Gebärmutterhalskrebs: Diagnostik und Behandlung

Gebärmutterhalskrebs entwickelt sich meist über Jahre aus Krebsvorstufen. Eine frühzeitige Diagnose und individuell abgestimmte Behandlung sind entscheidend. Wir begleiten Sie mit moderner Diagnostik und verschiedenen Therapie- und Operationsverfahren.

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Was ist der Gebärmutterhals und wo befindet er sich?

Als Gebärmutterhals (im medizinischen Sprachgebrauch „die Zervix“) bezeichnet man den untersten Teil der Gebärmutter. Er ragt in die Scheide hinein und ist dort in der Tiefe tastbar. In der Mitte des Gebärmutterhalses befindet sich eine Öffnung (im medizinischen Sprachgebrauch „der Zervikalkanal“ genannt), die Scheide und Gebärmutterinneres miteinander verbindet. Sie ist meistens verschlossen, öffnet sich aber ein wenig zur Menstruation oder vollständig zur Geburt eines Kindes.

Was ist Gebärmutterhalskrebs?

Gebärmutterhalskrebs und seine Vorstufen sind bösartige Erkrankungen der oberflächlichen Zellschichten des Gebärmutterhalses. Im Bereich des Gebärmutterhalses treffen die Schleimhaut der Scheide und die des Gebärmutterhalses aufeinander. In dieser Grenzschicht, der sogenannten Transformationszone, entstehen die bösartigen Veränderungen des Gebärmutterhalses.

Was sind Gebärmutterhalskrebsvorstufen?

Man unterscheidet die Krebsvorstufen (im medizinischen Sprachgebrauch CIN = cervikale intraepitheliale Neoplasie) von den invasiven Krebserkrankungen (im medizinischen Sprachgebrauch Zervixkarzinome). Die Krebsvorstufen bzw. CINs können sich spontan, also ganz von alleine, zurückbilden. Die Wahrscheinlichkeit hängt von dem Schweregrad der Krebsvorstufe ab. Sie werden eingeteilt in CIN I, II und III.

CIN I: Leichte Veränderungen am Gebärmutterhals 57% spontane Rückbildung 11% Übergang zu CIN III (ohne Therapie) 1% Übergang zu einem invasiven Gebärmutterhalskrebs (ohne Therapie)
CIN II: Mittelschwere Veränderungen am Gebärmutterhals 43% spontane Rückbildung 22% Übergang zu CIN III (ohne Therapie) 5% Übergang zu einem invasiven Gebärmutterhalskrebs (ohne Therapie)
CIN III: Schwere Veränderungen am Gebärmutterhals 32% spontane Rückbildung 12% Übergang zu einem invasiven Gebärmutterhalskrebs (ohne Therapie)  

Wie entwickelt sich Gebärmutterhalskrebs?

Der Gebärmutterhalskrebs entsteht in den meisten Fällen langsam über Jahre aus den Vorstufen – also über leichte Veränderungen der Gebärmutterhalszellen zu schweren bis zu einem invasiven Tumor.

Warum entsteht Gebärmutterhalskrebs? Gibt es Risikofaktoren und Vorbeugungsmaßnahmen?

Die Ursachen für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs sind noch nicht vollständig geklärt. Die Entstehung ist multifaktoriell, das heißt mehrere Faktoren und deren Zusammenspiel sind entscheidend. Der wichtigste Risikofaktor ist eine Infektion mit bestimmten HP-Viren (Humane Papilloma-Viren). Diese werden beim Geschlechtsverkehr übertragen, dringen in die Zellen des Gebärmutterhalses ein, verbleiben dort und führen zu Veränderungen in den Zellen. In nahezu jedem Gebärmutterhalskrebs finden sich HP-Viren. Jedoch erkrankt nur ein Bruchteil der Frauen (ca. 3%), bei denen eine HPV-Infektion vorliegt, an einer bösartigen Erkrankung des Gebärmutterhalses. Schützen kann man sich durch die Verwendung von Kondomen und durch eine Impfung gegen HP-Viren.

Weitere Risikofaktoren sind Rauchen und eine Abschwächung der Immunabwehr.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind sehr wichtig

Gebärmutterhalskrebs macht anfangs keine Beschwerden. Erst wenn der Tumor relativ groß ist, kommt es zu Blutungsstörungen, übelriechendem Ausfluss oder Rückenschmerzen.

Was passiert, wenn man einen auffälligen Krebsvorsorgeabstrich hat?

Auffällige Krebsabstrichbefunde werden in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Die Einteilung reicht von Zellveränderungen im Sinne einer Entzündung, die lediglich kontrolliert werden müssen, bis zu nahezu eindeutig bösartigen Veränderungen.

Zur weiteren Diagnostik wird Ihre Frauenärzt*in den Gebärmutterhals mit dem Kolposkop, einem speziellen Mikroskop, begutachten. Zeigen sich auffällige Bereiche, können Probebiopsien entnommen werden. Außerdem wird in der Regel ein Abstrich auf HP-Viren entnommen. Die Untersuchung und die Probeentnahme werden auf dem gynäkologischen Stuhl durchgeführt und sind nicht schmerzhaft. Eine Narkose ist nicht notwendig. Diese Untersuchungen werden in einer speziellen Dysplasie-Sprechstunde durchgeführt.

