Veröffentlicht am 30. April 2021

Bilanz 2020: Höhere Investitionen trotz negativem Jahresergebnis

Versorgung von Corona-Patient*innen hatte 2020 Priorität

Als kommunaler Gesundheitsversorger war Vivantes im Jahr 2020 in seiner Kernaufgabe maximal durch die Corona-Pandemie geprägt. Ein großer Teil der Ressourcen wurde für die Versorgung von Corona-Patient*innen aufgewendet: Im Jahr 2020 behandelte der Klinikkonzern rund 39 Prozent der stationären Covid-Patient*innen in Berlin. Vivantes hat das Jahr 2020 mit einem Ergebnis von –30,5 Mio. Euro abgeschlossen (2019: +17,5 Mio. Euro) bei einem Umsatz von 1,5 Mrd. Euro (2019: 1,3 Mrd. Euro). Auch in 2020 hat das Unternehmen seine Investitionen in die Zukunft der Gesundheitsversorgung weiter erhöht mit 203,8 Mio. Euro (2019: 171 Mio. Euro). Die Mittel wurden sowohl in große Bauprojekte wie den „Nordkopf“ am Klinikum Neukölln und den Neubau des Auguste-Viktoria-Klinikums als auch in das dringend benötigte Logistikzentrum und die digitale Infrastruktur investiert. Mehr noch als in den Vorjahren stand im Pandemie-Jahr die Aus-und Weiterbildung sowie die Gewinnung von Fachpersonal im Fokus. Ein Meilenstein war die Gründung des Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe gGmbH (BBG), die seit dem 1.1.2020 gemeinsam mit der Charité getragen wird.

Vivantes hat in 2020 mehr als eine halbe Million Patient*innen behandelt, pandemiebedingt aber weniger als im Vorjahr. Das gilt sowohl für den ambulanten Bereich mit 311.005 Fällen (2019: 360.021) als auch für den stationären Bereich mit 204.766 Fällen (2019: 247.106). Grund waren u.a. Vorgaben der Politik, Betten für Corona-Patient*innen frei zu halten, sowie hygienische Erfordernisse, die nur eine reduzierte Belegung von Zimmern zuließen bzw. zulassen. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Mitarbeitenden auf 17.876 Personen (2019:17.372) weiter erhöht, was einer Zahl von 13.030 Vollkräften (2019: 12.903) entspricht. Der Personalkostenaufwand ist damit 2020 ebenfalls gestiegen auf 994 Mio. Euro (2019: 947 Mio. Euro), die Kosten für Material auf 383 Mio. Euro (2019: 287 Mio. Euro).

Dr. Johannes Danckert, Geschäftsführer Klinikmanagement von Vivantes:„Vivantes hat in der Corona-Pandemie eine besondere Verantwortung für die Gesundheitsversorgung Berlins und vor allem in der Versorgung von Corona-Patientinnen und –Patienten übernommen. Unser Versorgungsauftrag und unsere Verpflichtung als kommunaler Träger hatte in der Pandemie eine ganz besondere Priorität. Vivantes hat sich als starkes Netzwerk in vielfältiger Weise engagiert – nicht nur bei der Krankenversorgung, sondern auch bei der Beschaffung von damals weltweit knappem Schutzmaterial im Umfang von rund 2.000 Tonnen, als Betreiber der Reservekliniken an der Messe und in der Fröbelstraße sowie einer Notfall-Pflegeeinrichtung für Senioren in der Blücherstraße. Auch das Jahr 2021 wird durch die Auswirkungen der weiter bestehenden Corona-Pandemie geprägt sein und uns medizinisch und wirtschaftlich vor enorme Herausforderungen stellen.“

Vivantes ist mit seinem Netzwerk ein starker Partner in der Berliner Gesundheitsversorgung, führend unter anderem in Berlin bei der Schlaganfallbehandlung, bei minimalinvasiven Herzklappenersatz (Mitraclips und "TAVIs"), bei Elektrophysiologischer Behandlungen, bei Onkologischen Erkrankungen wie der Prostata- oder Brustkrebsbehandlung oder der stationären psychiatrischen Versorgung. Insgesamt wurden 2020 in den Einrichtungen von Vivantes mehr als 86.000 operative Eingriffe durchgeführt. Die Vivantes Hauptstadtpflege umfasst derzeit 17 Pflegeeinrichtungen mit insgesamt 2.217 vollstationären Plätzen in derzeit zehn Berliner Bezirken – eine Einrichtung mehr als 2019, denn zum 1.1.2021 hatte Vivantes eine weitere Pflegeeinrichtung übernommen. Auch die meisten Berliner Babys werden in Vivantes Kreißsälen geboren: 11.345 in 2020 – durchschnittlich mehr als ein Baby pro Stunde.

