
Darmkrebs
Erfahren Sie mehr über Darmkrebs und seine Behandlung. Unsere Expert*innen stehen Ihnen gerne zur Seite.
Diagnose Darmkrebs
Die Diagnose Darmkrebs, auch als Kolon- oder Rektumkarzinom bezeichnet, löst bei Betroffenen und Angehörigen große Verunsicherung und Ängste aus. Daher ist es uns wichtig, Sie nicht nur fachlich auf dem aktuellsten Stand der Wissenschaft zu behandeln, sondern auch menschlich auf ihrem gesamten Weg zu begleiten.
Darmkrebs: Entstehung, Vorsorge und Symptome
Darmkrebs entsteht über viele Jahre hinweg aus sog. Polypen. Das sind kleine Knospen der Darmschleimhaut. Diese Polypen sind anfänglich gutartig, wandeln sich jedoch im Laufe der Zeit in einen bösartigen Tumor um. Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland!
In den meisten Fällen lasst sich keine einzelne Ursache für die Krebsentstehung benennen. Eine ungesunde Ernährungs- und Lebensgewohnheit kann das Risiko erhöhen. Es gibt aber auch eine erbliche Form der Darmkrebs. Hier existieren bei den Betroffenen spezifische Gendefekte, die das Risiko für die Entstehung von Darmkrebs dramatisch erhöhen und das bereits in jungen Lebensjahren.
Werden im Rahmen einer Darmspiegelung Polypen entdeckt, können diese auch direkt entfernt werden. Dann kann hier kein Darmkrebs mehr entstehen.
Auch wenn eine Darmspiegelung zunächst unangenehm und abschreckend wirkt, stellt sie eine sehr zuverlässige und sichere Untersuchungsmethode dar, die eine Krebserkrankung frühzeitig entdecken bzw. diese sogar verhindern kann, d.h. die Darmspiegelung kann Leben retten!
Da Darmkrebs-Symptome erst sehr spät auftreten, ist es wichtig bereits vorher, d.h. ab dem 50. Lebensjahr zur Vorsorge-Darmspiegelung zu gehen und nicht erst wenn Beschwerden aufgetreten sind.
Alarmsymptome, die unbedingt zu einer Vorstellung bei Ärzt*innen führen sollten, sind:
- Blut im Stuhlgang (sehr dunkler Stuhlgang bzw. Blutauflagerungen)
- Blutarmut (Anämie im Blutbild)
- veränderter Stuhlgang (wechselhafte Stuhlkonsistenz zwischen Durchfall und Verstopfung)
- Bleistift dünne Stuhlgänge
- Schmerzen
- tastbare Verhärtungen Knoten im Bauchraum oder Enddarmbereich
Individualisierte Medizin bei Darmkrebs

Die Behandlung von Darmkrebs gliedert sich in mehrere, aufeinanderfolgende Phasen. In jeder Phase wird individuell auf die Ausprägung der Krebserkrankung, das körperliche Befinden der Patient*innen und die persönlichen Wünsche eingegangen und das weitere Vorgehen angepasst – wir sprechen von individualisierter Medizin.
Zusätzliche Therapieangebote wie die:
- psychoonkologische Betreuung
- sozialmedizinische Beratung (Sozialdienst)
- Ernährungstherapie
- onkologische Fachpflege
- Stomaschwester
- Seelsorge und Klangkörpertherapie uvm.
sind hierbei eine enorme Unterstützung und leisten einen großen Beitrag zur ganzheitlichen Behandlung.
Phasen der Darmkrebs-Therapie
- Darmspiegelung: Die sicherste und zuverlässigste Methode ist die Darmspiegelung und steht am Anfang der Diagnostik. Viele Menschen haben eine gewisse Angst vor der Darmspiegelung, aber dies ist unbegründet. Die Darmspiegelung wird in einer Art Tiefschlaf durchgeführt und ist damit zum einen schmerzfrei, zum anderen bekommt man von der Untersuchung selbst nichts mit. Mithilfe von modernen Geräten erfolgt eine Überwachung der sogenannten Vitalfunktionen (Monitor). Dadurch wird die Darmspiegelung zu einem sehr sicheren Verfahren auch für Menschen höheren Alters bzw. für Patienten mit Vorerkrankungen.
