
Fit für die OP: Vorbereitung mit richtiger Ernährung und Bewegung
Veröffentlicht am
Wie können Sie sich optimal auf eine Operation vorbereiten? Unsere Expert*innen erklären, warum eine eiweißreiche Ernährung und regelmäßige Bewegung entscheidend sind, um Komplikationen zu reduzieren und schneller wieder fit zu werden. Erfahren Sie, welche konkreten Maßnahmen schon Wochen vor der OP den Unterschied machen.

Im Interview: Chefärztin Prof. Dr. Diana Rubin
Chefärztin Prof. Dr. Diana Rubin leitet das Vivantes Zentrum für Ernährungsmedizin und Diabetologie. Sie ist Fachärztin für Innere Medizin, Schwerpunkt Gastroenterologie, Zusatzbezeichnung Diabetologie, und Ernährungsmedizinerin (DGEM). Sie erklärt, wie man sich vor einer OP ernähren sollte, um den Körper darauf einzustellen.
Frau Professorin Rubin, warum haben eine bedarfsdeckende Energie- und eine hohe Eiweißzufuhr einen positiven Einfluss auf die Heilung nach einer OP?
Weil unser Körper zur Regeneration und zur Wundheilung ausreichend Nährstoffe und vor allem Eiweiß benötigt und einem Muskelabbau vorgebeugt werden soll. Eine Mangelernährung, die mit der Erkrankung einhergeht, ist mit einem erhöhten Risiko nach Operationen verbunden. Zusätzlich gilt: Der Körper verfügt über keinen Eiweißspeicher, weshalb eine regelmäßige Zufuhr über den Tag verteilt besonders wichtig ist. Idealerweise sollten Patient*innen mehrere kleine eiweißreiche Mahlzeiten zu sich nehmen, um die Versorgung konstant sicherzustellen.
Es heißt, man solle Reserven mit Kalorien und eiweißhaltigen Lebensmitteln aufbauen. Was genau ist damit gemeint?
Das bedeutet, dass Menschen, die im Vorfeld ungewollt Gewicht verloren haben, versuchen sollten, dieses vor einer OP wieder aufzuholen – idealerweise mithilfe einer Ernährungsfachkraft. Personen, die ihr Gewicht gehalten haben, sollten Kohlenhydrate gegen Eiweiß tauschen. Dafür bieten wir praktische Ernährungs- und Rezepttipps in unserer Patient*innen-Broschüre zum Herunterladen. Wichtig ist außerdem, gezielt hochwertige Eiweißquellen zu wählen – etwa Geflügel, Fisch, Eier, Milchprodukte oder pflanzliche Alternativen wie Hülsenfrüchte und Tofu. Besonders effektiv ist die Kombination aus pflanzlichen und tierischen Eiweißen, da sie die biologische Wertigkeit steigert. Auch Eiweißkonzentrate können ergänzend eingesetzt werden, um den Bedarf von etwa 1,2 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag zu decken – bei intensiver Bewegung auch mehr.

Muskelaufbau vor der OP: Warum Ernährung und Bewegung zusammengehören
Aus welchen guten Gründen sollte man sportliche Aktivitäten und Ernährungsmaßnahmen kombinieren?
Durch die Kombination von eiweißreicher Ernährung und Bewegung kann ein für die Mobilität wünschenswerter Muskelaufbau erzielt werden. Eine gute Vorbereitung auf die OP bedeutet auch eine schnelle Rehabilitation. Zusätzlich verbessert körperliche Aktivität den Stoffwechsel, stärkt das Immunsystem und unterstützt die Aufnahme von Eiweiß in die Muskulatur – insbesondere, wenn die Eiweißzufuhr zeitnah nach der Bewegung erfolgt.

