Veröffentlicht am 20. März 2018
Pilotprojekt „Safewards“ - Kooperation und Mitbestimmung der Patienten in der Akutpsychiatrie stärken

Zwischen 1-5 Prozent der Patientinnen und Patienten psychiatrischer Kliniken werden gegen ihren erklärten Willen stationär behandelt. Hier ist Deeskalation und Reduzierung von Zwang eine große Herausforderung. Das Safewards-Modell beschreibt wirksame Einflussmöglichkeiten, mit denen die Entstehung und Häufigkeit von Konflikten, die bei dieser Personengruppe zu Gewalt führen können, reduziert werden können.

Im Vivantes Klinikum Am Urban hat die Station 32 jetzt das Konzept erfolgreich eingeführt - als erste psychiatrische Station bundesweit.

Eine Geste, ein Wort der Empathie oder eine zugewandte Körperhaltung können sehr bedeutsam sein, um eine hoch emotionale  Situation nicht weiter eskalieren zu lassen. Darauf baut das englische „Safe Wards“ Modell – übersetzt: „Sichere Station“ - auf: Demzufolge können Mitarbeitende auf psychiatrischen Stationen mit ihrem Verhalten Situationen jederzeit positiv beeinflussen. Mit den 10 entwickelten Interventionen können Konflikte gezielt verhindert oder abgeschwächt werden. Dazu zählen z.B. eine verständnisvolle, positive Kommunikation, die Mitbestimmung von Regeln der Station durch Patientinnen und Patienten, die Klärung gegenseitiger Erwartungen und die gemeinsame Unterstützungskonferenz. So einfach, und doch so schwer - denn richtig umgesetzt erfordert es vom gesamten Team ein hohes Maß an Kritikfähigkeit und Reflektion des eigenen Verhaltens.

Prof. Dr. Andreas Bechdolf, Chefarzt der Kliniken für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Vivantes Klinikum Am Urban: „Safewards ist eine der ganz wenigen wissenschaftlich evaluierten Strategien, die die Anzahl der Zwangsmaßnahmen auf psychiatrischen Stationen maßgeblich reduzieren: Um bis zu 20 Prozent. Deshalb freue ich mich sehr, dass bei diesem Projekt das ganze Team an einem Strang gezogen hat. Von den positiven Veränderungen im Umgang miteinander profitieren aber letztlich alle – Patienten und Mitarbeitende.“

Die Einführung der Interventionen erfordert vom gesamten Team ein Umdenken in der Haltung den Patienten gegenüber sowie ein hohes Maß an Reflektion, Kritikfähigkeit und Engagement. Die Schulung der Teams in den einzelnen Interventionen erfolgt nicht durch externe Trainer, sondern durch einzelne Teammitglieder selbst, die sich Themen aneignen und anschließend ihrem Team vermitteln. Jeden Monat wurde eine neue Intervention zusätzlich eingeführt, bis alle Aspekt behandelt und praktisch umgesetzt waren.

Die psychiatrische Station 32 im Vivantes Klinikum Am Urban verfügt über 21 Betten. Insgesamt werden in der Psychiatrie des Klinikums jährlich rund 3.000 Patientinnen und Patienten stationär behandelt.

Die 10 Interventionen von „Safewards“ 

  • Klärung gegenseitiger Erwartungen
  • Verständnisvolle Kommunikation
  • Deeskalierende Gesprächsführung
  • Wertschätzende Kommunikation
  • Unterstützung bei unerfreulichen Nachrichten
  • Gegenseitiges Kennenlernen
  • Gemeinsame Unterstützungskonferenz
  • Methoden zur Beruhigung
  • Bieten von Sicherheit
  • Entlassnachricht