
Schmerzmittel im Sport: Wenn der Schmerz zum Gegner wird
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Muskelkater, Überlastungsbeschwerden oder kleine Verletzungen kennen viele Läufer*innen. Dr. Alexander Stoll, Chefarzt der Vivantes Entwöhnungstherapie und Suchtexperte erklärt, Schmerzen würden oft nicht mehr als Warnsignal des Körpers verstanden, sondern als Hindernis, das mit Medikamenten ausgeschaltet wird.

Gerade im Ausdauer- und Breitensport ist die vorbeugende Einnahme von Schmerzmitteln keine Seltenheit. Sie sollen sportliche Belastungen ermöglichen oder verlängern. Wer regelmäßig Ibuprofen, Diclofenac oder ASS nimmt, um trotz Schmerzen weitertrainieren oder einen Wettkampf unbedingt beenden zu können, ignoriert möglicherweise die eigentliche Ursache der Beschwerden.
Wie verbreitet ist der Schmerzmittelkonsum im Sport?
Frei verkäufliche Schmerzmittel werden häufig im Breitensport eingesetzt um Beschwerden prophylaktisch zu unterdrücken.
Die Gründe sind nachvollziehbar: Angst vor einem Ausfall, ein lange vorbereitetes sportliches Ziel, Gruppendruck oder der Wunsch, eine persönliche Bestzeit zu erreichen.
Werden wichtige Warnsignale unterdrückt?
Ja – und genau darin liegt aus suchtmedizinischer Sicht ein zentraler Punkt. Schmerz ist nicht nur ein unangenehmes Gefühl, sondern häufig eine Information des Körpers: „Hier stimmt etwas nicht.“ Ein Schmerzmittel kann diese Information abschwächen, während die zugrunde liegende Überlastung bestehen bleibt. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Wie bekomme ich den Schmerz weg?“, sondern: „Warum habe ich diesen Schmerz – und ist es medizinisch sinnvoll, weiterzulaufen?“ Die Entscheidung, ob die Einnahme eines Schmerzmittels angezeigt ist, sollte daher ärztlich getroffen werden.
Wann sollte man lieber nicht starten oder abbrechen?
Bestimmte Beschwerden sollte niemand einfach „wegmedikamentieren“. Dazu gehören insbesondere neue, starke oder zunehmende Schmerzen, Schmerzen nach einem Unfall oder Sturz, deutliche Gelenk- oder Knochenschmerzen sowie Beschwerden, die das normale Bewegungsmuster verändern.
Auch Brustschmerzen, ungewöhnliche Atemnot, Schwindel, Ohnmacht, starke Schwäche, Verwirrtheit oder Herzrasen sind Warnzeichen, bei denen nicht weitergelaufen werden sollte. Gleiches gilt bei schweren Magen-Darm-Beschwerden oder auffälligen Symptomen wie Blut im Erbrochenen oder Urin.
Was können Sportlerinnen und Sportler stattdessen tun?
Die wichtigste Alternative zum Schmerzmittel ist nicht ein anderes Medikament, sondern die Anpassung der Belastung. Dazu gehören ausreichend Regeneration, ein sinnvoller Trainingsaufbau, Ruhetage und die rechtzeitige Reduzierung des Trainingsumfangs bei Beschwerden.
Je nach Ursache können Physiotherapie, gezieltes Kraft- und Stabilisationstraining, Techniktraining oder eine sportmedizinische Untersuchung sinnvoll sein. Auch Schlaf, Ernährung und eine angemessene Wettkampfvorbereitung gehören zur Prävention.
Aber Schmerzmittel wie Ibuprofen gibt es doch sogar rezeptfrei in der Apotheke?
Ja, aber „rezeptfrei“ bedeutet nicht „risikofrei“. Wer Medikamente selbst kauft, sollte Packungsbeilage, Dosierung und Gegenanzeigen ernst nehmen und bei Unsicherheit ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einholen. Schmerzmittel sind Medikamente – und kein Werkzeug, um die körperlichen Grenzen beim Sport außer Kraft zu setzen.
Entwöhnungstherapie (Hartmut-Spittler-Fachklinik)
Sie sind auf der Suche nach Hilfe zur Bewältigung einer Suchterkrankung? Eine Entwöhnungstherapie in der Hartmut-Spittler-Fachklinik im Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum ist darauf angelegt, Ihnen an der Seite zu stehen.