Symptome von Endometriose: Mehr als Bauchweh

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Endometriose - die Unterleibserkrankung betrifft viele Frauen und sie verursacht oft starke Schmerzen. Manche Betroffene wissen gar nicht, dass sie erkrankt sind, weil die Krankheit noch zu wenig bekannt ist.

Was ist Endometriose? Häufigkeit und Bedeutung der Erkrankung

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die viele Frauen betrifft und dennoch häufig erst spät erkannt wird. Schätzungen zufolge leidet etwa jede fünfte bis zehnte Frau zwischen Pubertät und Menopause an Endometriose. Trotz dieser hohen Zahl ist die Krankheit noch immer wenig bekannt – sowohl in der Gesellschaft als auch im medizinischen Alltag. 

Die Beschwerden bei Endometriose können sehr unterschiedlich sein. Es gibt sogenannte offensichtliche Symptome wie Blut im Stuhl oder Schmerzen beim Wasserlassen. Diese treten jedoch nicht bei allen Betroffenen auf. Häufiger sind eher unspezifische, verdeckte Symptome wie starke, oft chronische Unterleibsschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder ein unerfüllter Kinderwunsch.

Gerade die Unfruchtbarkeit fällt oft erst dann auf, wenn Frauen versuchen, schwanger zu werden. Zu diesem Zeitpunkt leiden viele bereits seit Jahren an Endometriose, ohne eine klare Diagnose erhalten zu haben. Das macht die Erkrankung besonders tückisch.

Endometriose ist eine komplexe Erkrankung, die Aufmerksamkeit und Aufklärung braucht. Je früher sie erkannt wird, desto besser lassen sich Beschwerden lindern und Folgeschäden vermeiden. Wichtig ist, dass Frauen ihre Schmerzen ernst nehmen und sich bei anhaltenden Beschwerden an spezialisierte Stellen wenden. Denn starke Schmerzen sind nicht „normal“ – und Hilfe ist möglich.

Warum Endometriose oft spät erkannt wird

Ein wesentlicher Grund für die späte Diagnose ist mangelnde Aufklärung. Schmerzen während der Menstruation werden häufig als „normal“ abgetan – nicht selten auch innerhalb der Familie, wenn Mütter ähnliche Erfahrungen gemacht haben, ohne je von Endometriose erfahren zu haben. 

Das Wichtigste für eine Diagnose der Endometriose ist die Anamnese, also genau zuzuhören, nachzufragen und die Krankheitsgeschichte systematisch aufzunehmen. Viele Patientinnen berichten etwa, dass sie starke, chronische Unterleibsschmerzen haben und das schon seit längerem – und oft auch unabhängig von der Menstruation.

Hinzu kommen strukturelle Probleme im Gesundheitssystem: In vielen gynäkologischen Praxen fehlt die Zeit für ausführliche Gespräche, da spezielle Endometriose-Sprechstunden oft nicht von den Krankenkassen vergütet werden. Viele Patientinnen fühlen sich dadurch nicht ernst genommen.

 

Endometriose Diagnose: Warum spezialisierte Zentren und Sprechstunden wichtig sind

Für betroffene Frauen gibt es jedoch spezialisierte Praxen und Kliniken mit Endometriose-Sprechstunden. Dort ist eine ausführliche Beratung, Diagnostik und auch das Einholen einer Zweitmeinung möglich – oft auch ohne Überweisung. Solche Zentren verfügen über die notwendige Erfahrung und interdisziplinäre Zusammenarbeit, um die Erkrankung umfassend zu beurteilen. 

Das Deutsche Endometriosezentrum Berlin (Gynäkologische Onkologie | Vivantes MVZ) bietet die Möglichkeit, Betroffene ausführlich zu Endometriose zu beraten und eine Diagnose zu stellen, kann man mit oder ohne Überweisung von einem niedergelassenen Arzt kommen. Es bietet auch eine Zweitmeinung an.

Wie wird Endometriose diagnostiziert? Untersuchungen und Verfahren

Der wichtigste Schritt zur Diagnose ist eine sorgfältige Anamnese. Das bedeutet: genau zuhören, gezielt nachfragen und die Krankengeschichte systematisch erfassen. Viele Patientinnen berichten etwa über starke Unterleibsschmerzen, die unabhängig vom Menstruationszyklus auftreten.

Ergänzend erfolgen eine gynäkologische Untersuchung sowie bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT. Erfahrene Fachärztinnen und Fachärzte können Endometrioseherde beispielsweise an Eierstöcken, Eileitern, der Gebärmutter oder sogar am Darm erkennen. Bleiben diese Untersuchungen unauffällig, obwohl der Verdacht weiterhin besteht, kann eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) notwendig sein. Dabei werden Gewebeproben entnommen und Endometrioseherde häufig direkt entfernt, was oft zu einer spürbaren Besserung der Beschwerden führt.

