Thrombose erkennen: Welche Symptome warnen

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Ein Chefarzt erklärt, warum schnelle Behandlung lebenswichtig ist

Eine Thrombose kann lebensgefährlich werden – und das nicht nur für ältere Menschen. Auch junge Erwachsene, Schwangere oder Menschen nach langen Reisen können betroffen sein. Besonders gefährlich wird es, wenn sich das Blutgerinnsel löst und eine Lungenembolie auslöst.

Interview mit Chefarzt Prof. Dr. Robert Klamroth

Prof. Dr. Robert Klamroth, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Angiologie und Hämostaseologie am Vivantes Klinikum im Friedrichshain, erklärt im Interview, wie man eine Thrombose erkennt, welche Risikofaktoren wichtig sind und warum schnelle Behandlung entscheidend ist.

Thrombose erkennen: Welche Symptome im Bein typisch sind

Prof. Dr. Klamroth, wie erkenne ich eine Thrombose im Bein – welche Symptome sind typisch und wann sollte ich zum Arzt?

Die meisten Thrombosen entstehen im Bein, häufig in der Wade. Typisch ist eine einseitige Schwellung. Oft kommen Schmerzen dazu, die viele Patientinnen und Patienten zunächst wie Muskelkater beschreiben, der aber nicht mehr weggeht. Teilweise sieht man auch eine Rötung oder fühlt eine Überwärmung des Beins.
Wenn solche Beschwerden länger als ein bis zwei Tage anhalten, sollte man das ärztlich abklären lassen – besonders dann, wenn vorher eine Risikosituation bestand, etwa eine längere Flug- oder Zugreise oder eine Phase mit wenig Bewegung. Bei Flugreisen oder langen Zugfahrten steigt das Risiko vor allem ab etwa vier Stunden Sitzen deutlich an.
Wichtig ist zu wissen: Eine Thrombose sollte nicht auf die lange Bank geschoben werden. Denn das Blutgerinnsel kann sich lösen und in die Lunge wandern. Dort kann es eine lebensbedrohliche Lungenembolie auslösen.

Lungenembolie erkennen: Wann sofort der Notruf nötig ist

Welche Anzeichen einer Lungenembolie sollte ich kennen – und wann muss ich sofort den Notruf wählen?

Typische Warnzeichen sind plötzlich auftretende Luftnot, Herzrasen oder Kreislaufprobleme. Viele Betroffene berichten, dass sie plötzlich alltägliche Belastungen nicht mehr schaffen – etwa Treppensteigen oder kurzes Rennen zum Bus. Wenn man schon nach wenigen Stufen stehen bleiben muss, weil die Luft fehlt, sollte das unbedingt ernst genommen werden. Auch Ohnmacht oder Bluthusten können Warnzeichen sein. Dann sollte man sofort medizinische Hilfe holen oder den Notruf wählen.

 

Wer ein erhöhtes Thrombose-Risiko hat

Wer hat ein erhöhtes Thrombose-Risiko – steigt es auch bei jungen Menschen, durch die Pille oder nach COVID-19?

Das Risiko für eine Thrombose steigt grundsätzlich mit dem Alter. Es gibt aber auch viele jüngere Menschen mit erhöhtem Risiko. Besonders wichtig sind hormonelle Faktoren: Östrogenhaltige Antibabypillen oder Schwangerschaft erhöhen das Thromboserisiko deutlich. Auch Operationen, Krankenhausaufenthalte oder schwere Erkrankungen mit längerer Bettlägerigkeit gehören zu den klassischen Risikofaktoren. Man geht davon aus, dass das Risiko vor allem dann steigt, wenn jemand mindestens drei Tage weitgehend immobil ist.
Weitere wichtige Faktoren sind Übergewicht und familiäre Vorbelastungen. Wenn bereits Angehörige eine Thrombose hatten, kann auch eine erbliche Gerinnungsstörung dahinterstecken. Die häufigste ist die sogenannte Faktor-V-Leiden-Mutation. Sie erhöht das Risiko für eine erste Thrombose etwa um das Fünf- bis Siebenfache.
Das größte Risiko haben allerdings Menschen, die bereits einmal eine Thrombose hatten. Ihr Risiko für eine erneute Thrombose ist deutlich erhöht. Außerdem wissen wir heute, dass auch Krebserkrankungen das Risiko stark steigern können. Wenn Patientinnen oder Patienten mit einer Krebserkrankung plötzlich Beinschmerzen oder Schwellungen entwickeln, sollte deshalb schnell ärztlich abgeklärt werden, ob eine Thrombose vorliegt.

Diagnose von Thrombose: Ultraschall ist heute Goldstandard

Wie wird eine Thrombose diagnostiziert – welche Untersuchungen sind heute Standard?

Der Goldstandard ist heute die Ultraschalluntersuchung der Venen. Dabei nutzen wir meist eine sogenannte Duplex-Sonographie. Mit dieser Untersuchung können wir sehen, ob das Gefäß normal durchblutet oder verschlossen ist.
Eine einfache Form davon ist die Kompressionssonographie: Dabei drückt man mit dem Ultraschallkopf auf die Vene. Lässt sie sich zusammendrücken, liegt in der Regel keine Thrombose vor. Ist das nicht möglich, spricht das eher für ein Blutgerinnsel in der Vene.
Viele kennen außerdem den Blutwert D-Dimere. Dieser kann helfen, eine Thrombose auszuschließen. Sind die D-Dimere normal, ist eine Thrombose eher unwahrscheinlich. Erhöhte Werte allein beweisen allerdings noch keine Thrombose – dann braucht es auf jeden Fall zusätzlich den Ultraschall.

