
Unterstützende Maßnahmen während der Geburt
Jede Geburt verläuft unterschiedlich und auch das Schmerzempfinden unterscheidet sich von Frau zu Frau. Die Teams der Kreißsäle bieten Ihnen verschiedene Maßnahmen um sie unter der Geburt zu unterstützen.
Übersicht von unterstützende Maßnahmen
Hier finden Sie Informationen zu unterstützenden Maßnahmen während der Geburt – von der Einleitung der Geburt über Möglichkeiten der Schmerzlinderung und die Periduralanästhesie (PDA) bis hin zu Fragen rund um Dammriss und Dammschnitt.
Einleitung der Geburt
Bei gesundheitlichen Risiken
Die Geburt Ihres Babys beginnt gewöhnlich erst dann, wenn die Geburtswehen regelmäßig auftreten und die Muskelkontraktionen der Gebärmutter dazu beitragen, dass das Kind aus dem Geburtskanal herausgepresst wird. Dies ist ein ganz natürlicher Prozess, der durch die vermehrte Ausschüttung des Hormons Oxytocin angeregt wird. Ist dieser Vorgang gestört und die Wehen setzen nicht selbstständig ein, kann es notwendig sein, die Geburt künstlich einzuleiten. Die Einleitung der Geburt ist vor allem dann notwendig, wenn das längere Hinauszögern gesundheitliche Risiken für die schwangere Frau und ihr Baby bedeutet, beispielsweise aufgrund einer Erkrankung von Mutter oder Kind.
Ein erhöhtes Risiko besteht zudem, wenn das Baby mehr als eine Woche (40+7 Schwangerschaftswochen) nach dem errechneten Termin noch nicht auf der Welt ist, denn ab der 42. Schwangerschaftswoche erhöht sich die Gefahr, dass das Kind im Bauch der Mutter nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Eine Geburtseinleitung wird ebenfalls vorgenommen, wenn die Fruchtblase vorzeitig geplatzt ist und die Wehen auch 12 Stunden später noch nicht von allein eingesetzt haben. Würde sich die Geburt weiter hinauszögern, besteht die Gefahr einer Infektion. Im Fall einer Risikoschwangerschaft oder bei Anzeichen einer Präeklampsie kann eine Einleitung der Geburt auch schon vor dem eigentlichen Geburtstermin notwendig sein.
Je nach Zeitpunkt der Schwangerschaft und Reife des Muttermunds gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Wehen und damit die Geburt künstlich einzuleiten. Dies sind die häufigsten:
Möglichkeiten der Geburtseinleitung
Diese Tabletten können zur Geburtseinleitung bei unreifem Muttermund eingesetzt werden und zu den Standardverfahren, die erfreulicherweise jetzt auch zugelassen und unter dem Namen Angusta in Gebrauch sind.
Diese Möglichkeit ist heute eine Standardmethode, um die Geburt in einer späten Schwangerschaftswoche einzuleiten, wenn der Muttermund bereits gereift ist, also weich wird und für die Geburt bereit ist. Über einen Tropf wird der werdenden Mutter das wehenauslösende Hormon Oxytocin verabreicht und die Geburt innerhalb weniger Stunden ausgelöst. Häufig wird der Schwangeren für diese Form der Geburtseinleitung zuvor eine PDA gelegt, da die hervorgerufenen Wehenschmerzen sehr stark sein können.
Ist der Muttermund der Schwangeren noch nicht vollständig ausgereift und noch etwas fest, eine Geburtseinleitung aus medizinischen Gründen jedoch notwendig, wird häufig das Hormon Prostaglandin eingesetzt. Es kann als Gel (auch mehrmals) in die Scheide eingeführt werden oder gelangt ähnlich wie Oxytocin über eine Tropfinfusion ins Blut – der Muttermund wird weich und beginnt, sich zu öffnen.
Anders als bei den zuvor beschriebenen Methoden wird die Geburt bei der Eipolablösung nicht durch die medikamentöse Gabe von Hormonen stimuliert, sondern es wird auf die natürliche Regulierung des Körpers eingewirkt: Die Fruchtblase wird von der Hebamme vorsichtig vom Gebärmutterhals getrennt. Der Körper reagiert darauf mit der Ausschüttung von Prostaglandinen, und die Wehen werden in der Regel innerhalb von zwei Tagen ausgelöst.
Ist der Muttermund bereits reif, kann die Fruchtblase vorsichtig geöffnet werden. Dieser Eingriff löst genau wie die Eipolablösung die Ausschüttung von Prostaglandinen aus: Die Wehen beginnen nach wenigen Stunden, und die Geburt kann beginnen.
