
Prostataoperationen
Für Prostata-OPs gibt es verschiedene Methoden – zwischen denen je nach genauem Krankheitsbild und den individuellen Risikofaktoren gewählt werden muss.
Operation der Prostata
Welche Prostata-Operation ist die richtige?
Wenn medikamentöse oder andere kurativen Behandlungsoptionen bei einer Prostata-Erkrankung keinen Erfolg mehr versprechen, kann eine Operation eine Option sein. Hierfür gibt es wesentliche Unterschiede – je nachdem, um welche Erkrankung es sich genau handelt.
Das lokal begrenzte Prostatakarzinom wird anders operiert, als eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Und auch die persönlichen Risikofaktoren spielen eine große Rolle. Wenn Sie zum Beispiel unter Blutungsneigung leiden, wäre eine offene Prostatektomie nicht möglich.
Die Frage "Welche Prostata-OP ist die beste?" kann also nicht pauschal beantwortet werden! Jeder Fall muss individuell auf die Risiken und Nebenwirkungen hin geprüft werden. Ihr*e Urolog*in berät Sie immer unterstützend.
„Nicht das Operationsverfahren an sich entscheidet über den Erfolg einer Prostata-Operation, sondern die Erfahrung der Ärzt*innen. Auch eine gute Aufklärung und Beratung von Patienten und ihren Angehörigen ist essentiell in der Behandlung von Prostatakrebs.“

Operationsmethoden bei gutartiger Prostatavergrößerung

Wenn bei einer gutartigen Prostatavergrößerung (BPS)
- die Beschwerden sehr belastend sind und sich nicht durch andere Behandlungen lindern lassen,
- immer wieder Folgeerkrankungen auftreten (wiederkehrende Harnwegsentzündungen oder Blasensteine) oder
- eine Behandlung mit Medikamenten aus medizinischen Gründen nicht infrage kommt,
gibt es verschiedene operative Verfahren, mit denen sie erfolgreich behandelbar ist. Eine Operation bei einer gutartigen Prostatavergrößerung ist sehr wirksam, kann aber auch zu Komplikationen wie etwa Störungen beim Samenerguss führen. Besprechen Sie daher immer detailliert das Für und Wider mit Ihrem Ärzteteam.
1. HoLEP-Laserverfahren
Bei Vivantes gibt es international anerkannte Spezialist*innen für HoLEP-OPs und die Greenlight-Laser-Operation. Beide Laserverfahren werden minimalinvasiv durchgeführt.
HoLEP ist ein modernes, minimal-invasives Laser-OP-Verfahren. Bei der HoLEP wird die Prostata mit einem Holmium-Laser ausgeschält. Neben der Entfernung der Prostata gilt die HoLEP als die beste Operationsmethode zur Behandlung eines obstruktiven benignen Prostatasyndroms.
Die HoLEP ist das einzige Laser-Enukleationsverfahren, das in den Europäischen Leitlinien für Urologie empfohlen wird. Und sie ist seit 2010 vom Gemeinsamen Bundesausschuss als OP-Verfahren der Prostata anerkannt.
Bei einer Holmium-Laser-Operation wird ein hauchdünnes, flexibles Endoskop in die Harnröhre eingeführt. Dieser minimal-invasive Zugang zur Prostata wird transurethral genannt.
Über das Endoskop wird dann der Laserstrahl eingeleitet. Die Chirurg*innen sehen auf einem Monitor die Bilder aus dem Körperinneren und steuern den Holmium-Laser unter "endoskopischer Sicht", wie Mediziner*innen es nennen.
Der 120 Watt leistungsstarke Holmium-Laser hat drei verschiedene Eigenschaften, die während der OP zum Einsatz kommen:
- Wird die Lichtfaser direkt auf das Gewebe aufgesetzt, ermöglicht dies präzise Schnitte von 0,4mm Tiefe.
- Beträgt der Abstand zum Gewebe etwa 2 mm kann der Laser auch auftretende Blutungen stillen (koagulieren).
- Ab einem Abstand von 5 mm wird das Laserlicht durch das über das Endoskop zugeführte Spülwasser in eine Druckblase umgewandelt. Diese Plasmablase schiebt das weiche Adenomgewebe vom festen Gewebe der Prostata ab. Die Prostata wird so ausgeschält. Der medizinische Begriff dafür ist Enukleation.
Zuerst werden die beiden Seitenlappen durch Schnitte von der Kapselschicht getrennt. Der Mittellappen der Prostata liegt damit "lose" innerhalb der Prostatakapsel – stellen Sie sich die innere Schälung einer Orange vor. Das Adenomgewebe wird von außen nach innen hin zerkleinert und vorübergehend in der Blase abgelegt.
Im Anschluss geht es um die vorsichtige Freilegung der Harnröhre in der Mitte – besonderes beim Schließmuskel der Blase. Auch diese Gewebeteile werden kurz in der Blase gelagert.
Die gesamte vergrößerte Prostatainnendrüse wird entfernt. Es bleiben nur die Prostatakapsel, die Samenhügel und die Einmündung der Samenwege in die Prostata erhalten.
Das ausgelöste Gewebe aus der Prostatakapsel (Enukleat) liegt in der Blase. Um es dort zu zerkleinern und abzusaugen, wird ein spezielles Instrument über das Endoskop eingeführt: ein Morcellator.
Nachdem das Enukleat aus der Blase abgesaugt wurde, erfolgt eine Kontrolle der nun leeren Prostatakapsel, der Loge. Es kann noch eine Blutstillung durchgeführt werden.
Anschließend wird durch die Harnröhre ein Blasenkatheter eingelegt. Darüber wird während der ersten 24 Stunden nach der OP kontinuierlich eine Spülung der Blase gewährleistet.
Die Operation der Prostata mit dem Holminium-Laser ist wissenschaftlich sehr gut untersucht – und bietet einige Vorteile im Vergleich zu anderen Operationsmethoden bei Prostatavergrößerung. Positive Punkte der Prostata Laser-OP:
- Es gibt keine Beschränkung, was die Größe der Prostata betrifft! Mit HoLEP können auch große Prostatae operiert werden.
- Das Blutungsrisiko ist deutlich geringer als bei den klassischen Verfahren, TUR-P und offene Operation.
- Daher eignet sich die HoLEP-Laser-OP sich auch für Patienten, die Butverdünnungsmittel einnehmen. Der Eingriff ist unter ASS 100 möglich.
- Es entsteht keine offene Schnittwunde.
- Mit dem Holminium-Laser können zeitgleich Blasensteine entfernt werden.
- Die Potenz bleibt wegen der geringen Eindringtiefe des Lasers erhalten.
- Das entnommene Gewebe kann nach der Prostata-Operation histologisch untersucht werden. Das ist wichtig, um einen Krebsverdacht tatsächlich auszuschließen.
- Der notwendige Blasenkatheter kann schon nach 1–2 Tagen entfernt werden.
- Sie liegen nur 2–3 Tage im Krankenhaus.
- Es bleibt kein restliches Drüsengewebe: Die Prostata ist von innen ausgeschält.
- Sie merken den Therapieerfolg nach kurzer Zeit – Wasserlassen ist wieder möglich. Die Effizienz der HoLEP-Laser-OP ist klinisch bewiesen. Die Harnflussrate steigt und die Reduktion des Restharns beträgt zwischen 80–98%.
- Eine HoLEP-OP hat auch ein sehr gutes Langzeitergebnis. In über 90% der Fälle führt sie bei großen Prostatae zu einer operationsfreien Zeit von 10 Jahren. Bei kleineren Prostatae (<50ml) ist die Re-Operationsrate nach 5–7 Jahren etwas höher.
Der erste Termin dient dem Vorgespräch und der administrativen Aufnahme. Hier besprechen wir die Laser-OP noch einmal ausführlich, messen Ihre Vitalparameter. Und Sie erhalten das Aufklärungsgespräch zur Narkose mit einer*m Anästhesist*in.
Planen Sie für diesen Beratungs- und Aufnahmetermin bitte ca. drei Stunden ein.
Am Vortag der Prostata-Holium-OP rufen Sie bitte bei uns an, um den OP-Termin zu bestätigen.
Da Sie nüchtern zur OP kommen sollen, dürfen Sie am Tag vor der Operation noch bis 24 Uhr essen. Trinken können Sie noch bis morgens um 6 Uhr am OP-Tag.
Der Eingriff dauert ca. 90 Minuten und wird oben beschrieben.
Zum Abschluss der OP wird Ihnen ein Blasenkatheter eingesetzt. Der ist für die ersten 1–2 Tage notwendig, damit die Harnblase kontinuierlich mit Flüssigkeit gespült werden kann. So werden die Blutreste der OP (Koagel) ausgewaschen. Diese Blasenspülung ist schmerzfrei für Sie.
Nach der Laser-Operation werden Sie noch ca. eine Stunde im Aufwachraum verbringen, wo Sie langsam aus der Narkose aufwachen. Dann werden Sie auf Ihr Zimmer gebracht.
In Ihrem Patientenbett sollten Sie nach der HoLEP-OP bis zum nächsten Tag möglichst ruhig liegen bleiben. Bringen Sie sich dafür gerne Lese- oder Videounterhaltung mit. Diese Erholungsphase ist für Ihren Körper sehr wichtig: Sie trägt auch zu einem guten Ergebnis des Eingriffs bei.
Sie werden von unserem erfahrenen Pflegefachkräften überwacht und unterstützt: Sie beobachten z. B. die Blasenspülung und Ihre Vitalwerte.
Am Tag nach der Operation besprechen wir in der Arztvisite den Verlauf Ihrer OP und Sie berichten, wie Sie sich fühlen. Meistens kann die Blasenspülung am ersten Tag nach der OP beendet werden und der Katheter auch schon entfernt werden. Wir prüfen auch in einer Ultraschalluntersuchung, ob Sie wieder ohne Restharn Wasser lassen können. Und wir messen den Harnstrahl. Sie können sich dann frei in Ihrem Patientenzimmer und auf der Station bewegen.
Worauf Sie im Verlauf des ersten Tages achten müssen:
- Sie müssen viel trinken. Damit gewährleisten Sie die "innere Spülung" der Blase.
- Wenn das Wasserlassen wieder in Gang kommt, ist der Urin anfangs noch etwas blutig. Sie werden gebeten, die Menge und Beschaffenheit des Urins zu protokollieren.
Am zweiten Tag wird in der Visite besprochen, wie der Urinausfluss nach der OP ist. Wenn alles gut ist und bei normalem Verlauf können Sie noch am gleichen Tag aus dem Krankenhaus entlassen werden.
- Schonen Sie sich körperlich die ersten drei Wochen nach der Laser-OP: kein Rad fahren, nicht reiten, schwer heben oder schwere körperliche Arbeiten verrichten.
- Durch die Ablösung von Wundschorf kann es zu leichten Blutungen kommen.
- In seltenen Fällen kann eine leichte vorübergehende Inkontinenz auftreten.
- Im Rahmen der Wundheilung kann es in den ersten 4 Monaten zu plötzlichem Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen kommen.
- Durch die Operation wird der Samen bei der Ejakulation zunächst in die Blase abgegeben und mit dem nächsten Wasserlassen ausgeschieden. Man spricht von einer "retrograden Ejakulation".
2. Greenlight-Laser-Operation
Die Greenlight-Laser-Operation der Prostata ist ebenfalls eine Laser-basierte Operationsmethode und ermöglicht eine blutungsarme Form der Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung. Die Operation erfolgt minimalinvasiv durch die Harnröhre. Der Greenlight-Laser (Grünlicht-Laser) hat eine Wellenlänge von 532nm (grünes Lichtsprektrum) und wird im Bereich des gut durchbluteten Prostatagewebes absorbiert. Das Gewebe wird hierdurch verdampft, welches als photoselektive Vaprosation bezeichent wird.
3. Resektion der Prostata (TUR-P)
Die TUR-P ist der Goldstandard in der operativen Therapie einer gutartigen Prostatavergrößerung bei Prostaten von 30–80ml mit schweren Symptomen.
Die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P) ist das älteste minimal-invasive Verfahren zur operativen Therapie einer gutartigen Prostatavergrößerung.
Bei diesem Eingriff führt die oder der Operateur*in ein Resektoskop, also ein dünnes Röhrchen, in die Harnröhre ein und schiebt es bis zur Prostata vor.
In diesem Röhrchen befinden eine kleine Kamera und eine elektrische Drahtschlinge. Während mit Kamera Bilder auf den Monitor überträgt, also für die Sichtkontrolle des OP-Teams sorgt, wird mit der winzigen Elektroschlinge das überflüssige Prostatagewebe abgetragen.
Da die Schlinge gleichzeitig erhitzt wird, werden Blutgefäße sehr schnell wieder verschlossen. Das Resektoskop hat auch Ventile, durch die das entfernte Gewebe ausgespült wird.
Die TUR-P gilt nach wie vor als Standard, um eine vergrößerte Prostata zu behandeln. Der minimal-invasive Eingriff dauert etwa 90 Minuten und erfordert eine Teil- oder Vollnarkose. Nach der Operation muss für einige Tage ein Blasenkatheter getragen werden.
In der Regel ist ein Krankenhausaufenthalt von 2 bis 7 Tagen erforderlich. Danach muss man sich noch ein paar Wochen schonen.
Vorteile
- Die TUR-P kann die Beschwerden beim Wasserlassen dauerhaft lindern – dies ist in vielen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen.
- Man erhält Prostatagewebe zur pathologischen Nachuntersuchung auf einen etwaig vorliegenden Prostatakrebs.
Nachteile
- Wegen des Blutungsrisikos kann die TUR-P nicht unter Einnahme von Blutverdünnern durchgeführt werden.
- Auf Prostatagrößen von maximal 80–100 Gramm begrenzt.
Nach einer TUR-P-OP besteht eine innere Wunde. Der Heilungsprozess dieser Wundfläche in der Prostatakapsel kann einige Wochen in Anspruch nehmen.
Um das Operationsgebiet zu schützen, gelten in den ersten 6 Wochen nach der OP diese Verhaltensregeln:
- Viel trinken! Sie sollten mindestens 2 Liter am Tag trinken (Wasser, Tee oder Säfte). Flüssigkeit ist das beste "Spülmittel" für die Blase – damit beschleunigen Sie die Wundheilung.
- Keine körperliche Anstrengung! Weder Sport machen, Getränkekisten oder Hanteln heben. Die Haus- oder Gartenarbeit muss warten, da sonst die Blutgefäße in der Prostata wieder aufreißen können.
- Entspannende Aktivitäten wie Wandern oder Schwimmen können Sie ab der 2. Woche wieder aufnehmen. Nach 6 Wochen sind Fahrradfahren, leichtes Joggen und Ähnliches erlaubt. Nach 8 Wochen bestehen keine Einschränkungen mehr.
- Tipps zum Stuhlgang: Da auch ein zu heftiges Pressen beim Stuhlgang zu erneuten Blutungen in der Prostata führen kann, greifen Sie bitte lieber zu natürlichen Abführmitteln.
- Nach 3–4 Wochen können Sie wieder Geschlechtsverkehr haben. Vorher bitte nicht, da eine zu große Durchblutung der Prostata zu Blutungen der Wunde führen kann.
- Verzichten Sie in den ersten 3 Wochen bitte auch auf warme Vollbäder, Saunabesuche oder Heizkissen. Duschen können Sie wie gewohnt.
- Medikamente: Patienten, die sonst blutverdünnende Medikamente einnehmen, bekommen ein Ersatzmedikament. Bitte besprechen Sie den Wechsel zu Ihren herkömmlichen Medikamenten mit Ihre*m Hausärzt*in.
In der Heilungsphase können jederzeit kleine Blutklümpchen (Koagel) oder Gewebebestandteile abgehen; sie sind jedoch kein Anlass zur Sorge. Sollten aber Schmerzen, Brennen, Fieber oder Blutungen (Rotverfärbung des Urins) auftreten, gehen Sie bitte in eine urologische Ambulanz.
- Es können Harnwegsinfektionen, ein verstärkter Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen oder Blut im Urin (Nachblutungen der inneren Wunde) auftreten.
- Auch eine zeitweise Blasenschwäche (Inkontinenz) ist möglich. Bei 0,5 % der Fälle ist diese Harninkontinenz leider dauerhaft.
- 65 % der Operierten haben nach der TUR-P einen trockenen Samenerguss (retrograde Ejakulation). Das heißt, dass die Spermienflüssigkeit rückwärts in die Harnblase ausgestoßen wird. Die Orgasmusfähigkeit wird dadurch nicht eingeschränkt! Die Fruchtbarkeit ist dadurch aber reduziert.
- In sehr seltenen Fällen kann es zu anfänglichen Erektionsstörungen, einer Verengung der Harnröhre oder dem sogenannten TUR-Syndrom kommen. Letzteres könnte zu lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Problemen führen, da hier aus Versehen Spülflüssigkeit in den Blutkreislauf gelangt ist. Wenn Sie nach der OP Übelkeit, Erbrechen oder Verwirrtheit erleben, bitte sofort zum Arzt gehen!
4. Offene Operation (Adenomektomie)
In besonderen Fällen kann auch bei einer gutartigen Vergrößerung der Prostata eine offene Operation notwendig sein. Bei der Adenomektomie wird die Prostata über einen Unterbauchschnitt entkernt.
Die Prostata-Adenomektomie ist ein offenes Operationsverfahren bei einer gutartigen Vergrößerung der Prostata.
Hier wird das überschüssige Drüsengewebe (Adenom) nicht durch einen Zugang über die Harnröhre abgetragen, sondern über einen kleinen Schnitt im Bereich der Blase oder des Schambeins. Sie wird auch Adenomenukleation genannt, da hier wie bei der HoLEP die Prostata von innen entkernt wird – die Prostatakapsel bleibt erhalten.
Der Begriff "Adenomenukleation" ist zusammengesetzt aus dem griechischen Wort adén für "Drüse" und dem lateinischen enucleare für "entkernen".
Offene OP bei gutartiger Prostata-Vergrößerung
Eine offene Operation wird beim gutartigen Prostatasyndrom (BPS) mittlerweile selten durchgeführt. Für welche Patienten könnte eine Prostata-Adenomektomie in Frage kommen:
- bei einer sehr großen Prostata (ab 100 ml)
- wenn neben dem Drüsengewebe gleichzeitig noch größere Blasensteine entfernt werden müssen
- wenn Arthrose- oder Wirbelsäulenerkrankungen die notwendige Lagerung für minimal-invasive Eingriffe verhindern
- wenn Begleiterkrankungen wie Ausstülpungen (Divertikel) der Harnblasenwand oder Leistenbruch bestehen
Da eine Prostata-Adenomektomie kein minimal-invasiver Eingriff ist, ist sie erhöhten Risiken verbunden:
- möglicher Blutverlust während der Operation
- Wundheilungsstörung des Bauchschnitts
- nach der OP muss länger ein Blasenkatherter getragen werden, da das Abheilen der Blasennaht abgewartet werden muss
Bei geübten Operateur*innen entspricht die Komplikationsrate aber etwa der einer transurethralen Resektion der Prostata (TUR-P).
Der Vorteil einer offenen OP: Man kann das Gewebe zur pathologischen Nachuntersuchung ins Labor schicken. Hier wird mikroskopisch untersucht, ob tatsächlich keine Krebszellen zu finden sind. Das gibt Gewissheit.
Durch die Operation kommt es zu einer "retrograden Ejakulation": Die Samenflüssigkeit wird in die Blase abgegeben und mit dem nächsten Urin ausgeschieden. Man spricht von einem "trockenen Samenerguss". Dadurch kann die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigt sein. Erektion und Orgasmus werden dadurch üblicherweise nicht beeinträchtigt!
Bei einer Prostata-Ausschälung bleibt die Gewebekapsel erhalten. D.h. die Nervenbahnen, die für eine Erektion zuständig sind, werden nicht angetastet. Das Risiko für Impotenz durch Nervenverletzungen lässt sich zwar nicht ganz ausschließen, Erektionsstörungen sind aber sehr selten.
Da die störenden Beschwerden nach dem Eingriff verschwinden, sind manche Männer nach dem Eingriff auch zufriedener mit ihrer Sexualität.
5. Prostata-Arterien-Embolisation
Als nicht-operative, minimal-invasive alternative Behandlungsmethode können wir die BPH-Symptome auch mittels Prostata-Arterien-Embolisation therapieren. Hierbei wird über die Leistenarterie ein Gefäßkatheter eingebracht und die arterielle Gefäßversorgung in der Prostata geblockt, so dass es mittelfristig zur einer Verkleinerung des Organs und parallel auch zu einer Beschwerdebesserung kommt.
Operationsmethoden bei Prostatakrebs
Die chirurgische Entfernung der Prostata ist manchmal der beste Weg, um ein lokal begrenztes Prostatakarzinom möglichst vollständig zu heilen. Hierbei gibt es verschiedene Verfahren:
1. Radikale Prostatektomie
Die offene radikale Prostatektomie – also die operative Entfernung der gesamten Prostata – ist die am häufigsten angewandte OP-Methode bei einem lokalisierten Prostatakarzinom.
Das Ziel der Operation ist es, die Prostata und damit den Krebs möglichst vollständig zu entfernen.
Das gelingt am besten, wenn der Krebs die Prostatakapsel noch nicht durchbrochen hat – die angrenzenden Lymphknoten oder andere Organe nicht betroffen sind (T2 in der TNM-Klassifikation).
Für diese örtlich begrenzten Tumoren bietet die radikale Prostatektomie die Chance auf vollständige Heilung!
Auch wo der Prostatakrebs schon über die Prostata hinausgewachsen ist (T3 in der TNM-Klassifikation), kommt die operative Entfernung der Prostata noch infrage. Allerdings müssen in diesem Fall auch mehrere Lymphknoten und Teile des angrenzenden Gewebes entfernt werden.
Damit besteht bei lokal fortgeschrittenen Tumoren ein höheres Komplikationsrisiko, z.B. unvollständige Tumorentfernung, Harninkontinenz, Erektionsstörungen. Auch ist es wahrscheinlicher, dass zusätzliche Behandlungen wie eine Strahlen- oder Hormontherapie notwendig werden.
Bei einer offenen radikalen Prostatektomie entfernt die oder der Chirurg*in die gesamte Prostata – inklusive der Prostatakapsel. Auch die Samenleiter, Samenbläschen und der innere Schließmuskel zwischen der Harnblase und Harnröhre werden herausgeschnitten.
Da die Harnröhre direkt durch die Prostata verläuft, müssen Chirurg*innen sie zunächst durchtrennen. Nach dem Ausschneiden der Prostata werden die beiden Enden der Harnröhre wieder vernäht. Bis diese neue Blase-Harnröhre-Verbindung (Anastomose) verheilt ist, muss ein Blasenkatheter getragen werden.
Gleich nachdem das Prostata-Gewebe entnommen wurde, wird es zur Schnellschnittdiagnostik in das pathologische Labor geschickt. Hier wird sofort geprüft, ob die Schnittränder des Gewebes frei von Krebszellen sind. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen die Chirurg*innen auch noch die Lymphknoten in der Nähe der Vorsteherdrüse und ggf. Teile des angrenzenden Gewebes entfernen.
Operationsmethoden bei der Prostatektomie
Retropubische radikale Prostatektomie
Bei dieser OP-Technik erfolgt der Zugang über einen kleinen Schnitt am Unterbauch. Das Bauchfell wird dabei geschont. Über den retropubischen Zugang können bei Bedarf leicht die Lymphknoten entfernt werden.
Zu den Komplikationen bei diesem Eingriff zählen: ein höherer Blutverlust während der OP und mögliche Infektionen der Wunde am Unterbauch.
Radikale perineale Prostatektomie
Wenn die Entfernung der Prostata über einen Schnitt zwischen Darmausgang und Hodensack erfolgt, nennen Ärzt*innen das perineale Prostatektomie.
Bei dieser Zugangsart ist der Blutverlust zwar geringer, falls aber auch die Lymphknoten entfernt werden müssen, muss zusätzlich ein Schnitt am Unterbauch gemacht werden.
Operationen an der Prostata sind technisch sehr anspruchsvoll: Die Herausforderung für jede*n Operateur*in besteht darin, das feine Netz aus Gefäß-Nerven-Strängen um die Prostata nicht zu verletzen. Denn diese Nervenbahnen sind für die Harnkontinenz und Erektionsfähigkeit zuständig.
Hier kommt die nervenschonende Prostatektomie zur Anwendung. Bei dieser mikrochirurgischen Technik geht es darum, genau diese Nerven-Bündel zu schützen. Um diese Technik zu beherrschen, brauchen Chirurg*innen eine große Behandlungserfahrung – also jahrelanges Training mit einer hohen Anzahl von Patienten.
Versorgungsqualität bei Prostata-OPs
Die Erfahrung der behandelnden Ärzt*innen und die Abläufe im OP-Team sorgen für statistisch signifikante Unterschiede im Behandlungsergebnis.
Patienten sei daher ans Herz gelegt, dass sie sich bei Operationen an der Prostata an von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifizierte Prostatakrebszentren wenden.
Der Krankenhausaufenthalt bei einer radikalen Prostatektomie beträgt 4–7 Tage.
Da bei einer Prostatektomie der innere Schließmuskel der Blase entfernt werden muss, sollten Sie sich nach der OP auf das Beckenbodentraining konzentrieren. Der Blasenkatheter, der anfangs dafür sorgt, dass die neue Blase-Harnröhre-Verbindung verwachsen kann, wird nach ein paar Tagen gezogen. Danach können Sie mit dem Training des äußeren Schließmuskels beginnen. Wenn dieser Muskel täglich trainiert wird, kann auch er die vorherige Aufgabe des Inneren übernehmen. Bei Vivantes erhalten Sie eine detaillierte Anleitung für diese Beckenboden-Übungen.
Setzen Sie dieses Training in einer 3–5-wöchigen Rehabilitation nach der Prostata-OP fort. Für die Beantragung einer Reha steht Ihnen das Team unseres Sozialdienstes zur Seite.
Insgesamt sollten Sie von einer Heilungsphase von 2–3 Monaten ausgehen: Nicht nur die Naht am Unterbauch muss verheilen, sondern eine Körperfunktion neu erlernt werden – das kostet auch psychisch Kraft. Schonen Sie sich in dieser Zeit. Die kontinuierliche Nachsorge in Ihrer urologischen Praxis und ein unterstützendes Umfeld werden Ihre Heilung fördern.
2. Roboter-assistierte Prostatektomie

Die Da-Vinci-Methode ist das modernste minimal-invasive Operationsverfahren zur Entfernung der Prostata, die so genannte Roboter-assistierte Prostatektomie.
Vivantes verfügt über die modernste OP-Technik: Wir können Ihnen die Roboter-assistierte Prostatatektomie, die sogenannte Da-Vinci-OP anbieten.
Das Da-Vinci-Operationssystem hat die minimal-invasive OP-Technik in der Urologie revolutioniert: Mit Unterstützung des OP-Roboters wird die Präzision offener OP-Verfahren erreicht, ohne dass ein großer Bauchschnitt gemacht werden muss. Operationen mit dem Da-Vinci-System gelten daher als schonende Alternative zu offenen Operationen.
Auch wenn es "Roboter-OP" genannt wird – der "Roboter" führt keine eigenständigen Operationsschritte durch! Er überträgt lediglich die Finger-Hand-Bewegungen de*r Chirg*in besonders präzise auf die filigranen OP-Instrumente im Bauch des Patienten.
Durch die 3-D-Sicht und Vergrößerung des Körperinneren fällt es den Chirurg*innen auch leichter, wichtige Körperstrukturen wie Nerven und kleinere Gefäße zu schonen. Das Risiko, die Kontinenz und Potenz durch eine Prostata-OP zu verlieren, kann minimiert werden.
Für eine Prostata-OP mit dem Da-Vinci-Roboter kommen Sie erst zum OP-Tag in Ihre Klinik. Nach der Aufnahme werden Ihre Vitalparameter gemessen und Sie für die Operation vorbereitet. Sie werden auf einer Liege direkt in den OP-Bereich gebracht. Hier betreut Sie Ihr*e Anästhesist*in und leitet die Vollnarkose ein. Die Operation wird dann in ca. 10 – 20° kopfabwärts abgesenkter Rückenlage durchgeführt. Die Arme liegen neben dem Körper.
Wenn Sie tief schlafen, wird der erste Schnitt gesetzt: Über den ca. 1 cm großen Zugang am Bauchnabel wird der Bauchraum mit Kohlendioxidgas gefüllt. In den Schnitt wird dann ein Röhrchen (Trokar) platziert. Darüber wird eine Kamera in den Bauchraum vorgeschoben – ab diesem Moment hat die oder der Chirurg*in eine sehr scharfe und bis zu 20-fach-vergrößerte 3-D-Sicht am Monitor.
Jetzt werden vom Nabel bis zum Beckenkamm weitere 5–7 mm große Schnitte gemacht. Auch sie werden mit Trokaren offen gehalten. Über diese Zugänge werden dann die Arme des Roboters "angeschlossen".
Platzieren des OP-Roboters
Der Roboterwagen steht neben dem OP-Tisch (Seiten-Docking) und ein*e Assistent*in kümmert sich um die Hilfsinstrumente (z.B. zum Halten von Gewebe oder Klippen von Gefäßen). Am Kopfende des Patienten sitzt die oder der Anästhesist*in.
Der oder die Operateur*in sitzt konzentriert an der Kontrollkonsole des Roboters, die ein paar Meter vom OP-Tisch entfernt ist. Von hier aus übernimmt sie oder er die Kontrolle über die OP-Instrumente im Inneren des Körpers.
Schritt für Schritt
An der Steuerungskonsole sieht man das Körperinnere in 3-D und "lupenhaft" vergrößert. Unter dieser Sichtkontrolle wird – Millimeter für Millimeter – zuerst die Harnblase von der vorderen Bauchwand gelöst. So gelangt man schließlich hinter dem Schambein zur Vorderseite der Prostata.
Dann wird die Harnblase von der Prostatabasis getrennt – bei größtmöglichem Erhalt des Harnblasenhalses. Denn diese Einmündung der Harnblase in die Harnröhre ist für die Kontinenz wichtig. Danach werden die Samenblasen freigelegt und entfernt. Jetzt muss an der Rückfläche der Prostata noch der Mastdarm weggeschoben werden.
Beim Freilegen der Seitenflächen der Prostata können vorsichtig die Gefäß-Nerven-Bündel abgelöst und geschont werden. Die Gefäße, die direkt zur Prostata ziehen, werden über kleinen Gefäßclips durchtrennt. Schließlich wird die Spitze der Prostata so freilegt, dass die in unmittelbarer Nähe liegenden Gefäße und Nerven erhalten und von der Prostata getrennt werden. Bei fortgeschrittenem Krebs müssen diese aber oft mit entfernt werden.
Im Anschluss wird die Harnröhre trichterförmig aus der Prostataspitze gelöst. Sobald die Harnröhre durchtrennt wurde, ist die Prostata vollständig freigelegt. Sie wird zusammen mit den anhängenden Samenblasen vorerst in einem Bergebeutel gelagert.
Live-Diagnostik
Während der OP können Gewebeproben von den Schnitträndern oder sogar die gesamte Prostata ins pathologische Labor geschickt werden. Bis das Ergebnis dieser Schnellschnittuntersuchung eintrifft, werden kleinste Blutungen gestillt. Wenn es die Ausgangsbefunde notwendig machen, werden auch noch die lokalen Lymphknoten entfernt.
Noch während der OP erhält die oder der Operateur*in eine Einschätzung aus der Pathologie. Dabei wird anhand der Schnellschnittuntersuchung beurteilt, ob eine vollständige Entfernung der Krebsgeschwulst erreicht wurde. Andernfalls müssen sofort weitere angrenzende Gewebe und wenn notwendig auch Teile der Gefäß-Nerven-Bündel entfernt werden.
Dann wird die Blase wieder mit dem Harnröhrenrest verbunden – mit einer besonders dichten und feinen Naht. Es soll kein Urin in den Bauchraum gelangen. Dies wird durch Auffüllen der Harnblase getestet. Durch diese Nahttechnik kann der Blasenkatheter im zügig nach der OP entfernt werden. Den Zeitpunkt legt Ihr*e Operateur*in fest.
Am Ende der OP wird das Robotersystem von den Zugängen getrennt. Der Bergebeutel mit der Prostata wird nun über den Nabelschnitt herausgeholt. Dafür muss dieser Schnitt auf ca. 2–3 cm vergrößert werden – je nach Größe der Prostata. Im Anschluss wird das OP-Feld sorgfältig kontrolliert und die Hautschnitte mit selbstauflösenden Nähten verschlossen.
Nach 1–2 Stunden im Aufwachraum werden Sie wieder auf die urologische Station gebracht.
- Wie lange dauert eine Da-Vinci-Prostatatektomie? 1,5–3 Stunden brauchen Chirurg*innen in der Regel – das kann je nach Tumorbeschaffenheit und Rückmeldung aus dem Labor variieren.
- Wie lange muss man bei einer Da-Vinci-Operation im Krankenhaus bleiben? Bei uns bleiben Patienten 3–7 Tage im Krankenhaus.
- Wie lange ist man nach der Prostata-OP arbeitsunfähig? Das ist individuell unterschiedlich. In der Regel wird im Anschlus eine Reha gemacht. Dann dauert die Arbeitsunfähigkeit ca. 6 Wochen.
Wenn Sie eine körperlich anstrengende Arbeit haben, sind auch 12 Wochen Schonzeit möglich. Die OP-Narben sollen unter Belastung nicht wieder aufreißen. - Was kostet eine Da-Vinci-OP? Für eine Roboter-assistierte Prostata-OP entstehen keine Zusatzkosten für Sie: Das Da-Vinci-System steht allen Patienten zur Verfügung – unabhängig vom Versicherungsstatus.
- minimal-invasiver Eingriff
- geringer Blutverlust
- keine großen Narben am Bauch, also auch eine schnellere Wundheilung & geringere Schmerzen
- kürzerer Krankenhausaufenthalt
- höhere Erfolgsrate: Der Tumor kann häufiger vollständig entfernt werden
- geringeres Risiko von Komplikationen: Harnkontinenz & Erektionsfähigkeit können – je nach Tumorcharakteristik – öfter erhalten werden
Anwendung von NeuroSAFE bei der Prostatektomie
Die Verschlechterung der Potenz ist eine mögliche Nebenwirkung der chirurgischen kompletten Prostata Entfernung (radikale Prostatektomie). Ursächlich hierfür ist eine Beschädigung bzw. Entfernung von Nervenfasern und Gefäßen (neurovaskuläres Bündel), welche direkt über der Prostata entlangziehen und für die Potenz notwendig sind.
Es wurden Operationstechniken entwickelt, welche eine Schonung der neurovaskulären Bündel ermöglichen. Allerdings ist dies nur dann sinnvoll, wenn die neurovaskulären Bündel frei von Krebszellen sind.
Die NeuroSAFE-Technik (Neuro-Vaskuläre Schonung bei der radikalen Prostatektomie) ist ein innovativer Ansatz, der in unserer Abteilung regelhaft bei der Durchführung einer radikalen Prostatektomie angewendet wird, um die neurovaskulären Strukturen um die Prostata herum präzise zu schonen, solange dies nicht die vollständige Entfernung der Tumorzellen verhindert.
Die neurovaskulären Bündel werden im Rahmen der radikalen Prostatektomie schonend von der Prostata herunterpräpariert. Nach Entfernung der Prostata, wird diese durch spezialisierte Patholog*innen untersucht. Währenddessen läuft die Operation weiter. Es werden während der Untersuchungszeit, die durchschnittlich etwa 30 Minuten beträgt, unter anderem die Harnblase wieder mit der Harnröhre vernäht und – falls notwendig – auch die Lymphknoten entfernt.
Die Patholog*innen teilen uns mit, ob die Randbereiche der Prostata, denen die neurovaskulären Bündel anliegen, fei von Tumorzellen sind. Ist dies der Fall, dürfen die neurovaskulären Bündel im Körper verbleiben. Sollten sich hingegen Tumorzellen im Bereich der neurovaskulären Bündel zeigen, ist es erforderlich, die entsprechenden Teile der neurovaskulären Bündel zu entfernen. Dies erfolgt dann ebenfalls noch während der radikalen Prostatektomie. Durch den Einsatz der NeuroSAFE-Technik kann also nahezu immer die Schonung der neurovaskulären Bündel erfolgen, wenn der Tumor dies zulässt.
Vorteile der NeuroSAFE-Technik:
Die Anwendung der NeuroSAFE-Technik bietet mehrere potenzielle Vorteile für Männer, die sich einer radikalen Prostatektomie unterziehen:
- Erhalt der sexuellen Funktion: Durch die präzise Schonung der Nerven kann die Wahrscheinlichkeit von Erektionsstörungen nach der Operation reduziert werden.
- Höhere Lebensqualität: Männer, die die neurovaskulären Strukturen erhalten können, haben möglicherweise eine bessere Lebensqualität nach der Operation.
- Individuell angepasste Therapie: Die NeuroSAFE-Technik ermöglicht es dem Chirurgen, die Behandlung individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abzustimmen.
Einschränkungen und Überlegungen:
Obwohl die NeuroSAFE-Technik viele Vorteile bietet, ist sie möglicherweise nicht für jeden Patienten geeignet. Die Entscheidung zur Anwendung dieser Technik hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel dem Ausmaß des Prostatakrebses. Weiterhin spielt die präoperative Potenz des Patienten ebenfalls eine Rolle. Gerne beraten wir Sie vor der Operation bezüglich der Sinnhaftigkeit der NeuroSAFE-Technik in Ihrem speziellen Fall.
3. Brachytherapie
Die interstitielle Brachytherapie (iBrachy) wird zur Therapie des Prostatakarzinoms (niedriges Risiko und intermediäres Risiko) seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt. Sie wird auch permanente Seedimplantation genannt. Es werden einige Milimeter große Strahler, die Seeds, direkt in die Prostata eingebracht und platziert. Somit erfolgt eine direkte Bestrahlung der Prostata von innen. Durch diese Methode gelingt es die umgebenden Organe im kleinen Becken zu schonen und hierdurch die Nebenwirkungen der Strahlentherapie zu reduzieren. In ausgewählten Fällen ist eine fokale Brachytherapie möglich. Dies bedeutet, dass lediglich Areale in der Prostata behandelt werden, die vom Prostatakrebs befallen sind. Dadurch wird die Häufigkeit und Schwere der möglichen Nebenwirkungen weiter gesenkt.
4. Radio Guided Surgery

Die radiogeführte Chirurgie (radio guided surgery, RGS) beim rezidivierenden (wiederkehrendem) Prostatakarzinom ist ein noch relativ neuer und innovativer Ansatz zur Behandlung von Prostatakrebs, der nach einer vorherigen Behandlung erneut aufgetreten ist. Diese Technik, die auch als radiogeführte Salvage-Chirurgie bezeichnet wird, zielt darauf ab, präzise die Krebsläsionen zu identifizieren und zu entfernen, die nach einer vorangegangenen Behandlung, wie zum Beispiel Strahlentherapie oder Prostataentfernung, zurückgekehrt sind. In der Regel sind die Krebszellen in Lymphknoten oder im Weichgewebe vorhanden.
Die RGS beim rezidivierenden Prostatakarzinom umfasst ähnliche Schritte wie bei der Behandlung des primären Prostatakarzinoms, jedoch mit dem Schwerpunkt auf der Identifizierung und Entfernung der zurückkehrenden Krebszellen:
- Radiomarkierung: Wie bei der primären radiogeführten Chirurgie wird eine Radiomarkierung, oft ein radioaktives Tracer-Molekül, in den Körper des Patienten eingebracht. Dieses Tracer-Molekül zielt darauf ab, sich in den Krebszellen anzureichern.
- Bildgebung und Lokalisierung: Mithilfe bildgebender Verfahren wie der Positronenemissionstomographie (PET) in Kombination mit Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) wird die Verteilung der Radiomarkierung im Körper des Patienten sichtbar gemacht. Dadurch können die genaue Position und Ausdehnung der rezidivierenden Krebszellen ermittelt werden.
- Chirurgische Entfernung: Nach der Lokalisierung der rezidivierenden Krebszellen erfolgt die chirurgische Entfernung dieser Läsionen mithilfe der Radioguidance-Technologie. Eine Gamma-Sonde (vergleichbar mit einem Geiger Zähler) hilft dem Chirurgen dabei, die präzise Position der radioaktiven Läsionen zu bestimmen und diese zu entfernen.
- Präzise Lokalisierung: Die Radiomarkierung ermöglicht eine sehr präzise Lokalisierung der rezidivierenden Krebsläsionen, was dazu beiträgt, gesundes Gewebe zu schonen.
- Erhöhte Entfernungseffizienz: Dank der präzisen Führung kann der Chirurg die betroffenen Bereiche gezielt entfernen, was die Chancen auf eine erfolgreiche Entfernung der rezidivierenden Läsionen erhöht.
- Minimale Auswirkungen auf umliegendes Gewebe: Durch die gezielte Entfernung der Krebszellen kann die radiogeführte Chirurgie die Auswirkungen auf benachbartes gesundes Gewebe minimieren.
- Potenziell bessere Behandlungsergebnisse: Die präzise Entfernung von rezidivierenden Krebszellen kann zu einer besseren onkologischen Kontrolle und einem potenziell längeren Überleben führen.
Nach der Operation
Nach einer schwierigen Prostata-Therapie kann manchmal eine Rehabilitationsmaßnahme helfen – vor allem, wenn vorübergehende Komplikationen wie eine Harninkontinenz oder das Erschöpfungssyndrom aufgetreten sind.
Reha nach der Prostata-Operation
Eine Prostata-Erkrankung hinterlässt oft Spuren. Daher ist es ratsam, nach der Therapie eine Rehabilitation zu besuchen (Anschlussheilbehandlung).
Hier können Folgeerkrankungen wie Inkontinenzstörungen behandelt und der Gesundheitszustand nach der kräftezehrenden Krebstherapie gestärkt werden.
Einen Antrag für eine Rehabilitationsmaßnahme können Sie bereits in unseren Kliniken stellen – unser Sozialdienst ist für Sie da.
Auch die deutsche Rentenversicherung und andere Kostenträger bieten Unterstützung bei der Beantragung an.
- Uro-onkologisch geleitete medizinische und pflegerische Betreuung
- Seminare zum Verständnis der Erkrankung und der Folgeerkrankungen wie erektile Dysfunktion und Harninkontinenz
- Sport und Bewegungstherapie
- Beckenbodentraining /Kontinenztherapie sowie Atemschulung und Atemtherapie, Wirbelsäulentraining
- ggf. Schmerzbehandlung und Behandlung von Folgezuständen von Strahlen- oder Chemotherapie
- psychologisch geleitete Seminare zu den Themen Stressbewältigung, Umgang mit der Erkrankung,
- Raucherentwöhnung, Schlafstörungen
- physikalische Therapie wie Massagen, Packungen, manuelle Lymphdrainage, Elektrotherapie, Narbenbehandlung
- psychoonkologische Begleitung, auch unter Einbeziehung der Angehörigen
- Sozialberatung, zum Beispiel zur wirtschaftlichen Situation und beruflichen Reintegration, Hilfe bei der Antragstellung
- Ernährungsberatung
Wenn Sie nach einer urologischen Operation eine Rehabilitationsmaßnahme machen möchten, können Sie sowohl eine ambulante als auch eine stationäre Reha wählen.
Stationäre Reha nach einer Prostata-OP
In einer spezialisierten Rehabilitationsklinik werden Sie rund um die Uhr betreut. Es gibt die unterschiedlichsten Angebote, alle an einem Ort. Ein Vorteil der stationären Rehabilitation ist auch, dass Sie sich fernab Ihres Alltags erholen können.
Ambulante Reha nach einer Prostata-OP
In einer ambulanten Reha-Tagesklinik erhalten Sie werktags in der Zeit zwischen 08:00 und 16:30 Uhr ein abwechslungsreiches Programm. Eine ambulante Rehabilitation bietet sich an, wenn Sie z.B. noch zusätzliche Therapien besuchen oder lieber in Ihrem häuslichen Umfeld bleiben möchten.
Inkontinenz nach einer Prostata-OP

Nach einer Operation an der Prostata erfahren viele Männer eine vorübergehende Inkontinenz. Da die Prostata eng mit dem Harntrakt verbunden ist, gehört es zu jedem Aufklärungsgespräch vor einer Prostata-OP dazu, mögliche Probleme mit dem Wasserlassen nach dem Eingriff zu thematisieren.
Eine postoperative Inkontinenz zählt zu den möglichen Risiken von Operationen wegen Prostatavergrößerung oder Prostatakrebs. Aber auch eine Strahlentherapie kann die Blasenfunktion einschränken. Das beeinträchtigt die Lebensqualität von Patienten – vorübergehend.
Denn in den meisten Fällen klingt sie in den ersten 6 Monaten nach der OP ab. Und Mann kann auch etwas dagegen tun: Beckenbodentraining, Biofeedback oder auch Vorlagen helfen durch diese schwierige Phase.
Inkontinenz bedeutet unwillkürlicher Urinverlust. Man unterscheidet zwischen Belastungs- und Dranginkontinenz. Viele Männer leiden nach einer Prostata-Therapie unter einer zeitweisen Belastungsinkontinenz. Das heißt, dass bei körperlichen Aktivitäten, Husten oder Niesen und beim Hochheben von Gegenständen ungewollt Urin abgeht.
Von einer Dranginkontinenz spricht man, wenn Betroffene häufigen und heftigen Harndrang verspüren, obwohl die Blase kaum gefüllt ist. Auch hier kann der Urin plötzlich nicht mehr gehalten werden. Diese Form der Inkontinenz ist seltener nach Prostata-Behandlungen.
Die Vorsteherdrüse sitzt direkt unterhalb der Harnblase und umschließt die Harnröhre ringförmig. Normalerweise wird die Blase durch drei verschiedene Wege kontrolliert:
- den inneren Schließmuskel der Blase,
- den Druck der Prostata und
- den äußeren Blasenschließmuskel.
Eine Prostata-OP verändert diese Anatomie. Aufgrund der Lage der Prostata müssen bei der Prostatektomie auch Teile der Harnröhre und der innere Blasenschließmuskel entfernt werden. Dadurch ist nach der Operation allein der äußere Schließmuskel für das Harnhalten zuständig. Das stellt für den Körper eine große Umstellung dar! Doch wie alle Muskeln im Körper kann auch der Schließmuskel der Blase gezielt trainiert werden.
Auch nach einer HoLEP-Laser-Operation sind die Strukturen der Blase anders: Da die Prostata hier von innen ausgeschält wird, ist die Harnröhre danach innerhalb der Prostatakapsel frei vom gewachsenen Zellgewebe. Dies ist – nach mitunter Jahren der verengten Blasenwege – eine Umstellung für den Körper! Er reagiert manchmal durch ein zeitweises Fehlverhalten der Harnblase (Blasenhyperaktivität).
Durch eine Strahlentherapie wiederum können sich das Gewebe der Blase und der Schließmuskel entzünden. Manchmal vernarben diese Strukturen auch im Laufe der Zeit. Dies kann zu einer Blasenstörung führen, die das Wasserlassen behindert.
Die Behandlung der Inkontinenz nach einer Prostata-Therapie ist oft ein Schwerpunkt in der Rehabilitation nach einem operativen Eingriff. Bei den meisten Patienten verbessert sich die Inkontinenz im Laufe der Zeit. Bei einigen wenigen verschwindet sie leider nicht wieder ganz oder muss operativ behandelt werden.
Inkontinenz nach Prostata-OP
- Nach dem Ziehen des Blasenkatheters nach einer Prostatektomie haben die meisten Männer Schwierigkeiten, den Urin zu halten. Dies ist aufgrund des Eingriffes am Blasentrakt erwartbar. Und in der Mehrzahl der Fälle bessert sich die Inkontinenz in den ersten Wochen.
- Drei Monate nach der OP ist noch fast jeder zweite Mann von Inkontinenz betroffen.
- 18 Monate nach der Operation erleben 4–21 von 100 Männern gelegentlich eine Belastungsinkontinenz.
- Fünf Jahre nach der Operation benötigen noch 28 von 100 Männern Hilfsmittel gegen Inkontinenz.
- Bis zu 7 von 100 Männern leiden dauerhaft unter Inkontinenz.
Inkontinenz nach einer HoLEP-OP
- 10–15 % der Patienten leiden in den ersten 6 Wochen nach einer HoLEP an Inkontinenz.
- Mehr als 10 % der Männer erfahren in den ersten 12 Wochen Brennen beim Wasserlassen, häufiges Urinieren, gelegentlich auch leichte Blutungen im Urin.
- Auch Infektionen der Harnblase, Nebenhoden oder Nieren können auftreten.
- Selten kann es zu einem Harnverhalt kommen. Dann wird vorübergehend ein neuer Blasenkatheter gelegt.
- In weniger als 1% der Behandlungsfälle tritt eine dauerhafte Harninkontinenz auf.
Dank neuerer OP-Methoden kann das Risiko für Inkontinenz bei Prostata-Operationen gesenkt werden. Zu den wichtigsten Kontinenz-erhaltenden Schritten während einer Prostata-OP zählen:
- Nervenschonendes Operieren: Egal ob bei Ihrer Diagnose eine transurethrale Resektion, eine offene oder laparoskopische Prostatektomie, eine Laser-OP oder eine roboter-assistierte radikale Prostatektomie infrage kommt – die Operierenden im Prostatazentrum Berlin sind darauf spezialisiert, die wichtigen Gefäß-Nerven-Bündel der Blase zu schützen! Durch die hohe Erfahrung unserer Ärzt*innen kann das Gewebe um die Prostata besonders präzise präpariert werden: Das Ziel ist immer, die intrafaszialen Nerven zu erhalten. Denn der Erhalt dieser Gefäß-Nerven-Bündel ist für die postoperative Kontinenz sehr wichtig.
- Bei Prostatakrebs-Operationen achten wir stets darauf, dass ein möglichst langer Harnblasenhals (Einmündung der Harnblase in die Harnröhre) erhalten bleibt. Auch dieser Faktor trägt zu verbesserten Kontinenz-Raten nach einer Prostata-OP bei.
- Außerdem können durch intraoperative Schnellschnitt-Untersuchungen während Prostatakrebs-OPs im besten Falle auch weitere Gewebestrukturen für die Kontinenz erhalten bleiben – wenn es das Ergebnis dieser pathologischen Diagnostik zulässt! Werden am Schnittrand der Prostata doch Krebszellen nachgewiesen werden, muss leider auch das umgebende Nervengewebe entfernt werden – zugunsten der Tumorbehandlung.
Das Operieren am Prostatagewebe erfordert ein sehr großes chirurgisches Geschick und jahrelange Erfahrung. Denn die Operateur*innen müssen sich Millimeter für Millimeter durch das feine Nervengeflecht um die Prostata herum navigieren. Daher spielt die Erfahrung der Ärzt*innen eine große Rolle für ein Operationsergebnis, das die Strukturen der Harnwege so gut es geht schont.
Bei erfahrenen Operateur*innen liegt das Risiko einer permanenten Inkontinenz durch eine Schließmuskelverletzung bei unter 5 %! Patienten sind daher gut beraten, wenn sie sich für eine Prostata-Behandlung an ein "High-Volume-Zentrum" wenden, also an Kliniken mit sehr großen Behandlungszahlen. In diesen Prostatazentren gibt es aufgrund der hohen Fallzahlen die meiste Expertise.
Eine Garantie auf Kontinenz können auch diese modernen Operationsmethoden nicht geben. Ein Eingriff am Blasentrakt bleibt mit dem Risiko eines Kontinenzproblems verbunden. Daher ist es wichtig, dass Sie Ihre Therapieentscheidung gut abwägen – und bei einer Entscheidung für eine Operation auf diese mögliche Komplikation eingestellt sind.
Falls Sie von Inkontinenz betroffen sind: Sie erhalten schon in unseren Kliniken eine Anleitung zum Kontinenztraining. Und nach dem operativen Eingriff hilft Ihnen eine Reha-Maßnahme und tägliches Beckenbodentraining. Das ist sehr wichtig: Ihr Körper braucht wirklich Zeit und Übung!
Manchmal dauert die Genesung auch etwas länger. Dann heißt es: nicht aufgeben!
Dabei helfen Ihnen ein starker Wille und die Motivation und Hilfe von Familie und Freunden.
Reden Sie offen über die Einschränkungen, die Sie mit Inkontinenz erfahren. Sprechen Sie mit Ihren Ärzt*innen darüber. Sie können sich auch mit anderen Betroffenen dazu austauschen. Die gegenseitige Unterstützung spielt in Selbsthilfegruppen eine sehr große Rolle.



