ablation zumeist keine Medikamente mehr und verlieren die Angst vor den lästigen Anfällen von Herzrasen.
Bewußtlosigkeit
Die plötzliche Bewusstlosigkeit (Synkope) ist ein großes klinisches Problem. Sie ist sehr häufig und führt nicht selten zu Folgeverletzungen (Knochenbrüche, Kopfverletzungen) mit bisweilen tödlichem Ausgang. Der Aufwand zur Abklärung von Synkopen ist wegen der Komplexität des Krankheitsbildes leider recht hoch. Er lässt sich allerdings dort erträglich halten, wo alle diagnostischen und therapeutischen Einheiten gebündelt vorhanden sind. Wir haben in unserer Klinik eine solche Einheit (Synkopenzentrum) geschaffen, die es uns erlaubt, in enger Verflechtung auch mit anderen Fachabteilungen alle erforderlichen Untersuchungsverfahren - inhaltlich und logistisch aufeinander abgestimmt - einzusetzen. Dazu gehören z.B. auch die Kipptischuntersuchung, und die Elektrophysiologische Untersuchung.
Da nicht selten Herzhythmusstörungen die Ursache für Synkopen sind, kommen auch hier alle diagnostischen Verfahren zur Anwendung, mit denen wir kurz anhaltende Herzrhythmusstörungen aufdecken können. Das Langzeit-EKG, der Ereignisrekorder sowie die telemonitorische EKG-Übertragung (über das Telefon und Internet) und die Elektrophysiologische Untersuchung sind die wichtigsten Untersuchungen, die im Rahmen der Stufendiagnostik zum Einsatz kommen. Sie besitzen eine hohe diagnostische Aussagekraft und werden in unserer Abteilung seit vielen Jahren durchgeführt. In einigen Fällen setzen wir auch einen EKG-Chip unter die Haut, mit dem wir bis zu 3 Jahre lang ein EKG aufzeichnen können (sog. Loop-Recorder).
Die meisten Bewusstlosigkeiten, die durch Rhythmusstörungen bedingt sind, entstehen nicht durch Herzrasen, sondern durch Aussetzen des Herzschlages. Therapie der Wahl ist in diesen Fällen ein Herzschrittmacher. Wir implantieren in unserer Klinik heute ausnahmslos solche Schrittmacher, deren Funktion nach den individuellen Bedürfnissen der Patient*innen ausgerichtet sind.
Plötzlicher Herztod
Die schwerste Herzhythmusstörung, die auftreten kann, ist das Herzkammerflimmern. Diese Herzrhythmusstörung führt unweigerlich zum Tod, wenn nicht innerhalb von Minuten Wiederbelebungsversuche eingeleitet werden. Jedes Jahr versterben in Deutschland an den Folgen von Kammerflimmern 80.000 Personen bzw. werden zu spät wiederbelebt. Nur bei einem kleinen Teil der Patient*innen kommt der Rettungswagen so früh, dass eine Wiederbelebung ohne bleibenden Hirnschaden gelingt.
Patienten die erfolgreich wiederbelebt wurden, aber auch diejenigen, die vom plötzlichen Herztod bedroht sind, können heute nachhaltig durch die Implantation eines Defibrillators (ICD = Implantierbarer Cardioverter-Defibrillator) behandelt werden. Für die Implantation von Defibrillatoren steht in unserer Abteilung ein Team zur Verfügung, das über eine mehr als 20jährige Erfahrung in der Betreuung von wiederbelebten Patienten verfügt. Ähnlich wie bei der Schrittmachertherapie erfolgt die Wahl des Defibrillators nach individuellen Gesichtspunkten. Damit können wir unseren Patienten nicht nur einen Schutz vor dem plötzlichen Herztod, sondern auch ein Höchstmaß an Lebensqualität bieten.
Auch für die Nachbetreuung, die für das Wohlbefinden der Patienten von größter Bedeutung ist, ist unsere Abteilung gerätetechnisch und personell optimal eingerichtet.
Leistungen: Elektrophysiologie und Herzrhythmusimplantate
- Diagnostik und Therapie von ventrikulären und supraventrikulären Herzrhythmusstörungen
- Durchführung aller gängigen Ablationsverfahren, inkl. PVI und VT-Ablationen
- Schrittmacherimplantationen, inkl. kabellose HSM
- Implantierbarer Defibrillator (ICD), inkl. subkutaner ICD
Termin vereinbaren Sprechstunde Herzschrittmacher & ICD
- Kardiale Resynchronisationstherapie (CRT-P und CRT-D) und Kardiale Kontraktionsmodulation bei Herzinsuffizienz
- Event-Recorder
- Elektrische Kardioversion

