Risikoschwangerschaft und Komplikationen

Risiken und Komplikationen in der Schwangerschaft können vielfältig auftreten, von leichten bis zu ernsthaften Beeinträchtigungen für Mutter und Kind. Oft hängen sie von individuellen Faktoren wie Vorerkrankungen, Alter oder Lebensstil ab. Eine frühzeitige Vorsorgeuntersuchung und regelmäßige ärztliche Beratung helfen, Risiken zu erkennen und rechtzeitig zu handeln.

Was bedeutet Risikoschwangerschaft?

Es gibt zahlreiche Gründe, aus denen eine Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft werden kann. Dabei dient eine solche Einstufung in erster Linie als Vorsichtsmaßnahme und bedeutet, dass bei der betroffenen Schwangeren die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen im Verlauf der Schwangerschaft oder bei der Geburt erhöht ist. Es ist auch möglich, dass erhöhte Risiken für die Gesundheit des Ungeborenen bestehen.

Häufigkeit von Risikoschwangerschaften: In Deutschland sind 50% aller Schwangeren betroffen

Heutzutage werden ca. 50 % aller Schwangeren in Deutschland aufgrund unterschiedlicher Kriterien als risikoschwanger bezeichnet. Ein häufiger Grund ist das Alter der Schwangeren (jünger als 18 oder älter als 35), Ursachen können aber auch bereits vorhandene Erkrankungen wie Diabetes oder Thrombose sein oder auffällige Befunde bei den vorgeschriebenen Standarduntersuchungen während der Schwangerschaft.

Stellt der Arzt oder die Ärztin fest, dass es Gründe für eine Risikoschwangerschaft gibt, sollten Sie sich als werdende Mutter keinesfalls verunsichern lassen. Sowohl Schwangerschaft als auch Geburt können auch weiterhin vollkommen normal verlaufen. Es ist jedoch wichtig, sich je nach Ursache umfassend zu informieren und gegebenenfalls die empfohlenen zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch zu nehmen. Solche ansonsten freiwilligen Untersuchungen werden bei einer Risikoschwangerschaft von der Krankenkasse bezahlt.

Alle Untersuchungsergebnisse und Informationen über die Gesundheit von Mutter und Kind werden auch im Mutterpass vermerkt, damit andere Ärzt*innen und Hebammen bei Zwischenfällen bzw. der Entbindung umgehend über alle Besonderheiten informiert sind.

Risikoschwangerschaft: Wann ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden kann

Grundsätzlich wird ein Beschäftigungsverbot von Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt ausgesprochen. Vor allem dann, wenn Ihre Gesundheit sowie das Wohlbefinden des ungeborenen Kindes gefährdet sind. Häufige Gründe, warum ein Beschäftigungsverbot im Rahmen einer Risikoschwangerschaft verordnet wird, sind z. B. eine Mehrlingsschwangerschaft, eine potenzielle Frühgeburt, starke körperliche Beschwerden sowie psychische Belastungen.

Unsere Perinatalzentren (Level 1) in Friedrichshain und Neukölln

Unsere Perinatalzentren der höchsten Versorgungsstufe in Berlin-Friedrichshain und Berlin-Neukölln vereinen alle Einrichtungen und Fachdisziplinen für die Betreuung von Müttern und Neugeborenen unter einem Dach und in unmittelbarer Nähe zu einander. Rund um die Uhr sind Geburtshelfer*innen, Kinderärzt*innen und Kinderchirurg*innen für Mutter und Kind zur Stelle. 

Perinatalzentrum Klinikum im Friedrichshain

Perinatalzentrum Klinikum Neukölln

Mögliche Komplikationen während der Schwangerschaft

Eine von 85 Geburten ist eine Zwillingsgeburt

Wachsen zeitgleich zwei oder mehr Kinder in der Gebärmutter heran, spricht man von einer Mehrlingsschwangerschaft. In Deutschland ist im Schnitt eine von 85 Geburten eine Zwillingsgeburt; die Wahrscheinlichkeit, dass zeitgleich mehr als zwei Kinder geboren werden, ist sehr gering und kommt einmal in 7.225 Fällen vor. Durch die Methoden der Reproduktionsmedizin (künstliche Befruchtung) ist die Mehrlingsschwangerschaft häufiger.