Gibt es einen Test für Endometriose?

Ein spezifischer Bluttest für Endometriose existiert derzeit nicht. Zwar kann der Tumormarker CA 125 im Blut erhöht sein, dieser ist jedoch unspezifisch und kann auch bei anderen Erkrankungen, einschließlich Krebs, auftreten. Daher spielt dieser Test in der Diagnostik meist keine entscheidende Rolle.
 

Endometriose Behandlung: Individuelle Therapie gegen Schmerzen

Endometriose äußert sich bei jeder Frau sehr unterschiedlich, weshalb auch die Behandlung individuell erfolgen muss. Die Stärke der Schmerzen steht dabei nicht zwangsläufig im Verhältnis zum Ausmaß der Erkrankung: Manche Frauen leiden trotz weniger Endometrioseherde unter starken Beschwerden, während andere selbst bei ausgeprägter Endometriose kaum Symptome haben. Auch der Sitz der Herde spielt eine wichtige Rolle für die Schmerzintensität.

Zur Behandlung stehen verschiedene Therapieansätze zur Verfügung. Dazu zählen eine individuell abgestimmte Schmerztherapie, naturheilkundliche Verfahren sowie ergänzende Methoden wie Bewegungstherapien, etwa Yoga oder Tai-Chi, und Akupunktur. Häufig wird zusätzlich eine Hormontherapie eingesetzt, beispielsweise in Form von Tabletten, Spritzen oder einer Hormonspirale. Ziel dieser Behandlung ist es, den Hormonhaushalt so zu beeinflussen, dass das Wachstum der Endometrioseherde gehemmt und die Beschwerden gelindert werden.
 

Endometriose OP: Wann ist eine Operation sinnvoll?

Eine Operation wird meist erst dann empfohlen, wenn starke Schmerzen bestehen und andere Therapien keine ausreichende Linderung bringen oder wenn Endometriosezysten auftreten. Auch der Kinderwunsch spielt bei dieser Entscheidung eine wichtige Rolle. Operiert wird in der Regel minimalinvasiv und nervenschonend, teilweise auch mit roboterassistierter Chirurgie. Die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen ist dabei besonders wichtig.
 

Adenomyose und Endometriose: Unterschiede einfach erklärt

Adenomyose ist eine bestimmte Form der Endometriose, und zwar in der Gebärmuttermuskulatur – und eben nicht in der Schleimhaut. Patientinnen mit Adenomyose haben vor allem Blutungsprobleme, und zwar oft mit längeren Blutungen oder stärkeren Schmerzen. Im Unterschied dazu: Die Adenomyose kann man im Ultraschall meist gut erkennen. Endometriose kann man nicht immer im Ultraschall sehen, da dies Herde sind und solche manchmal nur über eine Bauchspiegelung erkennbar sind.

Endometriose und Unfruchtbarkeit: Wie beeinflusst die Erkrankung den Kinderwuns

Ob Endometriose die Fruchtbarkeit beeinträchtigt, hängt vor allem davon ab, wo die Herde liegen. Sind Eierstöcke oder Eileiter betroffen, kann es zu Fertilitätsproblemen kommen. Diese lassen sich heute jedoch häufig durch moderne Verfahren wie die künstliche Befruchtung umgehen. Befindet sich die Endometriose ausschließlich in der Gebärmutter, führt sie in der Regel nicht zu Unfruchtbarkeit.

Medizinisch wird Endometriose als mögliche Ursache für Unfruchtbarkeit abgeklärt, wenn eine Frau länger als sechs Monate erfolglos versucht hat, schwanger zu werden und andere Ursachen – etwa beim Partner – ausgeschlossen wurden.

Mehr Infos und Kontakt

Zum Deutschen Endometriosezentrum Berlin: Endometriose - Reinickendorf | Vivantes

Gynäkologische Onkologie | Vivantes MVZ

Gynäkologische Ambulanz

Nachsorge, Myome, Endometriose, operative Sterilitätsbehandlung, amb. Gebärmutterspiegelung, Anmeldung und Planung zur Entbindung, GDM, stationäre Aufnahmen

Tel. 030130121851
Kontakt huk_gyn@vivantes.de
Montag – Freitag, 8:30 – 14:30 Uhr

Drei Fragen zu OPs bei Endometriose an Dr. Skander Bouassida

Eigentlich behandeln Frauenärzt*innen Endometriose und operieren sie auch. Ist die Erkrankung weit fortgeschritten und der Darm betroffen, kommen Dr. Bouassida und sein Team in der Klinik zum Einsatz. Dr. med. Skander Bouassida, FEBS (Fellow of the European Board of Surgery) ist Chefarzt der Klinik für Koloproktologie, Leiter des zertifizierten Kompetenzzentrums für Koloproktologie und des Darmzentrums am Vivantes Humboldt-Klinikum.

