Veröffentlicht am 22. Juni 2018

„Frühe Hilfen“ - Projektbeispiele am Vivantes Klinikum Neukölln

„Frühe Hilfen“ zielen darauf ab, Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Eltern in Familie und Gesellschaft frühzeitig und nachhaltig zu verbessern. Sie bilden lokale und regionale Unterstützungssysteme mit koordinierten Hilfsangeboten für Eltern und Kinder ab Beginn der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren. Am Vivantes Klinikum Neukölln sind bereits mehrere Projekte im Sinne der „Frühen Hilfen“ erfolgreich etabliert.

„Babylotsen“ - Das soziale Frühwarnsystem am Vivantes Klinikum Neukölln

Die „Babylotsen“ verstehen sich als Bindeglied zwischen Klinik und Jugendhilfe, das direkt nach dem ersten Kontakt mit Familien in der Geburtsklinik greift, falls psychosoziale oder gesundheitliche Risikofaktoren bestehen. Wenn ein erster Fragebogen Hinweise darauf gibt, dass eine Unterstützung  sinnvoll ist, bieten die „Babylotsen“ am Klinikum Neukölln ein Beratungsgespräch an. Dort geborene Kinder und ihre Familien erhalten bei Bedarf passgenaue Unterstützungsangebote und werden an soziale Einrichtungen in Neukölln und ganz Berlin vermittelt. Das Angebot kann aber auch auf eigenen Wunsch genutzt werden. Diese Strategie der Prävention und Gesundheitsförderung geht auf: Erste Erfahrungen zeigen, dass Schwangere und Eltern frühzeitig erreicht  und so die oft schwierigen Startbedingungen verbessert werden können. Das Projekt ist von zentraler Bedeutung im System der  Präventionskette in Neukölln und trägt dazu bei, allen Kindern im Bezirk ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen.

Hier gibt es mehr Infos zu den Babylotsen

Dranbleiben: „Familienlotsen - Gesundes Aufwachsen, Gesundes Neukölln“

Das Projekt „Familienlotsen - Gesundes Aufwachsen, Gesundes Neukölln“ sichert u.a. die Fortsetzung der erfolgreichen Begleitung von Familien aus dem Projekt „Babylotsen“. Die Familienlotsen sind ein weiteres wichtiges Glied in der Neuköllner Präventionskette. Sie halten bis zum dritten Lebensjahr der Kinder oder einem Eintritt in eine Kita die Verbindung zu Familien, bei denen gesundheitliche oder soziale Risiken für die kindliche Entwicklung festgestellt wurden. Bei Bedarf vermitteln die Familienlotsen passgenaue Unterstützung aus dem breiten Regelangebot des Gesundheits- und Jugendhilfewesens. Diese strukturelle Vernetzung der bestehenden Hilfsangebote beider Bereiche wurde vom Bezirk Neukölln und der Techniker Krankenkasse aktiv gefördert. Ziel ist es, die gesunde Entwicklung von Familien von der Schwangerschaft bis zur Aufnahme der Kinder in eine Tagesbetreuung zu stärken.

Mehr Infos gibt es im Flyer zu den Familienlotsen am Vivantes Klinikum Neukölln.

Kinderschutzambulanz am Klinikum Neukölln – fünf Ambulanzen in Berlin

Auf Beschluss des Berliner Senates wurden im April 2016 an insgesamt fünf Kinderkliniken in Berlin Kinderschutzambulanzen eingerichtet, eine davon in Neukölln.

Aufgabe der Kinderschutzambulanzen ist die ambulante medizinische Abklärung bei Verdachtsfällen von Kindeswohlgefährdungen wie Kindesmisshandlung, Vernachlässigung oder Missbrauch. Besteht ein entsprechender Verdacht, haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, z.B. der Kinder- und Jugendhilfe, die Möglichkeit, über eine verbindlich geregelte Kooperation mit der Kinderschutzambulanz die Familien dort vorzustellen und die Kinder medizinisch untersuchen zu lassen. Durch die enge bezirksübergreifende Vernetzung der Kinderschutzambulanz Neukölln zur Jugendhilfe, besonders aber zu den Neuköllner Jugendämtern sowie dem vom Jugendamt eingesetzten Krisendienst Neukölln, konnte in  vielen Fällen die Kindeswohlgefährdung frühzeitig erkannt und diagnostiziert werden und den häufig  überforderten Familien zeitnahe unterstützende Hilfen angeboten werden. In der Kinderschutzambulanz Neukölln wurden im Jahr 2017 insgesamt 147 Patientinnen und Patienten gesehen, diagnostiziert und vernetzt. In diesem Rahmen wurde bei 53 Kindern eine eindeutige Kindeswohlgefährdung (KWG) diagnostiziert und Familien-unterstützende Maßnahmen eingeleitet.

Mehr Infos zur Kinderschutzambulanz am Vivantes Klinikum Neukölln

„Hand-in-Hand“ und „Hand-in-Hand PLUS“ unterstützt Geflüchtete

Das Projekt „Hand-in-Hand“ richtet sich an Migrantinnen mit Fluchterfahrung, die schwanger sind oder ein Neugeborenes oder Kleinkind großziehen. Projektentwicklung und wissenschaftliche Begleitung erfolgen durch das Sigmund-Freud-Institut Frankfurt. Eine erste Förderung erfolgte direkt durch das Familienministerium.

Insbesondere Mütter mit traumatisierenden Erfahrungen sollen in der frühesten Mutter-Kind-Beziehung unterstützt werden. Ist die mütterliche Empathie für das Kind blockiert, leidet die emotionale und kognitive Entwicklung der Kinder. Um diese positiv zu  beeinflussen, finden regelmäßige psychologisch begleitete Gruppentreffen statt. Die Gruppenleiterinnen sind  psychoanalytisch geschult und werden regelmäßig entsprechend supervidiert. Es werden gemeinsame Ausflüge unternommen und Hausbesuche durch die Gruppenleiterinnen durchgeführt. Durch die muttersprachliche Begleitung von Integrationslotsinnen gelang es, beispielsweise Frauen mit Risikoschwangerschaften frühzeitig mit der Klinik in Verbindung zu bringen. „Hand-in-Hand“ besteht seit dem 01.01.2016 als Nachfolgeprojekt von „Erste Schritte“ und hat eine Laufzeit von drei Jahren. Gefördert werden diese Projekte durch das Familienministerium, Aktion Mensch, die World–Childhood–Foundation und nicht zuletzt auch durch den Bezirk Neukölln. Derzeit werden sechs Gruppen mit jeweils 8-9 Frauen aus 22 Ländern betreut.