- CT und MRT: Wenn die Darmspiegelung und die Auswertung der Gewebeproben die Diagnose eines Darmkrebs bestätigt haben, wird ein CT vom Brust- und Bauchraum durchgeführt, um das sogenannte Stadium der Tumorerkrankung feststellen zu können und um beurteilen zu können, ob Metastasen in anderen Organen wie z. B. der Leber oder Lunge vorliegen.
- Blutwerte: Die Bestimmung von bestimmten Blutwerten und sogenannten Tumormarkern gehört zum Standard der vollständigen Diagnostik.
Zur Therapie von Darmkrebs stehen grundsätzlich drei "Therapie-Bausteine" zur Verfügung.
Die
- Operation
- Chemotherapie
- und die Bestrahlung.
In Abhängigkeit des individuellen Tumorstadiums können diese drei Bausteine allein bzw. in Kombination in unterschiedlicher Reihenfolge kombiniert werden. Das Therapiekonzept wird daher individuell in der sogenannten Tumorkonferenz besprochen und geplant.
Die Operation ist allerdings der zentrale Baustein, denn nur bei vollständiger operativer tiefer Entfernung des Tumors ist eine Heilung möglich. Um dieses zu erreichen kann es notwendig sein, dass bereits vor der Operation eine Chemotherapie und/oder Bestrahlung durchgeführt werden müssen.
Die Nachbehandlung beginnt bereits am OP-Tag. Ein speziell entwickeltes Behandlungsregime (ERAS) hilft dabei, dass die Patienten möglichst schnell und schonend wieder ihre alte Selbstständigkeit und Möglichkeit der Selbstversorgung zurückerlangen.
Operationen ohne Schläuche, Drainagen, Kabel, Operation mit kleinen Schnitten, intensive Physiotherapie und Ernährungsberatung und vieles mehr machen dies möglich. Der Sozialdienst hilft bei der Beratung und Beantragung sämtlicher Formulare wie Pflegegrade, Reha etc. Nach der Entlassung steht auch unsere Spezialsprechstunde und die chirurgische Ambulanz für weitere Kontrollen und Gespräche zur Verfügung.
Nachdem der Darmkrebs behandelt und entfernt wurde, bedarf es jährliche Kontrolluntersuchungen. Diese erfolgen nach einem festen Schema, das im Rahmen der Tumorkonferenz (Fallkonferenz/Expertentreffen von Ärzt*innen unterschiedlicher Fachrichtung) festgelegt wird und den Patient*innen bei Entlassung aus dem Krankenhaus oder im Rahmen der postoperativen Kontrolluntersuchung ausgehändigt wird.
Die Kontrolluntersuchungen umfassen im Wesentlichen
- Blutkontrollen (Tumormarker),
- Ultraschallkontrolle der Leber und
- Darmspiegelungen.
Operation bei Darmkrebs
Die Art der Operation hängt von der Lage des Tumors im Dickdarm ab. Für jede Tumoroperation am Darm gilt: alle Lymphknoten und blutversorgende Gefäße des tumortragenden Darmabschnittes zu entfernen, da über diesen Weg die Tochtergeschwülste (Metastasen) entstehen. Für einen Tumor z.B. im rechten Kolon (Zökum und Kolon ascendens) bedeutet das, dass das gesamte rechten Kolon entfernt werden muss. Anschließend wird eine neue Darmverbindung (Anastomose) hergestellt. Bei Tumoren im Enddarm (Rektum) wird das gesamte Rektum mit umgebendem Fettgewebe entfernt. Ob hier eine neue Darmverbindung hergestellt werden kann, ist abhängig von der Entfernung des Tumors zum Schließmuskel. Sollte der Tumor zu nah am Schließmuskel liegen, kann es auf Grund des fehlenden Sicherheitsabstands sein, dass der Schließmuskel mit entfernt werden muss und keine neue Darmverbindung hergestellt werden kann. Diese besondere Situation wird vor der Operation ausführlich mit Ihnen besprochen worden.
Bei der Operation eines Mastdarm-Krebses (Rektumkarzinom) kann es wie im vorherigen Abschnitt beschrieben sein, dass der Schließmuskel mit entfernt werden muss. Das ist abhängig von der Entfernung des Tumors zum Schließmuskel. Sollte es notwendig werden, bei Ihnen so einen dauerhaften, künstlichen Darmausgang anzulegen, wird das ausführlich vor der Operation mit Ihnen besprochen werden. Sollte der Abstand des Tumors zum After ausreichend sein und der Schließmuskel erhalten werden können, wird nach Entfernung des Enddarms eine neue Darmverbindung hergestellt. Diese neue Darmverbindung wird vorübergehend mit einem vorgeschalteten künstlichen Darmausgang geschützt. In der Regel kann dieser künstliche Darmausgang nach ca. zwei bis drei Monaten zurück verlagert werden. Bei Operationen von Darmkrebs im Kolon ist die Anlage eines künstlichen Darmausgangs meistens nicht notwendig, kann jedoch auch in seltenen Fällen notwendig werden.
