Nach der Geburt: Stillen, Bonding & Co.

Herzlichen Glückwunsch, Sie konnten Ihr Baby endlich begrüßen. Jetzt gilt es, sich kennenzulernen und erste gemeinsame Schritte zu gehen. Vivantes unterstützt Sie dabei.

Stillen

Stillen ist nicht immer leicht. Und jedes Baby tickt anders. Wir helfen Ihnen beim Stillstart und geben Ihnen wichtige Tipps an die Hand, damit auch Sie eine lange und glückliche Stillbeziehung zu Ihrem Kind haben können.

Muttermilch: Die natürlichste Nahrung für Babys

Das eigene Baby über die Muttermilch zu ernähren, gehört zu den Grundinstinkten einer Mutter. Neben den vielen wichtigen Nährstoffen, die das Kind auf diesem Weg erhält, nimmt das Stillen großen Einfluss auf das Verhältnis zwischen Mutter und Baby. Wenn eine Frau stillt, wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet und die emotionale Bindung nachhaltig gestärkt.

Kolostrum - Die Milch der ersten Tage

Wenn möglich, werden Babys direkt nachdem sie auf die Welt gekommen sind, also noch im Kreißsaal, angelegt. Dabei erfolgt der eigentliche Milcheinschuss bei der frischgebackenen Mutter erst ungefähr am dritten Tag nach der Geburt. Vorher trinkt das Baby das sogenannte Kolostrum. Durch ihren hohen Eiweißgehalt ist sie eher schleimig und dickflüssiger als Muttermilch.

Kolostrum…

  • Stärkt das Immunsystem: Enthalten sind Nährstoffe, Mineralstoffe, Flüssigkeit, Stammzellen und zahlreiche Antikörper.
  • Stabilisiert den Blutzucker: Kolostrum regt den Stoffwechsel an.
  • Schützt vor krankmachenden Keimen: Wachstumsfaktoren unterstützen die Ausreifung des Darmes.
  • Beugt Neugeborenengelbsucht vor: Kolostrum beschleunigt den ersten Stuhlgang (Kindspech), somit wird Bilirubin rasch ausgeschieden.

Die Kolostrumproduktion beginnt schon während der Schwangerschaft ab der 16.SSW. In manchen Fällen ist die Kolostrumgewinnung mit der Hand erforderlich und es ist sogar vorteilhaft damit schon in der Schwangerschaft zu beginnen und es einzufrieren (nicht vor der 37. SSW).

Am ersten Tag ist der Magen des Neugeborenen nur so groß wie ein kleiner Fingernagel (6ml), schon am dritten Tag hat er die Größe einer Murmel erreicht (25ml), und am siebten Tag ist sein Volumen vergleichbar mit dem eines Tischtennisballs (51ml).

Da das Baby in den ersten Lebenstagen viel schläft und weniger trinkt, ist es normal, wenn es kurzzeitig an Gewicht verliert. Es zehrt in dieser Zeit noch von den Reserven, die es bereits im Mutterleib angelegt hat. Wenn das Baby etwa eine Woche alt ist, durchlebt es einen ersten Entwicklungsschub, daher kann es sein, dass es in dieser Zeit am liebsten ununterbrochen trinken möchte. Derartige Schübe erfolgen auch zwischen der vierten und sechsten Woche und um den dritten Monat herum. In diesen Zeiträumen hat das Baby möglicherweise mehr Hunger, jedoch sollte es vermieden werden zuzufüttern, da sich die Milchproduktion sonst nicht entsprechend anpassen kann.

Frischgebackene Mütter stellen sich häufig die Frage, wie oft sie ihr Baby stillen sollen. Es ist ganz einfach: Immer nach Bedarf, denn die Nachfrage des Kindes regelt das Angebot in der Brust. Die mütterliche Brust produziert immer ungefähr so viel Milch, wie das Baby fordert. Möchte es sehr viel trinken und muss oft angelegt werden, steigt die Milchproduktion – andersherum ist es genauso. Das Baby signalisiert von ganz alleine, wie oft es angelegt werden möchte.

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Häufig stillen Mütter so lange, bis ihr Kind von ganz allein nicht mehr an der Brust trinken möchte. WHO und UNICEF empfehlen, 6 Monate ausschließlich zu stillen, und danach neben der Beikost weiter zu stillen bis zum Alter von 2 Jahren oder darüber hinaus.

