Delir-Pflege: Gegen das Chaos im Kopf

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Was Betroffene und Angehörige dagegen tun können

Interview mit Tina Kling

Frau Kling, was genau ist ein Delir?

Nach einer OP oder einem Aufenthalt auf der Intensivstation kann ein Verwirrtheitszustand auftreten, beispielsweise in Form von Bewusstseins-, Aufmerksamkeits- und Orientierungsstörungen, Reizbarkeit, Angst oder Unruhe. Vereinzelt kommen auch Halluzinationen dazu. Davon Betroffene sind häufig älter als 65 Jahre, aber auch Jüngere kann es treffen.

Wie können Patienten selbst einem Delir vorbeugen?

Wichtige Schlüssel sind Orientierung, ein ausgeglichener Tag-Nacht-Rhythmus und Beschäftigung. Patienten und Patientinnen langweilen sich oft im Krankenhaus, liegen viel und warten auf das Essen oder die Visite. Häufig ist hier bereits die erste Ursache für einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus ausgemacht: Liege ich den ganzen Tag im Bett, nicke ich in der Regel ein und kann nachts dann nicht gut schlafen. Dabei gibt es so viele Möglichkeiten der Beschäftigung – auch im Krankenbett.
 

„Angehörige haben eine wichtige co-therapeutische Rolle und sind für den Gesundungsprozess sehr wichtig.“
Zitat von: Tina KlingPosition: Stationspflegeleitung Psychiatrie am Vivantes Wenckebach-Klinikum

Wie können Angehörige und Freunde unterstützen?

Vertraute Menschen vermitteln Sicherheit und Konstanz. Angehörige haben eine wichtige co-therapeutische Rolle und sind für den Gesundungsprozess sehr wichtig. Ihre Besuche sorgen auch für Abwechslung und Ablenkung.

Wenn trotzdem ein Delir auftritt: Was ist dann wichtig?

Nicht immer nehmen Betroffene ihren Zustand selbst wahr, umso wichtiger sind Hinweise von Angehörigen und Freunden. Die reagieren oft verstört und können sich schwer darauf einstellen, ziehen sich manchmal sogar zurück. Dabei sind sie in dieser Phase so wichtig. Familie und Freunde könnten sich auch von dem oft speziell geschulten Pflegepersonal in der Klinik beraten lassen, wie sie mit der Delir-Situation am besten umgehen.

Ganz konkret: Was können Angehörige tun?

Angehörige wissen häufig um private Vorlieben, können also zum Beispiel private Dinge mitbringen oder Informationen liefern. Eine Anwesenheit in herausfordernden Tageszeiten kann zum Beispiel sehr hilfreich sein. Grundsätzlich gilt: Alles hilft, was unterstützt und nicht überfordert oder zusätzlichen Druck aufbaut. Am besten ist der Austausch mit dem Behandlungsteam, wo und wann sinnvoll unterstützt werden kann.
 

Tipps für die Klinik-Tasche

 

• Lesebrille, Hörgerät, Zahnprothesen
• Private Fotos
• Lieblingsgetränk und Lieblingsspeise
• Persönliche Hygieneartikel
• Kreuzworträtsel, Buch, Musik oder Strickzeug
• Kalender und Wecker
• Schreibutensilien
• Schlafmaske
• Informationen zu: Schlafgewohnheiten, Medikamenten, Abneigungen, Unverträglichkeiten
• Telefonnummern von wichtigen Ansprechpartner*innen

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