Kinderwunsch – nicht immer klappt es auf Anhieb

Veröffentlicht am

Schwanger werden – bei vielen Paaren klappt’s auf Anhieb, andere brauchen länger, und bei einigen will sich der ersehnte Nachwuchs einfach nicht einstellen. Warum und was kann man tun? Chefärztin Dr. Mandy Mangler spricht darüber im Interview.

Interview mit Prof. Dr. Mandy Mangler

Frau Prof. Mangler, wie unterstützen Sie Personen, die sich schon lange ein Kind wünschen?

Zunächst führen wir ausführliche Gespräche, sie folgen einem Stufenkonzept. Als Erstes besprechen wir die aktuelle Situation. Wie lange besteht der Kinderwunsch bereits und spüren ihn die beteiligten Personen gleichermaßen? Spricht eventuell etwas gegen die Situation? Waren die Personen schon mal schwanger? Wie wird die Sexualität gelebt? Wie ist die Ernährung ausgerichtet? Werden regelmäßig Medikamente eingenommen oder Substanzen? Bestehen Vorerkrankungen? Abhängig von den Ergebnissen dieses Austausches unterstützen wir die Betroffenen. Etwa im Rahmen einer Ernährungs- oder Beratung über eine gesunde Lebensweise. Oder auch in der Substitution, beispielsweise beim Ersatz fehlender Bestandteile im Blut. Auch Gespräche mit Psycholog*innen helfen, die Situation klarer zu sehen, sie besser einzuordnen.

Was raten Sie dann?

Bei der Begleitung der Beteiligten achten wir sehr auf deren Selbstbestimmung und Eigeninitiative. Dazu gehören auch das Zyklus- und Eisprung-Monitoring, um den optimalen Zeitpunkt für eine Befruchtung festzustellen. Zusätzlich empfehlen wir, die Sexualität zu optimieren: je öfter, desto besser, auch außerhalb des fruchtbaren Fensters. Die sexuelle Aktivität senkt die Immunschranken gegen eine Befruchtung und Schwangerschaft.

„Wir empfehlen, die Sexualität zu optimieren: je öfter, desto besser. Die sexuelle Aktivität senkt die Immunschranken gegen eine Befruchtung und Schwangerschaft.“
Zitat von: Dr. Mandy ManglerPosition: Chefärztin am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum und am Vivantes Klinikum Neukölln

Was folgt nach der Beratung?

Führen diese ersten Maßnahmen nicht zum Ziel, ist jetzt die Zeit für eine gynäkologische Untersuchung der Frau, einschließlich Ultraschall, sowie einen Check-up des Mannes. Diese Fragen sind zu klären: Findet ein Eisprung statt, und sind die Eileiter durchgängig? Wie ist der Hormonstatus von Frau und Mann? Schränken beispielsweise eine Gelbkörperschwäche, eine Endometriose oder ein aus dem Takt geratener Hormonhaushalt, stress- oder krankheitsbedingt, die weibliche Fruchtbarkeit ein? Liegt oder lag eine Infektion vor? Welche Ergebnisse liefert ein Spermiogramm über Samenqualität und Zeugungsfähigkeit des Mannes? Nachdem die Ergebnisse der Untersuchungen vorliegen, können weitere Behandlungen eingeleitet werden.

Wenn es dann doch klappt...

Können Sie über Erfolge berichten?

Ja, wir freuen uns über Paare, bei denen sich nach Beratung und Optimierung ihrer Situation eine Schwangerschaft einstellt. In einem aktuellen Fall waren beim Partner die Spermien nicht so beweglich, bei seiner Partnerin die Hormonwerte nicht optimal. Eisprung-tests und regelmäßiger Sex führten dann zum gewünschten Erfolg. Ein anderes Beispiel: Ein Paar, beide knapp über 40 Jahre, entschieden sich nach vielen Versuchen für eine Samenspende. Es hat dann schließlich geklappt.

Welchen Rat geben Sie denen, die kinderlos bleiben?