Schmerzlinderung - Wenn man an Grenzen stößt
Die Wehen sind ohne Zweifel ein intensiver und schlimmer Schmerz und die Geburt eine Situation, in der jede Frau an ihre Grenzen stößt. Dabei ist es ganz natürlich, dass einige Frauen besser mit diesen Schmerzen umgehen können als andere. Vor und während der Geburt gibt es verschiedene Möglichkeiten der Schmerzlinderung, die je nach individuellem Wunsch der Schwangeren angewendet werden können.
Grundsätzlich versuchen Hebammen und Ärzte, den aufkommenden Wehenschmerzen zunächst mit sanften Formen der Schmerzlinderung entgegenzuwirken, beispielsweise mit Entspannungsbädern oder Aromatherapien. Je nach Intensität des Schmerzes und der Wirkung solcher alternativmedizinischen Anwendungen wird während des Geburtsverlaufs stufenweise zu leichteren und anschließend stärkeren Schmerzmitteln wie Opioiden gegriffen. Darüber hinaus kann sich die werdende Mutter jederzeit für eine Periduralanästhesie (PDA) entscheiden.
Möglichkeiten der Schmerzlinderung
Unabhängig davon, ob sich die Frau für eine Wassergeburt entschieden hat, kann ein warmes Bad zu Beginn der Geburt erste Wehenschmerzen lindern, da das warme Wasser während der Wehen entspannend auf die Muskulatur wirkt. Je nach Wunsch kann die Zugabe ätherischer Öle den beruhigenden Effekt verstärken.
Unter einer Aromatherapie versteht man die heilende Behandlung mit dem Duft ätherischer Öle. Der richtige Einsatz von Aromen kann während der Geburt zur Entspannung und Entkrampfung beitragen. Um Wehenschmerzen auf natürliche Weise zu lindern, eignen sich insbesondere Öle wie Yasmin, Lavendel oder Bergamotte. Diese werden als Badezusatz für Entspannungsbäder verwendet oder über eine Aromalampe in die Raumluft abgegeben.
Die Wissenschaft der Akupunktur entstammt der traditionellen chinesischen Medizin und wirkt über die Stimulation des Körpers mit winzigen Nadeln. Je nach Indikation werden diese gezielt an einzelnen der insgesamt 361 Körperpunkte eingesetzt. Das alternative Verfahren kann bereits während der Schwangerschaft angewendet werden, um die spätere Geburtsdauer positiv zu beeinflussen: Die Gebärmutter wird besser durchblutet, und Gebärmutterhals und Muttermund werden weicher. Während der Geburt selbst kann Akupunktur auf sanfte Weise zur Entspannung und Schmerzlinderung beitragen.
Die alternativmedizinische Behandlung mit homöopathischen Mitteln kann bereits in der Schwangerschaft dazu beitragen, Begleiterscheinungen wie Müdigkeit oder Übelkeit zu mindern. Auch während der Geburt werden die sogenannten Globuli eingesetzt. Dabei dienen sie weniger der direkten Linderung des Schmerzes, sondern stärken die Frau dabei, mit diesem besser umzugehen.
Eine gute Alternative zu herkömmlichen medikamentösen Schmerzmitteln stellt Lachgas dar. Es hat eine schmerzlindernde, entspannende und beruhigende Wirkung und eignet sich gut für werdende Mütter, die im Verlauf der Geburt ängstlich und angespannt sind, oder auch keine PDA wünschen. Das Gas-Sauerstoff-Gemisch wird über eine Maske eingeatmet, die sich die Frau während der Geburt je nach Bedarf selbst vor Mund und Nase halten kann. Lachgas wirkt sofort (30 Sekunden) und ist gut dosierbar, da es schon nach etwa drei Minuten aus dem Körper wieder abgebaut ist. Ein Vorteil ist die hohe Flexibilität der Methode: In der Eröffnungsphase bietet es eine perfekte Schmerzlinderung, während der Pressperiode kann die Frau häufig auf das Lachgas verzichten und aktiv mit pressen. Lachgas kann auch bei einem sehr schnellen Geburtsverlauf erfolgreich eingesetzt werden.
Während die Angebote der Alternativmedizin von Frau zu Frau unterschiedlich gute Linderung der Geburtsschmerzen bieten, wirken herkömmliche Medikamente häufig besser oder schneller.
