Tarifverhandlungen für Tochtergesellschaften wieder am Anfang

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Nach Ablehnung durch ver.di und angekündigten drastischen Kürzungen für Krankenhäuser muss neu verhandelt werden

Die Gewerkschaft ver.di hat am vergangenen Donnerstag auch das nochmals deutlich verbesserte Angebot von Vivantes für die Beschäftigten der Tochterunternehmen kategorisch abgelehnt. Das am gleichen Abend erstmals öffentlich gewordene Sparpaket der Bundesregierung wird nun zu erheblichen Erlösverlusten für die deutschen Kliniken führen. Angesichts der zu erwartenden neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen kann Vivantes sein Angebot nicht mehr aufrecht halten. Die Verhandlungen stehen damit wieder am Anfang.

Vivantes hatte bereits im Oktober 2025 die Aufnahme der Verhandlungen vorgeschlagen und im Januar 2026 ein sehr weitgehendes Angebot vorgelegt. Dieses sah für die 2.200 Beschäftigten der Tochtergesellschaften bereits in diesem Jahr Entgeltsteigerungen von durchschnittlich sieben Prozent und eine stufenweise Angleichung an 100% des TVöD-Tabellenentgelts bis 2030 vor. Im siebten Verhandlungstermin am 16. April hatte Vivantes dieses Angebot nochmals erhöht und eine steuer- und abgabenfreie Einmalzahlung in Höhe von 1.000 Euro vorgeschlagen. Ver.di hat alle diese Angebote umgehend abgelehnt. 

Der inzwischen veröffentlichte Referentenentwurf des Gesetzes zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung sieht nun erhebliche Einschnitte bei den Erlösen für die Kliniken vor und wird damit auch Vivantes hart treffen. Der Konzern rechnet aktuell alleine für 2027 mit Erlösverlusten von rund 70 Millionen Euro. Da auch die konzerninternen Dienstleistungen der Vivantes-Tochtergesellschaften aus den von den Krankenkassen gezahlten Fallpauschalen finanziert werden müssen, reduziert sich der finanzielle Spielraum für einen Tarifabschluss immens.

Dazu erklärt die Geschäftsführerin Personalmanagement von Vivantes, Dorothea Schmidt: „Wir haben ver.di über Monate einen schnellen Abschluss mit Entgeltsteigerungen angeboten, die sowohl im Klinikbereich als auch darüber hinaus und erst recht in der aktuellen wirtschaftlichen Lage ihresgleichen suchen. Ich bedaure außerordentlich, dass ver.di diese Chance nicht genutzt und stattdessen drei Monate lang ernsthafte Verhandlungen blockiert hat. Wir haben immer darauf hingewiesen, dass die Zeit drängt. Nun haben sich die Rahmenbedingungen durch die angekündigten drastischen Kürzungen für Krankenhäuser erheblich verschlechtert. Für Vivantes gilt letztlich dasselbe wie für die Krankenkassen: Wir können auf Dauer nicht mehr ausgeben als wir einnehmen. Im nächsten Termin wird daher zunächst mit ver.di zu klären sein, welche finanziellen Spielräume uns angesichts der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen nun noch bleiben und wann beziehungsweise auf welcher Grundlage wir die Verhandlungen fortsetzen." 

Vivantes behandelt aktuell mit insgesamt mehr als 20.000 Beschäftigten jährlich rund 750.000 Patient*innen, verzeichnet dabei immer noch ein hohes strukturelles Defizit von mehr als 120 Millionen Euro. Der Aufsichtsrat des größten kommunalen Klinikkonzerns hatte vor diesem Hintergrund im Sommer 2024 mit den Stimmen der Arbeitnehmer ein Neuausrichtungs- und Sanierungskonzept beschlossen. Es sieht die stufenweise Verringerung des Defizits bis 2029 vor – ohne Einschnitte beim Entgelt oder betriebsbedingte Kündigungen.

 

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