

Vorhofflimmern: Symptome und Behandlung
Beim Vorhofflimmern ist der normale Herzschlag gestört. Hier erfahren Sie alles über Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung.
Alles Wissenswerte rund um Vorhofflimmern
Der Herzschlag wird durch elektrische Impulse gesteuert. Diese entstehen normalerweise im Sinusknoten und sorgen für einen gleichmäßigen Rhythmus.
Beim Vorhofflimmern funktioniert diese Steuerung nicht mehr richtig. Viele ungeordnete elektrische Signale entstehen im Vorhof. Dadurch ziehen sich die Vorhöfe nicht mehr richtig zusammen, sondern flimmern nur noch. Hier erfahren Sie alles Wissenswerte über Vorhofflimmer-Symptome und die Behandlung von Vorhofflimmern.
Was ist Vorhofflimmern?

Unser Herz ist ein Hohlmuskel, der sich regelmäßig zusammenzieht und wieder entspannt. Dadurch pumpt es Blut in unseren Kreislauf (Blutgefäße). Pro Minute schlägt unser Herz ca. 70-mal und pumpt dabei 4 – 6 Liter Blut durch unsere Adern. Bei Aufregung oder körperlicher Anstrengung schlägt es schneller (bis zu 160-mal pro Minute), in Ruhephasen bzw. während des Schlafes nur 50- bis 60-mal pro Minute.
Damit das Herz schlagen (pumpen) kann, benötigt es einen elektrischen Impuls. Dieser hat seinen Ursprung im rechten Vorhof, im sogenannten Sinusknoten. Daher wird die normale Herzschlagfolge auch als Sinusrhythmus bezeichnet. Vom Sinusknoten breitet sich der Impuls zunächst über die beiden Vorhöfe aus und passiert danach den sogenannten AV-Knoten. Von dort geht der Impuls weiter auf die beiden Herzkammern. Der elektrische Impuls gibt dem Muskel einen Reiz, worauf sich zunächst die beiden Vorhöfe zusammenziehen und das Blut in die Hauptkammern pumpen. Danach zieht sich der Muskel der Hauptkammern zusammen und pumpt das Blut in den Körperkreislauf. Über das Blut werden dann die einzelnen Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Beim Vorhofflimmern ist die gleichmäßige Erregung des Herzens durch den Sinusknoten ausgeschaltet. Stattdessen werden von unzähligen anderen Orten im Vorhof elektrische Impulse ausgesendet, so dass die Vorhöfe sich nicht mehr geordnet zusammenziehen können, sondern nur noch zucken (flimmern oder auch „fibrillieren“) können. In unregelmäßigen Abständen werden diese chaotischen elektrischen Flimmerimpulse auf die Herzkammern übergeleitet. Die Folge: Unser Herz schlägt unregelmäßig, es stolpert.
Die Vorhöfe sind viel kleiner als die Hauptkammern. Entsprechend tragen die Vorhöfe nur ca. 10 bis 15% zur Gesamtleistung des Herzens bei. Wenn also die Vorhöfe nur noch flimmern und nicht mehr pumpen, sinkt die Gesamtpumpleistung des Herzens auf 85 bis 90%.
Neben den Beschwerden (Luftnot, Belastungseinschränkung, Angina pectoris, Herzstolpern, Herzrasen) besteht ein Risiko für einen Schlaganfall. Dieses Risiko steigt mit dem Alter des Patienten und mit dem Nachweis zusätzlicher Begleiterkrankungen (Bluthochdruck, Herzschwäche, Diabetes).
Doch selbst wenn die Krankheit keine Beschwerden verursacht, sollte man sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn Vorhofflimmern belastet auf Dauer den Herzmuskel stark und kann zu einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) führen.
Vorhofflimmern Symptome
Patient*innen mit Vorhofflimmern klagen über sehr unterschiedliche Symptome:
- Durch die eingeschränkte Pumpleistung kann sich eine Herzschwäche einstellen. Insbesondere bei den Patient*innen, die bereits vorher eine Herzschwäche haben, wird sich diese verstärken. Sie klagen über Luftnot und allgemeine Leistungsschwäche, vor allem bei körperlicher Anstrengung.
- Auch klagen die Patient*innen über unangenehmes Herzstolpern oder auch Herzrasen. Dies erklärt sich durch das ungeordnete Schlagen der Hauptkammern.
- Andere wiederum leiden unter Brustschmerzen (Angina pectoris), insbesondere wenn zusätzlich eine Durchblutungsstörung der Herzkranzarterien vorliegt.
Die Ursachen von Vorhofflimmern