Oft ist eine Mehrlingsschwangerschaft durch genetische Veranlagungen innerhalb der Familie zu erklären. Bei einer künstlichen Befruchtung werden meist zwei befruchtete Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt, und die Wahrscheinlichkeit, dass mehr als ein Kind heranwächst, steigt. Die meisten Mehrlingsschwangerschaften entstehen allerdings zufällig.

Der Arzt kann während des ersten Ultraschalls feststellen, ob eine Mehrlingsschwangerschaft vorliegt. Von entscheidender Bedeutung bei der Feststellung einer Zwillingsschwangerschaft ist die Tatsache, ob es sich um einen gemeinsamen oder zwei getrennte Mutterkuchen mit zwei Fruchthöhlen handelt. Werden die Kinder durch eine gemeinsame Plazenta versorgt, können gefährliche Komplikationen wie das fetofetale Transfusionssyndrom (Durchblutungs- und Ernährungsstörung) auftreten. In solchen Fällen (Ein Prozent der Zwillingsschwangerschaften) muss die Schwangerschaft per Kaiserschnitt sogar schon acht Wochen vorher beendet werden.

Grundsätzlich werden die angehenden Mütter automatisch als risikoschwanger eingestuft. Im Verlauf der kommenden Wochen und Monate werden Frauen, die mehrere Babys erwarten, daher besonders intensiv betreut, und es finden häufiger Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt statt, um Auffälligkeiten schnellstmöglich zu erkennen.

Begleiterscheinungen bei einer Mehrlingsschwangerschaft

Eine Mehrlingsschwangerschaft ist in erster Linie für die werdende Mutter sehr anstrengend, da der Körper gleich mehrfach belastet wird. Begleiterscheinungen in der Schwangerschaft wie Übelkeit oder Kreislaufprobleme scheinen sich mit jedem zusätzlich heranwachsenden Kind zu verstärken. Vor allem die stärkere Gewichtszunahme bei einer Mehrlingsschwangerschaft kann zu einer körperlichen Belastung für die Frau werden. Die Blutmenge im Körper steigt, und die Gebärmutter wächst insbesondere innerhalb der ersten Wochen sehr schnell an. Im Verlauf der Schwangerschaft kommt unter anderem das Gewicht der Babys hinzu, sodass die werdende Mutter bis zur Geburt ca. 17 bis 20 Kilogramm an Gewicht zunimmt. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass auch die Gelenke innerhalb der letzten Schwangerschaftswochen häufiger schmerzen. Die Frau sollte sich und ihren Körper daher in den letzten Wochen vor der Geburt besonders schonen, auch um frühzeitige Wehen zu verhindern.

Die Entbindung von Mehrlingen

Obwohl der Bauch bei einer Mehrlingsschwangerschaft stärker wächst als bei nur einem Kind, reicht der Platz in der Gebärmutter gegen Ende der Schwangerschaft nicht mehr aus. Es kann zu einem frühzeitigen Blasensprung kommen, und die Wehen setzten früher ein. Zwillinge kommen beispielsweise durchschnittlich vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt.

Die Entbindungsmöglichkeiten bei einer Mehrlingsschwangerschaft hängen von der Anzahl der erwartenten Kinder ab. Zwillinge können auch vaginal entbunden werden. Dazu muss sichergestellt sein, dass jedes Kind seine eigene Plazenta hat und die Kinder sich nicht gegenseitig behindern oder das führende Kind in Steißlage im Bauch der Mutter liegt. Ist dies der Fall oder sind Komplikationen absehbar, wird ein Kaiserschnitt durchgeführt.

Bei Mehrlingsgeburten mit mehr als zwei Kindern wird in Deutschland zur gesundheitlichen Sicherheit der Mutter und der Babys immer eine Schnittentbindung vorgenommen.