Krampflösende Medikamente (Spasmolytika) werden beispielsweise eingesetzt, wenn der Muttermund in der Eröffnungsphase zu fest und zu verkrampft ist und das Fortschreiten des Geburtsprozesses dadurch hinausgezögert wird. Durch die Gabe von entsprechenden Zäpfchen oder Spritzen entspannt sich die Muskulatur, und der Muttermund kann sich besser öffnen. Häufig beinhalten die eingesetzten Mittel zusätzlich bereits schmerzlindernde Wirkstoffe.
Schmerzstillende Medikamente (Analgetika) werden ebenso wie entkrampfende Mittel in der frühen Geburtsphase als Tabletten oder Zäpfchen verabreicht oder als Spritze an Oberschenkel oder Po in die Vene gegeben. Von hier aus entfalten sie auf schnellem Weg ihre Wirkung: Nach rund 15 Minuten sinkt das Schmerzempfinden der Frau erheblich und bleibt für eine Dauer von zwei bis vier Stunden vermindert. Der Nachteil stärkerer Schmerzmittel wie Opioiden sind aufkommende Übelkeit und Müdigkeit der Mutter, diese kann sich durch die Medikamente wie „benebelt“ fühlen. Solche Nebenwirkungen können das Erleben des Geburtsprozesses und die Mitarbeit der Frau stark beeinträchtigen. In seltenen Fällen können starke Schmerzmittel auf das Baby übergehen und dessen Atemanpassung nach der Geburt beeinflussen.
Periduralanästhesie (PDA)
Was ist eine PDA?
Die Periduralanästhesie, kurz PDA, alternativ Epiduralanästhesie oder Periduralblockade genannt, ist in der Geburtsmedizin ein gängiges Verfahren zur Schmerztherapie. Die Periduralanästhesie wird durch Einspritzen von Anästhesiemittel in den unteren Rücken (Rückenmark) verabreicht.
Wird eine PDA angelegt, sind lokal einzelne Abschnitte der Nerven in ihrer Funktion gehemmt, und das Schmerzempfinden der werdenden Mutter ist in bestimmten Regionen gezielt ausgeschaltet.
Für eine Periduralanästhesie wird ein dünner Katheter durch eine kleine Punktion in der Haut im unteren Rücken eingeführt. Das Anästhesiemittel wird dann über den Katheter verabreicht, wodurch die Schmerzempfindung im unteren Körperbereich unterdrückt wird. Die Periduralanästhesie bietet eine effektive Schmerzlinderung bei geringeren Risiken und Nebenwirkungen als eine Vollnarkose. In Deutschland nehmen im Schnitt 15 bis 20 % der Frauen bei der Geburt eine PDA in Anspruch.
Bereits vor der Geburt werden Sie umfassend von einer Hebamme oder Geburtshelferin über das Verfahren der Periduralanästhesie informiert und können sich für oder gegen diesen Eingriff entscheiden. Darüber hinaus ist es auch während der Geburt möglich, bei starken Schmerzen um diese Maßnahme zu bitten.
Ablauf einer PDA
Eine PDA kommt häufig während der Geburt zum Einsatz, um Schmerzen zu lindern. Der Ablauf einer PDA während einer Geburt kann wie folgt sein:
- Vor der PDA wird eine Sichtprüfung des Rückens durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Anästhesie sicher durchgeführt werden kann.
- Sie werden gebeten, sich auf die Seite zu legen und den unteren Rücken freizulegen. Dann werden Sie gebeten, Ihren Rücken zu krümmen und das Gesäß etwas anzuheben.
- Die oder der Anästhesist*in desinfiziert die Einstichstelle und legt ein steriles Tuch darüber.
- Mit Hilfe einer Nadel wird ein kleiner Katheter in den Wirbelkanal eingeführt. Der Katheter wird dann entfernt und durch einen dünneren ersetzt.
- Die Anästhesie wird dann langsam über den Katheter verabreicht.
- Nun werden Sie gebeten, Ihre Beine zu bewegen, um sicherzustellen, dass die Betäubung richtig wirkt.
- Während der Geburt wird die Anästhesie gegebenenfalls nachdosiert, um sicherzustellen, dass sie weiterhin wirksam ist.
- Nach der Geburt wird der Katheter entfernt und die Einstichstelle versorgt. Sie werden weiterhin auf Ihre Schmerzen und Ihre allgemeine Gesundheit überwacht, bis Sie wieder vollständig mobil sind.
