Veröffentlicht am 28. Mai 2019

Vivantes und AOK Nordost testen neues Berufsbild: Cardiolots*innen nehmen Herzpatient*innen an die Hand

Testlauf für ein neues Berufsbild: Elf Cardiolots*innen haben ihre Arbeit an acht Vivantes Klinika aufgenommen. Sie sollen rund 2000 bei der AOK Nordost versicherte Herzpatient*innen nach dem stationären Aufenthalt betreuen. Die Cardiolots*innen stehen sowohl den Patient*innen als auch den Ärzt*innen und Therapeut*innen als zusätzliche Ansprechpartner*innen zur Verfügung. Rund 900 Patient*innen haben das Angebot bereits wahrgenommen. 

Das Projekt wird mit rund 4.66 Mio. Euro vom Innovationsfonds gefördert. In dem dreijährigen Vorhaben wird die Ludwig-Maximilians-Universität München die Effekte einer persönlichen Patient*innenbegleitung am Beispiel chronisch Herzkranker wissenschaftlich untersuchen. Ist das Cardiolots*innen-Konzept erfolgreich, könnte sich daraus ein eigenständiges Berufsbild einer Patientenlotsin/eines Patientenlotsen entwickeln, das auch bei anderen chronischen Erkrankungen zum Einsatz kommt. 

Weit mehr als Entlassmanagement

Dr. Andrea Grebe, Vorsitzende der Geschäftsführung von Vivantes:

„Unsere Cardiolotsinnen und - lotsen sorgen mit diesem innovativen Ansatz für eine bessere Vernetzung der Versorgungsebenen nach einer stationären Behandlung. Wir versprechen uns davon eine höhere Wirksamkeit der Therapie, mehr Lebensqualität für unsere Patientinnen und Patienten, und dass sie dadurch seltener eine weitere stationäre Behandlung benötigen. Das neue Tätigkeitsfeld der persönlichen Patientenbegleitung geht damit weit über das Entlassmanagement hinaus."

Lots*innen bauen Vertrauensverhältnis zu Patient*innen auf

Daniela Teichert, designierte Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost:

„Zentrale Aufgabe der Cardiolotsinnen und Cardiolotsen ist es, die Patientinnen und Patienten persönlich in allen Belangen und zu allen Fragen rund um ihre Erkrankung aufzuklären und zu beraten.“ Die Cardiolots*innen stünden dabei in einem engen Vertrauensverhältnis zu den Betroffenen. „Das ist aus unserer Sicht elementar, damit Ängste und Unsicherheiten im Umgang mit der Krankheit abgebaut werden können. Langfristig werden die Patientinnen und Patienten so befähigt, souverän mit ihrer Erkrankung umzugehen.“

Der Kontakt entsteht bereits am Krankenbett

Der Kontakt zwischen Cardiolots*in und Patient*in entsteht bereits am Krankenbett, wo in einem persönlichen Gespräch über den Inhalt und die Ziele des Projekts sowie über die konkreten Unterstützungsmöglichkeiten informiert wird. Entscheiden sich die Patient*innen an dem Projekt teilzunehmen, beginnt die mindestens einjährige Betreuung.  

 

Hintergrundinformationen

 

Wie wird man Cardiolots*in?

Gesundheitsfachkräfte aus medizinischen Assistenzberufen (Medizinische Fachangestellte sowie Gesundheits- und Krankenpfleger*innen) erwerben die Qualifikation zur Cardiolotsin/zum Cardiolotsen durch eine zweimonatige Weiterbildung. Diese beinhaltet Lernmodule wie Kommunikationstraining, medizinische Fachwissenvermittlung mit kardiologischem Schwerpunkt, Hospitationen, Datenmanagement und Coaching. Die Module sollen als Grundlage für eine etwaige Standardqualifizierung zur Lotsin/zum Lotsen in unterschiedlichen medizinischen Bereichen dienen. Durchgeführt werden die Schulungen sowohl von Kardiolog*innen und kardiologischen Pflegefachkräften als auch von externen Expert*innen. 