In unseren sechs Geburtskliniken bieten wir Ihnen ideale Voraussetzungen und Unterstützung durch unsere Expert*innen für Ihre Mehrlingsgeburt.

Zur Vorbeugung gegen Fehl-oder Frühgeburten

Im Verlauf der Schwangerschaft können Infektionen im Scheiden- oder Gebärmutterhalsbereich eine verfrühte Öffnung des Muttermundes oder ein Platzen der Fruchtblase auslösen und Fehl- oder Frühgeburten verursachen.

Um dies zu verhindern, kann bei schwangeren Frauen, bei denen ein erhöhtes Risiko vorliegt, eine Muttermundverschluss-Operation (FTMV) vorgenommen werden. Bei dem Eingriff wird der Gebärmuttermund komplett verschlossen, so dass keine Bakterien in die Gebärmutter eindringen können und vorzeitige Blasensprünge oder Wehen vermieden werden.

Hilfe bei drohender später Fehlgeburt oder früher Frühgeburt

Eine Operation kommt bei Schwangeren als präventive Maßnahme in Frage, 

  • die bereits in einer früheren Schwangerschaft eine späte Fehlgeburt erlitten haben

  • bei denen eine Ausschabung oder eine so genannte Konisation (Kegelschnitt am Muttermund) durchgeführt wurde

  • die an einer Bindegewebsschwäche leiden und deren Muskelkraft des Gebärmutterhalses ggf. nicht ausreicht, um den Muttermund bis zum Ende der Schwangerschaft verschlossen zu halten

  • bei denen der Gebärmutterhals deutlich verkürzt ist

  •  bei denen sich der Muttermund bereits (zu früh) geöffnet hat

Stellt der behandelnde Gynäkologe fest, dass eine Operation notwendig erscheint, können sich werdende Mütter schon zu Beginn oder sogar vor der Schwangerschaft in der Klinik melden und über die Operation informieren. In der Regel wird der Eingriff zwischen der 12. und der 13. Schwangerschaftswoche vorgenommen, die Kosten tragen die Krankenkassen. 

Die OP ist mit nur einem Tag Aufenthalt in der Klinik verbunden, anschließend kann die schwangere Frau allen gewohnten Aktivitäten nachgehen – Bettruhe muss nicht eingehalten werden. Alle vier Wochen wird kontrolliert, dass keine Infektionen vorliegen. 

In der Regel ist eine Spontangeburt nach dem Eingriff problemlos möglich - meist öffnet sich der Gebärmuttermund unter der Geburt durch die Wehen wieder von ganz allein.

Immer mehr späte Schwangerschaften

Späte Schwangerschaften, sprich ab dem 35. Lebensjahr, nehmen in Deutschland statistisch gesehen zu. Viele Frauen und Paare nehmen sich heute mehr Zeit bis zur Familienplanung, und Beruf und Karriere stehen zunächst an erster Stelle. Eine Schwangerschaft in höherem Alter hat viele positive Aspekte: Die Partnerschaft ist meist gefestigt und die finanzielle Situation relativ stabil. 

Erhöhtes gesundheitliches Risiko für Mutter und Kind

Gleichzeitig bedeutet eine späte Schwangerschaft aber immer auch ein erhöhtes gesundheitliches Risiko für Mutter und Kind. Frauen, die mit über 35 Jahren das erste Mal schwanger werden bzw. in höherem Alter noch ein weiteres Kind bekommen, werden deshalb grundsätzlich als risikoschwanger eingestuft. Wie bei jeder Risikoschwangerschaft kann die Schwangerschaft dennoch vollkommen normal verlaufen. Grund zur Beunruhigung besteht also nicht, es ist jedoch etwas mehr Aufmerksamkeit nötig.

Die Einstufung als Risikoschwangerschaft ist dadurch begründet, dass die Häufigkeit bestimmter Störungen in der Schwangerschaft höher ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass die werdende Mutter Blutdruckprobleme bekommt oder an Schwangerschaftsdiabetes erkrankt, ist bei älteren Frauen größer, zudem kommt es häufiger zu einer späten Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie). Insbesondere aber steigt mit zunehmendem Alter der werdenden Mutter auch die Wahrscheinlichkeit einer genetisch bedingten Fehlbildung beim Kind, z. B. dem Downsyndrom.

Zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen bei Schwangerschaften ab 35

Das Vorliegen von Erkrankungen und Fehlbildungen kann im Schwangerschaftsverlauf durch zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen festgestellt werden. Durch das sogenannte Erst-Trimester-Screening (Nackenfaltenmessung zwischen der 11+0 und 13+6 Schwangerschaftswoche) kann in Kombination mit einer Blutuntersuchung eine Risikoberechnung in Hinblick auf kindliche Störungen vorgenommen werden. Eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) nach der 16. Schwangerschaftswoche oder eine Gewebeuntersuchung des Mutterkuchens (Chorionzottenbiopsie) können Aufschluss über genetische Defekte des Kindes geben und werden im Fall einer altersbedingten Risikoschwangerschaft von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Die Geburt bei einer späten Schwangerschaft

Auf die Geburt kann eine späte Schwangerschaft unterschiedliche Auswirkungen haben. Hat eine ältere Frau bereits ein Kind bekommen, kann die Geburt vergleichsweise schnell verlaufen. Die gesammelten Erfahrungen nehmen einen Großteil der eigenen Anspannung und Aufregung bei der Geburt. Erstgebärende sind hier oft verkrampfter und haben Angst vor der unbekannten Situation, die mit der Geburt auf sie zukommt. Tendenziell kann eine Spontangeburt mit zunehmendem Alter auch deshalb schwieriger werden, weil das gesamte Gewebe weniger elastisch ist. Es wird daher häufiger ein Kaiserschnitt durchgeführt.

Schwangerschafts- und Gestationsdiabetes: Eine häufige Störung des Stoffwechsels

Beim Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes genannt, handelt es sich um eine häufige Störung des Stoffwechsels, von der ca. 10 bis 15 % aller Frauen betroffen sind. Sie ist meist als Begleiterkrankung auf den Zeitraum der Schwangerschaft beschränkt und reguliert sich nach der Geburt von selbst.

Bei einem normal funktionierenden Stoffwechsel steuert das Hormon Insulin den Abbau von Glukose – also Zucker – im Blut. Bei einer Diabeteserkrankung wird dieses Hormon nicht ausreichend produziert, sodass die Glukose nicht abgebaut werden kann. Der Blutzuckerspiegel im Körper steigt. In der Schwangerschaft sind es vor allem die hormonellen Veränderungen, die bewirken, dass eine solche Stoffwechselstörung auftritt. Zusätzlich spielen Übergewicht, ein höheres Alter der werdenden Mutter oder familiäre Veranlagungen eine ursächliche Rolle für das Auftreten eines Gestationsdiabetes.

Risiken für Mutter und Kind bei Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes birgt nicht nur gesundheitliche Risiken für die Mutter, sondern insbesondere für das Kind. Die erhöhte Zuckerkonzentration überträgt sich über das Blut der Mutter auch auf den Blutkreislauf des Babys und kann bei diesem für Fehlentwicklungen sorgen. Das Kind wächst durch die erhöhte Zuckerkonzentration ungewöhnlich schnell heran, die Organe hingegen entwickeln sich gleichzeitig in vorgesehenem Tempo oder sogar verzögert. Das Kind ist deshalb zwar frühzeitig sehr groß, aber dennoch unreif. Dadurch steigen unter anderem das Risiko einer Frühgeburt und die Notwendigkeit der Entbindung durch einen Kaiserschnitt. Auch Harnwegsinfektionen und Bluthochdruck kommen bei einer Schwangeren mit Gestationsdiabetes häufiger vor.

Vorsorge bei Schwangerschafts- und Gestationsdiabetes

Die Kontrolle des Blutzuckers gehört aufgrund der möglichen Risiken einer unerkannten Diabeteserkrankung zu den wichtigen Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft. Stellt der Arzt einen erhöhten Blutzuckerspiegel fest, wird zunächst über eine spezielle Diät, also eine Anpassung der Ernährung an die Erkrankung, versucht, die Störung zu regulieren. Bei etwa 10 % aller Frauen ist es darüber hinaus nötig, zusätzlich Insulin zu geben, um den Blutzucker zu senken.