In Deutschland stillen Frauen im Schnitt nur noch wenige Monate, über 60% stillen ihr Kind innerhalb der ersten drei Monate nach der Geburt ab. Einige Frauen stillen ihr Kind aber auch im gesamten ersten Lebensjahr, manche sogar über zwei Jahre hinweg.

Prinzipiell kann eine stillende Frau alles essen und trinken, worauf sie Lust hat – grundsätzlich sollte sie jedoch auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung achten. Bei bestimmten Lebensmitteln ist zudem Vorsicht geboten, da der Darm des Kindes bis zum dritten Monat reifen muss. Babys sind in diesem Alter noch etwas empfindlicher und anfälliger für Koliken. So kann zum Beispiel Multivitaminsaft Probleme wie Blähungen oder Durchfall beim Kind hervorrufen, da es das Vitamin C in hohen Mengen noch nicht gut verträgt. Grundsätzlich ist es wichtig, darauf zu achten, was man selbst oder der Vater des Babys nicht verträgt – denn es kann gut sein, dass auch der Nachwuchs darauf empfindlich reagiert.

  • Wenn Sie und Ihr Baby zeitweise nach der Geburt getrennt werden – bei Frühgeborenen oder kranken Kindern
  • Wenn Sie unter Diabetes oder Schwangerschaftsdiabetes leiden
  • Wenn Stillen nicht erwünscht ist
  • Wenn Ihr Baby noch nicht korrekt saugen kann oder es schwer zu wecken ist
  • Wenn Sie nach einer früheren Geburt mit „zu wenig“ Milch Erfahrung gemacht haben
  • Wenn Sie eine Brustoperation hinter sich haben
  • Wenn Ihre Hormonlage das schwanger werden erschwert hat

Weitere Informationen finden Sie unter www.babyfreundlich.org oder sprechen Sie uns an!

Flasche statt Stillen

Sollte es aus medizinischen oder persönlichen Gründen nicht möglich sein zu stillen, kann das Baby auf Wunsch auch von Beginn an mit der Flasche gefüttert werden. In diesem Fall kann die Muttermilch abgepumpt oder die Milchbildung medikamentös bzw. durch Tees unterdrückt werden.

Wir unterstützen, wenn das Stillen nicht gleich klappt

Jedes Kind ist anders und zeigt unterschiedliches Verhalten an der Brust. So erfordert das Stillen meist ein wenig Übung und Geduld seitens der Mutter – sie muss lernen, wie sie ihr Neugeborenes am besten hält und wie lange und wie oft sie stillen muss. Für den Fall, dass es nicht auf Anhieb klappt, stehen der frischgebackenen Mutter in den Vivantes Kliniken erfahrene Hebammen und Stillberaterinnen zur Seite und können in den ersten Tagen nach der Geburt wertvolle Tipps geben. Daneben bieten einzelnen Geburtskliniken weitere Angebote zur Unterstützung von stillenden Müttern an. Im Klinikum Neukölln, im Klinikum Am Urban sowie im Humboldt-Klinikum können Sie sich jederzeit an die Stillambulanz wenden. Im Klinikum im Friedrichshain können Sie sich einer Stillgruppe anschließen und im Klinikum Kaulsdorf bietet das Stillcafé Raum für Erfahrungsaustausch.

Informationen zum Abstillen

Durch den Einfluss verschiedener Hormone hat sich Ihre Brust im Verlauf der Schwangerschaft verändert. Das Drüsengewebe der Brust ist auf die Milchbildung vorbereitet. Zum Abstillen möchten wir Ihnen einige Tipps geben, die Ihnen helfen, mit der von der Natur vorgegebenen Situation gut umzugehen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten abzustillen. Da Medikamente unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen können, ist es für Ihren Körper schonender, wenn Sie ohne Medikamente abstillen.

Abstillen mit Medikamenten

Durch Einnahme eines Abstill-Medikaments wird der Milchfluss für mindestens 15 Tage unterdrückt. Der Milcheinfluss (Festwerden der Brüste) findet reduziert oder gar nicht statt, wenn Sie das Medikament innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Geburt Ihres Kindes einnehmen. Die Brust ist sehr stark durchblutet und es wird Lymphflüssigkeit eingelagert. Es kann sein, dass Sie Ihre Brust als schmerzhaft empfinden.

Die möglichen Nebenwirkungen von Abstill-Medikamenten sind: Übelkeit, Kurzatmigkeit, Verdauungsstörungen, Blutdruckabfall/Schwindel, Drehschwindel, Herzklopfen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Schmerzen, Schläfrigkeit und psychische Beeinträchtigungen.

Sollten Sie unter zu hohem Blutdruck, geschwollenen Händen/Füßen oder psychischen Belastungen leiden, ist Ihnen in jedem Fall vom medikamentösen Abstillen abzuraten.

Abstillen ohne Medikamente

Für das Abstillen ohne Medikamente sollten Sie einen gut sitzenden und stützenden BH tragen und zusätzlich Ihre Brust kühlen. Bei Spannungsgefühl und Rötung der Brust empfehlen wir Ihnen folgende kühlende Maßnahmen:

  • Kalte Umschläge
  • Gel-Kompressen (bitte keinen direkten Hautkontakt)
  • Quarkauflagen

Die Kühlung sollte so lange wie möglich und so oft es geht durchgeführt werden. Bitte sparen Sie dabei den Bereich der Brustwarze aus.

Unterstützend können Sie täglich 3–5 Tassen Salbei- oder Pfefferminztee trinken. Wenn Sie Ihr Baby nur einen Tag oder wenige Tage stillen, erhält es die Neugeborenenmilch (Kolostrum). Diese enthält besonders viele Antikörper, ist reich an optimalen Nährstoffen und hilft Ihrem Baby, sein Verdauungssystem in Gang zu bringen. Die Neugeborenenmilch versorgt Ihr Baby mit seiner ersten und angenehmsten Impfung.

Sie können Ihrem Kind die Neugeborenmilch durch Anlegen geben. Sollten Sie das nicht wollen, zeigen wir Ihnen gerne, wie die Milch von Hand oder mit einer Pumpe gewonnen werden kann. Sollten Sie sich für das Flaschenfüttern entscheiden, erklären wir Ihnen, wie Sie Ihrem Baby auch dabei viel Nähe und Liebe geben können. 

Auch Ihrem Körper hilft das Stillen in den ersten Tagen, sich gut von der Geburt zu erholen. Unter anderem wird die Rückbildung Ihrer Gebärmutter unterstützt. Dadurch verlieren Sie weniger Blut.

Bonding - Ein Band aus Emotionen zwischen Eltern und Kind

Der Begriff „Bonding“ beschreibt die enge Verbindung zwischen Mutter, Vater und Kind. Damit diese möglichst früh hergestellt und besonders intensiv wird, ist viel körperliche Nähe erforderlich – auch und vor allem direkt nach der Geburt. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die in den ersten Minuten und Stunden geknüpften Bande die spätere Entwicklung eines Neugeborenen nachhaltig beeinflussen können. Das heißt für uns, dass wir das Baby und seine Eltern, soweit die Umstände es zulassen, nicht voneinander trennen, sodass sie in Ruhe eine innige Beziehung zueinander aufbauen können. Das gilt auch im Fall von Kaiserschnittgeburten. In der Regel wird ein umgehender Hautkontakt zum Baby ermöglicht – noch vor der ersten Säuglingsuntersuchung.

Um die enge Verbindung zwischen Eltern und Kind vom ersten Moment an herzustellen, ist direkter Körperkontakt unerlässlich. Da die Sprache noch nicht entwickelt ist, sind Berührungen und der Klang der Stimme die alles entscheidenden Mittel, um einem Neugeborenen das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Damit sich dieser Austausch entfalten kann, lassen wir die junge Familie viel ungestörte Zeit miteinander verbringen. So wird die Basis für eine stabile Beziehung geschaffen. Das Baby lernt intuitiv, dass es von liebenden Menschen umgeben ist, auf die es sich verlassen kann. Dieses Grundvertrauen ist von großem Wert für die Ausprägung eines gesunden Selbstbewusstseins.

Sicherheit für Ihr Baby

Vermeidung von Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod

Wichtige Empfehlungen:

  • Ihr Baby sollte unbeaufsichtigt grundsätzlich in Rückenlage liegen.
  • Ihr Baby sollte in einem Schlafsack im Zimmer der Eltern schlafen. Legen Sie keine Decke, kein Kopfkissen, keine Kuscheltiere, kein Lammfell oder sonstige Gegenstände ins Bett.
  • Wir empfehlen eine feste und luftdurchlässige Matratze.
  • Ein Gitterbettchen oder eine offene Wiege bieten Ihrem Baby die notwendige Bewegungsfreiheit. 
  • Luftige und nicht zu warme Bekleidung z. B. Body, Strampler, Jäckchen und Schlafsack sind völlig ausreichend.
  • Die Zimmertemperatur sollte in der Heizperiode bei 16° -18° C liegen.
  • NICHT RAUCHEN!
  • Achten Sie auf vollständige und rechtzeitige Standard-Impfungen durch den Kinderarzt.
  • Für die gesunde Entwicklung Ihres Babys ist das ausschließliche Stillen der wichtigste Schutzfaktor.

