Informationen für Betroffene von psychischen Erkrankungen

Sie haben das Gefühl, Ihre aktuelle Lebenssituation lässt sich nicht bewältigen? Erfahren Sie, wie Sie eine psychische Krise erkennen und wo Sie Unterstützung bei Vivantes erhalten. 

Akute psychische Krise oder Suizidgedanken? Suchen Sie die Notaufnahme auf.

Suchen Sie bei einer akuten psychischen Krise oder Suizidgedanken bitte unverzüglich die nächstgelegene Notaufnahme auf. Wenn möglich, informieren Sie eine vertraute Person, damit sie Sie begleiten kann.

Was ist eine psychische Krise?

Eine psychische Krise entsteht, wenn belastende Ereignisse oder Lebensumstände die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten vorübergehend übersteigen. Das innere Gleichgewicht gerät aus der Balance und die gewohnten Strategien, mit Belastungen umzugehen, reichen im Moment nicht mehr aus.

Psychische Krisen können jeden Menschen treffen. Sie sind keine Schwäche, sondern eine verständliche Reaktion auf außergewöhnliche Belastungen.

Veränderung als Auslöser einer Krise

Eine Krise kann durch einschneidende Veränderungen im Leben entstehen – etwa durch den Verlust eines nahestehenden Menschen, eine Trennung, eine schwere Erkrankung, berufliche oder finanzielle Belastungen oder langanhaltenden Stress. Auch bereits bestehende psychische Belastungen können dazu beitragen, dass eine Krise entsteht.

Menschen in einer Krise erleben häufig starke Verunsicherung, Ängste, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit. Gewohnte Werte, Ziele oder Zukunftspläne können infrage gestellt werden. Oft fällt es schwer, den Alltag zu bewältigen, wodurch weitere soziale oder finanzielle Belastungen entstehen können.

Stationäre Krisenintervention

Für Menschen in einer akuten psychischen Krise gibt es unterschiedliche Unterstützungsangebote.

Der Berliner Krisendienst ist rund um die Uhr erreichbar und bietet in allen Berliner Bezirken kostenlose Beratung an – telefonisch, persönlich, ohne Voranmeldung und auf Wunsch anonym. Neben der unmittelbaren Krisenberatung vermittelt der Krisendienst passende Hilfsangebote und unterstützt bei der weiteren Planung.

Eine stationäre Krisenintervention kann sinnvoll sein, wenn ambulante Hilfen vorübergehend nicht ausreichen.

Ziel einer stationären Behandlung ist es, Menschen dabei zu unterstützen, ihre Stabilität und Handlungsfähigkeit wiederzuerlangen. Gemeinsam mit dem Behandlungsteam werden die aktuelle Situation, persönliche Ressourcen und mögliche Lösungswege besprochen. Dabei werden individuelle Ziele entwickelt und konkrete Strategien für den Umgang mit der Krise erarbeitet. Ebenso wichtig sind emotionale Entlastung sowie die Vorbereitung auf die Rückkehr in den Alltag und die Planung weiterer Unterstützungsangebote.

Psychische Krisen gehören zu vielen Lebensbiografien. Die meisten Menschen bewältigen im Laufe ihres Lebens schwierige Phasen. Wenn die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten jedoch nicht mehr ausreichen, kann eine stationäre Krisenbehandlung helfen.

Neben einem geschützten Umfeld bietet sie psychotherapeutische Gespräche, den Austausch mit anderen Betroffenen sowie sozialarbeiterische Beratung und Unterstützung. 

Häufige Fragen zur stationären psychiatrischen Behandlung

Nein. Viele psychische Erkrankungen lassen sich gut behandeln. Akute Krisen dauern häufig nur wenige Tage oder Wochen. Im Anschluss kann die Behandlung – je nach individuellem Bedarf – ambulant, in einer Tagesklinik oder in einer psychiatrischen Institutsambulanz fortgesetzt werden.

Die meisten psychiatrischen Stationen sind offen geführt. Nur in besonderen Situationen kann eine vorübergehende Behandlung auf einer beschützenden Station notwendig sein. Dies kommt infrage, wenn aufgrund einer akuten psychischen Erkrankung eine erhebliche Eigen- oder Fremdgefährdung besteht und ein besonderer Schutz erforderlich ist.

Bei manchen Erkrankungen – beispielsweise bei einer fortgeschrittenen Demenz mit ausgeprägter Desorientierung – kann eine längere Behandlung in einem beschützenden Bereich notwendig sein, um die Sicherheit der betroffenen Person zu gewährleisten.

Eine Unterbringung gegen den Willen einer Person ist nur unter den gesetzlich festgelegten Voraussetzungen möglich. Je nach Rechtsgrundlage entscheiden darüber Ärztinnen und Ärzte des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SpD), das zuständige Gericht sowie gegebenenfalls die gesetzliche Betreuung. Grundlage jeder Entscheidung ist der Schutz der betroffenen Person oder anderer Menschen bei gleichzeitiger Wahrung der Persönlichkeitsrechte.