Herr Dr. Bouassida, wie funktioniert das mit der Bauchspiegelung bei Endometriose?

Dr. med. Skander Bouassida, Chefarzt der Klinik für Koloproktologie am Vivantes Humboldt-Klinikum: Eine Operation ist die letzte Stufe einer Endometriosebehandlung, wenn Schmerz- und Hormontherapie sowie weitere Maßnahmen nicht helfen. Wichtig ist, rechtzeitig zu operieren. Es darf nicht zu spät operiert werden: Manchmal sehen wir etwa geplagte Frauen, die mit Darmverschluss kommen. Eine OP mit großem Bauchschnitt führen wir nur noch ausnahmsweise durch – wenn es nicht anders geht. Bei der von uns bevorzugten Bauchspiegelung setzen wir Mini-Stiche durch die Bauchdecke und gelangen so schonend in die Bauchhöhle. Bei dieser OP setzen wir lange, dünne Instrumente ein. Dabei unterstützt uns eine Maschine, der Da-Vinci Roboter. Den Roboterarm und die 3-D-Kamera steuere ich über eine Konsole. Diese Top-Technologie macht derartige Eingriffe noch schonender für die Patientinnen.

„Endometriose darf nicht zu spät operiert werden: Manchmal sehen wir etwa geplagte Frauen, die mit Darmverschluss kommen. Bei der von uns bevorzugten Bauchspiegelung setzen wir Mini-Stiche durch die Bauchdecke und gelangen so schonend in die Bauchhöhle. Dabei unterstützt uns eine Maschine, der Da-Vinci Roboter. Diese Top-Technologie macht derartige Eingriffe noch schonender für die Patientinnen.“
Zitat von: Dr. Skander BouassidaPosition: Chefarzt der Klinik für Koloproktologie, Leiter des zertifizierten Kompetenzzentrums für Koloproktologie und des Darmzentrums am Vivantes Humboldt-Klinikum, FEBS

Reicht eine OP – und wie sieht die Prognose aus?

„Ist der Darm von Endometriose-Herden befreit, ist die Prognose gut. Beeinflusst werden die vier Hauptsymptome der Endometriose: Darmentleerungsstörung, Schmerz, Blutung und Fertilität. Am besten wird die Darmentleerung durch eine Darmoperation gebessert. Der Schmerz, insbesondere dann, wenn er lange unbehandelt erduldet wurde, ist manchmal schwieriger zu verbessern. Wichtig für die Prognose ist dabei der multimodale Ansatz: Die Operation muss interdisziplinär mit Beckenbodentraining, Hormon-, Schmerz- und Ernährungstherapie sowie Sport, Entspannungsübungen etc. kombiniert werden. Besonders bei Kinderwunsch ist die schonende, genaue OP-Methode wertvoll. Die Nachbehandlung erfolgt gemeinsam mit einer Kinderwunsch-Sprechstunde.“

Kinderwunsch? Dann ist die schonende, genaue OP-Methode besonders wertvoll

Wie bereite ich mich auf die OP vor und wie lange bin ich danach bewegungseingeschränkt?

„Gut ist, wenn die Patientinnen körperlich fit zur OP kommen. Auch die psychologische Unterstützung ist wichtig. Wir empfehlen vor aufwendigen Darmeingriffen eine eiweißreiche Ernährung, viele Vitamine und sogar sportliche Betätigung. Ziel ist, eine „belastbare“ Patientin zu operieren. Nach der OP sind die Patientinnen weitgehend schmerzarm und werden ermuntert, noch am gleichen Tag aufzustehen und etwa zur Toilette zu gehen, sich anzuziehen und leichte Kost zu sich zu nehmen. Der Morgenkaffee darf nicht fehlen! Sie bleiben bei der Rektumendometriose rund sechs Tage in der Klinik. Mein Team und ich stehen auch nach der Entlassung zur Verfügung, falls postoperative Beschwerden noch bestehen sollten. Die meisten Frauen sind zufrieden und gehen ganz problemlos zur weiteren Behandlung zu ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt. Danach wird ein Darmchirurg hoffentlich nie wieder benötigt.“

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Porträt von Dr. med. Skander Bouassida
Kontaktperson: Dr. med. Skander Bouassida

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