
Strahlentherapie bei Krebs
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Interview mit Dr. Christoph Dumke, Facharzt für Strahlentherapie im Vivantes MVZ Spandau, über Wirkung, Chancen und Vorurteile.
Interview mit Dr. Christoph Dumke, Facharzt für Strahlentherapie im Vivantes MVZ Spandau
Herr Dr. Dumke, wie wirkt die Strahlentherapie bei Krebs?
Wir benutzen Röntgenstrahlen. Diese Röntgenstrahlen verursachen DNA-Schäden. Gesundes Gewebe kann die in der Regel reparieren, Tumorzellen dagegen nicht oder schlechter. Auf diese Weise gehen dann Krebszellen im Laufe der Strahlentherapie zu Grunde.
Wie läuft eine Strahlentherapie ab?
Zunächst gibt es das Aufklärungsgespräch. Darin geht es um Abläufe, Risiken und Nebenwirkungen der Therapie und Fragen der Patient*innen. Danach folgt in der Regel das Planungs-CT. Das ist wie eine Art Schablone, auf die wir den Bestrahlungsplan berechnen. Dieses Planungs-CT wird mit anderen bereits vorliegenden Bilddaten wie PET-CT und MRTs fusioniert. Das ist notwendig, um Bereiche definieren zu können, die bestrahlt werden sollen und Bereiche, wie beispielsweise die Risikoorgane, die geschont werden sollen. Auf Grundlage dieser so genannten Konturierungen berechnen unsere Physiker*innen den Bestrahlungsplan.
„Mit dem Einsatz von KI haben wir Zeitgewinn und Standardisierung, von der Patient*innen sehr profitieren.“

Wie lange dauert eine Strahlentherapie?
Das ist ganz individuell von der Erkrankung und dem Gesundheitszustand insgesamt des Patienten oder der Patientin abhängig. Ein paar Beispiele: Die Standard-Brustkrebs-Nachbestrahlung dauert im Schnitt drei Wochen. Tumore im Hals-Nasen-Ohren-Bereich müssen in der Regel sechs Wochen bestrahlt werden. Die Sitzungen finden an fünf Tagen in der Woche statt, damit die Tumorzellen zwischendurch keine Zeit haben, sich zu erholen.
Kommt in der modernen Strahlentherapie Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz?
Ja. Die KI übernimmt komplett alleine die Konturierung der Risikoorgane. Das sind die gesunden Organe in Tumornähe, die geschont werden sollen. Diese Markierungen werden noch einmal von Fachärzt*innen überprüft und freigegeben. Die Tumorareale selbst sind dagegen in der Regel noch Handarbeit von uns Ärzt*innen. Hier kommen viele individuelle Faktoren zusammen, die für die KI noch schwierig zu erkennen und berechnen sind. Zum Beispiel: In welche Richtung ist der Tumor gewachsen? Wo vermutet man mikroskopische Infiltrationszonen, also Bereiche, in denen vereinzelte Krebszellen gewachsen sind? Wie ist der Patient zuvor operiert worden?
Profitieren Patient*innen unmittelbar von dem Einsatz der KI?
Wir haben Zeitgewinn und Standardisierung, von der Patient*innen sehr profitieren. Mit der KI basierten Auto-Konturierung der Risikoorgane sparen wir pro Patient*in bis zu 45 Minuten im Gegensatz zu der händischen Markierung, natürlich in Abhängigkeit von der Komplexität der umliegenden Anatomie. Das macht Zeit und Kraft frei, um mehr direkt mit den Patient*innen zu arbeiten – sich mehr Zeit für ein Gespräch zu nehmen und auch mehr Therapietermine anbieten zu können. Außerdem schafft man durch die KI basierte Auto-Konturierung eine hohe Standardisierung. Letztlich soll es so sein, dass ein Patient in Hamburg die gleiche Therapie bekommt wie in Berlin oder München.
Die KI-basierte Konturierung hilft auch wahnsinnig, wenn man unter der Therapie feststellt, dass sich die Anatomie des Tumors verändert hat. Wächst oder schrumpft der Tumor stark unter der Therapie, erlaubt uns die KI-basierte Konturierung relativ schnell noch einmal einen neuen Plan zu berechnen und die Therapie anzupassen.

Ist die Strahlentherapie eine schonende Therapieoption?
Ja. Natürlich hängt das auch davon ab, wo man bestrahlt. Es gibt Indikationen, bei denen die Patient*innen fast keine Nebenwirkungen haben und das onkologische Ergebnis so gut ist wie nach einer Operation oder zumindest ähnlich. Das wird in der Öffentlichkeit leider oft nicht gesehen, weil die Strahlentherapie häufig angstbehaftet ist.
Was sind die konkreten Vorbehalte?
Häufig fragen Patient*innen nach Hautverbrennungen. Das ist vielleicht ein bisschen aus der Historie begründet. Früher, bei den alten Bestrahlungstechniken, hat die Haut doch sehr gelitten. Da kam es tatsächlich häufig zu Verbrennungen. Das haben wir heute aber in den seltensten Fällen. Dann gibt es oft noch die generelle Angst vor ionisierender Strahlung. Strahlung ist in der Vorstellung vieler Menschen etwas Tödliches. Da gebe ich gern zu bedenken: Ein Messer in den falschen Händen ist auch etwas Tödliches. In der Hand eines Chirurgen oder einer Chirurgin rettet es aber Leben. So ähnlich ist es mit der Strahlentherapie. In der richtigen Hand bedeutet Strahlung oft auch Heilung.
Was können bei der modernen Strahlentherapie für Nebenwirkungen auftreten?
Während der Bestrahlung spürt man nichts. Das ist wie beim Röntgen. Mit einer zunehmenden Anzahl an Bestrahlungen kann es zum Beispiel bei der Brustbestrahlung zu Hautrötungen kommen und ein leichtes Schwächegefühl aufkommen. Die Nebenwirkungen sind individuell sehr unterschiedlich und von der bestrahlten Region abhängig. Eine häufige Rückmeldung der Patient*innen ist aber, dass die Bestrahlung am Ende weniger belastend war als andere Therapieformen wie eine Operation oder Chemotherapie.
Wo sehen Sie die nächsten Entwicklungsschritte in der Strahlentherapie?
Ich denke, dass in den nächsten Jahren die KI basierte Autokonturierung so weit sein wird, auch die Tumorareale treffsicher konturieren zu können.
In unserem MVZ soll Ende des Jahres als neue Therapietechnik die stereotaktische Strahlentherapie, auch Radio-Chirurgie genannt, etabliert werden. Das ist eine hoch präzise Bestrahlung, bei der ein kleines Volumen mit einer extrem hohen Dosis bestrahlt wird – beispielsweise bei Lungentumoren oder bei kleinen Hirnmetastasen.
Vivantes MVZ Spandau
Praxis für Strahlentherapie
Neue Bergstraße 6
13585 Berlin-Spandau
Anmeldung
030 130 13 1730
strahlentherapie.spandau@vivantes.de
Der Bestrahlungsbetrieb ist Montag bis Freitag 7:30 bis 17:00 Uhr.
Allgemeiner Kontakt
Telefon:030 130 13 1730
19. Berliner Krebskongress 2027 „Interdisziplinäre Onkologie 2027 – Innovation, Integration, Individualisierung"
Patient*innentag
Datum: 18.02.2027
Beginn: 08:00 Uhr
Ende: 18:00 Uhr
Veranstaltungszentrum der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
Jägerstraße 22/23
10117 Berlin