Veröffentlicht am 07. September 2018
Den Therapeuten virtuell mit nach Hause nehmen
Pilotprojekt zur Digitalisierung in der Reha in Berlin gestartet

Ein individualisiertes Reha-Nachsorge-Training im eigenen Wohnzimmer absolvieren - das ist mit einer webbasierten teletherapeutischen Plattform für Patientinnen und Patienten der ambulanten Rehabilitation in Berlin nun möglich. Die Vivantes Rehabilitation in Schöneberg startet zu ihrem 15jährigen Jubiläum ein Pilotprojekt zur Digitalisierung im Reha-Bereich.

Dilek Kolat, Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, begrüßt den Digitalisierungsschritt der ambulanten Rehabilitation: „Jeder sollte nach einer Rehabilitation am Nachsorgeprogramm teilnehmen können. Die teletherapeutische Lösung ermöglicht dies nun auch Menschen, die es etwa aus beruflichen Gründen sonst nicht schaffen würden. Es ist daher sehr zu begrüßen, dass Berlins größte ambulante Rehabilitationseinrichtung hier als Vorreiter ein digitales Projekt startet.“

Beim digitalen Reha-Programm kann grundsätzlich jeder mitmachen. Dabei sind neben einem reichhaltigen Fundus an Eigentrainingsübungen – deren Anlernen und Kontrolle unter den Augen von Profis in der Reha-maßnahme erfolgt, auch eine Vielzahl von Lern- und Schulungsvideos abrufbar. Mit Hilfe der App kann der Patient nach dem Rehabilitations-aufenthalt die Übungen, Seminare und Vorträge auch zu Hause durchführen. Die Kontrolle der Therapieergebnisse erfolgt ebenfalls über die App und wird durch die Therapeuten durchgeführt. Auf diese Weise kann der Therapieerfolg maximiert und nachhaltig gefestigt werden. In Zukunft soll auf diese Weise ein digitales Nachsorgeprogramm - in der Vivantes Rehabilitation erhältlich sein. Darüber müssen jedoch noch die Kostenträger entscheiden.

Testphase bis Ende 2018

Dr. Johannes Danckert, Geschäftsführer der Vivantes Rehabilitation: „Seit Ende August 2018 hat die Vivantes Rehabilitation gemeinsam mit „Caspar“ das Pilotprojekt gestartet. Nach 6 Monaten Testphase werden die Ergebnisse bewertet und über eine Weiterführung entschieden. Das neue teletherapeutische Reha-Programm gibt es für die Bereiche Neurologie, also zum Beispiel für Schlaganfall- oder Parkinsonpatienten, Orthopädie und Kardiologie, also Herzpatienten.“

Trainieren, wenn Zeit ist: Für nachhaltige Reha-Erfolge

Wie wichtig eine lückenloses Training ist, erläutert der Ärztliche Direktor der Vivantes Rehabilitation und Chefarzt der orthopädischen Rehabilitation, Dr. Tillmann Stock: „Wenn eine Patientin oder ein Patient nicht regelmäßig trainiert, können die Therapieerfolge nach der Reha schnell wieder verloren gehen. Daher ist das teletherapeutische Programm eine wichtige Option. Jeder kann so selbst entscheiden, wann und wo er trainiert – ob zu Hause oder am mobilen Trainingsplatz bei uns in der Rehabilitationseinrichtung.“

Grenzenloser Zugang

Max Michels, Geschäftsführer von GoReha sagt: „Mit Hilfe von Caspar können medizinische Einrichtungen mit ihren Patienten Therapiemaßnahmen - Übungen, Seminare, Schulungen und Vorträge - online durchführen. Unabhängig von Zeit und Ort. Auf diese Weise hat jeder Patient die Möglichkeit die erreichten Therapieziele nachhaltig zu verstetigen und mit seinem Therapeuten im Kontakt zu bleiben. Durch die Kombination von digitaler Therapie und „echtem“ therapeutischen Feedback liegt die Abbruchquote bei unter 10 %.“

Feedback und Trainingskontrolle

Zu Beginn von „Caspar“ erstellt eine Therapeutin oder ein Therapeut ein individuelles Trainingsprogramm in dem Account des Patienten. In einer Einführung wird der Patientin oder dem Patienten der Trainingsplan erklärt, die Übungen gemeinsam eingeübt und die Zugangsdaten übergeben. Dann kann die Patientin oder der Patient zu Hause oder am mobilen Trainingsplatz in der Schöneberger Rehabilitation weitertrainieren. Unabhängig vom Therapeuten oder reglementierten Zeiten. Die Übungsdurchführung wird von der App begleitet und der Patient kann zu jeder Übung ein Feedback in Form eines Videos oder Chats geben. Die Therapeutin oder der Therapeut können jederzeit die Therapieergebnisse einsehen und auf das Feedback der Patienten reagieren. Bei Bedarf kann der Therapieplan angepasst und verändert werden. 

Jubiläum: Größte Berliner Reha wird 15 - Mehr Infos zur Vivantes Rehabilitation

Am 07.09.2018 feiert die Vivantes Rehabilitation ihr 15-jähriges Jubiläum. Das ambulante Therapiezentrum der Vivantes Rehabilitation auf dem Gelände des Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikums in Berlin-Schöneberg verfügt über 220 Behandlungsplätze für Patientinnen und Patienten mit orthopädischen, kardiologischen, onkologischen oder neurologischen Erkrankungen. Damit ist das Zentrum die größte Reha-Einrichtung in Berlin.

Rehabilitation wohnortnah und ambulant

Die Patientinnen und Patienten werden ausschließlich ambulant behandelt, das heißt: wohnortnah und teilstationär. Der Vorteil: Sie können während der Behandlung in ihrem gewohnten Umfeld bleiben und profitieren von einer engen Verzahnung mit den Akut-Kliniken, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie Therapeutinnen und Therapeuten.