Risiken einer PDA
Eine Periduralanästhesie (PDA) während der Geburt ist in der Regel sicher, aber wie bei jedem Eingriff gibt es auch bei einer PDA gewisse Risiken. Einige mögliche Risiken für Frauen, die während der Geburt eine PDA erhalten, sind:
- Kopfschmerzen: Einige Frauen können nach einer PDA Kopfschmerzen bekommen, die in der Regel innerhalb von ein paar Tagen verschwinden.
- Niedriger Blutdruck: Die Anästhesie kann dazu führen, dass der Blutdruck sinkt, was zu Schwindel, Schwäche oder Ohnmacht führen kann.
- Verletzungen des Rückenmarks oder der Nerven: Obwohl dies sehr selten ist, besteht das Risiko, dass der Katheter das Rückenmark oder die Nerven verletzen könnte, während er eingeführt wird.
- Infektionen: Es besteht auch das Risiko, dass sich an der Einstichstelle eine Infektion entwickelt.
Dammriss und Dammschnitt
Was ist ein Dammriss?
Während der Geburt kann es zu einem sogenannten Dammriss kommen. Das als „Damm“ bezeichnete Gewebe zwischen Vulva und dem After wird während der Geburt insbesondere durch den Kopf des Kindes stark belastet, ist aber bei jeder Frau unterschiedlich elastisch. Ist das Gewebe schwach oder lässt es sich schlecht dehnen, so kann es während des Geburtsvorgangs leichter einreißen.
Neben der grundsätzlichen Elastizität des Gewebes tragen auch die Größe des Kindes oder die Dauer des Geburtsvorgangs zur Wahrscheinlichkeit eines Dammrisses bei. Das Risiko ist demnach höher, wenn das Ungeborene einen sehr großen Kopf hat oder die Entbindung schneller verläuft, als sich das Gewebe dehnen kann. In der Regel bekommt die Frau während der Geburt hiervon selbst wenig mit und verspürt auch keine direkten Schmerzen. Im Anschluss an die Entbindung muss die Wunde versorgt werden.
Handelt es sich um einen leichten Riss, verheilt das Gewebe meist von alleine und muss nicht vernäht werden. Wenn zusätzlich die Muskulatur oder der Darm betroffen sind, wird die Wunde unter lokaler Betäubung schichtweise vernäht. In jedem Fall können sich Mutter und Baby jedoch erst einmal kennenlernen, und das Kind kann angelegt werden, bevor der Damm versorgt wird.
Einem Dammriss kann teilweise vorgebeugt werden. Regelmäßige Massagen schon während der Schwangerschaft machen den Damm geschmeidiger und dehnbarer. Empfehlenswert ist hierfür ein Öl, das frei von Parfümierungen oder Aromen, aber reich an Vitamin E ist, z. B. Weizenkeimöl oder reines Nussöl. Dieses sollte ab der 36. Schwangerschaftswoche ein- bis zweimal täglich in das Dammgewebe einmassiert werden.
Auch schonende Geburtspositionen wie Stand oder Hocke entlasten den Damm und machen ihn weniger anfällig für Risse. Zusätzlich kann auch ein erfahrener Geburtshelfer mithilfe einer speziellen Grifftechnik das Risiko eines Dammrisses verhindern.
Was bedeutet Dammschnitt (Episiotomie)
Bei einem Dammschnitt wird das Gewebe zwischen Vulva und After mit einem 2 bis 8 cm langen Schnitt gezielt durchtrennt. Dieser Eingriff kann aus unterschiedlichen Gründen notwendig sein, beispielsweise um einem unkontrollierbaren tieferen Riss des Damms vorzubeugen. Auch in Fällen, bei denen sich der Geburtsprozess in die Länge zieht und das Kind gefährdet ist oder der Damm durch eine Steiß- oder Saugglockenentbindung besonders belastet ist, wird der Schnitt durchgeführt. Das Gewebe wird dabei während des Höhepunktes der Wehen durchtrennt, dann ist es besonders gedehnt und schmerzunempfindlich. Ähnlich wie bei einem stärkeren Dammriss wird die Wunde nach der Entbindung unter örtlicher Betäubung vernäht.
Während der Dammschnitt noch vor einigen Jahren ein Routineeingriff war, wird diese Methode heute mit mehr Zurückhaltung angewandt. Der Grund hierfür ist unter anderem die Feststellung, dass das an „günstigen“ Stellen natürlich gerissene Gewebe besser heilt, der Beckenboden weniger geschwächt wird und anschließende Schmerzen gemindert werden.



