
Was macht den Eierstockkrebs so gefährlich?
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Rund 7500 Frauen erkranken jedes Jahr neu an Eierstockkrebs. Priv.-Doz. Dr. Melisa Gülhan Inci-Turan, Chefärztin an der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin im Vivantes Humboldt-Klinikum klärt über die Erkrankung und Behandlungsmöglichkeiten auf.
Es gibt verschiedene spezifisch weibliche Krebserkrankungen. Was macht den Eierstockkrebs so gefährlich?
Im Unterschied zu Brust- und Gebärmutterhalskrebs gibt es für Eierstockkrebs leider keine etablierte Vorsorgeuntersuchung. Da die Erkrankung zudem oft nur sehr unspezifische Beschwerden verursacht, wird sie häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Eierstockkrebs ist außerdem eine aggressive und schnell wachsende Tumorerkrankung.
Worin bestehen diese Symptome?
Die Beschwerden sind häufig unspezifisch. Betroffene Frauen berichten beispielsweise über eine Zunahme des Bauchumfangs, Völlegefühl, Verdauungsprobleme, Unterbauchschmerzen oder Appetitlosigkeit. Da diese Symptome oft zunächst mit Magen-Darm-Beschwerden in Verbindung gebracht werden, suchen viele Patientinnen zunächst Hausärzt*innen oder Gastroenterolog*innen auf. Dadurch kann wertvolle Zeit verloren gehen, während sich die Erkrankung bereits im Bauchraum ausbreitet.

In welchem Alter und welche Frauen sind besonders gefährdet?
Der Erkrankungsgipfel liegt statistisch bei etwa 63 Jahren. Besonders gefährdet sind Frauen mit Veränderungen der Gene BRCA1 oder BRCA2. Diese Genmutationen erhöhen das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs deutlich. Eine genetische Untersuchung wird jedoch nicht generell allen Frauen empfohlen, sondern insbesondere dann, wenn in der Familie gehäuft Brust- oder Eierstockkrebs aufgetreten ist. Hierzu gibt es klare Empfehlungen und Richtlinien der Deutschen Krebsgesellschaft.
Kann man Eierstockkrebs vorbeugen?
Eine sichere Vorbeugung gibt es leider nicht. Bei Frauen mit nachgewiesenem BRCA1- oder BRCA2-Gendefekt kann jedoch eine prophylaktische Entfernung der Eierstöcke und Eileiter (beidseitige Adnexektomie) erwogen werden. Dieser Eingriff erfolgt meist minimalinvasiv mittels Bauchspiegelung und sollte individuell mit der Patientin, abhängig von Alter und abgeschlossener Familienplanung, besprochen werden.
Zudem gewinnt eine weitere vorbeugende Maßnahme zunehmend an Bedeutung: Wenn bei einer Frau ohnehin eine Operation im Bauchraum durchgeführt wird, werden häufig zusätzlich die Eileiter entfernt. Hintergrund ist die wissenschaftliche Erkenntnis, dass viele Formen des Eierstockkrebses vermutlich an den Enden der Eileiter entstehen.
Wie wird Eierstockkrebs behandelt?
Die Behandlung sollte unbedingt in einem spezialisierten Zentrum erfolgen. Die Therapie besteht aus mehreren Säulen. Wenn möglich, wird der Tumor operativ vollständig entfernt. Diese Operation ist häufig komplex und erfolgt interdisziplinär gemeinsam mit anderen Fachdisziplinen. Ergänzend erfolgt eine platinbasierte Chemotherapie. Zusätzlich kommen moderne Erhaltungstherapien, beispielsweise mit sogenannten PARP-Inhibitoren oder Antikörpertherapien, zum Einsatz. Ziel ist es, ein Wiederauftreten der Erkrankung möglichst lange zu verhindern und die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern.
Wie sieht die Prognose für Frauen mit Eierstockkrebs aus?
Eierstockkrebs ist eine aggressive Erkrankung, die leider oft erst spät diagnostiziert wird. Dadurch ist die Prognose im Vergleich zu anderen gynäkologischen Tumorerkrankungen eingeschränkt. Gleichzeitig entwickeln sich die Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahren sehr schnell weiter, sodass moderne Therapien die Prognose zunehmend verbessern können.
Welche Fortschritte in Forschung und Therapie sind aus Ihrer Sicht besonders hervorzuheben?
Besonders vielversprechend sind die Entwicklungen im Bereich der Antikörpertherapien und der zielgerichteten Therapien wie PARP-Inhibitoren. Diese modernen Medikamente greifen gezielt Tumorzellen an und ermöglichen zunehmend individuell angepasste Behandlungskonzepte.
Was empfehlen Sie Frauen mit Eierstockkrebs?
Ich empfehle betroffenen Frauen, sich in einem spezialisierten Zentrum behandeln zu lassen und bei Bedarf auch eine Zweitmeinung einzuholen. Außerdem kann die Teilnahme an klinischen Studien sinnvoll sein, um Zugang zu neuen Therapieansätzen zu erhalten und gleichzeitig die Weiterentwicklung der Behandlungsmöglichkeiten zu unterstützen.
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