Vor einer ärztlichen Diagnose können anhaltende Müdigkeit, übermäßiger Durst und andauerndes Wasserlassen Anzeichen für eine Fehlregulierung sein. Die Wahrscheinlichkeit, während der Schwangerschaft an Diabetes zu erkranken, ist teilweise auf bestimmte Veranlagungen zurückzuführen. Grundsätzlich gilt jedoch auch in diesem Fall: Gesunde und zuckerarme Ernährung sowie regelmäßige Bewegung und Sport können dabei helfen, der Erkrankung vorzubeugen.

Gerinnungsstörung: Ein erhöhtes Risiko an Thrombose zu erkranken

Während der Schwangerschaft stellt sich der weibliche Körper in vielerlei Hinsicht auf die bevorstehende Geburt ein. Manchmal kann diese Umstellung jedoch auch zu gesundheitlichen Problemen führen. Ein Beispiel hierfür ist die deutlich erhöhte Neigung, während der Schwangerschaft an einer Thrombose zu erkranken, besonders wenn zuvor bereits eine entsprechende Veranlagung festgestellt wurde.

In den Schwangerschaftsmonaten wird das Gerinnungssystem des Körpers zunehmend aktiviert, um auf diese Weise dafür zu sorgen, dass bei der späteren Entbindung geringere Blutungen auftreten. Es handelt sich dabei also um eine Schutzfunktion des Körpers zur Verstärkung der Blutgerinnung bei Wunden. Ist dieser Vorgang instabil, gerinnt das Blut bereits im Körper, und es entstehen kleine sogenannte Gerinnsel. Der reguläre Blutfluss wird dadurch gestört – in diesem Fall spricht man von einer Thrombose. Lösen sich die Gerinnsel, gelangen sie mit dem Blut in die Lunge und können hier zu gefährlichen Verschlüssen der Gefäße führen, sodass Teile der Lunge nicht mehr durchblutet werden (Lungenembolie).

Geschwollene und schmerzende Beine: Thrombosen in der Schwangerschaft erkennen und behandeln lassen

Wie bemerkt man Thrombosen in den Beinen? Während der Schwangerschaft entstehen Blutgerinnsel zumeist in den Beinvenen und äußern sich durch geschwollene und schmerzende Beine. Viele schwangere Frauen haben zusätzlich das Gefühl, die Beine würden beim Sitzen heiß werden. Eine Schwangere, die temporär unter Thrombose leidet, bemerkt solche Veränderungen in der Regel sehr schnell und sollte umgehend ihren Arzt aufsuchen. Dieser kann die Thrombose durch einen Ultraschall oder eine Kernspintomografie bestätigen und anschließend entscheiden, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen: Das Tragen von Kompressionsstrümpfen sowie die Einnahme von Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung können notwendig sein. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, sich während der Schwangerschaft viel zu bewegen und ausreichend zu trinken. Auch nach der Geburt, in der Zeit des Wochenbetts, besteht aufgrund der hormonellen Veränderungen ein erhöhtes Thromboserisiko.

Bei einer früheren Thromboseneigung oder einer vorangegangenen Lungenembolie bekommt die werdende Mutter bereits zu Beginn der Schwangerschaft Blutgerinnungshemmer, um das Risiko einer erneuten Thrombose zu minimieren.

Wenn das Kind in der Ausgangsstellung verharrt

Die meisten Kinder haben sich nach Einsetzen der Senkwehen in der 35./36. Schwangerschaftswoche in die Kopf- oder Schädellage gedreht. Der Kopf des Babys befindet sich dann im unteren Teil der Gebärmutter, im Becken der Frau. In 90 % aller Fälle verbringt das Kind die letzten Wochen bis zur Geburt in dieser „Startposition“. Manchmal kann das Baby jedoch aufgrund verschiedener Ursachen länger in seiner Ausgangsstellung verharren und dreht sich erst viel später oder gar nicht von alleine in die richtige Position. Bei einer Querlage ist hierbei nur die Entbindung per Kaiserschnitt möglich. Wenn der Po/ Steiß des Kindes in Richtung Geburtskanal zeigt, spricht man von einer Beckenendlage.

