Veröffentlicht am 19. Dezember 2019

Spielkonsole im Vivantes Hauptstadtpflege-Haus

Ergebnisse des Präventionsprojekts für Pflegebedürftige

Eine Motorradfahrt, eine Runde Kegeln oder Tanzen, diese und weitere Aktivitäten bereichern den Alltag der Seniorinnen und Senioren im Vivantes Hauptstadtpflege Haus John F. Kennedy in Berlin-Reinickendorf. Ermöglicht werden diese durch computerbasierte Trainingsprogramme der Spielekonsole MemoreBox. Es handelt sich um ein Pilotprojekt von der BARMER und dem Digital Health Start-up RetroBrain R&D GmbH.

Die wissenschaftliche Auswertung der ersten Testphase zeigt: therapeutische Videospiele helfen, die körperlichen und geistigen Fähigkeiten von Pflegebedürftigen zu fördern und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Innovative Ansätze für die Gesundheitsförderung im Pflegealltag

Für die virtuellen Aktivitäten wie Motorradfahren, Tanzen oder Postaustragen benötigen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer keine Steuerungsinstrumente wie bei konventionellen Spielkonsolen. Ein Kamerasensor erfasst schon sehr leichte Bewegungen der Spielenden. So können Pflegebedürftige an den Spielen teilnehmen, auch wenn sie geistig oder körperlich eingeschränkt sind und zum Beispiel im Rollstuhl sitzen. Die Spiele enthalten verschiedene therapeutisch-präventiv-rehabilitativ wirksame Elemente, die unter anderem aus Erkenntnissen der Geriatrie, der Neuropsychologie sowie der Physio- und Musiktherapie entwickelt wurden.

Wissenschaftlich begleitetes Pilotprojekt lieferte positive Ergebnisse

Die MemoreBox wurde in einer ersten Pilotphase in zwei Berliner und Hamburger Einrichtungen über 18 Monate getestet und evaluiert. Bei Bewohnern, die zwei bis drei Mal in der Woche an der MemoreBox spielten, zeigte sich eine Stärkung der geistigen Leistungsfähigkeit, der Stand- und Gangsicherheit, der Motorik-, Ausdauer- und Koordinationsfähigkeit. Darüber hinaus konnten die sozialen Bindungen unter den Bewohnern gestärkt werden. Nun begleiten drei Universitäten das bundesweite Projekt in 100 Pflegeeinrichtungen, darunter sechs in Berlin.

Boris Velter, Beauftragter für Charité und Vivantes / Gesundheitsstadt Berlin 2030: „Berlin möchte als Gesundheitsstadt auch in der Pflege Vorreiter für digitale Anwendungen sein. Die MemoreBox kann einen wertvollen Beitrag in der gesundheitlichen Prävention von Pflegebedürftigen leisten. Sie hilft Pflegekräften bei der Mobilisierung von Heimbewohnern und bietet diesen unterhaltsame Stunden.“

Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der BARMER Berlin/Brandenburg: „Wer glaubt, digitale Anwendungen für gesundheitliche Prävention bei pflegebedürftigen Menschen lohnen sich nicht, irrt sich gewaltig. Die Ergebnisse unserer zweijährigen Pilotphase mit der MemoreBox haben gezeigt, dass die Teilnehmer ihre Stand- und Gangsicherheit festigen und ihre Motorik-, Ausdauer und Koordinationsfähigkeiten verbessern konnten. Die positiven Ergebnisse aus der ersten Pilotphase waren für die BARMER Anlass, die digitalen Gesundheitstrainings in Pflegeeinrichtungen in allen Bundesländern für teil- und stationäre Pflegeeinrichtungen einzusetzen.“

Jens Brandis, Projektmanager Key Account bei der RetroBrain R&D GmbH: „Mit der MemoreBox ist es uns gelungen, eine digitale Anwendung zu entwickeln, die den pflegewissenschaftlichen Anforderungen genügt und nachweislich gesundheitsförderliche Ressourcen bei den Seniorinnen und Senioren stärken kann. Die therapeutischen Spiele wurden so konzipiert, dass sie von Pflegebedürftigen durchgeführt werden können, egal ob sie demenziell erkrankt oder körperlich eingeschränkt sind. Sie sprechen Männer und Frauen an.“

Heike Sporkhorst, Einrichtungsmanagerin im Vivantes Forum für Senioren GmbH, Haus John F. Kennedy: „Das Präventionsprojekt der MemoreBox passt gut in das Konzept unseres Hauses, da kognitive, motorische und soziale Fähigkeiten auf spielerische Art und Weise gefördert werden. Mit den Tanz- und Singspiele können auch demenziell erkrankte Bewohnerinnen und Bewohner ihr Erinnerungsvermögen trainieren.“

Nach einer erfolgreichen Pilotphase hat Boris Velter, Beauftragter für Charité und Vivantes / Gesundheitsstadt Berlin 2030 die Schirmherrschaft für das Präventionsprojekt in Berlin übernommen.

RetroBrain R&D GmbH
Die RetroBrain R&D GmbH entwickelt seit dem Jahr 2014 therapeutisch-präventiv wirksame Videospiele für gesunde und von Demenz, Parkinson und Schlaganfall betroffene Seniorinnen und Senioren. Das interdisziplinäre Team entwickelte und etablierte als erstes die Digital Health Lösung MemoreBox. Diese Spielekonsole gilt seit dem Jahr 2015 als „a benchmark in the therapeutic gamification industry“ (LIFT Basel).

BARMER
Mit rund 9,1 Million Versicherten ist die BARMER die zweitgrößte Krankenkasse in Deutschland. Sie unterhält ein dichtes Netz von Geschäftsstellen bundesweit. Die BARMER setzt nicht nur im Kunden-Service, sondern auch in ihren Präventionsangeboten auf die innovativen Möglichkeiten der Digitalisierung. Im Jahr 2017 hat die Krankenkasse die BARMER.i als eigene Innovationsabteilung gegründet.

Vivantes Hauptstadtpflege Haus John-F.-Kennedy
Die Vivantes Hauptstadtpflege ist eine Marke von Vivantes. Unter ihr führt der kommunale Krankenhausbetreiber unter anderem die Vivantes Forum für Senioren GmbH. Die Vivantes Hauptstadtpflege umfasst 17 Pflegeeinrichtungen mit insgesamt 1.900 vollstationären Plätzen, Seniorenwohnhäuser und Leistungen der ambulanten Krankenpflege in derzeit fünf Berliner Bezirken. Das Hauptstadtpflege Haus John-F.-Kennedy bietet ein Zuhause für 180 Seniorinnen und Senioren. Es wurde im Jahr 2010 errichtet.

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