Was tun wenn mein Baby schreit?

Bitte bewahren Sie Ruhe, auch wenn es schwer fällt! Weinen und Schreien sind wichtige Kommunikationsmittel Ihres Babys!

  • sie Hunger haben.
  • sie müde sind.
  • sie Ruhe brauchen.
  • sie sich Körperkontakt wünschen.
  • die Windel voll ist.
  • sie schwitzen oder frieren.
  • es am Tage sehr unruhig war.
  • sie vielen Reizen ausgesetzt waren (z.B. helles Licht, Lärm oder hektische Bewegungen).
  • sie Verdauungsprobleme haben.
  • ein Zahn wächst.
  • sie einem Entzug ausgesetzt sind.
  • sie krank sind.
  • Oder nach traumatischen Geburtserlebnissen.

  • Sprechen Sie ruhig.
  • Vermeiden Sie hektische Bewegungen.
  • Singen Sie.
  • Versuchen Sie es mit einem Umgebungswechsel oder einem Spaziergang mit Ihrem Baby.

Legen Sie Ihr Baby an einem sicheren Ort ab. Verlassen Sie kurzzeitig das Zimmer und versuchen Sie sich zu sammeln. Wenn möglich, holen Sie sich Unterstützung. Lassen Sie gesundheitliche Ursachen kinderärztlich abklären.

Ein Säugling hat aufgrund seiner schwachen Nackenmuskulatur noch kaum Kontrolle über seinen Kopf. Hinzu kommt, dass der Kopf eines Neugeborenen im Vergleich zum Rumpf sehr groß und schwer ist.

Durch das Schütteln können bleibende Schäden am Gehirn Ihres Babys entstehen. Es kann zu Hirnblutungen kommen. Werden Zellen im Gehirn verletzt, kann die Atmung aussetzen.

Babygeschrei kann wütend machen und zur Verzweiflung führen. Umso wichtiger ist es, darüber zu reden und sich Hilfe oder Beratung zu holen.

Sollten Sie dennoch, am Ende Ihrer Kräfte sein und merken, dass Sie die Geduld verlieren, dann:

  1. Legen Sie Ihr Baby an einem sicheren Ort auf dem Rücken ab.
  2. Verlassen Sie kurzzeitig das Zimmer. (Vermutlich wird Ihr Baby weiter schreien, aber für eine kurze Zeit schadet ihm das nicht.)
  3. Versuchen Sie sich zu sammeln.
  4. Atmen Sie ruhig ein und aus.
  5. Trinken Sie etwas.
  6. Lenken Sie sich durch andere Tätigkeiten ab.
  7. Holen Sie sich Hilfe.
  8. Gehen Sie wieder zu Ihrem Baby.
  9. Nehmen Sie Ihr Baby liebevoll und fest in den Arm und sprechen Sie mit ihm. Wenden Sie sich z. B. an: Hilfsangebote, professionelle Unterstützung.

Die Vivantes Babylotsinnen stehen Familien in schwierigen Lebenssituationen zur Seite.

Das Zentrum für Sozialpädiatrie und Neuropädiatrie (DBZ) im Klinikum Neukölln ist eine spezialisierte Einrichtung unter kinderärztlicher Leitung zur Erkennung und Behandlung von Störungen der körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung bei Babys, Kindern und Jugendlichen.

Das ambulante Sozialpädiatrische Zentrum in Friedrichshain behandelt Patient*innen mit schweren chronischen Erkrankungen in allen Altersstufen vom Säugling bis zum Jugendlichen, bei denen der Bedarf einer multidisziplinären Diagnostik und Behandlung besteht.

Notfallnummern – wenn nichts mehr geht

  1. Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
  2. Nummer gegen Kummer – Elterntelefon 0800 111 0550
  3. Überregionaler Bereitschaftsdienst 030 390 63 00 (Nachts von 24 bis 8 Uhr sowie an den Wochenenden und Feiertagen von 8 bis 16 Uhr. In dringenden Fällen Hausbesuche, Arzt oder Ärztin in Rufbereitschaft)