Im Interview: Physiotherapie-Experte Rolf Skibba
Rolf Skibba ist Fachkoordinator für Therapeutische Dienste im Vivantes Klinikum Spandau, er ist spezialisiert auf orthopädische Vor- und Nachbehandlungen bei chirurgischen Eingriffen.
Fit vor der Operation: So verbessert körperliche Aktivität die Heilung
Herr Skibba, warum kann ich mich nach einer OP schneller erholen, wenn ich vorher fit war – also körperlich leistungsfähig?
Laut Prognosen senkt das die Zahl der Komplikationen nach einer OP, vor allem für Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Risikoprofil. Auch die Rehabilitationszeit verkürzt sich durch ein optimaleres Zusammenspiel sowie die bessere Funktion der Muskulatur, des Stoffwechsels und durch die Stärkung des Immunsystems. Eine gute körperliche Ausgangssituation wirkt sich somit direkt auf den Heilungsverlauf aus und kann die Genesungsdauer deutlich verkürzen.
Welche Bewegung vor einer OP sinnvoll ist: Tipps für Training und Alltag
Dann sollte ich mich also nicht schonen. Welche Übungen sind vor einer OP denn angemessen?
Richtig. Jedoch hat jede OP eigene Ursachen und damit verbundene vorgeschriebene Verhaltensweisen. Hier ist unbedingt die Absprache mit den zuständigen Expert*innen und eventuell eine vorherige Untersuchung ratsam. So kann unser Team etwa einen individuellen Trainingsplan erstellen, in dem die Belastung gesteigert wird. Grundsätzlich gilt: Bewegung sollte regelmäßig und schmerzfrei erfolgen. Bereits tägliche Spaziergänge von etwa 30 Minuten sind ein guter Einstieg. Ergänzend empfiehlt sich leichtes Training – idealerweise täglich oder mindestens jeden dritten Tag. Wichtig ist, auf den eigenen Körper zu hören: Ein sanftes Dehngefühl ist in Ordnung, Schmerzen sollten jedoch vermieden werden.
Wie lange sollte ich mich auf den geplanten Eingriff vorbereiten?
Perfekt wäre eine Lebensweise, die kein besonderes Augenmerk benötigt. Idealerweise sollte man sonst acht bis mindestens vier Wochen einplanen, um die angestrebten positiven Effekte im Organismus zu erreichen. Das gilt auch für die Anpassung unseres Körpers über die Ernährung. Als praktische Orientierung hat sich eine Vorbereitungszeit von etwa vier bis sechs Wochen bewährt, um sowohl die körperliche Fitness als auch den Ernährungszustand gezielt zu verbessern.
OP-Vorbereitung kurz davor: Ernährung und Verhalten richtig planen

Gut vorbereitet: Ernährung und Verhalten rund um den OP-Termin
Auch unmittelbar vor der Operation spielt die richtige Vorbereitung eine wichtige Rolle: Am Tag vor dem Eingriff sollten Sie ausreichend trinken (mindestens 1 Liter zusätzlich zur normalen Flüssigkeitszufuhr) und keinen Alkohol konsumieren, da dieser Wechselwirkungen mit Medikamenten verursachen kann.
In der Nacht vor der Operation kann eine kohlenhydratreiche Flüssigkeit – zum Beispiel Tee mit Zucker oder Apfelsaft – helfen, die Energiespeicher des Körpers zu füllen.
Am OP-Tag selbst gilt:
- Essen ist meist bis etwa 6 Stunden vor dem Eingriff erlaubt – aber bitte in der Klink nachfragen.
- Bis 2 Stunden vor der Operation kann eine kohlenhydrathaltige Flüssigkeit aufgenommen werden (z. B. spezielle Getränke oder gesüßter Tee), auch hierzu in der Klinik nachfragen.
Diese Maßnahmen unterstützen den Stoffwechsel und sorgen dafür, dass der Körper bestmöglich versorgt in die Operation geht.
Infobroschüre mit Übungen und Rezepten zum Download
Die Broschüre “Fit für die OP” für Patientinnen und Patienten kann hier heruntergeladen werden.