
Saubere Hände, gesund bleiben: Die wichtigsten Tipps zur Händehygiene im Alltag
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Unsere Hände kommen täglich mit unzähligen Krankheitserregen in Kontakt. Mit der richtigen Händehygiene lassen sich viele Infektionen vermeiden.
Mit unseren Händen fassen wir täglich mit unzähligen Oberflächen, Gegenständen und Menschen an. Dabei können sie Erreger aufnehmen und weitergeben – oft unbemerkt. Im Interview erklären Karen Hammer und Prof. Dr. med. Irit Nachtigall, Direktorinnen des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin von Vivantes in Berlin, wann Händewaschen besonders wichtig ist, welche Fehler viele Menschen machen und wie sich saubere Hände ganz einfach in den Alltag integrieren lassen.
Wie oft wir uns ins eigene Gesicht fassen
Warum spielt Händehygiene eine so wichtige Rolle für unsere Gesundheit?
Karen Hammer und Prof. Dr. med. Irit Nachtigall: Die Hände sind der wichtigste Übertragungsweg für Infektionserreger – im Krankenhaus wie zu Hause. Wir fassen uns etwa 15- bis 20-mal pro Stunde unbewusst ins eigene Gesicht, und genau dort liegen die Eintrittspforten: Mund, Nase, Augen. Händehygiene ist deshalb die wirksamste Einzelmaßnahme, die jede und jeder von uns selbst in der Hand hat – im Wortsinn.
Wie viele Erreger befinden sich typischerweise auf unseren Händen – und sind diese grundsätzlich gefährlich?
Auf einer Hand leben Millionen von Mikroorganismen. Der weitaus größte Teil davon ist unsere residente Standortflora, die uns sogar schützt, indem sie Krankheitserregern den Platz streitig macht. Problematisch ist die transiente Flora – das, was wir uns von Türklinken, Lebensmitteln oder anderen Menschen für Minuten bis Stunden „aufladen“. Genau diese lässt sich durch Waschen oder Desinfizieren zuverlässig entfernen.

Toilettengang, Müllentsorgen, Naseputzen – wann wir unbedingt Händewaschen sollten
Wann sollten wir im Alltag unbedingt die Hände waschen?
Nach dem Toilettengang, nach dem Nachhausekommen, nach dem Naseputzen, Husten oder Niesen, nach Kontakt mit Tieren und nach dem Windelwechseln oder Müllentsorgen. Und vor dem Essen, vor dem Zubereiten von Speisen und vor dem Kontakt mit Wunden, Medikamenten oder kleinen Kindern. Die Faustregel lautet: Es geht nicht um möglichst oft, sondern um die richtigen Momente.
20-30 Sekunden Hände mit Seife waschen – und wie
Wie wäscht man sich die Hände richtig? Können Sie die wichtigsten Schritte kurz erklären? Wie lange sollte das Händewaschen dauern, damit Erreger wirksam entfernt werden?
Hände anfeuchten, Seife nehmen und 20 bis 30 Sekunden einseifen – das entspricht ungefähr zweimal „Happy Birthday“. Wichtig ist die Systematik: Handflächen, Handrücken, Fingerzwischenräume, Daumen, Fingerkuppen und Nagelfalze. Danach gründlich abspülen und – mindestens genauso wichtig – sorgfältig abtrocknen, denn feuchte Hände geben Erreger deutlich leichter weiter.
Handhygiene: Die häufigsten Fehler
Viele Menschen waschen sich regelmäßig die Hände. Welche Fehler beobachten Sie dabei am häufigsten?
Zu kurz, zu flüchtig und immer nur die Handflächen. Systematisch vergessen werden Daumen, Fingerkuppen und Fingerzwischenräume – ausgerechnet die Areale, mit denen wir am meisten anfassen. Dazu kommen das unvollständige Abtrocknen und der Glaube, heißes Wasser wirke besser: Es schadet nur der Haut, für die Keimreduktion spielt die Temperatur keine Rolle.
Ist Händedesinfektion im Alltag sinnvoll oder reicht gründliches Händewaschen meistens aus?
Im normalen Alltag reicht gründliches Händewaschen völlig aus. Desinfektionsmittel sind sinnvoll, wenn kein Wasser verfügbar ist, bei Kontakt zu immungeschwächten Angehörigen, im Krankenhaus und in Ausbruchssituationen. Wer ein Mittel für unterwegs mitnimmt, sollte auf die Kennzeichnung „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ achten – Standardpräparate wirken gegen Noroviren kaum.

Vorsicht, viele Krankheitserreger: Diese Alltagsgegenstände meiden
Smartphones, Türklinken, Einkaufswagen: Welche Alltagsgegenstände sind besonders stark mit Erreger belastet?
Der unangefochtene Spitzenreiter ist der Küchenschwamm, gefolgt vom Spüllappen. Danach kommen das Smartphone – das wir mit an den Esstisch und auf die Toilette nehmen und praktisch nie reinigen –, Einkaufswagengriffe, Haltestangen im ÖPNV und Türklinken. Panik ist trotzdem unangebracht: Entscheidend ist nicht die Oberfläche selbst, sondern was danach mit der Hand passiert.
Kinder vergessen das Händewaschen oft. Welche Tipps haben Sie für Familien, um gute Hygieneroutinen zu etablieren?
Vorbild schlägt Ermahnung – Kinder machen nach, was sie sehen. Ein festes Ritual hilft: Händewaschen gehört zum Nachhausekommen und zum Tischdecken dazu, nicht als lästige Extra-Aufgabe. Und praktisch denken: ein Hocker am Waschbecken, erreichbare Seife, ein eigenes Handtuch, ein Lied als Zeitmesser. Hinterher gemeinsam eincremen macht die Sache rund.