Die häufigste Ursache ist ein hoher Blutdruck. An zweiter Stelle stehen die Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit). Seltener kann auch eine Schilddrüsenüberfunktion dafür verantwortlich sein. Bei 10 % aller Patient*innen mit Vorhofflimmern finden wir keine Ursache. Die Herzrhythmusstörung ist also das einzige Leiden der Patient*innen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Vorhofflimmern wird mit einem EKG festgestellt. Wichtig ist, dass das EKG genau dann geschrieben wird, wenn das Vorhofflimmern auftritt. Das ist schwierig, wenn Patient*innen nur selten Beschwerden haben.
Dann kann ein Langzeit-EKG helfen. Dabei wird das Herz über mehrere Tage (bis zu 7 Tage) überwacht.
Tritt das Vorhofflimmern noch seltener auf, gibt es sogenannte Ereignis-Rekorder. Das sind kleine Geräte für zu Hause. Wenn Patient*innen Herzstolpern spüren, legen sie das Gerät auf die Brust und senden das EKG an eine Herzrhythmus-Zentrale.
Bei sehr seltenen Anfällen kann ein implantierbarer Looprekorder eingesetzt werden. Dieser kleine Chip wird unter die Haut eingesetzt und überwacht das Herz dauerhaft – bis zu drei Jahre.
Die Behandlungsziele
Vorhofflimmern soll so früh wie möglich erkannt und behandelt werden. Ziele der Behandlung sind folgende:
- Linderung der Beschwerden
- Vermeidung eines Schlaganfalls
- Steigerung der Belastbarkeit, denn bei Vorhofflimmern ist oftmals die Leistungsfähigkeit merklich eingeschränkt
Behandlung von Vorhofflimmern
Anpassung des Lebensstils sind wichtige Maßnahmen:
- sich mehr bewegen
- auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung achten
- Alkohol und Nikotin vermeiden
Wir empfehlen allen Patient*innen, Begleiterkrankungen wie Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Herzschwäche und schlafbezogenen Atmungsstörungen ebenfalls zu behandeln.
Viele Patient*innen mit Vorhofflimmern müssen gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, um einen Schlaganfall zu vermeiden.
Gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulanzien), die fälschlicherweise auch als „Blutverdünner“ bezeichnet werden, vermindern die Gerinnungsfähigkeit des Blutes und beugen so der Bildung von Blutgerinnseln und Schlaganfällen vor.
Zur Abschätzung des individuellen Risikos für einen Schlaganfall bei Patient*innen mit Vorhofflimmern sollte der CHA2DS2-VA Score eingesetzt werden. Das Blutungsrisiko, welches mit den gerinnungshemmenden Medikamenten einher geht, sollte ebenfalls abgeschätzt werden (z.B. mit dem HAS-BLED-Score), um identifizierte Risikofaktoren für Blutungen bestmöglich minimieren zu können.
Alternative Vorhofohrverschluss:
Bei Patient*innen mit Vorhofflimmern, bei denen die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten nicht möglich bzw. kontraindiziert ist, kann alternativ der Verschluss des Vorhofohres mit Kathetertechnik, um einen Schlaganfällen zu vermeiden, erwogen werden.
Herzrhythmuskontrolle konservative Maßnahmen
Als Rhythmuskontrolle wird eine Wiederherstellung und Stabilisierung des normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) bezeichnet. Hierzu stehen verschiedene Optionen zur Verfügung.
Eine medikamentös oder elektrisch durchgeführte Kardioversion kann anhaltendes Vorhofflimmern kurzfristig und effektiv wieder in einen normalen Rhythmus überführen. Wenn im Laufe der Zeit, Vorhofflimmern häufiger auftritt, sind in der Regel weitere Maßnahmen erforderlich, um den Herzrhythmus dauerhaft zu stabilisieren.
Als Alternative zur Behandlung können auch spezielle Medikamente eingesetzt werden, um den Herzrhythmus langfristig zu stabilisieren. Welches Medikament geeignet ist, sollten Expert*innen entscheiden. Dabei berücksichtigen sie die Herzerkrankung und andere Erkrankungen der betroffenen Person. Wichtig ist, mögliche Nebenwirkungen zu beachten. Außerdem sind regelmäßige Kontrollen bei Ärzt*innen notwendig.
„Katheterablation ist die wirksamste Methode zur Behandlung von Vorhofflimmern. Die Zertifizierungen in unseren Kliniken zeigen, dass wir wir erfolgreich den strukturierten und standardisierten Behandlungsablauf von Vorhofflimmern etabliert haben, um so eine bestmögliche Behandlungsqualität für unsere Patienten zu erreichen.“

