
Kopfschmerzen bei Kindern
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Experte spricht über Ursachen, Therapiemöglichkeiten und wichtige Alarmzeichen.
Interview mit Prof. Hermann Girschick
Prof. Girschick, wie verbreitet sind Kopfschmerzen bei Kindern?
Laut Studien leiden über 40 Prozent aller Kleinkinder, Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren gelegentlich an Kopfschmerzen. Die Symptome sind unterschiedlich. Der größte Teil empfindet Spannungskopfschmerzen – der Kopf fühlt sich an, als würde er von einem Ring zusammengequetscht. Von den 7- bis 14-Jährigen haben knapp 10 Prozent sogar mit Migräne zu kämpfen, die zwar genetisch bedingt ist, allerdings nicht ausschließlich.
Was sind typische Ursachen für Kopfschmerzen bei Kindern?
Wir unterscheiden zwischen weit mehr als 200 Arten. Entsprechend komplex ist die Suche nach den Ursachen. Stress in Schule und Freizeit, Leistungsdruck, Mobbing, Bewegungsmangel und übermäßige Bildschirmzeit sind häufige Ursachen.
Welchen Einfluss haben Ernährung und Trinkverhalten?
Beides spielt eine wichtige Rolle. Nicht selten fehlen regelmäßige Mahlzeiten, oft kommen Schüler*innen ohne Frühstück in den Unterricht, ernähren sich den Tag über von zuckerhaltigen Snacks und trinken viel zu wenig.
Was spielt noch eine Rolle?
Ausreichender Schlaf hilft, das Aufkommen von Spannungskopfschmerzen und Migräne zu verringern. Sport und regelmäßige körperliche Betätigung kann auch helfen, Kopfschmerzen zu reduzieren.
„Gerade bei jüngeren Kindern fällt es oft schwer, Kopfschmerzen überhaupt zu erkennen. Da hilft nur eine genaue Beobachtung des eigenen Kindes über einen längeren Zeitraum hinweg.“

Wie kann ein Kopfschmerztagebuch helfen?
Wenn darin notiert wird, wann und wo die Schmerzen auftreten, lassen sich die Anfälle besser einschätzen. Hier kann es verschiedene Muster geben: zum Beispiel treten sie oft vor Klassenarbeiten auf, bei Computerspielen oder am Wochenende. Ist der Auslöser bekannt, können sich die Betroffenen zumindest darauf einstellen, und ihre Angst vor einer Schmerzattacke nimmt ab. Auch wichtig: Medikamente bitte nur nach Absprache mit Ärztin oder Arzt verabreichen!
Wann sollten Eltern die Kopfschmerzen ihres Kindes ärztlich abklären lassen?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Gerade bei jüngeren Kindern fällt es oft schwer, Kopfschmerzen überhaupt zu erkennen. Da hilft nur eine genaue Beobachtung des eigenen Kindes über einen längeren Zeitraum hinweg. Leidet es nur gelegentlich unter Kopfschmerzen, nimmt ansonsten aber lebendig am Alltag teil, dann ist der Besuch einer Ärztin oder eines Arztes nicht dringlich.
Was sind Alarmzeichen, die einen Arztbesuch notwendig machen?
Wenn die Schmerzen auch am nächsten Tag noch da sind, obwohl das Kind sich ausgeruht hat; es sich zurückzieht und auf lieb gewonnene Gewohnheiten verzichtet, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Alarmsymptome sind auch zusätzliches Erbrechen oder Gewichtsabnahme. In seltenen Fällen könnten sich hinter dieser Art von Kopfschmerzen zum Beispiel auch eine Infektion oder ein Hirntumor verbergen. Wird ein symptomatischer Kopfschmerz ausgeschlossen, kann der Besuch einer Kopfschmerzsprechstunde, beispielsweise in einem Sozialpädiatrischen Zentrum, sinnvoll sein. Hier wird das Kind multidisziplinär behandelt und unterstützt.
Fotos: ambermb_unsplash; Vivantes