Ursachen für die Beckenendlage

Einer Beckenendlage liegen unterschiedliche Ursachen zugrunde. So kann es vorkommen, dass eine Herzform der Gebärmutter, gutartige Muskelknoten der Gebärmutter (Myome), eine verminderte Fruchtwassermenge oder die Größe des Kindes eine Drehung aus Platzgründen nicht mehr zulassen. In einigen Fällen kann auch die Nabelschnur hinderlich für die Bewegung sein.

Hat sich das Kind nicht von alleine gedreht, kann zunächst durch eine äußere Wendung versucht werden, seine Lage zu verändern. Gelingt dies nicht, ist eine vaginale Geburt grundsätzlich auch bei einer Beckenendlage möglich. Voraussetzung für eine Entbindung ist dann, dass das Kind insgesamt nicht zu groß und das Verhältnis von Becken und Kopf ausgeglichen ist. Zudem sollte die Geburt nur durch erfahrene Ärzte und Hebammen begleitet werden.

Die Geburt auf natürlichem Weg kann im Fall einer Beckenendlage des Kindes länger dauern und deshalb für die werdende Mutter mit größeren Anstrengungen verbunden sein. Hinzu kommt, dass diese besondere Situation gerade bei Erstgebärenden zusätzliche Ängste auslöst. Die Entbindung wird daher häufig als Kaiserschnitt gewünscht und geplant. Auch bei einer geplanten Schnittentbindung wird die Lage des Kindes kurzfristig vor dem angesetzten Termin ein letztes Mal kontrolliert und überprüft, ob es sich nicht doch noch gedreht hat. Nur etwa 5 % aller Babys liegen bei der Entbindung tatsächlich verkehrt herum.

Äußere Wendung

Wenn das Baby wenige Wochen vor der Geburt nicht von allein seine Lage zugunsten einer spontanen Geburt verändert hat, können ausgebildete Geburtshelfer versuchen, das Baby von außen in der Gebärmutter zu drehen. Eine solche äußere Wendung wird ab der 37. Schwangerschaftswoche vorgenommen, wenn der Steiß des Kindes noch beweglich und die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass sich das Kind anschließend erneut aus der gewünschten Kopflage herausdreht.

Zunächst wird die genaue Lage des Babys in der Gebärmutter durch einen Ultraschall überprüft und sichergestellt, dass die Nabelschnur während des Eingriffs nicht hinderlich ist. Anschließend versuchen Ärzte, das Ungeborene durch gezielte Handgriffe unter gleichzeitiger Wehenhemmung von außen so zu bewegen, dass es im Bauch eine Rückwärtsrolle macht. In rund 60 % aller Fälle wird die äußere Wendung erfolgreich vorgenommen, und das Kind liegt anschließend in einer geburtsfreundlichen Position.

Grundsätzlich können in sehr seltenen Fällen durch den Versuch einer äußeren Wendung vorzeitige Wehen und ein Abfall der kindlichen Herztöne ausgelöst werden, die einen zügigen Kaiserschnitt nach sich ziehen müssen. Auch aus diesem Grund ist es wichtig, dass die äußere Wendung nicht zu zeitig versucht wird, damit es nicht ungewollt zu einer Frühgeburt kommt.

Frühchen bei der vollständigen Entwicklung unterstützen

Ein Baby, das vor 37+0 Schwangerschaftswochen auf die Welt kommt, wird als Frühgeborenes oder Frühchen bezeichnet. Das Geburtsgewicht liegt bei vielen Frühgeborenen noch unter 2.500 Gramm, je nach Zeitpunkt der Geburt kann das kleine Neugeborene auch nur knapp 500 Gramm wiegen. Etwa ab 24+0 Schwangerschaftswochen ist ein Baby auch außerhalb des Mutterleibs lebensfähig. Ab diesem Zeitpunkt wird für ein Frühchen alles medizinisch Mögliche getan, um es am Leben zu halten und in seiner vollständigen Entwicklung zu unterstützen.