Nein. Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung straffällig geworden sind und eine besondere Unterbringung benötigen, werden in der Regel im Maßregelvollzug (forensische Psychiatrie) behandelt – nicht auf allgemeinpsychiatrischen Stationen.

Die häufige Darstellung in den Medien vermittelt hier oft ein unzutreffendes Bild.

Nein. Eine Fixierung ist eine äußerst seltene und nur als letztes Mittel eingesetzte Schutzmaßnahme. Sie kommt ausschließlich infrage, wenn eine akute erhebliche Eigen- oder Fremdgefährdung besteht und andere Maßnahmen – etwa Gespräche, Deeskalation oder Medikamente – nicht ausreichen.

Jede Fixierung unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben, muss sorgfältig dokumentiert und – bei längerer Dauer – richterlich genehmigt werden. Nach der Maßnahme erfolgt grundsätzlich ein Gespräch mit der betroffenen Person, um den Ablauf gemeinsam aufzuarbeiten.

Eine medikamentöse Behandlung wird angeboten und gemeinsam besprochen. Solange keine erhebliche Eigen- oder Fremdgefährdung besteht, wird die Entscheidung gegen Medikamente respektiert. Eine Behandlung gegen den Willen der betroffenen Person ist nur unter den engen gesetzlichen Voraussetzungen und in absoluten Ausnahmefällen zulässig.

Auf spezialisierten Stationen gehören Medikamente häufig zum therapeutischen Gesamtkonzept. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Kombination aus individuell abgestimmter Medikation und psychotherapeutischen sowie weiteren therapeutischen Verfahren häufig die besten Behandlungsergebnisse ermöglicht.

Alkohol: Wenn aus Genuss Belastung wird

Alkoholkonsum gehört für viele Menschen zum gesellschaftlichen Alltag. Manchmal verändert sich jedoch der Umgang mit Alkohol schleichend: Aus gelegentlichem Konsum wird Gewohnheit, aus Genuss entsteht ein zunehmendes Verlangen.

Wenn Alkohol immer mehr Raum im Alltag einnimmt oder Sie den Eindruck haben, die Kontrolle über Ihren Konsum zu verlieren, kann professionelle Unterstützung hilfreich sein.

Regelmäßiger oder riskanter Alkoholkonsum kann unter anderem zu Schlafstörungen, Zittern, vermehrtem Schwitzen, Magen-Darm-Beschwerden sowie körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen führen.

Eine Alkoholabhängigkeit ist eine behandelbare Erkrankung. Je früher Unterstützung in Anspruch genommen wird, desto besser sind die Chancen auf eine nachhaltige Stabilisierung.

Unsere Fachkliniken bieten berlinweit Beratung, qualifizierte Entzugsbehandlungen und weiterführende therapeutische Angebote an.

Nehmen Sie Kontakt zu der Vivantes FachklinikIhres Bezirks auf. Wir helfen Ihnen berlinweit durch kompetente Beratung und qualifizierte Entzugsbehandlungen und bieten eine wohnortnahe Rehabilitation in der Hartmut-Spittler-Fachklinik in Schöneberg an.

Trauma-Folgestörungen

Viele Menschen erleben im Laufe ihres Lebens belastende oder traumatische Ereignisse, beispielsweise Unfälle, Naturkatastrophen oder Gewalterfahrungen. Die meisten können diese Erlebnisse mit der Zeit verarbeiten.

Manchmal übersteigen solche Erfahrungen jedoch die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten und führen zu anhaltenden psychischen Beschwerden. Hinweise können unter anderem wiederkehrende belastende Erinnerungen, Schlafstörungen, starke innere Anspannung oder ausgeprägte Ängste sein.

In diesen Fällen können psychotherapeutische Unterstützung und eine frühzeitige Behandlung helfen. Neben stationären Krisenangeboten stehen dafür auch individuelle Behandlungen in der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) zur Verfügung.

Selbsthilfe: Unterstützung auf Augenhöhe

Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, sich mit Menschen auszutauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Viele Betroffene erleben diesen Austausch als wertvolle Ergänzung zur medizinischen oder psychotherapeutischen Behandlung.

In einer Selbsthilfegruppe können Erfahrungen geteilt, gegenseitige Unterstützung erlebt und alltagsnahe Strategien entwickelt werden. Themen, die im professionellen Behandlungskontext manchmal schwer anzusprechen sind, finden hier oft ebenfalls Raum.

Ob eine Selbsthilfegruppe als hilfreich erlebt wird, ist individuell verschieden. Manche Menschen fühlen sich durch den Austausch gestärkt, andere bevorzugen andere Formen der Unterstützung. Entscheidend ist, den Weg zu wählen, der zur eigenen Situation passt.