Rund 50 Prozent mehr neue Pflegeauszubildende als 2019

Die Gewinnung von Fachkräften stand im vergangenen Jahr besonders im Fokus. Vivantes ist bereits jetzt mit insgesamt 1.377 Ausbildungsplätzen in sieben verschiedenen Gesundheitsberufen einer der größten Ausbilder im Gesundheitswesen. Im Wettbewerb um die besten Fachkräfte setzt das Unternehmen konsequent auf eine weitere Erhöhung der Ausbildungskapazitäten mittels konsequenter Verbesserung der Ausbildungsbedingungen und -qualität. Allein in 2020 haben 250 Pflegeauszubildende neu bei Vivantes angefangen, 88 mehr als im Jahr zuvor. Die Azubis absolvieren ihre betriebliche Ausbildung in den Kliniken und Pflegeheimen, für die theoretische Ausbildung besuchen sie den Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe BBG, der seit dem 1. Januar 2020 von Vivantes und Charité gemeinsam getragen wird.

Dorothea Schmidt, Geschäftsführerin Personal:„Alle unsere Mitarbeiter*innen haben in der Corona-Pandemie ihr Bestes gegeben. Auf das Erreichte können wir gemeinsam stolz sein; unsere Ziele behalten wir dennoch im Blick: Wir wollen und werden bei Vivantes die Arbeitsbedingungen noch besser gestalten, die Zahl unserer Ausbildungsplätze stetig erhöhen, unsere Führungskultur weiterentwickeln und uns innerhalb der Berliner Gesundheitslandschaft und darüber hinaus als attraktiver Arbeitgeber mit vielfältigen Karrierechancen positionieren. Im Bereich der Ausbildung haben wir bereits Anfang April ein weiteres positives Signal gesetzt. Alle unsere Auszubildenden der Gesundheits- und Krankenpflege erhalten seitdem ein Laptop zur schulischen und privaten Nutzung, das nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung privat übernommen werden kann.“

Gemäß seiner Zielsetzung, hat Vivantes in 2020 u.a. eine breit angelegte Arbeitgeberkampagne gestartet. Fast 2.400 Berliner*innen haben sich im vergangenen Jahr für einen beruflichen Neustart bei Vivantes entschieden, darunter mehr als 800 in der Pflege – ein Bereich, in dem bei Vivantes weiterhin kein Einstellungslimit besteht.

Höhere Investitionen in Digitalisierung und Infrastruktur

Die Gesundheitsversorgung der Zukunft wird digitaler sein, ambulanter, spezialisierter und individueller auf den einzelnen Menschen zugeschnitten. Um Vorreiter bei dieser Entwicklung zu sein, setzt Vivantes auf eine konsequente Digitalisierung der Prozesse nach innen und außen und vernetzt sich auf der Basis internationaler Standards. Die schrittweise Umstellung seiner Kliniken auf die vollständig digitale Erfassung und Verarbeitung von Patientendaten („Digitale Patientenkurve“) ist dabei nur eines von vielen laufenden und schon geplanten Projekten.

Dr. Eibo Krahmer, Geschäftsführer Finanzen, Digitalisierung und Infrastruktur:„Vivantes ist es trotz der Pandemie gelungen, seine strategische Neuausrichtung, die Digitalisierung und die Erneuerung der Infrastruktur weiter voranzutreiben. Dies ist eine enorme Leistung aller Beteiligten. Wir stellen damit jetzt die Weichen für eine nachhaltige Gesundheitsversorgung der Zukunft. Um seiner Verantwortung für Berlin auch künftig gerecht zu werden und eine leistungsfähige Versorgung aufrecht zu erhalten, sind in den kommenden zehn Jahren Investitionen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro notwendig. Wir sind zuversichtlich, dass das Land die klare Strategie von Vivantes zur nachhaltigen Gesundheitsversorgung für die Berlinerinnen und Berliner unterstützt. Die Mitarbeitenden von Vivantes leisten dazu schon jetzt ihren Beitrag.“

Am Klinikum Neukölln wurde in 2020 mit den Gründungsarbeiten für den „Nordkopf“ begonnen. Das Gebäude wird neben einer modernen Rettungsstelle u.a. auch Zentral-OPs und Intensivbereiche enthalten und soll als Rotationsfläche für die Sanierung des gesamten Hauptgebäudes dienen. Gleichzeitig entsteht am Standort des Auguste-Viktoria-Klinikums ein komplett neues Krankenhaus. In den beiden ersten Bauabschnitten werden u.a. sechs OP-Säle, eine neue Rettungsstelle, die Intensivmedizin und eine Radiologie untergebracht. Entsprechend dem Baufortschritt sollen hier künftig auch die stationären Kapazitäten des Wenckebach-Klinikums integriert werden. In Spandau errichtet Vivantes ein modernes Versorgungs- und Logistikzentrum und in Kaulsdorf ein weiteres Pflegeheim. Beide Projekte sollen in 2021 fertig gestellt werden.

Ausblick 2021: Unternehmensentwicklung in der Corona-Pandemie

Auch das Jahr 2021 wird stark von der Corona-Pandemie beeinflusst sein. Trotz der Pandemie entwickelt Vivantes seine Netzwerkstruktur aus Kliniken, Pflege- und Versorgungseinrichtungen strategisch weiter (Strategie 2030). Angesichts der aktuellen Sondersituation, der demografischen Entwicklung und der regulatorischen Vorgaben der Politik, kommen auch in diesem Jahr große organisatorische und finanzielle Herausforderungen auf die Krankenhäuser generell – und auch auf Vivantes – zu.

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