In Ausnahmefällen kann ein Kind sogar vor 24+0 Schwangerschaftswochen auf die Welt kommen und dank des medizinischen Fortschritts auch zu diesem sehr frühen Zeitpunkt außerhalb der Gebärmutter überleben– allerdings kann eine solche Entscheidung auch bedeuten, dass das Baby dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigungen erleidet.

Je früher ein Kind vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt kommt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht vollständig entwickelt ist und lebenswichtige Organe, wie z. B. die Lunge, nicht ausgereift sind. Diese reift erst innerhalb der letzten Wochen im Bauch der Mutter heran. Vor allem sehr junge Frühchen kommen mit einem höheren Risiko für körperliche und geistige Behinderungen auf die Welt. Bei Frühgeborenen, die mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1.500 Gramm ins Leben starten, kommt es häufig zu bleibenden Schäden.

Ursachen – warum es zu Frühgeburten kommen kann

In vielen Fällen lassen sich Frühgeburten nicht auf bestimmte Ursachen zurückführen. Mögliche Auslöser sind allerdings Erkrankungen der Mutter, wie z. B. Infektionen des Unterleibs oder Komplikationen im Verlauf der Schwangerschaft, wie ein vorzeitiger Blasensprung. Auch anhaltender Zigaretten- oder Alkoholkonsum der schwangeren Frau sowie Fehlbildungen oder Chromosomenstörungen des Ungeborenen erhöhen das Risiko einer Frühgeburt. Hat die werdende Mutter bereits zuvor ein Frühchen bekommen, ist die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Frühgeburt erhöht. Bei Mehrlingsschwangerschaft kommen die Kinder im Schnitt häufiger als Frühchen auf die Welt, da es häufiger zu vorzeitigen Wehen oder Entzündungen kommt. Um das Risiko einer Frühgeburt zu verringern, ist es wichtig, alle Vorsorgeuntersuchungen im Verlauf der Schwangerschaft wahrzunehmen, Veränderungen des Körpers genau zu beobachten und bei Auffälligkeiten den Arzt aufzusuchen.

Bei einigen schwangeren Frauen wird bereits vom Arzt eine drohende Frühgeburt diagnostiziert, zum Beispiel wenn der Gebärmutterhals verkürzt ist oder der Muttermund zum Teil geöffnet ist. In solchen Fällen wird versucht, die Entbindung möglichst lange hinauszuzögern – jeder weitere Tag im Mutterleib tut dem Ungeborenen und seiner Entwicklung gut. Der Arzt verschreibt meist wehenhemmende Mittel oder Wirkstoffe zur schnelleren Lungenreifung des Kindes. In einigen Fällen wird die Schwangere auch schon zur Überwachung in ein Krankenhaus eingewiesen.

Versorgung von Frühchen

Frühgeburten können nur in Geburtskliniken mit angeschlossenem Perinatalzentrum durchgeführt werden, die eine spezielle Versorgung des Babys ermöglichen. Bei Vivantes sind das Klinikum Neukölln und das Klinikum im Friedrichshain Perinatalzentren der höchsten Stufe (Level 1). Durch die heute verbesserten Behandlungsmethoden sind auch die Überlebenschancen zu früh geborener Kinder gestiegen – bei Geburt ab 28+0 Schwangerschaftswochen liegt sie bei fast 100 Prozent.