So unterstützen die Cardiolots*innen

Nach der Entlassung melden sich Cardiolots*innen in regelmäßigen Abständen bei den Patient*innen, um sich nach dem Befinden zu erkundigen und eine gute Nachsorge sicherzustellen. Dazu wird zum Beispiel die Einbindung in ein geeignetes Disease-Management-Programm mit koordinierten Gesundheitsvorsorgemaßnahmen geprüft. Cardiolots*innen unterstützen aber auch bei der Terminfindung für ärztliche Kontrolluntersuchungen, bei der regelmäßigen und richtigen Medikamenteneinnahme sowie bei der Suche nach Herzsportgruppen oder weiterbetreuenden niedergelassenen Ärzt*innen.

Nicht alle Patient*innen finden sich im „Dschungel“ des ebenso umfangreichen wie hochqualitativen ambulanten Behandlungsangebotes gleichermaßen zurecht. Die Wahrnehmung empfohlener Behandlungsmaßnahmen kann oft mit Überforderung einhergehen. Auch eine Sprachbarriere kann ursächlich dafür sein, wenn Patient*innen empfohlene Angebote nicht wahrnehmen. Auch hier setzen Cardiolots*innen an.

Diese Patient*innen können teilnehmen

Teilnehmen können bei der AOK Nordost versicherte Patient*innen, die18 Jahre oder älter sind, sich in einer Klinik der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH an den Standorten am Urban, im Friedrichshain, Spandau, Auguste-Viktoria, Wenckebach, Humboldt, Neukölln und Kaulsdorf in stationärer Behandlung befinden oder befunden haben und eine der folgenden Diagnosen aufweisen:

  • Angina pectoris (I20),
  • akuter Myokardinfarkt (I21),
  • rezidivierender Myokardinfarkt (I22),
  • akute Komplikationen nach akutem Myokardinfarkt (I23),
  • sonstige akute ischämische Herzkrankheit (I24),
  • chronische ischämische Herzkrankheit (I25),
  • paroxysmale Tachykardie (I47),
  • Vorhofflimmern und Vorhofflattern (I48),
  • sonstige kardiale Arrhythmien (I49)
  • Herzinsuffizienz (I50) 

Weiterführende Informationen finden Sie auch im Internet:

Online-Portal Cardiolots*in

Cardiolots*innen in den Vivantes Kardiologien

 

Die AOK Nordost ist mit rund 1,8 Millionen Versicherten die größte Krankenkasse in der Region Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist kompetenter Partner in allen Gesundheits- und Versorgungsfragen und steht für qualitätsgesicherte Versorgungsprogramme. Für Patienten mit chronischen Erkrankungen gibt es etwa die „Curaplan-Programme“, für Kinder das Angebot „AOK-Junior“. Zudem werden viele Gesundheitsprogramme für alle Altersklassen angeboten, wobei digitale Angebote eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Die AOK Nordost bietet außerdem einen exzellenten Service und überzeugende Leistungen zu einem günstigen Beitragssatz. In mehr als 100 Servicecentern können sich Versicherte persönlich beraten lassen. Online wird das Informationsangebot stetig ausgebaut, inzwischen auch per Live-Chat.

Als größter kommunaler Krankenhauskonzern in Deutschland ist die Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH Vorreiter einer sich im Wandel befindenden Branche. Zum Vivantes-Netzwerk gehören neun Krankenhäuser mit rund 5.700 Betten, 17 Pflegeheime mit rund 2.300 vollstationären Pflegeplätzen, zwei Seniorenwohnhäuser, eine ambulante Rehabilitation, zwölf Medizinische Versorgungszentren, ein Hospiz sowie Tochtergesellschaften für Catering, Reinigung und Wäsche. Der Konzern beschäftigt insgesamt rund 16.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein Drittel aller stationären Patientinnen und Patienten in Berlin wird jedes Jahr in einer der mehr als 100 Fachkliniken und medizinischen Instituten von Vivantes behandelt. Das sind insgesamt mehr als eine halbe Million Behandlungen im Jahr.