Falls Sie in unserer Klinik einen künstlichen Darmausgang erhalten, werden Sie nach der Operation durch geschultes Stomapersonal betreut und Schritt für Schritt in die Handhabung und selbstständige Versorgung des künstlichen Darmausgangs eingeführt. Auch die weitere Versorgung zu Hause wird bereits aus dem Krankenhaus organisiert.
Ja, jede Operation kann Risiken und Komplikationen mit sich bringen. Insgesamt ist das Komplikationsrisiko bei einer Darmkrebsoperation moderat. Zur Risikoabschätzung werden vor einer Darmkrebs-Operation Ihre Nebenerkrankungen umfangreich geprüft, um Probleme in der Zeit nach der Operation vermeiden zu können. Als spezielle Komplikationen nach einer Darmkrebs-Operation können Nachblutungen und Bauchfellentzündungen auftreten. Im Fall einer Bauchfellentzündung muss die Dichtigkeit der neu angelegten Darmverbindung (Anastomose) geprüft werden. In manchen Fällen ist hierfür eine erneute Operation notwendig. Bei einer Undichtigkeit der Anastomose kann eine vorübergehende Anlage eines künstlichen Darmausgangs notwendig werden.
Ja, heutzutage wird Darmkrebs regelhaft in Schlüssellochtechnik operiert. Die Schüssellochtechnik stellt somit den Standard für alle Darmkrebsoperationen dar. Sie profitieren durch die kleinen Schnitte und haben dadurch weniger Schmerzen. Andere Maßnahmen, wie schneller Kostaufbau in Kombination mit einer minimal-invasiven Darmkrebsoperation führen dazu, dass Sie sich nach der Operation schneller erholen. Es gibt jedoch auch Situationen, bei denen ist es nicht sinnvoll, in Schlüssellochtechnik zu operieren. Zum Beispiel wenn bei Ihnen schwere Nebenerkrankungen (z.B. Lungenerkrankungen) vorliegen sollten. Auch wenn bei Ihnen bereits größere Operationen der Bauchhöhle in der Vergangenheit durchgeführt wurden, kann es sein, dass eine minimal-invasive Darmkrebsoperation erschwert und möglicherweise mit Risiken für Verletzungen anderer Organe verbunden ist. Auch während einer minimal-invasiven Darmkrebsoperation können Situationen auftreten, die eine Umstellung auf einen Bauchschnitt notwendig machen. Insgesamt ist jedoch der Anteil der minimal-invasiven Darmkrebsoperationen gemessen an der Gesamtzahl der Darmkrebsoperationen am Vivantes Klinikum Neukölln weit über 80%., so dass nur noch ein kleiner Teil mit Bauchschnitt operiert werden muss.
Eine Weiterentwicklung der Schüssellochtechnik ist die Darmkrebsoperation mit dem Roboter. Durch dieses System kann die Darmkrebsoperation noch präziser durchgeführt werden.
Erblicher Darmkrebs

Es gibt Varianten von Darmkrebs, die familiär gehäuft auftreten bzw. erblich bedingt sind. Entsprechend erfolgt bereits vor einer Operation ein entsprechendes Screening. Zudem untersuchen wir alle Tumore auf Hinweise auf einen erblichen Ursprung und führen bei Verdacht eine spezialisierte genetische Beratung und weitere Diagnostik durch.
Junges Patientenalter und Auftreten verschiedener Krebserkrankungen in der Familie sind ein erster Hinweis. Wir sind eines der wenigen Darmkrebszentren Deutschlands, die die Berechtigung zur fachbezogenen genetischen Beratung hat und selbst durchführen darf.
Die Kenntnis über das Vorhandensein eines erblichen Darmkrebs ist sowohl für die Operation als auch für die Nachbehandlung und Nachsorge, die sehr viel intensiver sein muss, relevant. Zudem sollten Angehörige der oder des erkrankten Patient*in ebenfalls vorsorglich untersucht werden.