Saubere Hände – in Erkältungszeit wichtiger?
Im Winter steigen Erkältungs- und Grippewellen. Welche Bedeutung hat Händehygiene beim Schutz vor Atemwegsinfektionen?
Eine große, aber keine alleinige. Rhinoviren und RSV werden sehr effizient über die Hände und kontaminierte Oberflächen übertragen, bei Influenza und SARS-CoV-2 dominiert dagegen die Übertragung über die Luft. Händehygiene ist also ein wichtiger Baustein – zusammen mit Lüften, Zuhausebleiben bei Symptomen und vor allem der Impfung.
Händehygiene im Krankenhaus
Wie verhalte ich mich als Besucher*in oder Patient*in im Krankenhaus richtig in Sachen saubere Hände?
Beim Betreten und beim Verlassen des Patientenzimmers die Hände desinfizieren – die Spender hängen genau dafür bereit. Mit akuten Infektsymptomen bitte gar nicht erst zu Besuch kommen. Und als Patientin oder Patient gilt: Sie dürfen das Personal jederzeit freundlich fragen, ob es die Hände desinfiziert hat. Das ist kein Misstrauen, sondern gelebte Sicherheitskultur – und wir freuen uns über die Frage.
Häufiges Händewaschen kann die Haut belasten. Wie bleiben die Hände trotz regelmäßiger Reinigung gesund und gepflegt?
Lauwarmes statt heißes Wasser, milde Waschsyndets statt scharfer Seifen, gründlich abtrocknen und konsequent rückfetten. Und ein Punkt, der viele überrascht: Die alkoholische Händedesinfektion ist hautschonender als das Waschen, weil sie die Hornschicht nicht auslaugt – die enthaltenen Rückfetter pflegen sogar. Wer viel Händehygiene betreibt, sollte deshalb eher desinfizieren als ständig waschen.
Welche drei einfachen Regeln zur Händehygiene würden Sie jedem ans Herz legen?
Erstens: Die richtigen Momente sind wichtiger als die Häufigkeit. Zweitens: 20 bis 30 Sekunden – und dabei Daumen und Fingerkuppen nicht vergessen. Drittens: Hände pflegen. Gesunde Haut ist die beste Barriere, rissige Haut das größere Risiko.
Zum Schutz aller gelten in Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen strenge Hygieneregeln. Sowohl Vivantes als Gesundheitskonzern in Berlin als auch Patient*innen und Besucher*innen tragen zur Infektionsprävention bei.
Klinikum Spandau: hygiene-ksp.ihu@vivantes.de
Klinikum Am Urban: hygiene-kau.ihu@vivantes.de
Klinikum Neukölln: hygiene-knk.ihu@vivantes.de
Klinikum im Friedrichshain: hygiene-kfh.ihu@vivantes.de
Auguste-Viktoria- und Wenckebach-Klinikum: hygiene-avk.ihu@vivantes.de
Humboldt-Klinikum: hygiene-huk.ihu@vivantes.de
Händehygiene im Krankenhaus: Warum Desinfektion wichtiger ist als Handschuhe
Im Krankenhaus hat Händehygiene einen besonders hohen Stellenwert. Patient*innen sind oft geschwächt oder haben offene Wunden, wodurch Krankheitserreger leichter Infektionen verursachen können. Eine konsequente Händedesinfektion gehört deshalb zu den wirksamsten Maßnahmen, um Krankenhausinfektionen zu verhindern und die Sicherheit von Patient*innen und Mitarbeitenden zu erhöhen.
Anders als im Alltag werden die Hände im Krankenhaus nicht ständig gewaschen, sondern vor allem regelmäßig desinfiziert. Die alkoholische Händedesinfektion wirkt schnell und zuverlässig gegen viele Krankheitserreger, ist hautschonender als häufiges Waschen und ist fester Bestandteil der täglichen Arbeit von Ärzt*innen, Pflegekräften und Therapeut*innen. Es ist nicht gut, die Hände vor der Desinfektion ausführlich zu waschen, weil dann die Konzentration des Händesdesinfektionsmittels geringer ist.
Handschuhe schützen nicht automatisch vor Erregern. Viele Menschen verbinden Hygiene im Krankenhaus vor allem mit Einmalhandschuhen. Tatsächlich sind Handschuhe jedoch kein Ersatz für die Händedesinfektion. Sie werden nur dann eingesetzt, wenn ein erhöhtes Risiko für den Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten oder potenziell infektiösem Material besteht.
Bei vielen Tätigkeiten im Klinikalltag sind Handschuhe dagegen nicht erforderlich – etwa bei körperlichen Untersuchungen, dem Transport von Patient*innen, der Messung von Blutdruck oder Puls sowie bei physiotherapeutischen oder ergotherapeutischen Behandlungen. Falsch eingesetzt können Handschuhe sogar schaden: Sie werden seltener gewechselt, als Hände desinfiziert würden, und die Haut quillt darunter auf. Außerdem können Handschuhe die Erreger leichter weitergeben als frisch desinfizierte Haut. Auch in diesen Situationen gilt: Die wichtigste Schutzmaßnahme bleibt die konsequente Händedesinfektion.
Gut zu wissen: Patient*innen dürfen das Klinikpersonal jederzeit freundlich ansprechen, wenn sie Fragen zur Händehygiene haben. Denn eine gute Hygienekultur lebt von Transparenz, gegenseitigem Vertrauen und gemeinsamer Verantwortung.