„In der gynäkologischen Onkologie verbinden wir moderne, leitliniengerechte Medizin mit einer individuellen Betreuung. Mir ist wichtig, dass unsere Patientinnen verständlich über ihre Behandlungsmöglichkeiten informiert werden und wir gemeinsam mit den beteiligten Fachdisziplinen den bestmöglichen Behandlungsweg für sie finden“
Zitat von: Dr. med. Nicolle ReinholdPosition: Chefärztin der Gynäkologie und Gynäkologischen Onkologie und Leiterin des Gynäkologischem Krebszentrum am Vivantes Klinikum im Friedrichshain

Welche Behandlungsoptionen gibt es bei Krebsvorstufen des Gebärmutterhalses?

Wird eine Krebsvorstufe schweren Grades (CIN III) diagnostiziert, muss eine sogenannte Konisation (LOOP) durchgeführt werden. Das ist eine Operation, bei der von der Scheide aus ein Teil des Gebärmutterhalses und die darin enthaltene Krebsvorstufe per Strom oder Laser entfernt werden. Bei den leichteren Krebsvorstufen CIN I und CIN II werden meist lediglich regelmäßige Kontrollen durchgeführt, da sie eine gute Chance haben, sich zurückzubilden.

Welche Behandlungsoptionen gibt es bei Gebärmutterhalskrebs?

Wird ein Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert, sind in der Regel weitere Untersuchungen zur Ausbreitungsdiagnostik notwendig. Es gibt drei grundsätzliche Möglichkeiten, den Gebärmutterhalskrebs zu behandeln:

  1. durch eine Operation
  2. durch eine Strahlentherapie
  3. durch eine Chemotherapie oder Antikörpertherapie

Die Therapie des Gebärmutterhalskrebses erfolgt stadienabhängig. Die Stadien reichen von I bis IV und hängen von der Größe des Tumors, der Ausbreitung im Becken, dem Lymphknotenbefall und dem Vorliegen von Metastasen, sogenannten Tochtergeschwulsten, ab.

Bei sehr kleinen Tumoren, sogenannten Mikrokarzinomen, ist eine Konisation oder eine einfache Gebärmutterentfernung ausreichend. Besteht noch ein Kinderwunsch, kann unter Umständen eine sogenannte Trachelektomie durchgeführt werden. Das ist eine OP,  bei der der Gebärmutterkörper erhalten bleibt und damit eine Schwangerschaft weiterhin möglich ist.

Die Eierstöcke bleiben in der Regel erhalten. Dies hängt zum Teil von der histologischen Differenzierung des Tumors ab.

Die Operation kann entweder per Bauchschnitt oder auch laparoskopisch (per Bauchspiegelung) durchgeführt werden. Auch roboter-assistierte Chirurgie mit dem DaVinci-Operationssystem kann zum Einsatz kommen. Wir wenden verschiedene Operationsverfahren an, auch TMMR (Totale mesometriale Resektion). Die TMMR ist eine neue, in Leipzig entwickelte Operation, die sich an der embryonalgeschichtlichen Entwicklung der Beckenorgane orientiert.

Ist der Tumor in die Harnblase und/oder den Enddarm eingewachsen, kann nach entsprechender Vordiagnostik und bei ausgewählten Fällen eine sogenannte Exenteration durchgeführt werden. Dabei werden zusätzlich zu den o.g. Organen die Scheide, die Harnblase und/oder der Enddarm komplett entfernt. Es werden dann eine neue Blase und ein künstlicher Darmausgang angelegt. Diese besonders invasive Operation erfordert ausführliche Vorgespräche und das Abwägen von Vor- und Nachteilen.

Das Sentinellymphknotenverfahren, ein sogenanntes Wächterlymphknotenverfahren, ist bei Gebärmutterhalskrebs noch nicht ausreichend untersucht und wird nur im Rahmen von Studien durchgeführt.

Chemotherapie bei Gebärmutterhalskrebs

Bei einer Krebserkrankung ist nach feingeweblicher Untersuchung des entnommenen Gewebes je nach Art und Stadium des bösartigen Tumors eine anschließende Chemotherapie indiziert.

Dabei handelt es sich um Medikamente (Zytostatika), welche über die Blutgefäße als Tropf (intravenös oder über ein Portsystem) verabreicht werden und zu einer Zerstörung von Tumorzellen führen. Diese Medikamente hemmen bevorzugt das Wachstum und die Zellteilung der Krebszellen, da diese Vorgänge bei diesen Zellen schneller als in anderen gesunden Geweben des Organismus ablaufen.

Aber auch gesunde Körperzellen mit hoher Wachstumsrate können angegriffen werden, was die möglichen Nebenwirkungen wie Haarausfall durch Schädigung der Haarwurzeln, Erbrechen und Durchfall durch Beeinträchtigung der Magen- und Darmschleimhautzellen, Fieber und Infektanfälligkeit durch Schädigung von Knochenmarkzellen oder Sensibilitätsstörungen erklärt.

Gebärmutterhalskrebs: Diagnostik und Behandlung in Berlin

Wir bieten alle diagnostischen und therapeutischen Methoden, um Sie optimal zu behandeln und individuell zu betreuen. Wir beraten Sie gern. Vereinbaren Sie hierzu einfach einen Termin in unserer Sprechstunde.

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