Thrombose-Behandlung: Blutverdünner und Bewegung – keine Bettruhe

Wie wird eine Thrombose behandelt – welche Medikamente helfen und wie lange dauert die Therapie?

Die Behandlung stützt sich heute auf zwei wichtige Säulen: die Gerinnungshemmung und die Kompressionstherapie. Die meisten Patientinnen und Patienten erhalten heute moderne gerinnungshemmende Medikamente in Tablettenform, sogenannte orale Antikoagulanzien. Häufig eingesetzt werden Wirkstoffe wie Rivaroxaban oder Apixaban. Sie verhindern, dass das Blutgerinnsel weiterwächst oder neue Gerinnsel entstehen. Früher mussten viele Betroffene strenge Bettruhe einhalten. Heute wissen wir: Bewegung ist wichtig. Patientinnen und Patienten sollen möglichst mobil bleiben und laufen. Das unterstützt sogar den Abbau der Thrombose. 
Zusätzlich hilft eine Kompressionstherapie bei geschwollenen Beinen. Sie lindert Schmerzen und senkt das Risiko für Spätfolgen wie das postthrombotische Syndrom. Die Dauer der Behandlung hängt vom individuellen Risiko ab. In vielen Fällen erfolgt die Gerinnungshemmung für mindestens drei Monate oder länger.

Kompressionsstrümpfe bei Thrombose 

Sind Kompressionsstrümpfe bei Thrombose noch sinnvoll – und was hilft im Alltag wirklich?

Ja, wenn nach einer Thrombose eine Schwellung besteht, sind Kompressionsstrümpfe weiterhin sinnvoll. Sie helfen dabei, die Schwellung zu reduzieren und beugen einem sogenannten postthrombotischen Syndrom vor. In der Regel empfehlen wir die Kompressionstherapie für mindestens drei Monate nach einer Thrombose. Danach muss man die Strümpfe aber nicht automatisch dauerhaft tragen. Wenn keine Schwellung mehr besteht, kann häufig darauf verzichtet werden. Auch auf langen Reisen oder bei langem Sitzen können Kompressionsstrümpfe sinnvoll sein. In der klassischen Thrombose-Vorbeugung setzen wir heute allerdings zunehmend auf Medikamente, weil diese oft wirksamer sind.

Thrombose vorbeugen: Bewegung bleibt der wichtigste Schutz

Wie kann ich einer Thrombose vorbeugen – was hilft wirklich im Alltag und auf Reisen?

Das Wichtigste ist Bewegung. Die Beinmuskulatur unterstützt den Rücktransport des Blutes zum Herzen. Deshalb ist regelmäßige Bewegung die beste Vorbeugung gegen Thrombosen. Besonders sinnvoll sind Spazierengehen, Laufen oder generell Aktivitäten, bei denen die Beinmuskulatur arbeitet. Außerdem sollte man ausreichend trinken, damit der Körper nicht austrocknet. Wer bereits eine Thrombose hatte oder ein erhöhtes Risiko hat, sollte vor langen Reisen mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob vorbeugende Medikamente sinnvoll sind.

Spätfolgen: Was ist ein postthrombotisches Syndrom?

Welche Spätfolgen kann eine Thrombose haben? Und wie lässt sich ein postthrombotisches Syndrom verhindern?

Wenn eine Thrombose nicht ausreichend behandelt wird, kann ein postthrombotisches Syndrom entstehen. Dabei bleibt das Bein dauerhaft geschwollen. Außerdem kann es zu Hautveränderungen und Durchblutungsstörungen kommen, besonders im Bereich des Innenknöchels. Im schlimmsten Fall entstehen chronische Wunden, die schlecht heilen. Das wird umgangssprachlich oft als ‚offenes Bein‘ bezeichnet. Vorbeugen kann man durch eine konsequente Behandlung der Thrombose – also mit Gerinnungshemmung, Bewegung und anfangs auch Kompressionstherapie.

Was sich bei Thrombose heute verändert hat

Was hat sich in der modernen Thrombose-Therapie verändert – gibt es neue Leitlinien oder Medikamente?

Die wichtigste Veränderung der vergangenen Jahre war die Einführung moderner oraler Gerinnungshemmer. Dadurch ist die Behandlung für viele Patientinnen und Patienten einfacher geworden. Die aktuellen Leitlinien wurden 2025 aktualisiert. Besonders betont wird darin die Ultraschalluntersuchung als wichtigste Methode zur Diagnostik. Bei der Therapie selbst haben sich die grundlegenden Empfehlungen zuletzt dagegen kaum verändert.

 

Fotos: Titel - lucrezia carnelos auf unsplash, im Text - pexels
 

Die Klinik für Angiologie und Hämostaseologie am Vivantes Klinikum im Friedrichshain befasst sich mit den Blutgefäßen und deren Erkrankungen. Dazu gehört die Diagnose und Therapie von Erkrankungen der Arterien und Venen. 

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PD Dr. med. Robert Klamroth: „Ich beschäftige mich mit der Diagnostik und Therapie arterieller und venöser Gefäßerkrankungen sowie aller Blutgerinnungsstörungen, die sowohl zu einer Blutungsneigung oder einer Thromboseneigung führen.“

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