Hautkrebs – was von hier aus sichtbar ist

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Die Sonne kann gerade Menschen mit heller Haut gefährlich werden. Prof. Dr. Max Schlaak, Chefarzt für Dermatologie und Allergologie am Vivantes Klinikum Spandau klärt über Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten auf.

Mit welchen Hautkrebsarten haben Sie zu tun, Herr Prof. Schlaak?
 

Die mit Abstand gefährlichste Variante ist der schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom. Außerdem sehen wir viele Patientinnen und Patienten mit weißem oder hellem Hautkrebs, hier sind als Beispiele das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom zu nennen. Diese Hauttumoren kommen vor allem auf den Hautstellen vor, die der Sonne besonders stark und langjährig ausgesetzt sind, wie Stirn, Wangen, Unterlippe, das Ohr oder die Nase. 
 

Warum ist der schwarze Hautkrebs so gefährlich?

Der schwarze Hautkrebs kann Tochtergeschwüre aussenden, die zum Beispiel in die Leber, die Lunge, die Knochen, oder das Gehirn wandern können. Auch wenn Hautkrebs heutzutage insgesamt häufiger vorkommt als früher, verläuft er aber erfreulicherweise selten tödlich. Viele Menschen sind besser informiert und schützen sich, der Krebs wird früher entdeckt, auch durch Vorsorge-Screenings. Auch die Politik hat reagiert und schon vor vielen Jahren die Nutzung von Solarien für Jugendliche verboten. Es gibt seit ca. 15 Jahren auch sehr wirksame Medikamente, die die Ausbreitung von Hauttumoren im fortgeschrittenen Stadium aufhalten können – dennoch gibt es noch keine Heilungsgarantie für alle unsere Patientengruppen.

Kann man einen entstehenden Hautkrebs auch als Laie erkennen?

Man sollte unbedingt abklären lassen, wenn sich Pigmentmale innerhalb von wenigen Monaten verändern. Das können unterschiedliche Veränderungen sein: Es bilden sich neue schwarze Flecken auf vorher unauffälliger Haut, es kommt zu Blutungen in einem vorhandenen Pigmentmal oder es wächst deutlich, die Ränder verändern sich, es wird dunkler, nimmt an Volumen zu oder beginnt zu jucken. Untersuchen Sie sich regelmäßig selbst, gibt es z.B. ein Pigmentmal, welches komplett anders aussieht als die anderen am Körper – dies sollte dann genauer begutachtet werden und bei Auffälligkeiten eine ärztliche Vorstellung nach sich ziehen.

Wie gehen Sie vor, wenn ein Patient mit schwarzem Hautkrebs zu Ihnen kommt?

Patienten kommen entweder von niedergelassenen Hautfachärzt*innen, chirurgischen  oder hausärztlichen Praxen zu uns, die bereits die Gewebeproben haben untersuchen lassen, oder sie werden bei uns operiert. Das verdächtige Pigmentmal wird in diesem Fall knapp und vollständig herausgeschnitten.

Was passiert mit diesem Gewebe?

Wir schicken es in unsere Pathologie, wo ein histologischer Befund gestellt wird. Danach wissen wir, ob es sich tatsächlich um einen Hautkrebs handelt und wie tief er bereits ins Gewebe eingedrungen ist, also wie groß die Tumordicke ist. Diese Information ist mit am wichtigsten und entscheidet über die weitere Behandlung, da wir damit das Risiko für den weiteren Verlauf der Erkrankung einschätzen können.

Welchen Anhaltspunkt gibt uns das?

Ist das Melanom dünn, also unter einem Millimeter groß, ist der Tumor in der Regel noch nicht so weit fortgeschritten, und zur weiteren Ausbreitungsdiagnostik (Staging) reicht die klinische Untersuchung des Körpers und der Lymphknotenstationen aus. Das Melanom wird dann nachgeschnitten mit einem Sicherheitsabstand.
Liegt ein Melanom mit einer höheren Tumordicke vor, wird eine weitreichendere Ausbreitungsdiagnostik durchgeführt. Dazu gehören Untersuchungen wie eine Ganzkörper-CT, ein Schädel-MRT und eine sogenannte Schildwächter-Lymphknoten-Biopsie. Hier wird der dem Melanom nachgeschalteten und für die Region zuständigen Lymphknoten nuklearmedizinisch dargestellt und im Rahmen der Operation entfernt. Der Sicherheitsabstand bei der Nachexzision von dickeren Melanomen kann dann bis zu zwei Zentimeter betragen.

Wie gehen Sie mit den Ergebnissen des „Staging“ weiter vor?

Es lässt sich herausfinden, ob der Tumor bereits gestreut und Metastasen in den Lymphknoten oder anderen Organen gebildet hat. Der Patient wird dann in einer interdisziplinären Tumorkonferenz vorgestellt. Dort besprechen Spezialistinnen und Spezialisten auch aus anderen Fachgebieten, ob eine bestimmte Metastase operativ entfernt oder z.B. auch bestrahlt werden kann, oder ob andere moderne medikamentöse Therapien zum Einsatz kommen.  Mittlerweile gibt es auch die Möglichkeit von Sicherheitstherapien, sogenannten adjuvanten Therapien, die im Regelfall für ein Jahr nach der Operation durchgeführt werden und das Risiko für ein späteres Wiederauftreten der Erkrankung reduzieren können.

Wieviele Operationen führen Sie im Jahr durch?

Mit den Kliniken im Friedrichshain, Neukölln und Spandau zusammen werden jedes Jahr ca. 1500 Patientinnen und Patienten mit weißem Hautkrebs operiert. Der schwarze Hautkrebs ist seltener. Mit dieser Diagnose werden jährlich ungefähr 350-400 Betroffene behandelt. 

Bei Vivantes wurde 2019 das deutschlandweit erste Hautkrebszentrum über drei Standorte gegründet. 
Als Hauttumorzentrum werden wir regelmäßig von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert. Wir bieten das gesamte Spektrum der notwendigen Operationen und Behandlungen in unseren Kliniken an und kooperieren eng berlinweit mit anderen Abteilungen im gesamten Vivantes-Netzwerk. Darüber hinaus ist es mir wichtig, dass wir den ganzen Menschen wahrnehmen, nicht nur die Erkrankung. Von der Diagnose über die Operation und medikamentöse Therapie bis zur Nachsorge begleiten wir unsere Patientinnen und Patienten, dazu gehören auch psychoonkologische und sozialmedizinische Angebote. Auch wenn die Erkrankung fortschreiten sollte sind wir da und können wirkungsvolle Therapieangebote machen. Supportive und palliativmedizinische Betreuung gehören selbstverständlich ebenfalls dazu.

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