Wenn Patient*innen im Krankenhaus versterben

Veröffentlicht am

Dr. Daniel Becher ist Oberarzt der Pneumologie am Vivantes Klinikum Spandau. Dort werden akut internistische Patient*innen behandelt, die mitunter schwere Erkrankungen wie Tumore haben. Er ist oft erster Ansprechpartner, wenn Patient*innen versterben.

Niemand möchte sich gern mit dem möglichen Tod eines Verwandten auseinandersetzen. Und doch sterben immer wieder hochbetagte oder schwerkranke Menschen im Krankenhaus, oder sie werden ohne Vorwarnung bei einem Unfall aus dem Leben gerissen. 
Vielen Angehörigen und Nahestehenden hilft es, lange im Voraus zu besprechen, wie es ihren Lieben mit einer Erkrankung geht, was sie sich für ihren Todesfall wünschen, was ihnen wichtig ist, offene Fragen zu klären, oder Papiere zu ordnen. Neben einer Vorsorgevollmacht und einer Patientenverfügung ist es wichtig sich Zeit zu nehmen, und in die Familienangehörigen hineinzufühlen.
 

Herr Dr. Becher, wie gehen Sie auf der Station mit Todesfällen um?

Für einen solchen Fall gibt es ein festgeschriebenes, strukturiertes Vorgehen: Wenn ein Patient auf der Station verstirbt, stellt ein Stationsarzt zunächst den Tod fest. Es folgt eine abschließende körperliche Untersuchung und die Bestätigung einer natürlichen Todesursache. Anschließend wird der Leichenschauschein erstellt, den die standesamtliche Meldestelle für eine Sterbeurkunde braucht. Dann werden die Angehörigen informiert. Im Vorfeld gab es im Idealfall schon Gespräche über die definierten und erreichbaren Therapieziele. Beispielsweise die Frage, ob ein Patient künstlich ernährt werden soll, welche Behandlungsmaßnahmen, wie etwa in der Intensivmedizin, zielführend sind.

Gibt es etwas, wie einen „Sterbeprozess“?

Letztlich ist der Übergang von einer Akutsituation fließend. In einigen Fällen kann sich der Gesundheitszustand schnell verschlechtern. Wenn Ärzt*innen sagen „wir können nichts mehr tun“ ist das für einige Angehörige oft schwer zu akzeptieren. Wir erleben hier auch kulturelle und religiöse Unterschiede, etwa wenn von Angehörigen eingefordert wird, die Therapie fortzusetzen, weil es den religiösen Vorstellungen entspricht. Dann gilt es zwischen der ärztlichen Perspektive, den medizinischen Möglichkeiten und den Bedürfnissen der Angehörigen zu vermitteln.

Wie gehen Sie damit um, die schwere Nachricht des Todes zu übermitteln?

Auch nach langjähriger Erfahrung als Arzt gehören die Gespräche mit Angehörigen nach einem Sterbefall noch zu den schwersten Aufgaben, denn es gibt für den Tod nicht die „richtigen Worte“. Ich versuche möglichst ruhig und klar zu kommunizieren und eindeutig zu sein. Der Tod ist für uns alle eine besondere Situation und reißt uns aus dem Alltag. 

Abschiednahme im Krankenhaus

Erste Ansprechpartner*innen auf der Station sind meist Pflegedienstleitung, oder Stationsärzt*innen. Wenn Patient*innen aus der eigenen Familie bei ihrem Krankenhausaufenthalt begleitet werden, gibt es meist bereits Kontakt zu Mitarbeitenden, oder eine Telefonnummer wird hinterlegt. Auf der Station besteht für Angehörige die Möglichkeit, über die Krankengeschichte zu sprechen und Näheres über die Umstände des Versterbens zu erfahren. Auch werden die persönlichen Gegenstände der Verstorbenen an die Angehörigen übergeben.

Die Verstorbenen bleiben meist noch etwa zwei Stunden in ihrem Krankenzimmer, wo sich die Angehörigen von ihnen verabschieden können. Die Angehörigen wählen ein Bestattungsunternehmen aus, das mit der Abholung und den weiteren Schritten beauftragt wird.
Es gibt für einen Zeitraum nach dem stationären Aufenthalt aber an allen Standorten von Vivantes auch einen eigens für Verabschiedungen vorgesehenen Raum. Dafür ist es notwendig, sich zu festen Zeiten vorab anzumelden:

Anmeldung für eine Verabschiedung im Abschiedsraum

• Auguste-Viktoria-Klinikum: Montag-Freitag 10:00 – 12:00 Uhr, Telefon: 030 130 208311
• Wenckebach-Klinikum: Montag-Freitag 13:30 – 15:30 Uhr, Telefon: 030 192286
• Humboldt-Klinikum: Montag-Freitag 09.00 – 11.00 Uhr, Telefon: 030 130 121841
• Klinikum Am Urban: Montag-Freitag 11:00 – 13:00 Uhr, Telefon: 030 130 226699
• Klinikum im Friedrichshain: Montag-Freitag 08:00 – 10:00 Uhr, Telefon: 030 130 231713
• Klinikum Kaulsdorf: Montag-Freitag 12:00 – 14:30 Uhr, Telefon: 030 130 172382
• Klinikum Neukölln: Montag-Freitag 10:00 – 14:00 Uhr, Telefon: 030 130 142176
• Klinikum Spandau: Montag-Freitag 12:30 – 14:30 Uhr, Telefon: 030 130 131613

Nach der Anmeldung werden die Details besprochen, der Zeitpunkt für eine Abschiednahme am Folgetag, und eine Wegbeschreibung zur Verfügung gestellt.

An allen Standorten von Vivantes sind zudem Seelsorgende für Hinterbliebene da, die ihnen Halt, Trost, Orientierung, oder Beistand geben. Meist sind es evangelische, oder katholische Pfarrer*innen oder Pastoralreferent*innen, an die sich Angehörige wenden können.

Teilen Sie den Beitrag

Sie möchten diesen Artikel mit Kolleg*innen, Patient*innen oder in Ihrem Netzwerk teilen?