Typischerweise ist die Haut von Frühgeborenen noch sehr dünn und empfindlich, und die Reflexe sind nur schwach ausgeprägt. Nach der Geburt wird das Baby in einen Brutkasten (Inkubator) verlegt. Dort ist es geschützt vor Temperaturschwankungen, Lärmreizen und Infektionen. Im Brutkasten wird das Baby kontinuierlich überwacht und unter Umständen muss die Atmung unterstützt werden. Die Ernähung, auch von ganz kleinen Frühgeborenen, sollte möglichst mit Muttermilch erfolgen, dadurch sind die Baby am besten vor Infektionen geschützt und die gewünschten Darmbakterien können sich gut entwickeln. Auch wenn Ihr Baby die meiste Zeit zu Beginn seines Lebens im Inkubator verbringt, ist enger Hautkontakt mit den Eltern wichtig. Halten Sie die kleine Hand, und streicheln Sie Ihr Baby, wann immer es möglich ist. Die Ärzte machen Sie sicherlich auch mit der „Känguru-Methode“ vertraut, bei der Ihnen Ihr Kind auf die nackte Brust gelegt wird. Für seine Entwicklung ist es wichtig, dass es Sie spüren und riechen kann und so eine enge Bindung zu Ihnen aufbaut.

Schwangerschaftsvergiftung

Die Präeklampsie ist auch unter dem Begriff „Gestose“ bekannt und wird im Volksmund häufig „Schwangerschaftsvergiftung“ genannt. Es ist noch nicht geklärt, wodurch diese Komplikation verursacht wird, grundsätzlich liegt jedoch eine immunologische Anpassungsstörung vor: Der Körper der Schwangeren ordnet den Mutterkuchen und das Ungeborene als „Fremdkörper“ ein und versucht, diese abzustoßen, sodass eine Abwehrreaktion entsteht. In diesem Zusammenhang werden die Gefäße im Mutterkuchen nicht ausreichend ausgebildet, und es kommt zu Störungen im mütterlichen Blutkreislauf. Da Gebärmutter und Plazenta bei einer Präeklampsie nicht ausreichend durchblutet werden, bekommt das Ungeborene nicht ausreichend Nährstoffe und wächst möglicherweise verzögert heran. Zudem können Leber und Niere der werdenden Mutter geschädigt werden und Funktionsstörungen aufweisen.

 Symptome für eine Präeklampsie

  • Über einen längeren Zeitraum deutlich erhöhter Blutdruck (Hypertonie) mit Werten über 140/90 mmHg (Millimeter-Quecksilbersäule)

  • Erhöhte Eiweißausscheidungen im Urin  (mehr als 300mg in 24 Stunden)

  • Starke Wassereinlagerungen (Ödeme) in Gesicht und Händen

  • Unspezifische Symptome wie Schwindel und Kopfschmerzen, Benommenheit, Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen, rechtsseitige Oberbauchbeschwerden

Blutdruck, Eiweiß und Wassereinlagerungen werden im Rahmen der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft überprüft, sodass mögliche Unregelmäßigkeiten und Auffälligkeiten auf diesem Weg schnell erkannt werden können. 

Wird eine Präeklampsie festgestellt, gilt es in erster Linie, den Blutdruck der Schwangeren zu senken – in vielen Fällen medikamentös und unter stationärer Beobachtung im Krankenhaus. Dabei werden in Intervallen die Herztöne des Babys überwacht, um sicherzustellen, dass die Gebärmutter ausreichend durchblutet wird, um das Ungeborene mit Sauerstoff zu versorgen. Um das Kind auf eine möglicherweise bevorstehende frühe Geburt vorzubereiten, wird die Lungenreifung des Kindes vorbeugend über spezielle Kortisonpräparate angeregt. Sollte sich der Zustand der Mutter nicht bessern, muss die Geburt eingeleitet oder das Baby mittels Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden. 

Die Wahrscheinlichkeit, an Präeklampsie zu erkranken, ist relativ hoch – etwa 5 bis 7 Prozent aller Schwangeren in Westeuropa sind von dieser Komplikation betroffen, meist ist die Ausprägung jedoch sehr mild, so dass keine wesentliche Beeinträchtigung besteht. In bestimmten Fällen ist das Risiko allerdings erhöht, etwa bei Frauen, die bereits in einer vorherigen Schwangerschaft an Präeklampsie erkrankten oder wenn eine Mehrlingsschwangerschaft vorliegt. Werdende Mütter, die unabhängig von der Schwangerschaft an Nierenerkrankungen, Diabetes, zu hohem Blutdruck oder Autoimmunerkrankungen leiden, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko.