Wenn die Nase dauerhaft dicht ist: Was hinter Nasenpolypen steckt

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Im Interview: PD Dr. Parwis Mir-Salim

Was genau sind Nasenpolypen – und wen betreffen sie?

Nasenpolypen sind gutartige Schleimhautwucherungen, die meist in den Nasennebenhöhlen entstehen und von dort in die Nasenhöhle hineinwachsen können. Umgangssprachlich wird auch bei Kindern oft von „Polypen“ gesprochen, gemeint sind dann aber vergrößerte Rachenmandeln, was etwas vollkommen anderes ist. Echte Nasenpolypen betreffen vor allem Erwachsene – schätzungsweise rund vier Prozent der Bevölkerung.

Welche Beschwerden verursachen sie?

Kleine Polypen bleiben häufig unbemerkt. Werden sie größer, behindern sie die Nasenatmung deutlich. Viele Patientinnen und Patienten berichten über eine dauerhaft verstopfte Nase, Schnarchen oder eine näselnde Stimme. Besonders belastend ist der Verlust des Geruchssinns. Auch wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen mit Druckgefühl bis hin zu Schmerzen im Gesicht oder Schleim im Rachen sind typisch.

Wie entstehen Nasenpolypen?

Die genauen Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Häufig liegt jedoch eine chronische Entzündung der Nasenschleimhaut zugrunde – ausgelöst entweder durch Allergien oder immer wiederkehrende Infekte. Auch Menschen mit Asthma oder einer Unverträglichkeit gegenüber Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure haben ein erhöhtes Risiko. Anatomische Besonderheiten, etwa eine stark verbogene Nasenscheidewand, können die Entstehung zusätzlich begünstigen.

Warum sind Polypen mehr als nur ein lästiges Problem?

Wer schlecht durch die Nase atmet, weicht automatisch auf die Mundatmung aus. Damit entfällt ein wichtiger Schutzmechanismus: Die Nase filtert und befeuchtet normalerweise die Atemluft. Wird dieser Prozess umgangen, können Krankheitserreger leichter in die Atemwege gelangen. Das führt nicht selten zu häufigeren Infekten. Vor allem bei Sporttreibenden beeinträchtigt dies nicht nur das tägliche Leben und den Schlaf, sondern auch den „Workout“.
 

Wie stellen Sie die Diagnose?

Zunächst geben die geschilderten Beschwerden wichtige Hinweise. Größere Polypen lassen sich oft schon bei der Untersuchung erkennen. Für kleinere Veränderungen nutzen wir ein dünnes Endoskop, das vorsichtig in die Nase eingeführt wird – das ist in der Regel schmerzfrei. In manchen Fällen ergänzt eine Computertomografie die Diagnostik. Wenn wir eine Allergie vermuten, testen wir diese gezielt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Basistherapie besteht meist aus einem kortisonhaltigen Nasenspray. Es wirkt entzündungshemmend und kann das Wachstum der Polypen bremsen. Wichtig ist die regelmäßige und langfristige Anwendung – Geduld zahlt sich hier aus. Kortison-Tabletten setzen wir nur kurzfristig ein, da sie bei längerer Einnahme deutlich mehr Nebenwirkungen haben können.
Liegt eine Allergie vor, behandeln wir diese zusätzlich – etwa mit Antihistaminika oder einer Desensibilisierung. Bei bakteriellen Infektionen können auch Antibiotika sinnvoll sein.

Wann ist eine Operation nötig?

Wenn Medikamente keine ausreichende Besserung bringen, können Polypen operativ entfernt werden. Diese Operationsverfahren werden minimal invasiv endoskopisch durch das Nasenloch durchgeführt. Viele Betroffene spüren danach schnell Erleichterung. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Wucherungen erneut auftreten – besonders bei zugrundeliegenden Allergien. Deshalb ist eine begleitende medikamentöse Therapie weiterhin wichtig.

Es gibt neue Medikamente – für wen sind sie geeignet?

Seit einigen Jahren stehen sogenannte Biologika zur Verfügung. Das sind spezielle Antikörper, die gezielt in entzündliche Prozesse des Immunsystems eingreifen. Sie werden unter die Haut gespritzt und kommen vor allem bei schweren Verläufen zum Einsatz, wenn herkömmliche Therapien und Operationen keinen dauerhaften Erfolg bringen. Voraussetzung ist allerdings ein bestimmtes immunologisches Entzündungsmuster.

Was können Betroffene selbst tun?

Eine gute Nasenpflege ist sehr hilfreich. Ausreichend trinken – etwa zwei Liter täglich – hält die Schleimhäute feucht. Inhalationen oder Nasenspülungen mit Salzlösung unterstützen die Reinigung. Trockene, stark belastete Luft sollte möglichst gemieden werden.
Auch die Ernährung kann einen Einfluss haben: Entzündungshemmende Lebensmittel wirken unterstützend, während stark verarbeitete Produkte oder sehr histaminreiche Speisen besser nur in Maßen konsumiert werden sollten. Regelmäßige Bewegung stärkt zudem das Immunsystem.

Kontakt zur HNO-Klinik

Das Team der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Plastische Operationen und Zentrum für Hörimplantate engagiert sich für Sie bei allen gesundheitlichen Fragestellungen, die den Hals-Nasen-Ohren-Bereich betreffen.

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