Die Tarifforderungen für die Vivantes Tochtergesellschaften, die von der Gewerkschaft Ver.di gestern übermittelt wurden, gefährden die bislang erfolgreich verlaufende Sanierung des Klinikkonzerns. Die sofortige Anwendung des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst (TVÖD) würde jährliche Mehrkosten von 15 Millionen Euro verursachen. Hinzu kämen weitere fünf Millionen Euro aus einer zusätzlich geforderten Einmalzahlung in Höhe von 2.000 Euro pro Beschäftigten. Dennoch bietet Vivantes Ver.di erneut die sofortige Aufnahme der Verhandlungen an. Die Gewerkschaft hatte dies bislang abgelehnt und Verhandlungstermine erst ab dem 14. Januar 2026 zugesagt.
Dazu erklärt Dorothea Schmidt, Geschäftsführerin Personalmanagement von Vivantes:
„Wir sind weiterhin bereit, die Tarifverhandlungen für unsere Tochterunternehmen sofort aufzunehmen, um im Sinne unserer Beschäftigten möglichst schnell zu einer Einigung zu gelangen. Nachdem nun die Forderungen vorliegen, könnten die Verhandlungen bereits am 24. November starten und im Dezember fortgeführt werden. Eine Einigung noch in diesem Jahr wäre damit realistisch. Natürlich müssen wir bei allen berechtigten Interessen auch das wirtschaftlich Machbare im Auge behalten. Die Ver.di-Forderungen summieren sich auf rund 20 Millionen Euro Mehrkosten alleine im kommenden Jahr. Eine solche Summe kann Vivantes in der aktuellen wirtschaftlichen Lage nicht finanzieren. Angesichts des hohen Defizits hat unser Aufsichtsrat im vergangenen Jahr mit den Stimmen unserer Arbeitnehmer*innen ein Sanierungsprogramm beschlossen. Das unserem Gesellschafter damit gegebene Versprechen müssen und werden wir halten. Die Erfüllung der jetzigen Tarif-Forderungen würde aber die Sanierung und damit letztlich den Fortbestand der Tochterunternehmen gefährden. Glücklicherweise gab es in der jüngeren Vergangenheit exzellente vergleichbare Tarifabschlüsse, die in unseren Verhandlungen selbstverständlich als Benchmark dienen werden. Auf dieser Basis sind konstruktive Verhandlungen und eine zeitnahe Einigung bestens realisierbar.“
Ver.di hat die Tarifverträge für die Vivantes Tochterunternehmen nach vier Jahren Laufzeit fristgerecht zum Ende des Jahres gekündigt. Betroffen sind rund 2.500 Beschäftigte unter anderem in Reinigung, Gastronomie, Logistik und Rehabilitation. Der bisherige Tarifvertrag lehnte sich an den TVÖD an und sah eine schrittweise Annäherung an dessen Vergütungsniveau vor. Vivantes hat im vergangenen Jahr mit mehr als 20.000 Beschäftigten mehr als 730.000 Patient*innen behandelt und das Geschäftsjahr mit einem Verlust von 146 Millionen Euro abgeschlossen. Ein im vergangenen Jahr aufgelegtes Sanierungs- und Neuausrichtungsprogramm soll das jährliche Defizit bis 2029 um 110 Millionen verringern. Betriebsbedingte Kündigungen wurden dabei ausgeschlossen.
