Psychosen und Schizophrenie

Eine Psychose ist ein Zustand, bei dem der Bezug zur Realität gestört ist, zum Beispiel durch Halluzinationen oder Wahn, und sie kann verschiedene Ursachen haben. Die Schizophrenie ist eine langfristige psychische Erkrankung, bei der solche psychotischen Symptome regelmäßig auftreten.

Psychotische Krisen: Veränderung und Verunsicherung

Psychotische Krisen können sehr unterschiedlich verlaufen und sich bei jedem Menschen anders zeigen. Dennoch gibt es Beschwerden, die viele Betroffene in ähnlicher Weise erleben.

Menschen in einer psychotischen Krise nehmen häufig Veränderungen ihres Denkens, Fühlens und ihrer Wahrnehmung wahr. Auch das Erleben des eigenen Körpers sowie der Kontakt zu anderen Menschen können sich verändern. Oft fällt es schwer, zwischen der äußeren Realität und der eigenen Wahrnehmung zu unterscheiden. Dadurch kann große Verunsicherung entstehen.

Manche Menschen hören Stimmen, die andere nicht wahrnehmen. Andere fühlen sich beobachtet, verfolgt oder bedroht oder erleben Botschaften, die für andere nicht nachvollziehbar sind. Für Außenstehende lässt sich eine psychotische Krise oft als ein Zustand extremer Verletzlichkeit oder "Dünnhäutigkeit" beschreiben: Innere und äußere Eindrücke können kaum noch voneinander unterschieden werden, und selbst vertraute Menschen oder alltägliche Situationen können bedrohlich wirken.

Mögliche Anzeichen einer psychotischen Krise

Erkennen Sie sich selbst oder eine nahestehende Person in einigen der folgenden Veränderungen wieder?

  • Fühlen Sie sich seit längerer Zeit verunsichert, niedergeschlagen oder ängstlich?
  • Haben Sie Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren oder Aufgaben zu bewältigen?
  • Fällt es Ihnen schwer, Entscheidungen zu treffen oder fehlt Ihnen der Antrieb?
  • Haben Sie das Gefühl, dass sich Ihre Wahrnehmung verändert hat?
  • Fühlen Sie sich beobachtet, bedroht oder verfolgt?
  • Ziehen Sie sich zunehmend von anderen Menschen zurück?
  • Haben Sie Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen oder fühlen Sie sich schnell überfordert?
  • Haben sich Ihre Leistungen in der Schule, Ausbildung oder im Beruf deutlich verändert?

Diese Beschwerden können frühe Hinweise auf eine psychotische Krise sein. Sie können jedoch auch andere Ursachen haben. Deshalb ist eine fachliche Abklärung wichtig.

Psychotische Krisen können eigenständig auftreten oder im Zusammenhang mit anderen psychischen oder körperlichen Erkrankungen entstehen.

Erkrankungen, bei denen psychotische Symptome auftreten können

Psychotische Symptome können unter anderem im Rahmen folgender Erkrankungen auftreten:

  • Schizophrenie und andere Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis
  • Bipolare Störung mit psychotischen Symptomen
  • Schwere Depression mit psychotischen Symptomen
  • Organisch bedingte psychotische Störungen (z. B. infolge neurologischer Erkrankungen oder anderer körperlicher Ursachen)

Schizophrenie

Mit dem Begriff Schizophrenie sind viele Vorurteile und Missverständnisse verbunden. Tatsächlich handelt es sich um eine psychische Erkrankung, die sehr unterschiedlich verlaufen kann. Art, Ausprägung und Dauer der Beschwerden unterscheiden sich von Mensch zu Mensch.

Menschen mit einer Schizophrenie können beispielsweise von Überzeugungen ausgehen, die andere Menschen nicht teilen (Wahn), oder Stimmen hören, die für andere nicht wahrnehmbar sind (akustische Halluzinationen). Daneben können Denkstörungen, Konzentrationsprobleme, sozialer Rückzug oder Veränderungen des Gefühlslebens auftreten. Nicht alle Betroffenen erleben dieselben Symptome, und sie treten in sehr unterschiedlichen Kombinationen und Ausprägungen auf.

Viele Menschen mit einer Schizophrenie führen mit der passenden Behandlung ein selbstbestimmtes, erfülltes und sinnstiftendes Leben.

Wie entsteht Schizophrenie?

Die Entstehung einer Schizophrenie ist bis heute nicht vollständig geklärt. Nach heutigem Wissen entsteht sie durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren. Hierzu zählen genetische Veranlagungen, belastende Lebensereignisse, Umweltfaktoren und neurobiologische Prozesse.

Viele Fachleute gehen vom sogenannten Vulnerabilitäts-Stress-Modell aus. Danach besitzen manche Menschen eine erhöhte biologische oder psychische Verletzlichkeit (Vulnerabilität). Treffen belastende Lebensumstände auf diese erhöhte Empfindlichkeit, kann das die Entstehung einer psychotischen Krise begünstigen.

Etwa 0,8 bis 1 Prozent der Bevölkerung erkrankt im Laufe des Lebens an einer Schizophrenie. In Deutschland betrifft dies mehrere Hunderttausend Menschen.

Behandlung von Schizophrenie

Psychotische Krisen und Schizophrenien sind heute gut behandelbar. Die Behandlung besteht häufig aus einer Kombination verschiedener Verfahren, beispielsweise:

  • Psychoedukation
  • Psychotherapie
  • antipsychotischer Medikation
  • Unterstützung im Alltag sowie sozial- und ergotherapeutischen Angeboten

Je früher eine Behandlung beginnt, desto besser sind häufig die Chancen auf eine gute Stabilisierung und Genesung.

Was ist der Unterschied zwischen Psychose und Schizophrenie?

Die Begriffe werden häufig verwechselt, bezeichnen aber unterschiedliche Dinge.
Psychose beschreibt einen Zustand, in dem der Bezug zur Realität vorübergehend verändert ist. Typische Symptome sind Wahnvorstellungen, Halluzinationen oder ausgeprägte Denkstörungen. Eine Psychose kann bei verschiedenen Erkrankungen auftreten und muss nicht zwangsläufig eine Schizophrenie sein. Schizophrenie ist eine spezifische psychische Erkrankung, bei der psychotische Episoden auftreten können. Darüber hinaus gehören häufig Veränderungen des Denkens, der Wahrnehmung, der Gefühle und des Antriebs zum Krankheitsbild.