Einen allgemeingültigen gibt es nicht. Jede und jeder bewältigt diesen Prozess individuell. Die Gefühle brauchen ausreichend Raum und Zeit. Danach kann es helfen, die Perspektive zu wechseln, neue Bilder von sich selbst oder als Paar zu entwickeln, sich einer neuen Aufgabe zu stellen. Etwa einer beruflichen Spezialisierung, einem Ehrenamt oder einem Engagement für Menschen, die Hilfe benötigen. Im übertragenen Sinne kann auch hier ein „Baby“ wachsen! Bei dieser individuell verschiedenen Neuordnung und -ausrichtung der Lebensplanung ist eine professionelle Beratung oder Therapie sicher eine wertvolle Unterstützung.

Kinderwunsch-Behandlungen im Überblick

Einige Tausend Euro kostet eine Kinderwunschbehandlung, die eine auf konventionellem Wege nicht erreichte Schwangerschaft herbeiführen soll. Krankenkassen übernehmen die Kosten nur anteilig in jeweils unterschiedlicher Höhe und nur für drei Versuche. Weitere Bemühungen sind aus eigener Tasche zu zahlen.

Die Erfolgsquote ist von vielen individuellen Faktoren abhängig. Die Kinderwunschzentren melden bei den Methoden ICSI und IVF Erfolgsquoten von 20 bis zu 30 Prozent.

  • Hormontherapie: Eine Dysbalance des Hormonhaushalts lässt sich mit natürlichen oder synthetischen Hormonen behandeln.
  • Intrauterine Insemination (IUI): Um Mobilität und Qualität des Spermas zu unterstützen, wird es entsprechend aufbereitet direkt in die Gebärmutter eingebracht.
  • Samenspende: Bei Erbkrankheiten oder immobilen oder befruchtungsunfähigen Spermien kann auf eine Samenspende, etwa von einer Samenbank, zurückgegriffen werden. Ebenso dann, wenn einem Menschen mit Uterus kein Samen zur Verfü-gung steht.In-vitro-Fertilisation (IVF): Nach einer Hormonbehandlung werden der Frau Eizellen entnommen und anschließend in der Petrischale mit den Spermien zusammengebracht – zum Zweck einer natürlichen Befruchtung. Die so entstandenen Embryonen werden nach einigen Tagen in die Gebärmutter eingesetzt.
  • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Ähnlich wie bei der IVF entnimmt man auch hier nach einer Hormonbehandlung Eizellen und bringt sie mit Spermien zusammen. Der Unterschied: Das Spermium wird direkt in die Eizelle ein gebracht. Diese Methode empfiehlt sich, wenn Samenzellen in Qualität und Beweglichkeit eingeschränkt oder kompromittiert sind.
  • Embryonenspende: Die bei einer IVF oder ICSI überzähligen befruchteten Eizellen können gespendet werden. Wichtig dabei: die Vorgaben des deutschen Embryonenschutzgesetzes.
  • Eizellspende und Leihmutterschaft im Ausland: Einige europäische und außereuropäische Länder bieten erfreulicherweise im Rahmen der assistierten Reproduktion mehr Möglichkeiten an, als es das deutsche Embryonenschutzgesetz zulässt. Etwa wird die Eizellspende künstlich mit dem Sperma des Partners befruchtet. Vereinzelte Länder gestatten auch eine Leihmutterschaft: Menschen, die mit der eigenen Gebärmutter ihr Kind auf natürlichem Wege nicht austragen können oder etwa weder Gebärmutter noch Eizellen oder Spermien zur Verfügung haben, werden mithilfe einer Leihmutter Eltern ihres biologischen oder eines anders gezeugten Kindes. Allerdings bestimmt hier die Rechtslage die Frau, die das Kind ausgetragen hat, zur rechtlichen Mutter.

Kontakt

030 130 20 2402

Klinik für Gynäkologie am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum

 

Fotos: unsplash_kelly sikkema; Vivantes_Carolin Ubl

Teilen Sie den Beitrag

Sie möchten diesen Artikel mit Kolleg*innen, Patient*innen oder in Ihrem Netzwerk teilen?