Pulmonalvenenisolation minimalinvasive Behandlung
Katheterablation zur langfristigen Stabilisierung des Herzrhythmus
Vorhofflimmern kann oft mit einer sogenannten Katheterablation behandelt werden.
Methoden Katheterablation
Dabei führen Ärzt*innen einen dünnen Schlauch (Katheter) zum Herzen. Dort unterbrechen sie gezielt die elektrischen Signale, die den unregelmäßigen Herzschlag verursachen. Das geschieht, indem kleine Bereiche im Herzgewebe verödet (ausgeschaltet) werden.
Meist entsteht Vorhofflimmern in den Lungenvenen. Deshalb nennt man diese Behandlung auch „Pulmonalvenenisolation“ (PVI).
Thermische Ablation
Für das Veröden gibt es verschiedene Methoden. Häufig werden Wärme oder Kälte eingesetzt. Diese Verfahren nennt man thermische Ablation.
Studien zeigen, dass Behandlungen mit Kälte und mit Wärme ähnlich gut und sicher sind.Wichtig ist vor allem, wie erfahren das Ärzt*innenteam ist. Spezialisierte Vorhofflimmer-Zentren führen viele solcher Eingriffe durch und haben daher viel Erfahrung.
Pulsed-Field-Ablation
Seit 2021 gibt es eine neue Methode: die Pulsed-Field-Ablation (PFA), auch Elektroporation genannt. Dabei werden sehr kurze elektrische Impulse verwendet, um die störenden Stellen im Herzen gezielt auszuschalten.
Der Vorteil: Vor allem die kranken Herzzellen werden behandelt, während das umliegende Gewebe geschont wird. Erste Studien zeigen, dass diese Methode schnell, wirksam und sicher ist.
Herzfrequenzkontrolle bei Vorhofflimmern
Für manche Patient*innen kann es sinnvoll sein, nicht den Herzrhythmus zu normalisieren, sondern nur die Herzfrequenz zu stabilisieren. Das bedeutet: Das Vorhofflimmern bleibt bestehen, aber der Herzschlag wird langsamer und gleichmäßiger.
Auch dafür gibt es spezielle Medikamente. Diese sind in der Regel gut verträglich.
In seltenen Fällen helfen Medikamente nicht ausreichend, um die Herzfrequenz zu stabilisieren. Auch eine dauerhafte Normalisierung des Herzrhythmus ist dann manchmal nicht möglich oder wird nicht gewünscht.
In solchen Situationen kann ein Herzschrittmacher eingesetzt werden. Zusätzlich kann der AV-Knoten verödet werden, um den Herzschlag besser zu kontrollieren.
Unsere Auszeichnung

Vorhofflimmer-Zentrum
Verliehen durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. Das Zertifikat bescheinigt beste Leistung nach vorgegebenen Kriterien.

