Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen sind psychische Erkrankungen, bei denen bestimmte Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster dauerhaft stark von dem abweichen, was in einer Gesellschaft als „typisch“ gilt. Diese Muster sind meist schon seit der Jugend vorhanden, relativ starr und führen oft zu Problemen im Alltag, in Beziehungen oder im Beruf.

Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es?

Persönlichkeitsstörungen werden, abhängig vom Klassifikationssystem, in mehrere Kategorien (Cluster) eingeteilt. Nach dem häufig gelehrten System DSM-5 der American Psychiatrie Association werden Persönlichkeitsstörungen wie folgt eingeteilt:

Cluster A (sonderbar / exzentrisch)

  • Paranoide Persönlichkeitsstörung
  • Schizoide Persönlichkeitsstörung
  • Schizotype Persönlichkeitsstörung

Cluster B (dramatisch / impulsiv / emotional)

  • Antisoziale Persönlichkeitsstörung
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung
  • Histrionische Persönlichkeitsstörung
  • Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Cluster C (ängstlich / vermeidend)

  • Vermeidende Persönlichkeitsstörung
  • Dependente Persönlichkeitsstörung
  • Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

In der Realität gibt es jedoch häufig Überschneidungen, Menschen lassen sich nicht in “Schubladen” stecken.

Persönlichkeitsstörungen im Überblick

Im Allgemeinen versuchen wir, uns an unsere Umwelt mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten anzupassen. Ziel dabei ist es, unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Manchmal gelingt dies gut, manchmal weniger gut. Entweder nutzen wir dann unsere erfolgreichen Strategien weiter oder wir lernen neue Strategien anzuwenden. Gelingt es nicht ausreichend, die bisher gelernten alten, aber nicht mehr erfolgreichen Verhaltensweisen und Denkmuster dafür zu modifizieren, können starre, lang anhaltende Zustandsbilder im Befinden und tiefgreifende Verhaltensmuster entstehen, die das Verhältnis zur eigenen Person und zu anderen Menschen prägen. Diese werden meistens schon im frühen Erwachsenenalter deutlich.

Im Vergleich zur Mehrheit der Bevölkerung kommt es zu deutlichen Abweichungen im Wahrnehmen, Denken, Fühlen und in den Beziehungen zu anderen Menschen. Hieraus entwickelt sich ein Leidensdruck und/oder andere Menschen leiden darunter. Je nach Art der Persönlichkeitsstörung kann es zu depressiven oder ängstlichen Symptomen, aber auch selbst verletzenden, sonderbaren oder exzentrischen Verhaltensweisen führen. Auch können diese tiefgreifenden Denk- und Verhaltensmuster im Rahmen einer Persönlichkeitsstörung Mitauslöser oder aufrechterhaltende Faktoren von anderen psychiatrischen Krankheitsbildern sein, z.B. Depressionen, Suchterkrankungen, Suizidalität.

Persönlichkeitsstörungen werden anhand von Merkmalsgruppen, die am häufigsten oder auffälligsten bestimmten Verhaltensmustern entsprechen, unterteilt. Diese Zustandsbilder sind nicht auf eine andere psychiatrische Störung zurückzuführen (ICD-10, Vgl. Weltgesundheitsorganisation: Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V(F), Klinisch-diagnostische Leitlinien). Die Häufigkeit und Geschlechterverteilung von Persönlichkeitsstörungen in der Bevölkerung ist nur begrenzt erforscht. Die Diagnostik sollte durch erfahrene Psychotherapeuten bzw. Fachärzte im Rahmen einer genauen Testung erfolgen.

Die Therapie erfolgt in erster Linie durch psychotherapeutische Methoden. In Akutsituationen kann eine stationäre oder teilstationäre Behandlung im Sinne einer Krisentherapie angebracht sein. Es gibt keine spezifische Medikation zur Behandlung von Persönlichkeitsstörungen, obwohl symptomspezifisch zumeist ausgewählte Psychopharmaka (z.B. Antidepressiva, Antipsychotika) angewandt werden.

Eine der bekanntesten Persönlichkeitsstörungen ist die der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ. Hier hat sich z.B. die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) als sehr wirksam erwiesen. Die DBT wurde in den 1980er Jahren durch Marsha Linehan entwickelt und basiert auf der kognitiven Verhaltenstherapie. Die DBT betrachtet die Dialektik scheinbarer Gegensätze in der Welt des Patienten, um sie in der Behandlung aufzulösen und schrittweise zu integrieren. Hoher Wert wird darauf gelegt, dass die Patienten selbst-Kontrolle über sich erlernen, Verantwortung für sich übernehmen und gefährliche oder belastende Verhaltensmuster kontrollieren können. Durch Verhaltensanalysen, Erlernen von alternativen, neuen Fertigkeiten (Skills) zeigen die Betroffenen relativ rasch Veränderungen in ihren Denk-, Erlebens- und Verhaltensmustern. Ziel ist es, das emotionale Leiden zur verringern.